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»Was für Fahrzeuge sind das?« fragte Askari.

»Leichte Boote«, entgegnete ich. »Sie müssen ziemlich flach sein, wenn sie in diesem Wasser gerudert werden.«

»Die Zahl der Ruder deutet auf eine ziemliche Länge hin«, sagte Ayari. »Es muß sich um leichte Galeeren handeln.«

»Nein«, entgegnete ich. »Ich kenne den Ruderzug einer leichten Galeere. Diese Boote sind sogar dafür zu leicht. Außerdem hätte jede Form der Galeere, die ich kenne, für diesen Sumpf einen viel zu tiefen Kiel.«

»Was für Boote mögen es dann sein?« fragte Ayari. »Und woher kommen sie?«

»Es gibt nur eine Möglichkeit«, sagte ich, »doch es ist Wahnsinn, das bei Nacht hier zu vermuten.«

Wir hörten ein Plätschern im Wasser. Offenbar war ein Tharlarion in der Dunkelheit etwa zwanzig Meter von uns entfernt gegen etwas Hölzernes gestoßen – vielleicht handelte es sich sogar um dasselbe Tier, das uns zuvor mit seiner neugierigen Schnauze beehrt hatte.

Wir vernahmen einen Wutschrei – und eine Sekunde lang wurde eine Nachtlampe geöffnet. Im Bug eines mittelgroßen, aber ziemlich langen barkenähnlichen Wasserfahrzeugs machten wir zwei Männer aus. Einer hieb mit dem Speer ins Wasser und versuchte einen Tharlarion abzuwehren.

Ich umklammerte die Stangen des Käfigs, der mir die Freiheit raubte.

Schon wurde die Laterne wieder abgedeckt. Die Boote glitten an uns vorbei. Es waren drei. Die Ruder waren in den offenen, U-förmigen Dollen mit Fell umwickelt worden, damit sie bei der Bewegung keinen Lärm machten. Die Ruder selbst wurden kaum aus dem Wasser gehoben und bewegten sich daher nahezu geräuschlos bei ihrer Arbeit.

»Was ist?« fragte Ayari.

»Nichts«, antwortete ich.

Im Licht der kurz geöffneten Nachtlaterne hatte ich die Gesichter von drei oder vier Männern erkannt – die Gesichter der beiden am Bug und zweier anderer, die ganz in der Nähe gestanden hatte. Eines dieser Gesichter kannte ich. Es war das Gesicht des Geographen Shaba gewesen.

Ich umklammerte die Gitterstäbe. Ich war hilflos. In einer Aufwallung sinnlosen Zorns rüttelte ich daran, so fest ich konnte. Dann beruhigte ich mich wieder.

»Was ist los?« fragte Ayari.

»Nichts«, sagte ich.

22

Mit meiner Schaufel schleuderte ich Schlamm auf das dazu bestimmte Floß.

Ich hatte aus dem Westen keine Trommeln schallen hören, nichts, was darauf hindeutete, daß Shaba verfolgt wurde.

Ich war überzeugt, daß er es gewesen war, der heimlich in der Nacht an uns vorbeigefahren war. Es waren drei Boote von der Art gewesen, wie sie in Ianda gebaut und über Schendi und den Nyoka zum Ushindi-See gebracht worden waren, ein Teil der Flotte, die Bila Huruma für die Erkundungen Shabas bauen ließ, damit dieser über den Ua ins unerforschte Landesinnere vorstoßen sollte. Es waren allerdings nur drei Barken von etwa einhundert gewesen. Und Shaba ging es sichtlich darum, nicht bemerkt zu werden. Soweit ich bemerken konnte, hatte es keinen flankierenden Konvoi aus Askari-Kanus gegeben, auch keine Askaris an Bord der Barken, soweit ich sie ausmachen konnte. Die Männer in Shabas Begleitung, so vermutete ich, waren vorwiegend Angehörige seiner Kaste, Geographen der Schriftgelehrten, auf jeden Fall Männer, die ihn bei der Erforschung des Ushindi- und des Ngao-Sees begleitet hatten, Männer, denen er vertraute und auf die er sich in Not verlassen konnte – Kastenbrüder.

Ich streifte mir Insekten aus dem Gesicht.

Es drängte sich der Eindruck auf, daß Shaba auf der Flucht war, und ich bezweifelte nicht, daß er den Ring bei sich hatte, dessen Rückgewinnung das Ziel meiner Reise nach Schendi gewesen war. Verstohlen war er in östlicher Richtung an uns vorbeigefahren.

Wieder stieß ich die Schaufel heftig in den Schlamm zu meinen Füßen.

Ich mußte hier graben, und mit jeder Schaufelbewegung, jedem Insektenbiß und -stich entfernte sich der Mann, auf den ich es abgesehen hatte, weiter von mir.

Eine neue Schaufelladung Schlamm landete auf dem Floß.

»Die Flucht ist unmöglich«, sagte Ayari. »Mach dir keine närrischen Hoffnungen!«

»Woher weißt du, daß ich an Flucht denke?« fragte ich.

»Schau doch, wie weiß deine Knöchel sind, wie kräftig du die Schaufel packst«, sagte er. »Wenn der Sumpf dein Feind wäre, hättest du ihn längst in Stücke gehackt.« Er blickte zu mir empor. »Nimm dich in acht, mein Freund! Die Askaris sind bereits auf dich aufmerksam geworden.«

Ich schaute mich um. Er hatte recht – einer der Askaris blickte in meine Richtung.

»Sie hätten dich schon längst töten können«, sagte Ayari. »Aber du bist kräftig und kannst gut arbeiten.«

»Ich könnte ihn umbringen!« knurrte ich.

»Er hat keinen Schlüssel bei sich«, ermahnte mich Ayari. »Das Metall, das du um den Hals trägst, ist angeschmiedet. Fang an zu graben, sonst werden wir wieder geschlagen.«

»Sag Kisu«, erwiderte ich, »daß ich mit ihm sprechen möchte, daß ich fliehen will.«

»Sei kein Dummkopf!«

»Sag’s ihm!« forderte ich.

Wie gestern wurden meine Worte Kisu übermittelt. Er sah sich um. Er antwortete.

»Er spricht nicht mit gewöhnlichen Menschen«, sagte Ayari zu mir.

Ich drosch mit der Schaufel auf den Sumpf ein, schälte einen Schlammbrocken heraus und schleuderte ihn auf das Floß.

Hätte es sich um Kisu gehandelt, wäre er meinem Angriff zum Opfer gefallen.

23

»Ist sie nicht wunderschön?« flüsterte Ayari.

»O ja!« sagte ich.

»Ruhe!« befahl ein Askari.

»Steht stramm!« forderte ein anderer Aufseher. »Hebt die Köpfe! Achtet darauf, daß eure Reihe gerade ist!«

»Wer ist der Mann, der Kisu genannt wird?« fragte ein Askari, der durch das Wasser herbeiwatete.

»Keine Ahnung!« sagte ich.

»Der da!« sagte Ayari und deutete auf Kisu, der einige Kettenplätze von uns entfernt stand.

Langsam wurde die Staatsplattform nähergezogen. Sie bestand aus Planken, die auf den Bordwänden von vier langen Kanus befestigt waren. Von angeketteten Sklaven gezogen, kam das Gebilde langsam näher. Auf der Plattform, beschattet von einem Seidenbaldachin, befand sich ein Podest, auf dem zahlreiche Seidenkissen lagen.

»Warum hast du ihm gesagt, wer Kisu ist?« fragte ich.

»Sie kennt ihn doch, oder?«

»Da hast du recht«, sagte ich.

Auf den Kissen lag zurückgeneigt und auf einen Ellbogen gestützt ein hübsches, hochmütig wirkendes Mädchen. Sie trug eine goldbestickte gelbe Robe und zahlreiche Schmuckreifen und Edelsteine.

»Das ist Tende«, flüsterte einer der Männer, »die Tochter Aibus, des hohen Häuptlings des Ukungu-Distrikts.«

Dies wußten wir längst, denn die Botschaft der Trommeln war ihr aus dem Osten vorausgeeilt.

Links und rechts von Tende kniete je ein hübsches weißes Sklavenmädchen, am Hals und am linken Fußgelenk eine Kette aus weißen Muscheln, am Körper ein kurzes Wickeltuch aus rot und schwarz bedrucktem Reptuch. Beide Sklavinnen besaßen eine hübsche Figur. Ich fand es schwer, den Blick von ihnen zu wenden. Sie gehörten zu den Geschenken, die Tende von ihrem vorgesehenen Gefährten übersandt worden waren. Ich lächelte und fuhr mir mit der Zunge über die Lippen. Obwohl sie als persönliche Sklavinnen einer Frau dienen sollten, waren sie bestimmt von einem Mann ausgesucht worden. Jede der beiden Sklavinnen hielt an langem Griff einen Fächer aus bunten Federn. Mit sanften Bewegungen fächelten sie ihrer Herrin Kühlung zu.

Ich betrachtete die blonde Barbarin, die früher einmal Janice Prentiss geheißen hatte. Sie kniete links von Tende, also zu meiner Rechten. Sie begegnete meinem Blick nicht. Ihre Unterlippe zitterte. Sie wagte es nicht, sich anmerken zu lassen, daß sie mich kannte.