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Ich verstand seine Antwort nicht.

»Ich bin damit einverstanden, die Transaktion heute abend abzuwickeln«, sagte Shaba. »Wenn die Kreditbriefe nicht echt sind, würde ich den Ring eben einfach nicht ins Sardargebirge bringen.«

»Denk dran«, sagte Msaliti, »du darfst am falschen Ring auf keinen Fall den kleinen Hebel drücken. Er darf nur im Sardargebirge bedient werden.«

Meine Nackenhaare begannen sich zu sträuben. Ich machte mir klar, daß mein Verdacht zutreffen mußte – in dem falschen Ring steckte irgendeine große Gefahr.

Shaba steckte die Kreditbriefe unter seine Robe. Anschließend streifte er eine lange, dünne Kette ab, die ihm um den Hals hing und bisher von seiner Kleidung verdeckt gewesen war. Er öffnete die Kette.

Ich sah den Ring an der Kette.

Mein Herz begann heftig zu klopfen.

Er streckte die Hand aus. »Dürfte ich den falschen Ring haben?« fragte er.

»Ich glaube, es hat wenig Sinn, den falschen Ring ins Sardargebirge zu bringen«, sagte ich. »Die inzwischen eingetretene Verzögerung dürfte längst Verdacht erweckt haben.« Und das stimmt durchaus. Aus persönlichen Gründen lag mir gar nicht so sehr daran, daß Shaba den Ring in das Gebirge der Priesterkönige brachte. Ich hatte Respekt vor seinem Beitrag zur Erforschung Gors. Ich wußte, er war ein Mann, der Mut und Intelligenz besaß. Gewiß, er war ein Verräter, doch umgab ihn etwas Unerklärliches, das mir irgendwie gefiel. Es ging mir nicht darum, ihn der Strafe ausgesetzt zu sehen, die sich die Priesterkönige oder ihre menschlichen Verbündeten für einen Verräter ausdenken mochten. Wenn sie sich wirklich Mühe gaben, waren sie darin bestimmt nicht weniger einfallsreich als die Kurii. Vielleicht wäre es das beste, wenn ich ihn umbrächte. Dann fand er wenigstens einen schnellen, gnädigen Tod.

»Den Ring, bitte!« sagte Shaba.

»Gib ihm den Ring!« forderte Msaliti.

Ich reichte Shaba den falschen Ring, und er fädelte ihn an die Kette.

»Hingen da nicht elf Erbsen an den Fäden?« fragte er.

Msaliti drehte sich hastig um und schaute empor. »Keine Ahnung«, sagte er. »Sind es jetzt mehr?«

Ich hatte den Blick nicht von Shaba genommen. »Es waren zwölf«, sagte ich.

»Es sind auch jetzt noch zwölf«, sagte Msaliti, der langsam die Erbsen gezählt hatte.

»Dann hat sich die Zahl also nicht verändert«, stellte Shaba fest.

»Ja«, bestätigte ich und musterte ihn gelassen.

»Ich muß dir mein Lob aussprechen«, sagte Shaba. »Du hast eine Beobachtungsgabe, die der eines Schriftgelehrten vergleichbar ist – oder der eines Kriegers.«

Er drehte die Kette, machte einen Ring davon los und reichte ihn mir.

Geographen und Kartographen gehören natürlich der Kaste der Schriftgelehrten an.

Ich hatte die Drehung der Kette genau beobachtet. Ich erhielt von Shaba den Ring, der ursprünglich an der Kette gehangen hatte.

Shaba, der nun den falschen Ring an der Kette trug, schloß die Kette im Nacken.

Er stand auf, und Msaliti und ich folgten seinem Beispiel. »Ich verlasse Schendi heute abend«, sagte Shaba.

»Ich ebenfalls«, äußerte Msaliti. »Ich habe mich schon zu lange hier aufgehalten.«

»Es wäre für dich nicht gut, wenn man dich zu sehr vermissen würde«, sagte Shaba lächelnd.

»Nein«, erwiderte Msaliti. Ich verstand dieses Gespräch nicht.

»Ich wünsche euch alles Gute, Kollegen im Verrat!« sagte Shaba.

»Leb wohl!« sagten wir zu ihm. Er verbeugte sich und ging.

»Gib mir jetzt den Ring!« sagte Msaliti.

»Ich werde ihn behalten«, sagte ich.

»Gib ihn mir!« forderte Msaliti, und seine Stimme klang nicht freundlich.

»Nein«, sagte ich. Dann schaute ich mir den Ring an. Ich drehte ihn hin und her. Ich versuchte den winzigen Kratzer auszumachen, der den Tahari-Ring eindeutig für mich identifizierte. Mit immer hektischer werdenden Bewegungen drehte ich den Ring. Meine Hand begann zu zittern. »Halt Shaba auf!« rief ich. »Dies ist nicht der Ring!«

»Er ist fort«, sagte Msaliti. »Das ist der Ring von der Kette um seinen Hals, an der er den Abschirmring getragen hat.«

»Es ist aber nicht der echte Ring«, sagte ich bedrückt.

Ich hatte mich überlisten lassen. Shaba war ein schlauer Mann. Gestern abend hatte er uns vorgeführt, daß der Ring, den er an einer Kette um den Hals trug, der echte Schutzring war. Heute aber hatte er einen anderen Ring an dieser Stelle getragen. Dies wäre mir vielleicht aufgefallen, hätte er nicht den Eindruck erzeugt, uns ablenken zu wollen, indem er uns auf die baumelnden Erbsen hinwies – vermutlich um die Ringe auszutauschen, während wir abgelenkt waren. Ich hatte mich jedoch nicht davon abbringen lassen, Shaba zu beobachten. Als er die Kette drehte, hatte ich mich vergewissert, daß der Ring, den er mir reichte, der Ring war, der ursprünglich an der Kette gehangen hatte. Der eigentliche Ringtausch hatte natürlich früher stattgefunden, als er noch allein war. Der Ring, den er so raffiniert gegen den echten Ring hatte austauschen wollen, war der falsche Ring aus meiner Hand, der mir als echt zurückgegeben werden sollte. In meiner eingebildeten Freude darüber, daß dieser Tausch von mir verhindert worden war, hatte ich völlig die Möglichkeit übersehen, daß der Ring an der Kette heute abend von vornherein gar nicht der echte gewesen war.

Msaliti schien übel zu sein. Ich gab ihm den Ring.

Shaba hatte jetzt beides – den echten Ring, den Tahari-Ring, und das falsche Schmuckstück, das die Kurii anstelle des echten Ringes ins Sardargebirge hatten schaffen wollen.

»Woher weißt du, daß dies nicht der echte Ring ist?« fragte Msaliti.

»Man hat dich doch bestimmt gelehrt, den echten Ring zu erkennen«, fragte ich.

Ich legte mir schnell etwas zurecht.

»Nein«, erwiderte Msaliti.

Die Kopie des echten Ringes war vorzüglich gestaltet. Am Rand der Silberplatte, die von der Fassung gehalten wurde, befand sich in der Tat ein winziger Kratzer. Er sah der echten Beschädigung ähnlich, war aber nicht mit dem Zeichen identisch, an das ich mich aus meiner Zeit in der Tahari erinnerte. Dem Juwelier, der Shaba den Ring nachgestaltet hatte, war in dieser Beziehung ein kleiner Fehler unterlaufen. Der Kratzer unterschied sich in Form und Tiefe ein wenig vom Original.

»Das Stück ähnelt dem echten Ring sehr«, sagte ich zu Msaliti. »Es ist zu groß und aus Gold und hat in der Fassung eine rechteckige Platte. An der Rückseite, wenn man den Ring dreht, zeigt sich ein runder Hebel, den man niederdrücken kann.«

»Ja, ja«, sagte Msaliti.

»Aber schau hier«, fuhr ich fort. »Siehst du diesen Kratzer?«

»Ja.«

»Nach meinen Informationen besitzt der echte Ring keine solchen Identifikationsmerkmale«, erklärte ich. »Angeblich besitzt er ein makelloses Äußeres. Wäre das Stück auf diese Weise entstellt worden, hätte man mich bestimmt verständigt. Ein solcher Kratzer hätte die Identifikation ja sehr vereinfacht.«

»Du bist ein Dummkopf«, sagte Msaliti. »Zweifellos hat Shaba den Ring angekratzt.«

»Würdest du ein so kostbares Stück dermaßen rücksichtslos behandeln?« fragte ich.

Msaliti drehte den Ring herum. Er sah mich an. Dann drückte er auf den Hebel. Nichts tat sich. Wutentbrannt brüllte er los, den Ring in der geballten Faust.

»Du hast dich hereinlegen lassen!« rief er.

»Wir haben uns hereinlegen lassen«, berichtigte ich ihn.

»Folglich besitzt Shaba den unbeschädigten Ring«, sagte er.

»Stimmt«, sagte ich. Shaba besaß den makellosen Ring, der der falsche Ring war. Außerdem besaß er den echten Tahari-Ring, der dem falschen Ring in Msalitis Hand so sehr ähnelte.

»Du mußt Männer in Schendis Straße der Münzen schicken«, sagte ich. »Shaba darf auf keinen Fall die Kreditbriefe einlösen, die er bei sich hat.«

»Er weiß sicher, daß wir etwas dagegen unternehmen können«, sagte Msaliti. »Er ist nicht verrückt. Wie gedenkt er an sein Gold zu kommen?«

»Er ist sehr intelligent, geradezu genial«, sagte ich nachdenklich. »Zweifellos hat er eine solche Maßnahme vorausgesehen. Trotzdem müssen wir sie einleiten.«