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Die Askaris richteten ihre Speere auf ihn, drehten sich zu uns um und brüllten etwas.

Es gab keinen Zweifel, welchen Namen sie brüllten.

»Kisu!« riefen sie. »Kisu! Kisu!«

»Es ist Kisu«, sagte Ayari.

17

Die nackten weißhäutigen Sklavinnen trockneten meinen Körper.

»Fort!« sagte Msaliti energisch. Die beiden flohen, und ihre bloßen Füße patschten auf den gewobenen Matten meiner Unterkunft, die sich in der riesigen Anlage von Bila Hurumas Palast befand.

»Diese Roben«, sagte Msaliti und deutete auf Gewänder, die auf der Liegestatt ausgebreitet worden waren, »dürften einem Botschafter aus Teletus gut zu Gesicht stehen.« Dann wies er auf eine kleine Truhe vor der Couch. »Und das sind angemessene Geschenke für einen Mann, dem es darum geht, mit einem Mann von der Bedeutung Bila Hurumas einen Handelsvertrag abzuschließen.«

Ich zog eine Tunika über.

»Warum hast du Shaba nicht bei den Banken abfangen können?« fragte ich.

»Er hat die Kreditbriefe gar nicht kassiert«, erwiderte Msaliti.

Ich blickte ihn an.

»Er hatte Angst davor?« fragte ich.

»Wir sind hereingelegt worden«, entgegnete Msaliti. »Er überschrieb die Kreditbriefe an Bila Huruma, die dann von persönlichen Agenten des Ubars eingelöst wurden.«

»Zwanzigtausend Gold-Tarn«, sagte ich.

»Das Geld«, sagte Msaliti zornig, »wird für den Bau einer neuen Flotte von hundert Schiffen verwendet, voll ausgerüstet und verproviantiert, mit jeweils fünfzig Mann Besatzung. Diese Schiffe sind so gebaut, daß man sie auseinandernehmen und leicht wieder zusammensetzen kann – und das heißt, daß sie sich ohne weiteres auch durch schwieriges Gelände transportieren lassen. Unser Geld, das wir für den Ring bezahlt haben, wird zur Ausrüstung einer Expedition verwendet, die den Ua erkunden soll!«

»Ein Unternehmen«, stellte ich fest, »das zweifellos für einen Geographen wie Shaba von gleichem Interesse ist wie für einen Ubar von Bila Hurumas Bedeutung.«

»Ich hatte gedacht, er wollte das Geld für sich haben«, sagte Msaliti.

»Vielleicht findet er Gold weniger interessant als den Ruhm«, meinte ich.

»Er soll damit nicht durchkommen!« sagte Msaliti aufgebracht. »Wir holen uns den Ring.«

»Es wird Zeit kosten, solche Schiffe zu bauen«, sagte ich.

»Die Arbeit hat schon vor Monaten begonnen«, sagte Msaliti.

»Das kann dir doch nicht unbekannt geblieben sein!« meinte ich.

»Die Arbeiten wurden an die Werften von Ianda vergeben«, sagte er. »Ich hatte Gerüchte über ein solches Projekt gehört, wußte aber nicht, um welche Art von Schiffen es sich handelt oder daß dieses Ubarat dahintersteckt. Jetzt aber werden die Schiffe bereits auf dem Nyoka flußaufwärts geführt.«

»Anscheinend zieht dich Bila Huruma nicht voll ins Vertrauen«, stellte ich fest.

»Er ist ein verschlossener Mann«, antwortete Msaliti.

»Vielleicht ist es ein Glück für ihn, daß er dir nicht voll vertraut.«

»Gewiß muß man darin die Hand Shabas vermuten«, meinte Msaliti.

»Gewiß«, stimmte ich ihm zu.

»Von allen Menschen hier im Land wissen nur du und ich und Shaba über den Ring Bescheid.«

»Ich darf vermuten, daß du Shabas Aufenthaltsort kennst«, sagte ich.

»Er ist hier, der Schuft!« sagte Msaliti. »Er lebt ganz offen in diesem Palast unter dem Schutz Bila Hurumas.«

»Ein mutiger Bursche«, stellte ich fest.

»Er meint, er habe wenig zu fürchten«, sagte Msaliti.

»Wie sieht dein Plan aus?«

»Heute früh hält Bila Huruma Hof«, sagte er. »In der Verkleidung eines Botschafters aus Teletus wirst du ihm Geschenke darbringen. Ich werde dabei das Reden übernehmen. Du brauchst nichts oder nur wenig zu tun. Von den Anwesenden wird kaum einer das Goreanische verstehen. Ich werde erklären, daß die Einzelheiten deines Vorschlags für einen Handelsvertrag mit dem zuständigen Wesir später besprochen und zur Genehmigung vorgelegt werden.«

»Mit anderen Worten«, sagte ich, »es wird zunächst kaum etwas anderes geben als einen Austausch von Grüßen zwischen Regierungen – zumindest wird es den Anschein haben.«

»Das ist in diesem Stadium der Verhandlungen auch richtig«, meinte Msaliti.

»Schön«, sagte ich, »aber was führst du sonst noch im Schilde?«

»Als Persönlichkeit, die Bila Huruma nahesteht, wird auch Shaba am Hofzeremoniell teilnehmen«, antwortete er. »Du wirst Shaba angreifen und töten. Ich lasse dich anschließend von den Askaris verhaften. Ich nehme dem toten Shaba den Ring ab und sorge später dafür, daß du fliehen kannst. Ich zahle dir hundert Gold-Tarn und bringe dann anschließend den Ring persönlich zu den Ungeheuern zurück.«

»Wird Bila Huruma meinen Angriff auf Shaba nicht mit dir in Verbindung bringen?« fragte ich.

»Sicher nicht. Ich darf mir nichts zuschulden kommen lassen, das verstehst du sicher.«

»Natürlich«, sagte ich. »Warum heuerst du für diese Tat nicht irgendeinen Angehörigen der Mördergilde an?«

»Du bist ein Agentenkollege der Kurii«, sagte er. »Du scheinst mir für diese Aufgabe der ideale Mann zu sein.«

»Natürlich«, sagte ich.

»Ich glaube, ich kann dir vertrauen«, äußerte er.

»Warum das?« fragte ich.

»Na, du hast mitbekommen, wie es am Kanal zugeht.«

»Wenn ich nicht auf deine Vorstellungen eingehe, schickst du mich sicher wieder an die Gaunerkette am Kanal.«

»Die Macht dazu hätte ich.«

»Dann gestatte mir, die Robe eines Botschafters aus Teletus anzulegen«, sagte ich.

»Gewiß doch«, sagte er.

18

»Hast du den Dolch?« flüsterte Msaliti mir zu.

»O ja«, antwortete ich, »in der Ärmelscheide.«

Er ließ mich allein stehen. Mehr als zweihundert Personen standen im großen Hofsaal, Männer und Frauen hohen Standes, wie auch etliche einfache Untertanen, die ein Anliegen hatten. Anwesend waren außerdem Wächter, Häuptlinge und Gesandte. Die Roben bestanden vorwiegend aus Tierhäuten, von denen einige auf prächtige Weise verziert worden waren. Viel Gold- und Silberschmuck wurde getragen. Arm- und Beinreifen aus Federn waren weit verbreitet. Die Frisuren der Männer und Frauen waren verschieden gestaltet. Es zeigte sich teilweise sehr aufwendiger Kopfschmuck, in der Regel aus Fell und Federn. In den Lippen einiger Männer steckten Messingstöpsel. In vielen Dörfern waren Gesichtstätowierungen üblich. Die Vielfalt und Pracht an Bila Hurumas Hof war beeindruckend. Ich war sicher, daß der Aufwand, der bei manchem Ubar des Nordens getrieben wurde, dagegen verblaßt wäre. Am Hofe zeigten sich Abgesandte verschiedener Rassen, doch sie waren überwiegend schwarz. Ich war der einzige Weiße im Saal. Allerdings machte ich einige braunhäutige Burschen aus Bazi aus, und einen Orientalen, bei dem es sich um einen Arzt handelte. Selbst bei ansonsten sehr ähnlichen schwarzen Rassentypen gab es große Unterschiede in Kleidung, Tätowierung und Frisur. Hierin sah ich Unterschiede in kulturellen und stammesbezogenen Entwicklungen. Zu den großen Problemen in Bila Hurumas Ubarat gehörte eben diese Vielfalt der Rassen und Stämme. Zum Glück sprachen die meisten dieser Menschen, die vorwiegend aus der Ushindi-Region stammten, Dialekte, die miteinander verwandt waren. Diese Vielfalt war gewiß eine Herausforderung für das Ubarat Bila Hurumas; und daß sein Regime so stabil war, wie behauptet wurde, ging vermutlich zu gleichen Teilen auf die Intelligenz seiner Entscheidungen wie auf die Rücksichtslosigkeit seiner Aktionen und die Unbeugsamkeit seines Willens zurück.

Als ich den großen Saal betrat, hatte sich Bila Huruma soeben den Bericht seiner Offiziere über die Schlacht gegen Kisus Mannen angehört. Dieser Kampf hatte interessanterweise in den Sümpfen weit westlich des Ngao-Sees stattgefunden, nur wenige Pasang von der Baustelle des Kanals entfernt. Es erwies sich, daß Kisu mit seiner kleinen Truppe unglaublicherweise gegen Bila Huruma anmarschiert war. So mutig und pathetisch hätte eine Ameise sich auf einen Riesen stürzen können. Ich zweifelte nicht an Kisus Mut; weniger sicher war ich mir allerdings in der Frage, ob er den gesunden Menschenverstand und die Weisheit besaß, die von einem Mfalme erwartet wurden.