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Es handelte sich um einen drahtigen Slawen, dessen Nachnamen man nicht aussprechen konnte. Im Gegensatz zu seinem Mitarbeiter, einem grobschlächtigen Kerl namens Brovnic, war er ein guter Arbeiter.

»Wir haben Dr. Hopple gerufen«, sagte der Vorarbeiter.

»Gut.« George kniete neben dem Verletzten nieder und sah das verzerrte, erkaltete Eisenstück. Offensichtlich war es quer über die rechte Körperhälfte des Mannes gefallen und hatte Hemd, Brust und den nackten Oberarm verbrannt. George versuchte die aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken. Nur Gott wußte, ob der Mann seinen Arm jemals wieder würde brauchen können. Er fuhr sich mit dem Handrücken über den Mund und fragte: »Wie ist es passiert?«

»Ein Unfall«, stieß Brovnic hervor. Sein hervorstehender Unterkiefer sah höchst bedrohlich aus und sollte wohl alle einschüchtern, aber ein schweißtriefender, schmutziger Arbeiter trat vor.

»Unfall, verdammt! Brovnic hat Tonys Frau belästigt. Tony sagte ihm, er solle aufhören und – «

Brovnic fluchte und stürzte vor. Drei Männer packten ihn und hielten ihn zurück, als der Sprecher auf das Eisenstück zeigte. »Brovnic hat ihn niedergeschlagen und hat es dann auf ihn fallen lassen.«

»Verdammter Lügner«, schrie Brovnic und versuchte, sich aus dem Griff der Männer zu befreien. Es wäre ihm gelungen, wenn nicht George auf ihn losgestürmt wäre und ihn an seinem dreckigen Hemd gepackt hätte.

»Seit dem Tag, an dem ich dich eingestellt habe, hast du nichts als Unruhe gestiftet, Brovnic. Hol deinen Lohn und verschwinde, sofort.«

George hatte Herzklopfen. Brovnic schielte auf ihn nieder. »Sie sollten dies lieber bleiben lassen …«

George mußte seinen Kopf zurückbeugen, um dem andern in die Augen zu sehen.

»Ich habe gesagt, sofort.«

»Ich werde dir deinen Teil noch geben«, sagte der Mann, als er davonstapfte.

Eine Minute, nachdem Isabel weggegangen war, brach Constance in Tränen aus. Sie stand neben einem großen Fenster im Wohnzimmer, von dem aus man eine herrliche Sicht über die Stadt und den glitzernden Fluß hatte. Sie sah jedoch nichts davon. Sie hielt sich an den Vorhängen fest, als würde sie sonst umfallen.

Sie schluchzte und verachtete sich dafür, daß sie weinte. Es war nur selten vorgekommen während ihrer Zeit in Texas, aber hier waren die Dinge anders. Manchmal haßte sie Lehigh Station, obwohl sie George liebte; sie haßte Lehigh Station und wollte weg. Statt dessen weinte sie.

Sie war sicher, daß Isabel die Ablehnung provoziert hatte. Stanleys Frau haßte sie; es gab kein anderes Wort dafür. Sobald George nach Hause kam, wollte sie ihm den Vorfall erzählen. Sie versuchte immer, ihren Mann mit ihren Sorgen zu verschonen, aber dies war zuviel für sie. Isabel hatte ihre Religion in den Vordergrund geschoben, aber sicher hatte die arrogante Frau andere Gründe, um sie zu verachten. Isabel war eine verzerrte, unglückliche Person, und sie hatte die Möglichkeit, Constance tief zu verletzen.

»Ma’am, stimmt etwas nicht? Ich dachte, ich hätte etwas gehört …« Das Mädchen hielt inne. Es versuchte, sich wieder zurückzuziehen. Constance war verlegener wegen des Mädchens als wegen sich selbst. Sie wischte die Tränen mit beiden Händen vom Gesicht.

»Tut mir leid, wenn ich dich gestört habe, Bridgit. Ich bin für einen Moment nicht ich selbst gewesen. Bitte, sag niemandem etwas. Würdest du bitte William herunterbringen, wenn er wach ist?«

»Sofort, Ma’am.« Erleichtert zog sich Bridgit zurück.

Kurz darauf, mit ihrem kleinen Sohn auf dem Arm, fühlte sich Constance bereits besser. Sie bedauerte, daß es Isabel gelungen war, sie niederzudrücken. Natürlich würde sie ihrem Mann nichts sagen. Sie würde ihre Kämpfe allein ausfechten, wie sie dies immer tat. Sie hatte beschlossen, in diesem Teil der Welt zu leben, weil sie George liebte, und sie würde es nicht zulassen, daß Isabel oder eine ganze Legion dieser bigotten Hühner sie zerstörten.

Sie war wütend auf sich selbst, daß sie sich auch nur einen Augenblick lang vor Isabel hatte gehenlassen. Sie wußte, daß Stanleys Frau gesehen hatte, daß ihre grausame kleine Strategie erfolgreich gewesen war. Aber es ist das letzte Mal, dieses böse Weib wird niemals wieder eine solche Befriedigung haben, dachte sie, als sie mit William herumkoste.

»Wir sollten uns überlegen, ob wir nicht eine Sommerresidenz kaufen«, sagte Maude. »In den vergangenen Monaten war das Wetter absolut scheußlich.«

»Ich bin einverstanden«, sagte Stanley. »Isabel beklagt sich Tag und Nacht über die Hitze.« George, der über eine Akte gebeugt war, warf ihm einen Blick zu, als wolle er sagen, daß Isabel sich dauernd überdies oder jenes beklage.

»Wir können uns auf jeden Fall ein Sommerhaus leisten«, fuhr Stanley fort. »Hast du irgendwelche Vorstellungen, wo wir uns danach umsehen könnten, Mutter?«

»Die Atlantikküste wäre angenehm.«

In dem kleinen Büro herrschte dicke Luft. Es waren zwei Stunden vergangen, seitdem Brovnic das Walzwerk in aller Eile verlassen hatte. Maude stattete eben ihren wöchentlichen Besuch ab. Sie hatte seit dem Tod ihres Mannes sofort mit dieser Gewohnheit angefangen. Vorher hatte sie nie einen Fuß auf das Werksgelände gesetzt.

Stanley hatte sie zuerst in ihrem Interesse nicht ermutigt und ihr vorgehalten, daß es für eine Frau nicht schicklich sei, sich um Geschäfte zu kümmern. Als George nach Hause kam, fand er bald den wahren Grund für Stanleys Ablehnung heraus. Maude hatte in wenigen Monaten mehr über die Produktion, den Lagerbestand und die Finanzen gelernt, als Stanley in seinem ganzen Leben lernen würde. Ihr instinktives Erfassen der Dinge verunsicherte Stanley und veranlaßte ihn, einen Streit vom Zaun zu brechen.

Aber das half nicht viel. Auf ihre bescheidene Art und Weise war Maude ebenso hart wie das Hazard-Eisen, das mit den Kanalbooten auf den Markt gebracht wurde.

Als Maude die Bemerkung über die Küste machte, sagte George: »Orry hat mir einmal gesagt, daß viele der Pflanzer aus South Carolina den Sommer in Newport verbringen.«

Maude klatschte in die Hände. »Oh, ja, Aquidneck Island. Ich habe gehört, es muß wunderschön sein.«

Stanley wollte eben einen Einwand vorbringen, als die Tür aufflog. Brovnic stand in der Türfüllung. Er stank nach Whiskey und fuchtelte mit einer alten Flinte herum.

Maude erschrak und erstarrte. Stanley warf sich auf den Boden. »Ich hab’s dir gesagt!« schrie Brovnic und schwankte hin und her, den Gewehrlauf auf George richtend. Ohne zu zögern fegte George das Tintenfaß vom Schreibtisch, die Tinte spritzte Brovnic ins Gesicht.

Brovnic brüllte und prallte gegen den Türrahmen zurück. Ein Schuß war dabei losgegangen, aber die Kugel schlug in die Decke. Schon hatte George einen Satz über das Geländer, das das Büro in zwei Abschnitte trennte, gemacht: Er entriß Brovnic die Waffe und schlug ihm den Kolben auf die Nase. Mit einem schrillen Wutschrei versuchte sein tintenbefleckter Gegner ihn zu packen. George wich einen Schritt zurück und gab ihm mit seinen schweren Stiefeln einen Tritt in den Unterleib.

Brovnic schrie und fuchtelte mit den Armen. Dann verlor er das Gleichgewicht und fiel rückwärts die Treppe hinunter. Erst jetzt spürte George seine Panik. Er hielt sich am Türrahmen fest und winkte vier vorbeigehende Arbeiter heran. »Packt den betrunkenen Idioten. Einer soll ins Dorf hinunterrennen und den Polizisten holen.«

Stanley krabbelte wieder auf die Füße. Maude hatte sich während der ganzen Zeit nicht gerührt. Sie sah Stanley an und sagte mit sanfter Stimme: »Du hättest deinem Bruder helfen sollen. Man hätte ihn töten können.«

Stanley wurde rot; er war zu erschrocken, um etwas zu sagen. Zum erstenmal hatte seine Mutter eine Wahl zwischen den beiden Söhnen getroffen; kein gutes Omen.

Als George an jenem Abend nach Belvedere zurückkehrte, zeigte Constance nichts von ihrem Unglück. George plauderte das ganze Abendessen hindurch; er war offensichtlich immer noch von den schrecklichen Ereignissen im Walzwerk beeindruckt. Er hatte dem verletzten Arbeiter einen Besuch zu Hause abgestattet. Dr. Hopple war der Meinung, daß man den Arm retten könne, obwohl nicht sicher war, ob der Mann wieder harte körperliche Arbeit würde verrichten können. Falls nicht, würde George ihm eine leichtere Arbeit im Werk besorgen. Brovnic wurde festgenommen.