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Stanley streckte den Kopf hinter dem Wandschirm hervor. »Wie?«

Isabels Antwort war ein eisiges Lächeln.

19

Das ›Moravian Seminary and College for Women‹ befand sich am Ufer des Monocacy Creek, nicht weit von Bethlehem. Es war 1742 gegründet worden und war als erstes Pensionat für junge Frauen in den Kolonien bekannt. Virgilia hatte die Schule während zwei Semestern besucht, war dann aber nach Hause zurückgeschickt worden, weil sie sich weigerte, die Regeln zu befolgen.

Jedes Jahr im September führten die Frauen der Umgebung einen Bazar durch, um Gelder für die Schule zu sammeln. Der Bazar fand auf dem Rasen vor der Colonial Hall statt. Im Sommer begann man bereits mit den Vorbereitungen. Wurde man gebeten, den Vorsitz bei einem der zahlreichen Ausschüsse zu führen, so war dies ein Zeichen dafür, daß man gesellschaftlich akzeptiert worden war. Isabel war im Vorjahr Vorstand eines solchen Komitees gewesen.

Constance war für die Ausbildung von Frauen, soweit es ihnen möglich war, auch wenn sie dadurch in Wettbewerb mit den Männern gerieten. George fand ihre Haltung etwas eigentümlich, widersprach aber nicht. Ihre Schwangerschaft beeinträchtigte sie noch nicht so weit, daß sie nicht mehr auf den rauhen Straßen des Hochlands hätte herumreisen können. George versprach, daß er Stanley auf ihren Wunsch aufmerksam machen würde, aber er vergaß es.

Constance wartete. Sie hatte immer etwas zu tun. Mehrere Stunden am Tag kümmerte sie sich um den kleinen William, weil sie der Meinung war, daß Babies, wenn sie im Säuglingsalter nicht genügend Aufmerksamkeit und körperliche Zuwendung bekamen, zu schwierigen und gestörten Erwachsenen heranwachsen würden. Abgesehen davon liebte sie es, sich um den rundlichen, kleinen Knaben mit der rosa Haut zu kümmern.

Sie hatte auch einiges im Haushalt zu tun. Sie wußte die Angestellten von Belvedere gut zu führen, verstand es, ihre Streitigkeiten auf bestimmte und gerechte Art und Weise zu schlichten, und half ihnen, in kürzerer Zeit mehr zu erledigen, indem sie ihnen zeigte, wie sie ihre Pflichten organisieren und effizienter erfüllen konnten. Sie wurde bald von ihren Angestellten respektiert und bewundert; manche hatten auch etwas Angst vor ihr. Sie hatte ein irisches Temperament, das mit ihr durchging, wenn die Arbeit schlampig erledigt wurde, wenn die Leute vorlaut waren oder schwindelten.

Trotz all ihrer Beschäftigungen dachte Constance jedoch immer noch an den Bazar. Schließlich fragte sie George, ob er ihre Botschaft übermittelt habe. Er schlug sich an die Stirn und stöhnte auf. Constance verzieh seine Vergeßlichkeit, sie würde sich eben direkt an Isabel wenden. Dies machte besondere Vorbereitungen erforderlich, da die beiden Frauen einander außer durch Zufall kaum sahen. Sicherlich war das Isabels Absicht, dachte Constance manchmal etwas pikiert.

Sie lud Maude und Isabel zum Tee ein. Erst redeten sie über ihre Schwangerschaft. Constance sagte, sie sei sicher, daß es diesmal ein Mädchen werden würde; sie und George hatten sich bereits auf den Namen Patricia Flynn Hazard geeinigt. Als sie das hörte, spitzte Isabel die Lippen und starrte ins Weite.

Constance erwähnte, daß sie Interesse am Bazar habe. Maude sagte sofort: »Das ist schön von dir; ich bin sicher, daß die Damen sich freuen werden, wenn du mitmachst. Ich werde ihnen gerne mitteilen, daß du interessiert bist, obwohl ich seit zwei Jahren nicht mehr aktiv bin. Ich hatte den Eindruck, es sei nun an jüngeren Frauen, das Ruder zu übernehmen.«

»Ich werde es erwähnen, Liebste«, sagte Isabel zu Constance, »und zwar bei der Sitzung der für die Organisation zuständigen Gruppe, die sich am nächsten Montag trifft.«

»Danke«, sagte Constance und versuchte herauszufinden, ob Isabels süßes Lächeln aufrichtig war. Aber es gelang ihr nicht.

Isabel erwähnte den Namen ihrer Schwägerin bei jener Sitzung. »Ich dachte, sie könnte vielleicht den Vorsitz im Ausschuß für die Steppdecken – « fing sie an.

»Ausgezeichnet«, sagte eine der Damen.

»Aber als ich die Idee vortrug, lehnte sie ab.«

Diese Bemerkung rief einiges Stirnrunzeln hervor. »Mit welcher Begründung, Isabel?« wollte jemand wissen.

Eine andere Dame fragte: »Ist sie gegen die Ausbildung für Frauen?«

»Ich weiß es nicht«, antwortete Isabel. »Sie sagte mir, sie könne nicht teilnehmen, weil die, äh, die religiöse Ausrichtung des Seminars gegen viele Konzepte ihrer Kirche verstoße, die ihrer Meinung nach natürlich die einzig wahre Kirche sei.«

Die Frau, die den Vorsitz führte, sagte: »Nun, das ist das letzte Mal, daß wir sie in Betracht ziehen.«

Isabel schüttelte den Kopf. »Es ist ein Jammer. Constance ist eine kluge Person und hat mehrere gute Eigenschaften. Man hat mir gesagt, daß die Katholiken ein sonderbar bigottes Volk sind, aber ich habe das nie glauben wollen, bis ich sie kennengelernt habe. Ich bin sicher, daß ihre Haltung auf den Einfluß der Priester und Nonnen zurückzuführen ist. Wie kann jemand, der ewig in einer dunklen Zelle lebt, na ja, ganz richtig sein? Und man hört ja auch die entsetzlichen Sachen über Frauenklöster.«

Diese Bemerkung wurde mit weisem Kopfnicken begrüßt. Das Thema war gerade im ganzen Land hochaktuell, und man war geneigt, solche Geschichten zu glauben.

Am nächsten Nachmittag suchte Isabel Constance auf. Ihr Gesicht drückte Enttäuschung aus, als sie sagte:

»Es ist nicht einfach, dir dies mitzuteilen, Liebes. Ich habe dein so großzügiges Angebot vorgetragen, aber die Damen der Organisation lehnten es ab. Es hat nichts mit deiner Person zu tun, bitte versteh mich nicht falsch, aber es geht schließlich um einen Bazar, mit dem Gelder für eine Institution eingeholt werden sollen, die religiös anders orientiert ist als du.«

Constance zupfte an einem Spitzentaschentuch herum. »Du meinst, sie wollen die Hilfe einer Katholikin nicht?«

Isabel seufzte: »Es tut mir ja so leid. Vielleicht nächstes Jahr.« Sie wußte, daß der Gesichtsausdruck ihrer Schwägerin ihr ein Leben lang Freude bereiten würde.

Während des Besuchs von Isabel bei Constance war George zum Schienenwalzwerk unterwegs. Er war von einem verängstigten Vorarbeiter gerufen worden. Ein Streit hatte zu einem Unfall geführt. Stanley delegierte solche Aufgaben immer an seinen Bruder. Mit ausdruckslosem Gesicht sagte er, George sei doch so kontaktfreudig. Hätte Isabel diese Bemerkung fallengelassen, wäre es auf jeden Fall eine Beleidigung gewesen, dachte George.

Der Sommer war außerordentlich heiß gewesen, und der nahe Herbst brachte immer noch keine Abkühlung. In der Hazard-Familie schlugen gelegentlich die Wellen des Temperaments hoch, und George konnte sich vorstellen, wie groß die Spannung im Walzwerk sein mußte, wo es infernalisch heiß war.

Das Walzwerk war nach belgischem Muster organisiert. Der lange Strom des roten, heißen Metalls wurde Schritt für Schritt flachgedrückt und mittels einer Serie von auf Ständern montierten Rollen in die richtige Form gepreßt. Zwischen den Ständern packten stämmige Männer – die sogenannten Fänger – das Metall mit Zangen und führten es zum nächsten Rollenpaar. Es war eine harte, gefährliche Arbeit. Ein großer Teil dieser Arbeit würde wegfallen, wenn es jemandem gelänge, ein Walzwerk zu konzipieren, in dem das Metall kontinuierlich über die Rollen laufen konnte. Vor einigen Jahren hatte ein Walzwerkbesitzer namens Serrell in New York es fast geschafft, aber der Plan wies einige Makel auf. Auch George hatte sich mit dem Problem auseinandergesetzt, bis jetzt jedoch ohne Erfolg.

Er rannte, so schnell er konnte. Die Arbeit im Walzwerk stand still. Das Eisen, das man bereits dem ersten Rollenpaar zugeführt hatte, war schon wieder abgekühlt. Einer der Fänger lag stöhnend auf dem dreckigen Boden. George würgte, als ihm der Geruch von versengten Kleidern und Menschenfleisch in die Nase stieg.