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»Wer ist es?«, fragte ich. »Welcher meiner Cousins zieht hier die Fäden? Relad? Scimina? Irgendeiner ihrer Speichellecker? Für wen habt Ihr Euch prostituiert, Gemd, und wie viel war Euch das Vornüberbeugen wert?«

Gemds Kiefer mahlte, aber er sagte nichts. Seine Männer waren nicht so gut ausgebildet — sie kochten vor Wut und zogen Dolche. Allerdings nicht alle. Ich achtete darauf, wer sich unbehaglich fühlte, und wusste, dass Scimina oder ein anderer Verwandter durch sie Einfluss genommen hatte.

»Ihr sein ein ungebetener Gast, \Yeine-etinu«, sagte Gemd. »Lady Yeine, sollte ich wohl sagen. Ihr stört meine Angelegenheiten. Sagt, weshalb Ihr hergekommen seid, und dann verlasst uns bitte.«

Ich neigte meinen Kopf. »Macht Eure Pläne, Darr anzugreifen, rückgängig.«

Gemd wartete einen Moment. »Oder?«

Ich schüttelte meinen Kopf. »Es gibt keine Alternative, Minister. Ich habe viel von meinen Arameri-Verwandten in den letzten Tagen gelernt, einschließlich der Kunst, absolute Macht auszuüben. Wir stellen keine Ultimaten. Wir geben Befehle, und sie werden befolgt.«

Die Männer sahen sich an, und ihre Gesichter zeigten alles zwischen Wut und Unglauben. Zwei Gesichter blieben ausdruckslos: der prächtig gekleidete Mann an Gemds Seite und Gemd selbst. Ich konnte die Berechnung in ihren Augen erkennen.

»Ihr habt keine absolute Macht«, sagte der Mann neben Gemd. Er behielt einen neutralen Ton, was auf Unsicherheit hindeutete. »Ihr seid noch nicht einmal als Erbin benannt worden.«

»Das ist wahr«, sagte ich. »Nur der Lord Dekarta hat die absolute Macht über das Königreich der Hunderttausend. Ob es blüht. Ob es ins Straucheln gerät. Ob es ausgelöscht und vergessen wird.« Gemds Stirn spannte sich bei diesen Worten an, aber er runzelte sie nicht. »Großvater hat diese Macht, aber er kann sie, wenn er möchte, selbstverständlich an diejenigen in Elysium delegieren, die seine Gunst haben.«

Ich ließ sie darüber nachdenken, ob ich diese Gunst errungen hatte oder nicht. Es war wahrscheinlich ein Zeichen der Gunst, dass man mich nach Elysium geholt und als Vollblut benannt hatte.

Gemd warf dem Mann neben ihm einen Blick zu, bevor er sagte: »Es muss Euch bewusst sein, Lady Yeine, dass Pläne, die einmal in Bewegung gesetzt wurden, nicht so einfach wieder angehalten werden können. Wir werden Zeit brauchen, um Euren ... Befehl zu besprechen.«

»Natürlich«, sagte ich. »Ihr habt zehn Minuten. Ich warte.«

»Oh zum ...« Diesmal handelte es sich um einen anderen Mann, jünger und größer — einer von denjenigen, die ich als Arameri-Werkzeug eingeordnet hatte. Er sah mich an, als ob ich eine Fäkalie an der Sohle seines Schuhs sei. »Minister, Ihr könnt nicht ernsthaft diese lächerliche Forderung in Betracht ziehen!«

Gemd starrte ihn wütend an, aber der schweigende Tadel verfehlte offensichtlich seine Wirkung. Der jüngere Mann verließ den Tisch und kam auf mich zu. Seine ganze Haltung strahlte Bedrohung aus. Jeder Darrefrau wird beigebracht, wie sie mit solch einem Verhalten von Männern umzugehen hat. Es ist nur ein Trick aus dem Tierreich, so wie Hunde, die ihr Fell aufstellen und knurren. Nur ganz selten steht dahinter eine wahre Drohung, und die Stärke einer Frau liegt darin, zu unterscheiden, wann die Drohung echt ist und wann es sich nur um Fell und Lärm handelt. Für den Moment war die Drohung nicht echt, aber das konnte sich ändern.

Er blieb vor mir stehen, drehte sich zu seinen Kameraden um und zeigte auf mich. »Schaut sie euch an! Wahrscheinlich muss- ten sie einen Schreiber rufen, damit der bestätigt, dass sie wirklich einer Aramerimöse entsprungen ist ...«

»Rish!« Gemd sah wütend aus. »Setz dich.«

Der Mann — Rish — beachtete ihn nicht und wandte sich wieder an mich. Unvermittelt wurde die Drohung real. Ich konnte es daran erkennen, wie er sich hinstellte. Er bog seinen Körper so, dass seine rechte Hand in die Nähe meiner rechten Seite kam. Er wollte mir eine Rückhand verpassen. Ich hatte den Bruchteil einer Sekunde, um mich zu entscheiden, ob ich ausweichen oder nach meinem Messer greifen sollte ...

Und in der kurzen Zeit fühlte ich, wie sich die Macht um mich herum zusammenballte, hart wie Heimtücke und scharf wie Kristall.

Dass mir diese Analogie in den Sinn kam, hätte mir als Warnung dienen sollen.

Rish holte aus. Ich hielt still und wappnete mich gegen den Schlag. Drei Zoll vor meinem Gesicht schien Rishs Faust an etwas Unsichtbarem abzuprallen. Als sie das tat, ertönte ein hohes, hartes Klappern, als ob Stein auf Stein träfe.

Rish zog seine Hand zurück, entsetzt und vielleicht verwirrt, weil es ihm nicht gelungen war, mich in die Schranken zu weisen. Er schaute seine Faust an, auf der sich um die Knöchel herum ein glänzend schwarzer Fleck mit Facetten gebildet hatte. Ich stand nah genug, um zu sehen, wie das Fleisch um diesen Fleck herum Blasen warf und perlte, als ob es über offenem Feuer briete. Nur dass es nicht verbrannte, sondern eifror. Ich konnte den Kältehauch von meinem Standpunkt aus spüren. Die Wirkung war allerdings die gleiche, und als das Fleisch wie verbrannt verging und wegknisterte, kam darunter kein Knochen, sondern Stein zum Vorschein.

Ich wunderte mich, dass Rish so lange brauchte, bis er schrie.

Alle Männer im Raum reagierten auf Rishs Schrei. Einer taumelte vom Tisch zurück und fiel beinahe über einen Stuhl. Zwei andere rannten zu Rish und versuchten, ihm zu helfen. Gemd bewegte sich und wollte auch helfen, aber irgendein mächtiger Überlebensinstinkt musste in dem gutgekleideten Mann an seiner Seite geweckt worden sein — er packte Gemd an der Schulter, um ihn aufzuhalten. Das erwies sich als weise, denn der erste Mann, der Rish erreichte — einer derToks —, ergriff Rishs Handgelenk, um nachzusehen, was los war.

Das Schwarze breitete sich rasend schnell aus; fast die ganze Hand war jetzt ein glitzernder Klumpen aus schwarzem Kristall, der fast wie eine Faust aussah. Nur Rishs Fingerspitzen bestanden noch aus Fleisch, aber auch sie veränderten sich, während ich hinsah. Rish war wahnsinnig vor Schmerzen und kämpfte mit dem Tok. Dieser ergriff Rishs Faust und wollte ihn ruhighalten. Beinahe in demselben Moment riss er die Hand weg, als ob der Stein zu kalt wäre, um ihn zu berühren — und dann starrte der Tok seine Handfläche an, denn der schwarze Fleck breitete sich jetzt auch dort aus.

Nicht ganz Kristall, wurde mir in dem Teil meiner Gedanken, die nicht vor Entsetzen eingefrorern waren, klar. Die schwarze Substanz war zu schön, um aus Quartz zu bestehen, zu fehlerlos und klar in ihren Facetten. Der Stein brach das Licht wie ein Diamant, denn das war es, was aus ihrem Fleisch geworden war. Schwarzer Diamant, der seltenste und wertvollste von allen.

Der Tok fing an zu schreien. Ebenso wie einige andere Männer in dem Raum.

Währenddessen schwieg ich, und mein Gesicht blieb ausdruckslos.

Er hätte nicht versuchen sollen, mich zu schlagen. Er verdiente, was er bekam. Er hätte nicht versuchen sollen, mich zu schlagen.

Und der Mann, der versuchte, ihm zu helfen? Was hatte der verdient?

Sie sind alle meine Feinde, die Feinde meines Volkes. Sie hätten nicht ... sie hätten nicht ... O Götter. Götter!

Der Lord der Finsternis kann nicht beherrscht werden, Kind. Er kann nur losgelassen werden. Und du hast ihn gebeten, nicht zu töten.

Ich durfte keine Schwäche zeigen.

Während die beiden Männer wild mit den Armen fuchtelten und schrien, ging ich um sie herum und zum Tisch. Gemd sah mich an, und sein Mund war verzerrt vor Abscheu und Fassungslosigkeit.

Ich sagte: »Nehmt Euch alle Zeit, die Ihr braucht, um meinen Befehl zu erörtern.« Dann drehte ich mich herum und wollte gehen.

»W-wartet.« Gemd. Ich hielt an und erlaubte meinem Blick nicht, auf den beiden Männern zu verweilen. Rish war jetzt fast zur Hälfte Diamant; der Stein kroch über seinen Arm und seine Brust, ein Bein hinunter und eine Seite seines Halses hinauf. Er lag auf dem Boden und schrie nicht länger, obwohl er immer noch mit tiefer, gequälter Stimme wehklagte. Vielleicht war seine Kehle bereits zu Diamant geworden. Der andere Mann griff nach seinen Kameraden und bettelte um ein Schwert, damit er seinen Arm abschneiden konnte. Ein junger Kerl, einer von Gemds Erben, wenn man nach seinem Aussehen urteilte, zog sein Schwert und näherte sich ihm, aber dann packte ihn ein anderer Mann und riss ihn zurück. Wieder eine weise Entscheidung; schwarze Flecken, die nicht größer als ein Sandkorn waren, glänzten auf dem Boden um die beiden Männer herum. Stückchen von Rishs Fleisch, die sich verwandelt hatten und durch das Herumwirbeln der Arme weggeflogen waren. Während ich hinsah, fiel der Tok auf seine gute Hand, und sein Daumen berührte einen von den Flecken. Auch er begann, sich zu verwandeln.