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Constance deckte den Tisch, und George ging mit ihrem Vater auf einen Spaziergang. Die notwendige Frage war für den Rechtsanwalt keine Überraschung.

»Ich habe mir gedacht, daß ihr beide bald heiraten möchtet. Constance hat sich seit Tagen auf Ihre Ankunft vorbereitet. Haben Sie all die Godey-Zeitschriften auf ihrem Nähtisch gesehen? Die Schnittmuster und das Zeug? Sie hat mich mit ihren Säumen und Fingerhüten ganz verrückt gemacht – wenn das nicht Liebe ist, dann weiß ich auch nicht, was es ist.«

Flynn versteckte die Hände in den weiten Ärmeln seines Mantels. »Ich habe keinen grundsätzlichen Einwand gegen eine Heirat. Aber ich habe eine sehr ernsthafte Frage.«

Er hielt mitten auf der Straße an und sah George direkt ins Gesicht. »Was ist mit Eurer unterschiedlichen Religion?«

»Ich werde mit Constance über ihre Wünsche reden, Sir. Ich werde alles tun, was nötig ist.«

»Schön. Aber wird Ihre Familie sie aufnehmen?«

»Ich bin sicher«, log George.

»Dann können Sie sie haben.«

»Oh, Sir, danke – «

»Unter einer Bedingung!« Der hocherhobene Zeigefinger von Flynn warf einen knochigen Schatten auf den Boden. Plötzlich zeigte er auf den baumlosen Horizont. »Heiraten Sie sie im Norden. Dieser Ort ist zu düster für eine Hochzeit. Abgesehen davon, würde ich gern eine Reise machen. Ich habe genug davon, die Leute immer sagen zu hören, daß die Yankees des Teufels sind. Eine neue Sicht der Dinge drängt sich auf.«

»Die werden Sie bekommen«, versprach George mit einem Grinsen. Beide gingen zurück zum Abendessen.

Später an jenem Abend gingen die beiden Liebenden Hand in Hand am Strand spazieren. Constance hatte sich in ein langes, pelzverbrämtes Cape gehüllt, die aber eher dekorativ als praktisch war. George legte den Arm um sie, um ihr soviel Wärme wie möglich zu geben. Vom Hafen her wehte eine frische Brise. Sterne spiegelten sich schimmernd im Fluß, und kleine, weiße Wellen kräuselten den Golf.

»Im Norden wird es sehr viel kälter, als es jetzt hier ist«, sagte er. »Du wirst das Klima vermissen, befürchte ist.«

»Dann wirst du dich anstrengen müssen, um mir im Bett warm zu geben.«

Er räusperte sich, um die Verlegenheit, die ihre Bemerkung ausgelöst hatte, zu verbergen. Sie sagte, was sie dachte – eine der Eigenschaften, die er an ihr liebte –, und so schockierte sie die konventionelleren Menschen des öfteren. Vielleicht hatte ihr Siedlerleben zu dieser Direktheit beigetragen. Er hoffte, daß seine Familie Verständnis haben würde.

»Eigentlich«, fuhr sie fort, »freue ich mich, an einen Ort zu gehen, wo man nicht erst 500 Meilen zurücklegen muß, um einem Gegner der Sklaverei zu begegnen. Vielleicht befasse ich mich mehr mit dem Thema, wenn wir verheiratet sind.« Sie hielten auf einer Düne an und blickten über den endlosen Golf. »Glaubst du, daß deine Familie etwas dagegen haben könnte?«

Er lächelte. »Würdest du denn in diesem Fall damit aufhören?«

»Nein, ich glaube nicht einmal, daß ich das dir zuliebe tun könnte.«

»Gut. Wenn ja, dann wärst du nicht das Mädchen, in das ich mich verliebt habe.« Er küßte sie auf die Wangen.

»Du hast meine Frage in bezug auf deine Familie nicht beantwortet.«

»Constance, wenn wir verheiratet sind, bist du meine Familie. Nur du, und vielleicht noch jemand, der uns beiden gehört.«

Befriedigt mit der Antwort, näherte sie ihren Mund dem seinen und flüsterte: »Ich werde mir Mühe geben, dich nicht zu enttäuschen.«

»Du kannst mich gar nicht enttäuschen, ich liebe dich.«

Er stellte sich hinter sie und legte die Arme um ihre Taille. Er stand auf ihrem Rock, aber es machte ihr nichts aus. Sie lehnte sich an ihn. Er legte seine Hände auf die Unterseite ihrer Brüste. Er hatte Angst, sie könnte ihm böse sein, aber sie legte ihre Hände auf die seinen, so daß sich der Druck verstärkte.

»Es ist sehr schön hier«, sagte George. »Du wirst es vermissen.«

»Ich weiß, daß ich es vermissen werde, aber dich würde ich mehr vermissen.«

Sie sah ihn an. Mit ernster und weicher Stimme sagte sie: »…Wo du weilst, will auch ich weilen; dein Volk ist mein Volk. Das erste Kapitel aus dem Buch Ruth.« Wieder küßte sie ihn sanft. »Ich habe es so oft gelesen, als du weg warst, daß ich es auswendig kann.«

Sie lachten beide. Ihre Stirnen berührten sich. Ihr rotes Haar umflatterte sie wie ein Schleier. Auf dem Nachhauseweg unterhielten sie sich über Praktisches, vor allem über die Hochzeitsvorbereitungen. George sagte, daß er Orry gern als Trauzeugen hätte.

»Er kommt sicher, nicht wahr?«

»Ich bin nicht sicher«, sagte George nachdenklich. »Der Krieg hat ihm mehr als nur einen Arm genommen. Ich mache mir Sorgen um ihn. Obwohl ich eigentlich keine Lust habe, werde ich auf dem Heimweg kurz in Mont Royal vorbeischauen.«

15

Mehrere Meilen unterhalb der Plantage nahm George Rauch wahr. Der ohnehin düstere Novemberhimmel verdunkelte sich. Beunruhigt fragte er den Kapitän des Schiffes, ob eines der Gebäude in Brand geraten sei.

Der Kapitän sah ihn herablassend an. »Glaube ich nicht, Sir. Ich vermute, daß sie die Stoppelfelder abbrennen.«

In der Luft hörte man das Krächzen von Vögeln. Schwarze Wellen türmten sich auf. George begann zu husten. Als das Schiff anlegte, war kein Orry zu sehen, obwohl George ihm geschrieben hatte, daß er kommen würde.

Er wußte nicht, ob die Post oder der Zustand seines Freundes daran schuld waren. Er begab sich an Land; der Rauch reizte seine Augen und seinen Hals. Er hatte das Gefühl, wieder in einer Kriegszone zu sein.

Eine Gestalt sprang hinter einem riesigen Stapel von Reisfässern hervor. George ging in Abwehrstellung und hielt den Atem an. Dann lächelte er.

»Du hast mich zu Tode erschreckt, Charles.«

»Oh«, sagte der Junge. »Ich dachte, du hättest mich da oben gesehen.« Vetter Charles entschuldigte sich nicht, sondern fuhr gleich fort: »Orry hat mich geschickt. Er arbeitet in Hull Square.« Mit einem riesigen Jagdmesser kratzte er etwas Schmutz unter einem Fingernagel hervor.

Ein älterer Dienstbote eilte über den Pier auf sie zu. Charles schrie den Neger an. »Cicero, reiß dich zusammen oder ich schneide dir die Kehle durch.« Er fuchtelte mit dem Messer herum. Der alte Schwarze stieß einen Schrei aus, sprang beiseite, verlor das Gleichgewicht und klatschte dumpf im seichten Wasser auf. Charles rannte, um nach ihm zu sehen.

»Gott im Himmel, Cicero, ich hab’ doch nur Spaß gemacht.«

»Wie soll ich das wissen?« Der alte Mann keuchte, als Charles ihm aus dem Wasser half. »Manchmal kannst du die Leute mit dem Ding wirklich erschrecken.«

Charles steckte das Messer in seinen Gürtel. »Ich bedrohe nur die Smiths und die LaMottes, aber nie die Nigger. Aber trag du nun Mr. Hazards Koffer ins Haus.«

Der alte Mann war patschnaß; durch die Löcher in seinen quietschenden Schuhen konnte man die braunen Zehen sehen. Er nahm Georges Koffer und eilte davon; offenbar war er nicht sonderlich darauf erpicht, die Begegnung mit Charles zu verlängern.

»Los«, sagte der Junge belustigt. Er konnte nicht älter als elf sein, sah aber vier oder fünf Jahre älter aus. Seit George ihn zum letztenmal gesehen hatte, war er um einige Zentimeter in die Höhe geschossen und hatte deutlich breitere Schultern bekommen.

Charles führte ihn die Uferpfade entlang, die die breiten quadratischen Felder voneinander abtrennten. Von den Feldern zur Rechten stieg Rauch auf. Sklavinnen zogen mit langen Hacken brennende Büschel durch die Stoppeln. Sie hatten ihre Röcke auf Kniehöhe zusammengebunden und trugen Kopftücher. In der Ferne sah George Salem Jones auf einem Maultier sitzen. Mit seinem Knüppel und seiner Peitsche sah er wie ein Reiterstandbild aus.