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Die blonde Barbarin stocherte mit einem Holzstück im Feuer herum.

Im Dschungel schlägt man sein Lager niemals in der Nähe hoher Bäume auf. Infolge der großen Feuchtigkeit schicken die Bäume keine tiefen Wurzeln aus, sondern entwickeln ihre Systeme mehr in horizontaler Richtung. Bei den kräftigen Winden, die oft durch den Dschungel fahren, geschieht es häufig, daß diese nicht sehr gut verankerten Bäume umstürzen.

Ich hatte den Eindruck, als wollte das Mädchen etwas sagen – aber sie schwieg.

Im Regenwald gibt es eine unglaubliche Vielfalt von Baumarten – ihre genaue Zahl kann ich nicht mal vermuten. Allein die Palmen zählen über fünfzehnhundert verschiedene Sorten. Einige dieser Palmen haben über zwanzig Fuß lange Blätter. Eine Gattung, die Fächerpalme, die gut zwanzig Fuß groß ist und ihre Blätter wie einen geöffneten Fächer ausbreitet, ist eine ausgezeichnete Wasserquelle – an jeder Blattwurzel findet sich bis zu einem Liter reines Wasser, das dort wie in einer Tasse gesammelt ist. Eine andere nützliche Wasserquelle ist die Lianenranke. Zunächst nimmt man über Kopfhöhe einen Einschnitt vor, um zu verhindern, daß das Wasser durch Kontraktion und Oberflächenadhäsion nach oben in den Stengel abgezogen wird. Der zweite Schnitt, etwa einen Fuß über dem Boden, zapft einen hohlen Stengel an, der ungefähr einen Liter Wasser ergibt. Im Regenwald existieren mehrere Baum-Arten, die das ganze Jahr über Blätter verlieren und neu wachsen lassen, die somit stets Laub tragen. Andere verlieren einige Wochen lang ihre Blätter – wenn auch nicht zur gleichen Zeit, was sogar für Bäume derselben Art gilt –, um dann neue Knospen hervorzubringen. Sie haben ihren Zyklus der Regeneration, der allerdings nichts mehr mit den Winter- und Frühlingsperioden zu tun hat, wie sie auf der Erde bestehen.

»Herr?« fragte das Mädchen.

»Ja?«

»Nichts«, sagte sie und wandte den Blick ab.

Im Regenwald lassen sich drei ökologische Zonen oder Lagen oder Ebenen unterscheiden. Jeder dieser Bereiche ist durch eigene Arten pflanzlichen und tierischen Lebens gekennzeichnet. Die Schichten unterscheiden sich nach Baumhöhen. Die höchste Ebene ist die der ›Herausrager‹, jener Bäume, die sich über das dichte Laubwerk weiter unten hinausentwickelt haben. Diese Schicht erstreckt sich ungefähr in einer Höhe zwischen hundertundzwanzig und zweihundert goreanischen Fuß. Die zweite Schicht wird oft als Laubdach bezeichnet. Es handelt sich um die phantastische grüne Schicht, die das Hauptdach des Dschungels bildet. Sie bestimmt im wesentlichen das Bild, würde man auf dem Rücken eines Tarn oder von einem hohen Hang auf den Dschungel herabschauen. Das Laubdach, die Zone der Laubdächer, erstreckt sich in einer Höhe von sechzig bis hundertundzwanzig Fuß. Die erste Zone führt vom Boden bis in eine Höhe von sechzig Fuß. Diese erste Zone könnte man als ›Boden‹ oder ›Grundzone‹ des Regenwaldes bezeichnen. Auf der Ebene der Herausrager leben vorwiegend Vögel, in erster Linie Papageien, langschnäbelige Flieger und Lits, die einen nadelspitzen Schwanz besitzen. Auch Affen und Baum-Urts, Schlangen und Insekten sind in der höchsten Schicht zu finden. In der zweiten Zone lebt eine unglaubliche Vielfalt von Vögeln – Singvögel, Finken, Mindare, der Hauben-Lit und der gewöhnliche Lit, der Frucht-Tindel, der gelbe Gim, Tanager, einige Papageienarten und viele andere. Natürlich sind auch hier Affen und Schlangen anzutreffen, Gleit- und Blatt-Urts, Eichhörnchen, langschwänzige Kletterschweine, Echsen, Faultiere und die übliche Vielzahl von Insekten, Ameisen, Tausendfüßlern, Skorpionen, Käfern, Fliegen und so weiter. Auch im unteren Bereich der Dschungelschichten sind größere Vögel anzutreffen, etwa der elfenbeinschnäbelige Specht und der Schirmvogel. In dieser Ebene leben gewöhnlich auch die Guernon-Affen. In der Grundzone und auf dem Boden gibt es bestimmte Vögel, einige sogar mit brauchbaren Flügeln, etwa die hakenschnäbelige Gort, die sich in erster Linie von Nagetieren ernährt, beispielsweise von Boden-Urts, und den insektenfressenden Pfeif-Finken. Außerdem gibt es einige stummelflügelige Vogelrassen, zum Beispiel den Insektenbohrer und den Gim. Am Flußufer finden sich natürlich noch viele andere Vogelrassen, etwa der Dschungelgant, der Federfischer und die ringhälsigen und gelbbeinigen Stelzvögel. Im Bodenbereich vegetieren weiterhin verschiedene Schlangenarten dahin, etwa die Ost und die Hith, und zahlreiche Insektenspezies. Von der Felsspinne war schon die Rede, aber die Termiten sollten ebenfalls Erwähnung finden. Die Termiten sind übrigens von großer Bedeutung für die Ökologie des Waldes. Sie fressen und verwerten Äste und Stämme umgestürzter Bäume. Durch Bakterien wird der daraus entstehende Termiten-›Staub‹ zu Humus, der Humus zu Stickstoff und Mineralstoffen. In den tiefen Ästen der Bodenzone sind außerdem Kleintiere zu finden, etwa die Tarsiers, Nacht-Affen, schwarze Eichhörnchen, vierzehige Blatt-Urts, Dschungel-Varts und die einsam herumstreifenden Giani, winzige, katzenähnliche Panther, die dem Menschen nicht gefährlich werden. Der Boden beherbergt seinerseits mehrere Lebensformen, vor allen Dingen Beuteltiere wie die Panzer-Gatch und Nagetiere wie Slees und Boden-Urts. Mehrere Tarsk-Arten leben in dieser Zone, wie auch mehr als sechs Gattungen des Ameisenbären und mehr als zwanzig Spezies des kleinen, wendigen einhörnigen Tabuk. Ferner finden sich hier unten Dschungel-Larls und Panther verschiedener Arten und zahlreiche kleinere katzenähnliche Raubtiere. Diese gehen dem Menschen jedoch im großen und ganzen aus dem Weg. Sie sind im Regenwald weniger gefährlich als auf den nördlichen Längengraden. Ich weiß nicht, warum das so ist – vielleicht liegt es daran, daß sie im Regenwald meistens reichlich Nahrung finden und daher kaum Versuchung verspüren, sich außerhalb ihres normalen Beutebereichs umzutun. Gelegentlich greifen sie aber trotzdem an, besonders wenn man sie provoziert oder herausfordert. Auffälligerweise fehlen im Regenwald des Ua sämtliche Sleenarten. Das ist ganz gut so, denn der Sleen jagt gewöhnlich auf der ersten Spur, die er findet, nachdem er bei Dunkelwerden seinen Bau verlassen hat. Außerdem jagt er zielstrebig und hartnäckig und kann dem Menschen äußerst gefährlich werden, meiner Meinung nach noch gefährlicher als der Voltai oder der Larl des Norden. Ich bin der Ansicht, daß der Sleen in den Dschungeln vor allem wegen der Regenfälle und der sich daraus ergebenden Feuchtigkeit und Schwüle nicht anzutreffen ist. Vielleicht fühlt sich ein Pelztier, das Schutz in einem unterirdischen Bau sucht, in einer solchen Umgebung nicht wohl. Es gibt allerdings ein sleenähnliches Tier, das jedoch viel kleiner ist, nur etwa zwei Fuß lang und acht bis zehn Pfund schwer, Zeder genannt. Dieses Wesen ist am Ua und seinen Nebenflüssen anzutreffen. Bei Tag schießt es durch das Wasser und kehrt abends zu seinem Nest zurück, das es in Wassernähe aus Stöcken und Lehm in den Ästen eines Baums errichtet hat.