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Dann lächelte Nahadoth. Dieses Lächeln war nicht grausam — er war frei, und es gab für ihn keinen Grund mehr, grausam zu sein —, aber in ihm war auch keine Gnade. »Ich denke, diese Aufgabe wird einige Zeit erfordern.«

Itempas sagte nichts, weil er es nicht konnte. Nahadoths Worte hatten ihn gefesselt und mit der Hilfe meiner Macht spönnen die Worte Ketten, die kein Sterblicher sehen oder gar sprengen konnte. Er kämpfte dagegen an, in diese Ketten gelegt zu werden, und ließ seine Macht einmal als wütende Explosion gegen unsere los, aber es nützte ihm nichts. Ein Mitglied der Drei wäre allein nie in der Lage, die beiden anderen zu besiegen. Itempas hatte das lange genug zu seinem Vorteil ausgenutzt und hätte es besser wissen müssen.

Aber so konnte ich das nicht stehen lassen. Eine echte Bestrafung musste dafür Sorge tragen, dass der Übeltäter reingewaschen wurde, und nicht nur dafür, dass die Opfer entschädigt wurden. »Deine Schuld kann schon früher abgegolten sein«, sagte ich, und auch meine Worte bogen und verbanden sich und härteten um ihn heraus aus, »wenn du lernst, was es heißt, wirklich zu lieben.«

Itempas warf mir einen wütenden Blick zu. Er war zwar noch nicht von unserer Macht in die Knie gezwungen worden, aber viel fehlte nicht mehr. Er stand da, mit gebeugtem Rücken, und zitterte am ganzen Körper. Die weißen Flammen seiner Aura waren verschwunden, und sein Gesicht glänzte mit sehr sterblichem Schweiß. »Ich ... werde dich ... niemals lieben«, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Ich blinzelte überrascht. »Warum sollte ich deine Liebe wollen? Du bist ein Ungeheuer, Itempas. Du hast alles zerstört, von dem du behauptet hast, dass es dir etwas bedeutet. Ich sehe große Einsamkeit in dir, großes Leiden — aber das hast du dir alles selbst zuzuschreiben.«

Er zuckte zurück, und seine Augen weiteten sich. Ich seufzte, schüttelte den Kopf, trat an ihn heran und hob eine Hand zu seiner Wange. Bei meiner Berührung zuckte er erneut zurück, doch ich streichelte ihn, bis er sich beruhigte.

»Aber ich bin nur eine deiner Geliebten«, flüsterte ich. »Hast du die andere nicht vermisst?«

Wie ich erwartet hatte, schaute Itempas zu Nahadoth. Ah, dieses Verlangen in seinen Augen! Wäre es möglich gewesen, hätte ich Nahadoth gebeten, diesen Moment mit uns zu teilen. Nur eine Wortart hätte Itempas’ Heilungsprozess beschleunigen können. Aber es würde Jahrhunderte dauern, bis Nahadoths Wunden dafür genug verheilt waren.

Ich seufzte. So sei es. Ich würde tun, was ich konnte, um es beiden einfacher zu machen, und es noch einmal versuchen, wenn die Magie der Zeitalter gewirkt hatte. Schließlich hatte ich ein Versprechen gegeben.

»Wenn du so weit bist, wieder unter uns zu weilen«, flüsterte ich Itempas zu, »werde zumindest ich dich willkommen heißen.« Dann küsste ich ihn und legte alle Versprechen, die mir möglich waren, hinein. Ein Teil der Überraschung, die uns ergriff, lag bei mir, denn sein Mund war trotz der harten Linien weich. Darunter konnte ich nicht nur die scharfen Gewürze und warmen Ozeanbrisen schmecken, sondern mir lief auch das Wasser im Mund zusammen, und mein ganzer Körper schmerzte. Zum ersten Mal verstand ich, warum Nahadoth ihn liebte — und außerdem stand sein Mund weit offen, als ich mich zurückzog. Ich glaube, er hat dasselbe gespürt.

Ich sah hinüber zu Nahadoth, der mit allzu menschlicher Ermüdung seufzte. »Er wird sich nicht ändern, Yeine. Er kann es nicht.«

»Er kann, wenn er will«, sagte ich entschlossen.

»Du bist naiv.«

Vielleicht war ich das. Aber das hieß nicht, dass ich mich irrte.

Ich hielt meinen Blick auf Itempas gerichtet, obwohl ich zu Naha ging und seine Hand nahm. Itempas beobachtete uns, wie ein Verdurstender, der einen Wasserfall sieht. Die Zeit, die vor ihm lag, würde schwer für ihn, aber er war stark. Er war einer von uns. Und eines Tages würde er wieder zu uns gehören.

Macht faltete sich um Itempas zusammen, wie die Blütenblätter einer großen, schillernden Blume. Als das Licht verging, war er ein Mensch — sein Haar glänzte nicht länger, und seine Augen waren einfach nur braun. Gutaussehend, aber nicht vollkommen. Einfach ein Mann. Er fiel, bewusstlos infolge des Schocks, zu Boden.

Da das erledigt war, wandte ich mich an Nahadoth.

»Nein«, sagte er und schaute böse.

»Er verdient dieselbe Chance«, sagte ich.

»Ich habe ihm bereits seine Freilassung versprochen.«

»Den Tod, ja. Ich kann ihm mehr geben.« Ich streichelte Na- hadoths Wange, die unter meiner Hand flackerte. Sein Gesicht veränderte sich jetzt ständig. Es war wunderschön, egal, wie es aussah — obwohl die Sterblichen da wahrscheinlich eine andere Meinung hatten, da einige seiner Gesichter nicht menschlich waren. Ich war auch nicht länger ein Mensch. Ich konnte alle Gesichter Nahadoths hinnehmen, also brauchte er kein bestimmtes.

Er seufzte und schloss bei meiner Berührung seine Augen, was mich gleichermaßen erfreute und beunruhigte. Er war zu lange allein gewesen. Ich musste vorsichtig sein, dass ich diese Schwäche nicht ausnutzte, oder er würde mich später dafür hassen.

Trotzdem, das hier musste sein. Ich sagte: »Er verdient Freiheit, genau wie du.«

Er seufzte tief. Aber der Seufzer nahm die Form von vielen winzigen schwarzen Sternen an, die überraschend hell glitzerten, sich vervielfältigten und zu einer menschlichen Form verschmolzen. Einen Augenblick lang stand die Traumgestalt eines Gottes als Negativ vor mir. Durch meinen Willen holte ich sie ins Leben, und sie wurde ein Mann: Nahadoths Tages-Ich. Er sah sich um und starrte dann den Schein an, der so lange seine andere Hälfte gewesen war. In all der Zeit waren sie sich nicht begegnet, aber seine Augen weiteten sich bei der Erkenntnis.

»Meine Götter«, hauchte er, zu erstaunt, um die Ironie seines Ausrufs zu begreifen.

»Yeine ...« Ich drehte mich um und fand Si’eh in seiner Kindform neben mir. Er stand da, gespannt, seine grünen Augen musterten mein Gesicht. »Yeine?«

Ich streckte meine Arme nach ihm aus und zögerte dann. Er war nicht meiner, trotz meiner besitzergreifenden Gefühle.

Er hob genauso zögernd die Hände und berührte staunend meine Arme und mein Gesicht. »Du bist wirklich ... nicht sie?«

»Nein. Nur Yeine.« Ich streckte meine Hand aus und überließ ihm die Entscheidung. Ich würde es respektieren, wenn er mich zurückwies. Aber ... »War es das, was du wolltest?«

»Wolltest?« Der Ausdruck auf seinem Gesicht hätte weitaus kältere Herzen mit Freude erfüllt als meins. Er legte seine Arme um mich, und ich zog ihn zu mir heran und hielt ihn fest. »Ah, Yeine, du bist immer noch so eine Sterbliche«, flüsterte er an meiner Brust. Aber ich fühlte, wie er zitterte.

Uber Si’ehs Kopf hinweg sah ich zu meinen anderen Kindern. Stiefkinder, vielleicht; ja, es war sicherer, sie so zu nennen. Zhakkarn neigte ihren Kopf vor mir — ein Soldat, der seinen neuen Kommandanten anerkennt. Sie würde gehorchen. Das war nicht ganz das, was ich wollte, aber für den Moment würde es reichen.

Kurue allerdings war etwas ganz anderes.

Sanft löste ich mich von Si’eh und ging auf sie zu. Kurue ließ sich sofort auf ein Knie fallen und beugte ihren Kopf.

»Ich werde nicht um Verzeihung bitten«, sagte sie. Nur ihre

Stimme verriet ihre Angst, da sie sich nicht wie sonst stark und klar anhörte. »Ich tat das, was ich für richtig hielt.«

»Natürlich hast du das getan«, sagte ich. »Es war klug, das zu tun.« So wie ich es mit Si’eh gemacht hatte, streckte ich meine Hand aus und streichelte ihr Haar. In der Form, die sie jetzt hatte, war es lang und silbern — wie Metall, das in Locken gelegt worden war. Wunderhübsch.