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»Gehen Sie zu Ihren Pferden!« sagte er zu Mrs. Lantzman und deren Tochter. Sie eilten davon. Er blickte kurz auf den Hauptmann, der – es war kaum zu fassen – zu lachen schien und ihnen dann folgte.

Charles wandte sich um und betrachtete das Kornfeld. Würde er, würden sie alle dort umkommen? Unvermutet, wie ein gewaltig anschwellender Fluß im Frühling, stieg ein unbändiger Lebenswille in ihm auf. Die Lage war ohnehin beinahe hoffnungslos, er hatte nichts mehr zu verlieren und konnte deshalb kühn handeln. Die Dreckkruste auf seinem bärtigen Gesicht zerbarst, als er plötzlich grinste.

Einige der Männer sahen dies und fingen ihrerseits an zu lächeln. Charles wurde bewußt, daß er eben das Geheimnis eines guten Offiziers in einer aussichtslosen Lage entdeckt hatte. Vielleicht würde er überleben und es wieder anwenden können?

Er blickte jeden einzelnen der Männer an, um ihnen zu zeigen, daß nun der Moment gekommen war. Dann schwang er seinen Revolver über den Kopf und feuerte.

Als der Schuß losging, ließen die Komantschen alles stehen und liegen. Charles hörte, wie die Pferde auf der Koppel in Bewegung gerieten und kurz darauf einer der Lantzman-Jungen »Hü!« schrie.

Die Pferde galoppierten davon. Einige landeten im Fluß, gerade bevor der erste Schuß der Komantschen fiel. Die Indianer hatten zwar kein klares Ziel, aber es war ihnen offensichtlich klar, daß etwas nicht stimmte.

Charles gab nochmals zwei Schüsse ab. Als Antwort auf das Signal tauchten die Kavalleristen die Fackeln in die glimmende Asche. Die Lumpen fingen langsam Feuer. Jeder der Männer eilte zu einem vorher bestimmten Ort nach rechts oder nach links und zündete das Kornfeld an. In der Mitte sollte ein etwa fünfzehn Meter breiter Streifen frei bleiben. Charles hoffte, es würde lange genug windstill bleiben, damit sie alle auf diesem Streifen fliehen könnten.

Er sprang auf sein Pferd. Die Flammen schossen bereits in den Himmel; das Feuer breitete sich rascher aus, als er vermutet hatte. Er ritt zur Stelle, wo der Fluchtstreifen anfing, und erteilte den Befehclass="underline" »Zweierkolonne, traben, los!«

Von jeder Seite des Hauses her ritten die Männer herbei und bildeten rasch die Zweierkolonne. Charles hatte die erfahrensten Reiter an die Spitze und die Lantzmans in die Mitte des Zuges befohlen.

Männer und Pferde trabten auf den Streifen los, dessen Öffnung bereits durch das sich rasch ausbreitende Feuer gefährdet schien. Das leichte Geräusch von plätscherndem Wasser teilte Charles mit, daß die Komantschen dabei waren, den Fluß zu überqueren. »Beeilt Euch, verdammt noch mal!« schrie er den Männern mit den Fackeln zu. Sie bestiegen ihre Pferde und trabten auf den Streifen los. Charles fühlte die Hitze des Feuers im Rücken. Bents Pferd scheute, aber er zwang es vorwärts.

Zu beiden Seiten des Wegs schlugen die Flammen empor und züngelten immer näher aufeinander zu. An einer Ecke des Hauses tauchte ein Indianer in Kriegsbemalung auf. Charles schoß ihn nieder. Dann gab er seinem Rotschimmel die Sporen und lenkte ihn zwischen den beiden Feuern durch. Sich tief über den Hals seines Pferdes beugend, erkannte er Bent, der etwa zwanzig Meter vor ihm ritt. Über den Hauptmann hinaus vermochte Charles nur noch schemenhafte Gestalten zu erkennen.

Eine Flamme züngelte an Bents Ärmel. Rauch stieg auf. Der Hauptmann ließ einen Schrei los und schlug sich auf den Ärmel, um das Feuer zu ersticken. Sein Pferd trabte aus dem brennenden Kornfeld in die Dunkelheit hinein, wo Ostrander die Kolonne zusammenhalten und im Galopp davonführen sollte. Charles hoffte, daß der Korporal noch am Leben war.

Beißender Rauch stieg ihm nun von allen Seiten her in die Nase. Das Kornfeld brannte jetzt lichterloh, und schon züngelten Flammen auf dem Weg vor ihm. Charles beugte sich so tief über sein Pferd, daß er glaubte, die Rippen müßten ihm zerspringen. Er flüsterte seinem Rotschimmel kurz vor der Feuerwand ermutigende Worte zu. Das Pferd setzte furchtlos zum Sprung an. Das Feuer blendete Charles, und die Hitze schürfte ihm die Wangen auf. Doch dann waren sie bereits hindurch und in der kühlen Dunkelheit.

Der Schimmel setzte sicher, aber hart auf. Charles wankte im Sattel, konnte sich aber halten. Keine Sekunde später tauchte ein Schreckgespenst vor ihm auf – das gelbverschmierte Gesicht eines Komantschen, der mit hoch erhobenem Kriegsbeil auf Charles losstürmte. Charles gab dem Rotschimmel die Sporen. Der Indianer warf sein Beil mit einem schnellen Armschwung. Es verfehlte Charles’ Bein, traf aber die Flanke des Rotschimmels, der schrill wieherte und scheute. Charles flog aus dem Sattel.

Noch im Fallen richtete er den Revolver auf die Brust des Angreifers und drückte ab. Der Indianer flog rücklings in das Kornfeld. Binnen Sekunden brannte er von Kopf bis Fuß.

Charles lag unter dem keuchenden, wiehernden Pferd. Er befreite ein Bein und gab die beiden noch verbleibenden Schüsse in den Kopf des sterbenden Tieres ab.

Charles sah sich um, konnte jedoch keinen seiner Männer sehen. Er wurde von Panik erfaßt. Dann rannte er los. Er erinnerte sich, daß der letzte Reiter der Kolonne der Hauptmann gewesen war. »Bent!« schrie er, »Bent, helfen Sie mir!«

Er keuchte weiter. Hatte der Hauptmann ihn hören können? Hatte ihn irgend jemand gehört?

Er wandte sich nach dem Feuer um. Es hatte sich ausgebreitet und bildete auf einer Breite von etwa achthundert Metern eine Lichtwand. Die Flammen hatten gerade den letzten Rest von Lantzmans Feld verschlungen und griffen nun auf das trockene Präriegras über.

Ein bitteres Lächeln umspielte seine rußigen Mundwinkel. Er hatte erwartet, daß das Feuer den Komantschen, die über den Fluß kommen würden, den Weg abschneiden würde. Jetzt hörte er sie hinter der Feuerwand wüten und toben. Die Wachposten auf der andern Seite hatten das kleinere Risiko dargestellt. Einen davon hatte er erledigt, aber es mußten wohl noch mehr …

»Leutnant! Achtung!«

Der Schrei kam von einem Kavalleristen, der seinen Hilferuf gehört hatte und umgekehrt war. Als Charles sich nach der verschwommenen Reitergestalt umdrehte, stieß er einen schweren Seufzer aus: Ein Komantsche lief mit einer Lanze auf ihn zu.

Charles wirbelte herum. Sein Revolver war leer. Er konnte den Stoß der Lanze nur gerade so weit abwenden, daß er nicht durchbohrt wurde. Die eiserne Spitze traf ihn an der Schulter.

Der Indianer war dicht an Charles herangekommen. Charles zog mit der linken Hand das Messer. Der bemalte Mund verzerrte sich; der Indianer konnte nicht mehr schnell genug ausweichen. Charles rammte ihm das Messer bis an das Heft in die Magengrube und zog es dann mit einem Ruck heraus.

Der Komantsche taumelte seitwärts. Mit einem Wutschrei versuchte er nochmals, mit der Lanze zuzustoßen. Charles sprang jedoch zur Seite und wartete auf den Zusammenbruch des Kriegers. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Komantsche schließlich hinfiel.

Dann setzte bei Charles die Reaktion ein: Schwindel, Zittern, Augentrübung. Er konnte den Soldaten, der auf seinen Hilferuf zurückgeritten war, nicht erkennen. »Bent?«

»Nein, Sir, ich bin Gefreiter Tannen. Hauptmann Bent ist weitergeritten.«

Nachdem er mich um Hilfe rufen hörte.

»Steigen Sie auf, Sir«, sagte der Gefreite. »Wir schaffen es – wir werden es alle schaffen.«

Sie folgten der flüchtenden Kolonne. Charles hielt sich am Leibgurt des Gefreiten fest und ritt mit geschlossenen Augen. Schock und Erleichterung mischten sich in sein Schweigen.

Die Komantschen verfolgten sie beinahe eine Stunde lang durch die Dunkelheit, kamen jedoch nie auf Schußweite heran. Schließlich war ihr Kriegsgeschrei kaum noch zu hören, sie hatten offensichtlich die hoffnungslose Jagd aufgegeben.

Die Kolonne ritt noch eine Stunde lang weiter und legte dann einen Halt ein, um sich etwas auszuruhen. Wunderbarerweise war es nur zu einigen wenigen Verletzungen gekommen, leichte Fleischwunden, wie diejenige von Charles. Trotz ihres schrecklichen Erlebnisses freuten sich die Lantzmans, und auch die Kavalleristen lachten und lärmten. Einige beglückwünschten Charles zum Erfolg seines wagemutigen Plans.