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»Kisu!« rief das Mädchen. »Laß mich ins Kanu!«

»Ich höre nur die Stimme der stolzen freien Frau Tende, der Tochter meines verhaßten Feindes Aibu!« sagte Kisu.

Sie begann zu weinen. Sie versuchte näher an das Kanu heranzukommen, was Kisu jedoch verhinderte, indem er mit kräftigem Paddelschlag die alte Entfernung wiederherstellte.

So paddelten wir eine Viertel-Ahn lang weiter.

»Schau doch!« sagte Ayari und deutete nach hinten.

»Sind sie da?« fragte Kisu.

»Ja«, antwortete Ayari. »Vier Tharlarion.«

Tende blickte zurück.

Zuerst vermochte ich sie nicht auszumachen – dann verriet mir die leichte Bewegung des Wassers ihre Position. Die Körper waren bis auf Augen und Nüstern und einigen Erhebungen am Rücken unter Wasser.

Die Entfernung betrug etwa achtzig Meter. Die Ungeheuer hatten keine Eile, sondern bewegten sich mit der fließend-geschmeidigen Lässigkeit ihrer Rasse, die so überaus gefährlich wirkt.

Wir hielten das Kanu an.

»Nein!« schrie Tende. »Nein, bitte laß mich ins Boot!«

»Noch immer höre ich die Stimme der stolzen freien Frau«, sagte Kisu.

»Nein! Nein!«

»Wessen Stimme höre ich denn dann?« erkundigte sich Kisu.

»Die Stimme einer hilflosen Sklavin«, rief Tende, »die ihren Herrn anfleht, ihr Leben zu verschonen!«

»Du spielst mir etwas vor!«

»Nein, nein!« rief sie. »Ich bin eine echte Sklavin!«

»Bittest du mich darum, dein Herr zu sein?«

»Ja, ja, Herr!« rief sie.

»Vielleicht überlege ich’s mir«, sagte Kisu.

»Bitte, Herr!« rief sie.

Mit kaum wahrzunehmender Schwanzbewegung rückten die vier Tharlarion näher – auf diese Entfernung sahen sie aus wie harmlose schwimmende Baumstämme. Gleich mußte der plötzliche Vorstoß kommen, das Zuschnappen der riesigen Kiefer, der Kampf um die Beute.

Plötzlich griff Kisu zu und zog das Mädchen an den gefesselten Händen aus dem Wasser. Er legte sie quer über die Bordwände.

Gleichzeitig spürten die vier Tharlarion die plötzliche Bewegung ihrer Beute, peitschten das Wasser mit ihren Schwänzen und rasten auf sie zu. Zwei nahmen sich das Heck des Kanus zum Ziel. Ein anderer stieß einen explosiven Schrei aus, halb Grunzen, halb Gebell, das über den Sumpf hallte. Das vierte Ungeheuer riß das gut einen Meter hohe Maul auf und attackierte die Seite des Kanus. Ich schlug es mit dem Paddel zurück.

Unser Kanu begann sich zu neigen, als ein weiterer Tharlarion auf das Heck zu steigen versuchte. Kisu stieß mit einem Paddel danach, aber das Wesen zerbiß das Holz. Die Mädchen, die sich an die Sitzbänke klammerten, schrien auf. Ayari rückte zum Bug des Kanus vor, um ein Gegengewicht zu bilden. Mit einem zersplitterten Kanugriff stieß Kisu nach dem Tharlarion, der vom Heck glitt. Das Kanu prallte mit lautem Knall ins Wasser und wäre beinahe gekentert. Ein anderer Tharlarion stieß mit der Nasenspitze gegen das Kanu. Ich hörte Holz knacken, aber die Bordwand hielt. Der Angreifer drehte sich um und wollte seinen Schwanz zum Einsatz bringen. Ein weiterer Tharlarion glitt unter das Kanu.

»Wir müssen das Kanu in Bewegung bringen!« rief Kisu. »Sie dürfen nicht darunter!«

Ich schlug mit dem Paddel auf das Wasser und drückte dann kräftig zu, als der Tharlarion unter dem schmalen Boot auftauchen wollte. Das Kanu glitt vom Rücken des Angreifers und richtete sich wieder auf. Ayari ergriff ein Paddel und schob das Boot an, wobei ich ihm half.

Die Tharlarion nahmen sofort bellend und mit schnappenden Schnauzen die Verfolgung auf. Kisu wehrte einen der häßlichen Burschen mit seinem defekten Paddel ab.

Im nächsten Augenblick sah ich, wie dem nächsten Ungeheuer eine Handvoll Trockenfisch ins Maul flog. Ayari hatte das Paddel aus der Hand gelegt und in den zylindrischen Korb mit Vorräten gegriffen. Einem anderen Tharlarion schleuderte er eine weitere salzige Ladung entgegen, die in dem zuschnappenden Maul verschwand. Auf ähnliche Weise versorgte er die anderen Tharlarion.

»Gib mir ein neues Paddel!« sagte ich zum ersten Mädchen im Kanu. Sie hockte zitternd und mit gesenktem Kopf unten im Boot.

»Mach schon, Sklavin!« forderte ich.

»Ja, Herr«, flüsterte sie. Sie reichte das Paddel der blonden Barbarin, die es mir weitergab – sie stand sichtlich unter Schockeinwirkung. Sie warf mir einen erschrockenen Blick zu und wandte sich dann ab. Sie wußte sicher, daß sie wieder mir gehörte. Ich nahm ihr das Paddel ab und reichte es Kisu weiter, der gelassen danach griff. Kisu und ich brachten das Kanu wieder auf Ostkurs. Tende lag mit gefesselten Händen zitternd zwischen Kisu und mir unten im Kanu. Ayari schleuderte weitere Fischbrocken ins Wasser, an Stellen, die die Tharlarion nur schwimmend erreichen konnten. Die nachfolgenden Bissen warf er immer weiter fort, im Bogen hinter das Kanu. Dann verstreute er mehrere Fischbrocken gleichzeitig, in weite Spur hinter dem Tharlarion. Kisu und ich paddelten energisch weiter und brachten das Kanu von der Stelle fort. Die Tharlarion ließen sich ablenken und blieben fressend zurück.

Nach einer Viertel-Ahn legte Kisu das Paddel aus der Hand. Er nahm Tende die Fesseln ab.

»Es ist doch recht«, sagte er, »eine natürliche Sklavin zu versklaven, meinst du nicht auch?«

»Ja, Herr«, sagte sie.

Sanft zog er ihr die Sachen aus.

»Du bist hübsch anzuschauen«, sagte er.

»Ich freue mich, wenn der Herr sich freut«, sagte sie.

»Wirklich schade, daß du nur eine Sklavin bist«, meinte er.

Ich streifte der blonden Sklavin die Schnur mit weißen Muscheln über den Kopf und teilte die Schnur. Ein Stück band ich ihr um den Hals und das linke Fußgelenk. Die beiden verbleibenden Stücke gab ich mitsamt den Muscheln Kisu. Er schmückte sein Mädchen damit in entsprechender Weise.

»Du hast mich als Sklavin geschmückt, Herr«, sagte Tende.

»Das gehört sich auch so«, sagte er und schleuderte ihre Kleidung aus dem Boot. Nur ein Seidenstreifen, der aus ihrem Unterzeug gerissen worden war, blieb zurück. Kisu verstaute den Stoff sorgfältig zusammengefaltet in seinem Gürtel.

»Deine Sklavin liegt nackt vor dir, Herr«, sagte Tende.

»Ich habe dich immer begehrt, Tende«, erwiderte er.

Sie hob ihm die Arme entgegen.

»Seit ich ein kleines Mädchen war«, gab sie zurück, »wollte ich deine Sklavin sein. Aber ich hatte nicht geglaubt, daß du jemals so stark sein würdest, mich zu deiner Sklavin zu machen.«

»In Ukungu«, sagte er, »war das nicht möglich.« Er legte ihr die Hände um die Arme und blickte sie an. »Hier jedoch ist es möglich.«

»Hier ist es Wirklichkeit«, sagte sie. Dann zuckte sie zusammen, denn sein Drängen war zu heftig geworden, und sein Griff verstärkte sich.

25

»Schaut!« sagte Ayari im Bug des langen Kanus und deutete nach vorn.

»Endlich!« sagte Kisu im Heck und senkte das Paddel.

Die beiden weißen Sklavinnen, die vor mir knieten, nahmen die Paddel aus dem Wasser und legten sie quer über die Bordwände.

Hinter mir, zwischen mir und Kisu sitzend, hörte auch Tende zu paddeln auf. Kisu behielt sie stets in Reichweite. So wußte sie sich seinen Blicken stets ausgesetzt. So mußte sie arbeiten wie die anderen Sklavinnen, schwer arbeiten. Mehr als einmal hatte Kisu ihr mit seinem breiten, hübsch verzierten Paddel auf die Schultern geschlagen, wenn sie mit schmerzenden Armen erschöpft aus dem Rhythmus gekommen war.

Wir hatten die ›Schwelle‹ erreicht, jene Zone des Übergangs zwischen den Sumpf und dem Ngao-See.

Kisu und ich ließen uns ins Wasser gleiten und drückten watend, im Schlamm ausrutschend, das Boot weiter.

Im nächsten Augenblick teilte sich das Schilf, und vor uns erstreckte sich das Wasser des Ngao-Sees – eine endlos scheinende Fläche, die in der Sonne funkelte.

»Wie schön das ist!« hauchte die blonde Barbarin auf Englisch.

Wir hatten fünfzehn Tage gebraucht, bis wir die Schwelle erreichten. Dabei hatten wir uns von Fischen ernährt, die wir mit dem Speer jagten, und von Wasser, das wir aus dem Sumpf schöpften.