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»Tal«, antwortete ich.

Ich blickte zu dem Mädchen hinab. Sie konnte keinen Halt finden.

Ich machte Anstalten, ihr den Speerschaft hinzuhalten, damit sie sich daran hochziehen konnte.

Sofort eilten die kleinen Leute auf mich zu und schüttelten die Köpfe. Sie versuchten mich zurückzuziehen. »Nein«, sagte der Anführer. »Nein! Nein!«

Dieses Verhalten verwirrte mich. Ich erinnerte mich, daß die kleinen Männer ursprünglich um die Senke herumgestanden und sich Janices Not gelassen angeschaut hatten. Sie waren offensichtlich nicht gewillt gewesen, ihr zu helfen, auch als das achtbeinige Ungeheuer in Erscheinung trat, um sein Opfer zu verschlingen. Doch als ich dann gegen das Ungeheuer kämpfte, hatten sie mich nach besten Kräften unterstützt. Während sie mir also freundlich gesonnen waren, schienen sie nicht die Absicht zu haben, die Sklavin Janice zu befreien. Aus irgendeinem Grunde wollten sie, daß ich sie hilflos dort liegen ließ, gnadenlos dem Dschungel ausgeliefert, unfähig, sich selbst zu befreien.

Ich schob die kleinen Männer zurück. »Zurück!« forderte ich sie auf. Sie gehorchten. Sie waren nicht erfreut, aber ich hatte nicht den Eindruck, daß sie mich behindern wollten. Ich hielt Janice den Speerschaft hin, sie griff mit der freien Hand danach und wurde dann mit einer energischen Bewegung aus dem Netz in die Sicherheit des Dschungelbodens gehoben.

Als sie dann neben mir stand, begannen die kleinen Männer zu meiner Überraschung zu zittern, umringten sie, knieten verschüchtert nieder und verbeugten sich bis zum Boden.

»Was soll das?« fragte sie.

»Sie erweisen dir ihren Respekt«, sagte ich.

»Das verstehe ich nicht«, sagte sie erschrocken.

»Natürlich!« rief ich. »Jetzt weiß ich Bescheid!«

»Was ist denn?« fragte sie nervös.

»Richtet euch auf!« rief ich den kleinen Gestalten zu. »Los, macht schon!«

Zögernd kamen die kleinen Männer meiner Aufforderung nach.

Ich blickte Janice streng an. »Bist du nicht eine Sklavin in der Gegenwart freier Männer?« fragte ich.

»Verzeih mir, Herr!« rief sie und kniete hastig nieder. Die kleinen Gestalten musterten sie verblüfft und erschrocken.

»Neige den Kopf vor ihnen«, sagte ich.

Janice gehorchte. »Verzeiht mir, ihr Herren«, sagte sie.

Staunend starrten die kleinen Männer das Mädchen an.

»Steh auf«, sagte ich zu dem Mädchen und wandte mich an mein kleinwüchsiges Publikum.

»Dies ist eine Sklavin«, erklärte ich.

Sie berieten sich leise untereinander. Dabei benutzten sie nicht die goreanische Sprache.

»Wir sind die Sklaven der Talunas«, sagte einer der Männer, der Anführer.

Ich nickte. So etwas hatte ich, nach ihrem Verhalten zu urteilen, schon vermutet. Zweifellos hatten sie von den Talunas auch Goreanisch gelernt.

»Wir fischen und jagen für sie, wir weben Stoff und dienen ihnen«, sagte einer der Männer.

»Männer sollten nicht Sklaven von Frauen sein«, sagte ich. »Umgekehrt ist es richtig!«

»Wir sind klein«, sagte ein Mann. »Die Talunas sind zu groß und kräftig für uns.«

»Man kann sie einfangen und versklaven – wie jede Frau«, antwortete ich.

»Hilf uns, die Talunas loszuwerden«, sagte der Anführer.

»Ich habe weiter oben am Fluß etwas Wichtiges zu erledigen.«

Der Anführer nickte.

Dann machte ich kehrt und kehrte, gefolgt von meiner Sklavin, zur Lagune zurück. Zu meiner Überraschung folgten mir die kleinen Männer im Gänsemarsch. Am Wasser nahm ich den Rindentuch-Rock des Mädchens und ihre Perlen auf, die sie zum Baden abgelegt hatte, und gab ihr die Sachen zurück. Dann blickte ich auf den Wald und zur Sonne empor. Ich schätzte, daß es heute zum Jagen schon zu spät war. Schließlich drehte ich mich um und machte mich mit Janice auf den Rückweg zu unserem Lager. Und wieder folgten uns die kleinen Männer. »Kisu!« rief ich besorgt. »Ayari! Tende! Alice!«

Das kleine Lager war verwüstet. Hier mußte gekämpft worden sein. Auf dem Boden schimmerte Blut.

»Sie sind fort«, sagte der Anführer der kleinen Menschen. »Sie sind vom Mamba-Volk überfallen worden, das sich die Zähne spitz zufeilt.«

Das Wort »Mamba« bezeichnet in den Flußdialekten keine Giftschlange, wie man annehmen könnte, wenn man das entsprechende irdische Wort kennt – es wird vielmehr interessanterweise sehr allgemein auf die meisten Arten der gefährlichen Fluß-Tharlarion verwendet. Das Mamba-Volk war somit das Tharlarion-Volk. Die Angehörigen des Mamba-Volkes aßen Menschenfleisch. Das trifft auch auf den Tharlarion zu – und daher bezieht dieses Volk zweifellos seinen Namen.

»Woher weißt du, daß es das Mamba-Volk war?« fragte ich.

»Sie sind zu Fuß durch den Dschungel gekommen«, sagte der Anführer der kleinen Menschen. »Zweifellos haben sie euch verfolgt. Bestimmt wollten sie euch überraschen.«

»Woher weißt du, daß sie es waren?«

»Wir haben sie gesehen.«

»Dies ist unser Land«, bemerkte ein anderer. »Wir wissen viel von dem, was sich hier abspielt.«

»Habt ihr den Angriff gesehen?« wollte ich wissen.

»Wir wagten uns nicht zu nahe heran«, sagte ein anderer.

»Wir sind nur klein«, sagte jemand. »Es waren viele, und sie sind groß.«

»Wir sahen, wie die Angehörigen deiner Gruppe fortgeführt wurden«, sagte ein Mann.

»Sie lebten also noch«, stellte ich fest.

»Ja«, bestätigte jemand.

»Warum habt ihr mir nicht früher davon erzählt?«

»Wir dachten, du wüßtest von dem Angriff«, sagte einer der Männer, »und wärst geflohen, um dein Leben zu retten.«

»Nein«, sagte ich. »Ich war auf der Jagd.«

»Wir geben dir Fleisch, wenn du welches möchtest«, sagte einer der kleinen Männer. »Wir haben vorhin ebenfalls gejagt – und mit Erfolg.«

»Ich muß versuchen, die anderen aus meiner Gruppe zu retten«, sagte ich.

»Das Mamba-Volk ist zahlreich«, sagte einer der Kleinwüchsigen. »Sie haben Speere und Messer.«

»Ich muß es zumindest versuchen«, beharrte ich.

Die kleinen Männer blickten sich an. Sie unterhielten sich kurz in einer Sprache, der ich nicht zu folgen vermochte. Nur wenige Worte waren ungefähr zu verstehen. Es besteht eine linguistische Verwandtschaft zwischen den meisten See- und Flußdialekten. Die Sprache, die hier erklang, wies jedoch kaum noch Ähnlichkeit auf mit Ushindi oder Ukungu.

Gleich darauf wandten sich die kleinen Menschen wieder zu mir um. »Tauschen wir Geschenke aus«, schlug der Häuptling vor. »Befreie uns von den Talunas, dann helfen wir dir.«

»Ihr müßt sehr mutig sein«, sagte ich.

»Wir können mutig sein«, antwortete einer der Männer.

»Ihr versteht euch auf die Jagd mit Speeren und Netzen«, sagte ich. »So sieht mein Plan aus.«

45

Leichtfüßig sprang ich in das Innere der Palisade der Talunas, in der mehrere kleine, strohgedeckte Hütten standen. Im Licht der drei Monde konnte man sich gut orientieren.

Leise, gelegentlich zum Lauschen innehaltend, kroch ich durch das Lager auf die mehr in der Mitte gelegenen Hütten zu. In einer hörte ich plötzlich das Klappern einer Kette; diese Hütte besaß einen Eingang, der von außerhalb verschnürt worden war.

Ich suchte mir die größte und schönste Hütte in der Mitte der Anlage aus.