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»Wir haben unsere Prinzipien«, unterbrach sie Justin. »Die sind wichtiger als Fabriken.« Er packte ihren Unterarm. George sah, wie sie sich wand. »Aber ich bin sicher, daß der Herr Senator nicht an einer weiblichen Meinung interessiert ist.«

Calhoun, den die Wut in LaMottes Augen erschreckte, wollte freundlich sein. »Oh, ich interessiere mich immer für die Meinung meiner Wähler, wer auch immer …«

Justin ließ ihn nicht ausreden. »Komm, Liebes. Jemand möchte dich sprechen.« Seine Wangen waren rotgefleckt, sein Lächeln eiskalt.

Sie deutete auf seinen eisernen Griff. »Bitte, Justin …«

»Komm mit!«

Er verstärkte den Druck auf ihren Arm, so daß sie sich umdrehen mußte. Francis folgte ihnen, als sie weggingen. George warf seinem Freund einen warnenden Blick zu. Einen Augenblick lang glaubte er, Orry würde einen Mord begehen. Dann machte Calhoun einen Witz; die Spannung löste sich, die Krise war vorbei.

Unterdessen hatte Justin Madeline auf die andere Seite des Rasens gezerrt, dort, wo die Kutschen in langen Reihen standen. Er wußte, daß die Leute sie beobachteten, aber er war zu wütend, um sich darum zu kümmern. Francis bat ihn, sich zu beruhigen. Justin fluchte nur und befahl seinem Bruder, ihn in Ruhe zu lassen. Gekränkt kehrte Francis zur Menge zurück.

Justin schob seine Frau gegen das hohe Hinterrad einer Kutsche. Die Radnabe fuhr wie ein Dolch in ihren Rücken. Sie atmete schwer.

»Laß mich los. Du hast kein Recht, mich zu behandeln wie – «

»Ich habe jedes Recht«, sagte er. »Ich bin dein Ehemann. Du erniedrigst mich vor dem Senator und meinen Freunden.«

Sie starrte ihn an, ihr Gesicht wurde rot. »O Verzeihung, ich wußte nicht, daß es in South Carolina ein Verbrechen ist, anderer Meinung zu sein. Es war mir nicht bewußt, daß die Redefreiheit – «

»Komm mir nicht damit!« Er packte sie am Arm und stieß sie wieder gegen die Nabe. Sie gab einen leisen Schrei von sich und blickte ihn dann voller Abscheu an.

»Du Ekel. Es geht dir nur um deinen verdammten Ruf und nicht um die Gefühle von Menschen, die du verletzt, wenn es dir gerade einfällt. Nach unserer Hochzeitsnacht wurde mir bereits einiges klar. Jetzt habe ich keine Zweifel mehr. Und ich könnte deinen kostbaren Ruf auf immer zerstören.« Doch trotz ihrer Wut wußte sie, daß sie es nicht tun würde.

Justin hatte die Kontrolle völlig verloren. Sogar Madelines Widerstand – etwas, das ihn bei einer Frau überraschte – konnte seine Wut nicht mehr bremsen. Er schüttelte sie wieder.

»Und ich sage dir etwas, an dem es ebenso wenig Zweifel gibt, meine Liebe. Du bist eine Ehefrau. Das heißt mit andern Worten, daß du keinerlei Recht hast, deine Meinung zu irgendeinem wesentlichen Thema zu äußern. In diesem Teil der Welt nehmen Frauen mit intellektuellen Ambitionen ein schlechtes Ende – eine Lektion, die dir dein verstorbener Vater hätte beibringen sollen.«

»Er hat mich gelehrt, daß es kein Unrecht ist, wenn eine Frau selbständig denken – «

»Die Irrtümer deines Vaters interessieren mich nicht. Abgesehen davon bin ich dankbar, daß ich die Frage nie mit ihm besprechen mußte. Ich wäre sonst vielleicht gezwungen gewesen, ihn niederzuschlagen.«

Mit einem Ruck befreite sie ihren Unterarm und hielt ihn vor die Brust. »Das ist alles, was du kannst, nicht wahr? Die, die nicht mit dir einverstanden sind, zu schlagen und die andern niederzutrampeln.«

»Nenn es, wie du willst, aber bedenke eins: Frauen sind nicht zum Denken da. Die Grinme-Schwestern mußten diesen Staat verlassen, weil sie diese Lektion nicht lernen wollten. Jetzt sind sie im Norden und predigen Niggerfreiheit und freie Liebe und bringen Schmach über sich und ihr Geschlecht. Ich dulde keine Frau, die sich so benimmt. Du mußt wissen, wo du hingehörst, und dabei bleiben. Und noch eins verspreche ich dir.« Er kam näher. Sein seidenweiches, braunes Haar fiel ihm in die Stirn. Ihr Trotz wandelte sich in Furcht, als sie seine Augen sah. »Solltest du jemals wieder etwas in der Öffentlichkeit sagen und mich in Verlegenheit bringen, wie du es vorhin getan hast, dann wirst du leiden. Dies sei dir eine Warnung.«

Er richtete sich wieder auf und strich sich das Haar aus der Stirn. Dann kehrte er zum Picknick zurück und versuchte zu lächeln, als ob nichts geschehen wäre. Doch etwas in ihrer Beziehung hatte sich geändert, und beide wußten es. Sie waren einander zu nahe getreten, hatten den wunden Punkt beim andern ans Tageslicht gezerrt.

»Ekel«, flüsterte Madeline erneut. Welch grausam süßer Triumph, wenn sie Justin das sagen würde, was ihr Vater ihr auf dem Sterbebett anvertraut hatte. Wenn sie ihm jedes einzelne Wort wiederholen würde!

Sie lehnte sich an das Rad und versuchte ihre Tränen zurückzuhalten. Sie wußte nicht, was schlimmer war: die Demütigung, die Wut oder die Gewißheit, daß Justins Worte nicht in den Wind gesprochen waren.

Orry sah aus der Entfernung zu. Er war selten so angespannt und frustriert gewesen. Er wollte eingreifen, Madeline retten und LaMotte schlagen, bis ihm die Sinne vergingen. Doch sie war durch Standesamt und Traualtar an ihren Ehemann gebunden. Sie war eine Ehefrau. Justins Eigentum. Würde Orry auf seine Instinkte hören, hätte er die Lage für sie nur noch verschlimmert. Als Madeline, ohne sich etwas anmerken zu lassen, zu den tuschelnden Leuten zurückging, bewunderte er ihre Tapferkeit. Im stillen verurteilte er die abschätzigen Blicke, die sie ihr hinter ihrem Rücken zuwarfen. George bemerkte seine Erregung und auch Cooper, dem bereits Gerüchte über Madelines Streit mit Calhoun zu Ohren gekommen waren, entging sie nicht. Beide wollten mit Orry Spazierengehen, aber er ließ sie stehen. Nachdem Orry während einigen Minuten ziellos umhergewandert war, bemerkte er schließlich, wie Madeline allein dastand. Er warf seine Vorsicht über Bord und tat, was seine Gefühle schon während einer ganzen Stunde tun wollten. Er ging direkt auf sie zu.

»Ist alles in Ordnung?«

»Ja, ja.« Es stimmte nicht, sie kochte vor Wut. »Man darf uns nicht miteinander sehen.«

»Ich liebe Sie«, sagte er. Sein Blick war auf seine Stiefelspitzen gerichtet; ihm war sehr heiß. »Ich kann nicht mitansehen, wie man Sie schlecht behandelt. Treffen wir uns morgen. Oder übermorgen. Bitte!«

Sie zögerte keinen Augenblick. »Einverstanden. Übermorgen. Wo?«

Schnell erklärte er ihr den ersten sicheren Ort, der ihm in den Sinn kam. Er war gerade damit zu Ende, als sie den Atem tief einzog. »Es kommt jemand.«

Er flüsterte ihr noch die Stunde zu, und sie hastete davon. Er eilte in die entgegengesetzte Richtung; sein Herz klopfte vor Angst und Freude.

Nathanael Greene war für die meiste Zeit seines Erwachsenenlebens das Eigentum von John C. Calhoun gewesen. Er war jetzt sechsunddreißig; die Mühsal des Reisens und die Notwendigkeit, sich mit Sklaven niedrigeren Ranges abgeben zu müssen, waren ihm gleichermaßen verhaßt.

Sein Stolz hatte zwei Ursachen. Sein Herr war einer der berühmten Männer der Nation, und Greene diente ihm als Haussklave – ein weit höherer Rang als derjenige der Sklaven, die auf dem Feld arbeiteten.

Greene war im tiefen Süden geboren, doch verabscheute er die Hitze, den Gestank und die insektenverseuchten Sümpfe. Er sehnte sich nach den vertrauten Hügeln von Clemson, nach dem kühlen, kleinen Haus von Calhoun, mit den Blumenbeeten und den wilden Orangenbäumen. In Mont Royal fühlte er sich unsicher, und diese Unsicherheit brachte manchmal eine gewisse Gemeinheit zum Vorschein.