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Sie legte den Kopf in den Nacken und schluchzte freudvoll auf. Die Sklavin in ihr war endlich aus ihrem Verlies frei. Sie würde nie in die Enge des Gefängnisses zurückkehren.

»Ich bin frei«, flüsterte die blonde Barbarin. »Endlich bin ich frei!«

»Überleg dir, was du da sagst!« ermahnte ich sie.

»Ja, Herr.«

»Ich fühle mich so frei«, sagte sie und betrachtete mich mit tränenvollen Augen.

»Auf eine Weise bist du frei, auf eine andere nicht. Emotionell hast du dich befreit, du bist plötzlich zufrieden mit dir selbst. In welcher Beziehung du nicht frei bist, liegt auf der Hand. Du bist Sklavin und deinem Herrn ausgeliefert.«

»Ja, Herr«, hauchte sie.

Und ich umfaßte ihre Oberarme und drückte sie sanft, aber unaufhaltsam rückwärts.

»Ja, Herr«, wiederholte sie. »Es ist hell, Herr«, sagte sie leise.

Ich erwachte, rollte herum und stemmte mich auf einen Ellbogen. Ich betrachtete sie in der feuchtschimmernden Morgendämmerung. Sie lag neben mir.

»Wir müssen bald weiter«, sagte ich.

»Ja, Herr«, erwiderte sie. Sie war wunderschön. »Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so glücklich«, flüsterte sie.

»Du bist Janice«, sagte ich – und gab ihr damit ihren Namen.

»Danke, Herr«, sagte sie und legte den Kopf in den Nacken.

Ich hatte sie im Lauf der Nacht mehrere Male den hilflosen Sklavenorgasmus erleben lassen, der ihr bisher verschlossen gewesen war.

»Ich wußte gar nicht, daß es solche Empfindungen überhaupt gibt«, sagte sie verträumt.

»Nur die Sklavin ist dazu fähig«, sagte ich, über ihr stehend.

»Ich liebe dich, Herr«, sagte sie.

»Zweifellos wirst du oft gekauft und verkauft werden, Sklavin«, sagte ich, »und wirst viele Herren haben.«

»Ich werde versuchen, meine Herren zu lieben.«

»Das ist sicher klug.«

»Ja, Herr«, sagte sie lächelnd. Ich betrachtete sie. Vielleicht würde sie eines Tages ihren Liebesherrn finden – der Mann, für den sie die vollkommene Liebessklavin war.

Ich versetzte ihr einen Tritt in die Flanke. »Aufstehen!« befahl ich.

»Ja, Herr«, sagte sie.

Ich hockte mich nieder und aß etwas Tarskfleisch. Dann zog ich ein Stück Rindentuch aus meinem Gürtel und warf es ihr hin. »Zieh dich an!«

»Ja, Herr«, antwortete sie lächelnd. Sie wand sich das Stück Stoff um die Hüfte und steckte es fest. Anschließend rückte sie das Gewand noch ein wenig tiefer auf die Hüften, damit die hübsche Rundung ihres Bauches gut zur Geltung kam.

»Gefalle ich meinem Herrn?« fragte sie.

»Ja.«

Lächelnd drehte sie sich vor mir und fiel mir dann hingebungsvoll in die Arme.

»Wir müssen weiter«, sagte ich. Dann aber drückte ich sie erneut zu Boden. Ich warf ihr den Rest des Tarsk über die Schultern. Sie taumelte ein wenig unter der Last. Dann richtete sie sich wieder auf.

»Ich weiß, warum die meisten Sklavinnen ihren Herren nicht ausreißen wollen«, sagte sie.

»Warum denn?« fragte ich.

»Weil wir sie lieben und ihnen gefallen wollen«, sagte sie.

Ich drehte sie herum und stieß sie in die Richtung unseres Hauptlagers, in dem Kisu und die anderen auf uns warteten.

Dann folgte ich ihr.

»Har-ta, Kajira!« rief ich. »Schneller, Sklavin!« trieb ich sie an.

»Ja, Herr«, sagte sie.

35

»Bitte fessele mich heute abend nicht, Herr!« flehte Tende.

»Sei still!« rief Kisu und band ihr die Hände.

Es war eine Woche her, seit wir von der Höhe des Wasserfalls aus die Flottille Bila Hurumas weit hinter uns ausgemacht hatten.

»Janice«, flüsterte Tende.

Janice, die nicht angebunden war, kroch zu der anderen Sklavin, die sich in eine sitzende Position hochgemüht hatte. »Herrin?« fragte Janice.

»Wie kann ich Kisu noch mehr gefallen?« fragte das Erste Mädchen in unserer Gruppe.

»Fühlst du tief in deinem Herzen, daß du Sklavin bist?« fragte Janice.

»Ja.«

»Dann diene ihm auch als Sklavin, und zwar rückhaltlos«, sagte Janice.

»Das werde ich tun.«

Die beiden Mädchen unterhielten sich auf Goreanisch. Kisu hatte mich gebeten, Janice und Alice zu befehlen, Tende Unterricht zu geben. Ich war einverstanden. In den Wochen unserer Flußfahrt hatte sie sich gute Kenntnisse angeeignet, so daß sie das Goreanische schon einigermaßen fließend beherrschte. Tende war eine intelligente Frau. Natürlich profitierte auch Kisu von diesen Lektionen. Vielleicht hatte er sich den Unterricht zum Teil auch im eigenen Interesse erbeten. Auch ich fand es gut, daß sich Kisu und Tende in der Sprache besser auskannten – angesichts der Zusammensetzung unserer Gruppe war Goreanisch wirklich das beste Verständigungsmittel.

Janice kehrte an meine Seite zurück.

»Mich hat er gefesselt, und dich nicht«, klagte Alice, die einige Fuß entfernt von mir niederkniete.

»Ach, halt den Mund!« sagte Janice.

»Binde mich los, ich will dir dienen«, flehte Alice.

»Nein, ich werde ihm dienen.«

»Herr!«

»Sei still, oder ich kratze dir die Augen aus!«

Einer der unschöneren Aspekte der Sklavenhaltung ist zuweilen die Konkurrenz unter den Mädchen. Solche Rivalitäten können einem auf die Nerven gehen, sind aber wohl nicht zu vermeiden.

»Geht schlafen, ihr beide!« befahl ich, ehe es zu weiteren Auseinandersetzungen kommen konnte.

»Ja, Herr«, sagte Alice.

»Ja, Herr«, antwortete Janice.

36

»Dort«, sagte Ayari und deutete mit ausgestrecktem Arm. Wir setzten das Kanu ab, das wir an dem rauschenden Katarakt vorbeitrugen.

Inmitten der Felsen erblickten wir die Überreste des Hecks einer Flußgaleere. Gebrochene Planken, trocken und heiß, ragten ins Sonnenlicht, während das eigentliche Heck weiter unten feucht und schwarz zwischen den Steinen festgeklemmt war, umschäumt von den tobenden Fluten. Das Steuerruder hing zerbrochen zur Seite herab.

Ich watete zu dem Wrack hinaus. Es gab dort aber nichts zu finden, was das Bergen lohnte.

»Das Ding kann viele Pasang weit den Fluß herabgespült worden sein«, sagte Ayari.

Ich nickte. Vor langer Zeit hatten wir schon einmal ein Stück aus dem Fluß gefischt, welches vielleicht Zeugnis von einem Unglück auf dem Fluß ablegte – eine Truhe mit Tauschware, die wir anschließend zu unserem Vorteil hatten verwenden können. Wrackteile hatten wir jedoch nicht gesehen. Vielleicht war die Truhe also nur nicht richtig festgezurrt gewesen und über Bord gespült worden. Andererseits mochte ein Boot gekentert sein. Allerdings hatten wir keine Überreste gefunden. Soweit wir wußten, war dies also das erste Boot, das Shaba verloren hatte.

Ich stemmte die Schulter gegen das Holz. Dann drückte ich mit dem Rücken dagegen. Ich preßte die Stücke los und sorgte dafür, daß die Strömung das Holz mitriß, wirbelnd, nach Westen.

Anschließend kehrte ich ans Ufer zurück. Shaba verfügte nur noch über zwei Galeeren.

»Klug von dir, das Wrack loszumachen«, sagte Kisu und sah sich um. »Je weniger Hinweise es gibt auf Fremde am Fluß, desto sicherer werden wir alle sein.«

Ich schaute mich ebenfalls zum Dschungel um. Es schien alles ruhig zu sein. »Ja«, erwiderte ich. »Aber ich hätte das Stück sowieso freigemacht.«

»Warum?« erkundigte sich Kisu.

»Es sind die Überreste eines Schiffes. Sie sollten frei sein.« Wie konnte ich Kisu, einem Binnenländer, die Gefühle von Männern nahebringen, die die Wogen des Thassa erlebt hatten?

»Mich wirst du nicht befreien, Herr, nicht wahr?« fragte Janice.

»Nein«, sagte ich, »denn du bist eine Frau.«

Und wir hoben das Kanu an und setzten unseren beschwerlichen Weg fort.