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Ich ließ es durch meine Finger laufen, während Kurue tot zu Boden fiel.

»Yeine.« Si’eh, er klang fassungslos. Einen Moment lang beachtete ich ihn nicht, weil Zhakkarns und meine Blicke sich trafen, als ich aufsah. Sie neigte wieder ihren Kopf, und da wusste ich, dass ich mir einen Teil ihres Respekts verdient hatte.

»Darr«, sagte ich.

»Ich werde mich darum kümmern«, antwortete Zhakkarn und verschwand.

Das Ausmaß der Erleichterung, die ich verspürte, überraschte mich. Vielleicht hatte ich mein Menschsein doch noch nicht so weit hinter mir gelassen.

Dann wandte ich mich an alle im Raum. Ein Ast war durch das Zimmer gewachsen, aber ich berührte ihn, und er wuchs in eine andere Richtung aus dem Weg. »Du auch«, sagte ich zu Scimina, die bleich wurde und zurücktrat.

»Nein«, sagte Nahadoth plötzlich. Er drehte sich zu Scimina um, lächelte — und im Raum wurde es dunkler. »Die gehört mir.«

»Nein«, flüsterte sie und machte noch einen Schritt zurück. Wenn sie gekonnt hätte, wäre sie davongeschossen, aber ein weiterer Ast versperrte den Treppeneingang. Außerdem wäre das auch sinnlos gewesen. »Töte mich einfach.«

»Keine Befehle mehr«, sagte Nahadoth. Er hob eine Hand, und seine Finger krümmten sich, als ob er eine unsichtbare Leine greifen wollte. Scimina schrie auf, als sie vorwärtsgerissen wurde und zu seinen Füßen auf die Knie fiel. Sie umklammerte ihre Kehle, und ihre Finger suchten nach einer Möglichkeit, sich zu befreien, aber es gab keine. Naha beugte sich hinunter, nahm ihr Kinn zwischen seine Finger und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen, der trotz seiner Zärtlichkeit klirrend kalt war. »Ich werde dich töten Scimina, keine Angst. Aber noch nicht sofort.«

Ich fühlte kein Mitleid. Das war ebenfalls ein Überbleibsel meines Menschseins.

Dann blieb nur noch Dekarta übrig.

Er saß auf dem Boden, wo er, während mein Baum Gestalt anahm, hingeschleudert worden war. Als ich zu ihm ging, konnte ich den pulsierenden Schmerz in seiner gebrochenen Hüfte und das unruhige Flattern seines Herzens sehen. Zu viele Schocks. Es war kein guter Abend für ihn gewesen. Aber zu meiner Überraschung lächelte er, als ich mich vor ihm hinhockte.

»Eine Göttin«, sagte er und stieß dann einen einzelnen Lacher aus, der bemerkenswert frei von Bitterkeit war. »Ach, Kinneth hat nie halbe Sachen gemacht, oder?«

Unwillkürlich erwiderte ich sein Lächeln. »Nein. Das hat sie nicht.«

»Alsdann.« Er hob sein Kinn und betrachtete mich gebieterisch, was noch erfolgreicher gewesen wäre, wenn er nicht wegen seines Herzens gejapst hätte. »Wie steht es mit uns, Göttin Yeine? Wie steht es mit deinen menschlichen Angehörigen?«

Ich schlang meine Arme um meine Knie und balancierte auf den Zehenspitzen. Ich hatte vergessen, Schuhe zu machen.

»Du wirst einen anderen Erben auserwählen, der deine Macht so gut wie möglich erhalten wird. Ob er Erfolg hat oder nicht, Naha und ich werden nicht mehr hier sein, und Itempas wird dir nichts nützen. Es wird interessant sein zu sehen, was die Sterblichen aus der Welt machen, ohne dass wir uns ständig einmischen.«

Dekarta starrte mich ungläubig und entsetzt an. »Ohne die Götter wird jede Nation auf diesem Planeten sich erheben, um uns zu zerstören. Und dann werden sie sich gegeneinander wenden.«

»Vielleicht.«

»Vielleicht?«

»Das wird ganz bestimmt passieren«, sagte ich, »wenn deine Nachkommen Narren sind. Aber die Enefadeh waren niemals die einzige Waffe der Arameri, Großvater. Du weißt das besser als jeder andere. Ihr seid reicher als jede andere Nation, und ihr habt genug, um ganze Armeen anzuheuern und auszurüsten. Ihr habt die Priesterschaft der Itempaner, und sie werden sehr darauf erpicht sein, eure Version der Wahrheit zu verbreiten, da auch sie bedroht sind. Und ihr habt eure feingeschliffene Bösartigkeit, die euch als Waffe die ganze Zeit gute Dienste geleistet hat.« Ich zuckte die Schultern. »Die Arameri können überleben und vielleicht für ein paar Generationen die Macht behalten. Lange genug hoffentlich, bis der meiste Zorn der Welt verglüht ist.«

»Es wird Veränderungen geben«, sagte Nahadoth, der plötzlich neben mir stand. Dekarta zog sich zurück, aber in Nahadoths Augen war keine Bösartigkeit. Die Sklaverei hatte ihn fast in den Wahnsinn getrieben, aber er heilte bereits. »Es muss Veränderung geben. Die Arameri haben die Welt schon viel zu lange gegen ihre Natur stillgehalten. Das muss sich jetzt durch Blut korrigieren.«

»Aber wenn ihr schlau seid«, fügte ich hinzu, »werdet ihr das meiste der euren behalten.«

Dekarta schüttelte langsam seinen Kopf. »Nicht ich. Ich sterbe. Und meine Erben — sie haben die Stärke, zu regieren, wie ihr sagt, aber ...« Er warf einen Blick zu Relad, der mit offenen Augen auf dem Boden lag und in dessen Kehle ein Messer steckte. Er hatte noch mehr Blut verloren als ich.

»Onkel ...«, fing Scimina an, aber Nahadoth riss an ihrer Leine, um sie zum Schweigen zu bringen. Dekarta warf einen Blick in ihre Richtung und schaute dann weg.

»Du hast noch einen anderen Erben, Dekarta«, sagte ich. »Er ist intelligent und kompetent, und ich glaube fest daran, dass er stark genug ist — obwohl er mir nicht dafür danken wird, dass ich ihn empfohlen habe.«

Ich lächelte in mich hinein und sah ohne Augen zu brauchen durch die Etagen von Elysium. Von innen war der Palast auch nicht viel anders. Rinde und Zweige hatten das perlmuttartige Elysiummaterial teilweise ersetzt, und einige der ungenutzten Räume hatten sich mit lebendem Holz gefüllt. Aber sogar diese einfache Veränderung reichte, um die Bewohner von Elysium in Angst und Schrecken zu versetzen, egal, ob von hohem oder niederem Geblüt. Im Herzen des Chaos stand T’vril, führte die Palastbediensteten und organisierte die Evakuierung.

Ja, er wäre genau der Richtige.

Dekartas Augen weiteten sich, aber er wusste, was ein Befehl war. Er nickte, und als Antwort berührte ich ihn, und mein Wille heilte seine Hüfte und stabilisierte sein Herz. Das würde ihn für ein paar Tage am Leben erhalten — lange genug, um die Übergabe abzuschließen.

»Ich ... ich verstehe nicht«, sagte der menschliche Naha, als seine göttliche Version und ich uns erhoben. Er sah zutiefst erschüttert aus. »Warum hast du das getan? Was soll ich jetzt machen?«

Ich sah ihn überrascht an. »Leben«, sagte ich. »Warum, glaubst du, habe ich dich sonst hierhin getan?«

Es gab noch so viel mehr zu tun, aber das waren die wichtigen Dinge. Ich glaube, du hättest deine Freude daran gehabt — die Ungleichgewichte auszugleichen, die dein Tod ausgelöst hatte, und das Leben neu zu entdecken. Aber vielleicht gibt es dort, wo du hingegangen bist, auch interessante Entdeckungen zu machen.

Es überrascht mich zwar, das zuzugeben, aber ich werde dich vermissen, Enefa. Meine Seele ist nicht daran gewöhnt, alleine zu sein.

Aber andererseits werde ich auch nie völlig allein sein, dank dir.

Einige Zeit, nachdem wir Elysium und Itempas und die sterbliche Welt hinter uns gelassen hatten, nahm Si’eh meine Hand. »Komm mit uns«, sagte er. »Wohin?«

Nahadoth berührte sehr sanft mein Gesicht, und ich war erstaunt und empfand Demut, als ich die Zärtlichkeit in seinem Blick sah. Hatte ich so viel Wärme von ihm verdient? Das hatte ich nicht — aber ich würde es noch. Das schwor ich mir und hob mein Gesicht für seinen Kuss.

»Du hast noch so viel zu lernen«, murmelte er an meinen Lippen, als wir voneinander ließen. »Ich muss dir noch so viele Wunder zeigen.«

Ich konnte nicht anders und musste wie ein menschliches Mädchen grinsen. »Dann nimm mich mit«, sagte ich, »und lass uns anfangen.«

So verließen wir also das Universum, und nun gibt es nichts mehr zu erzählen.

Nicht von dieser Geschichte jedenfalls.