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»Das Licht sei Euch gnädig, mein Lord Drache«, fügte der andere hinzu. »Das Licht sei Euch gnädig und erleuchte Euch für immer. Ich bin Euer Mann bis zum Tod!« Rand ließ auch Meresin noch beteuern, er sei sein Mann, bevor er energisch die Hände zurückzog und ihnen befahl, aufzustehen. Es gefiel ihm nicht, wie sie ihn ansahen. Edorion hatte sie wie Hunde herbeigerufen, aber Männer sollten niemanden so ansehen, als seien sie Hunde, die zu ihrem Herrn aufblicken.

Edorion atmete tief ein, blies die rosigen Wangen auf und ließ die Luft langsam wieder aus. »Ich schätze, wenn ich ohne weiteres hierher gekommen bin, kann ich es auch zurück schaffen. Mein Lord Drache, vergebt mir, wenn ich Euch erzürnen sollte, aber würdet Ihr eine Wette annehmen, sagen wir, tausend Goldkronen, daß Ihr wirklich in sieben Tagen dort seid?«

Rand starrte ihn sprachlos an. Der Mann war ja genauso schlimm wie Mat. »Ich habe nicht einmal hundert Silberkronen, geschweige denn tausend in... «

Sulin unterbrach ihn. »Er hat genug, Tairener«, sagte sie energisch. »Er wird Eure Wette annehmen, wenn Ihr zehntausend annehmt.«

Edorion lachte. »Gemacht, Aiel. Und es ist mir jede einzelne Kupfermünze wert, wenn ich verliere. Wenn ich es richtig sehe, werde ich allerdings meinen Gewinn nicht mehr abholen können, sollte ich wirklich die Wette gewinnen. Kommt, Meresin, Daricain.« Es hörte sich immer noch so an, als rufe er seine Hunde zur Jagd. »Wir reiten.«

Rand wartete ab, bis die drei sich verbeugt hatten und halbwegs wieder bei ihren Pferden waren, bevor er die weißhaarige Tochter des Speers anfuhr: »Was meint Ihr denn damit, ich hätte tausend Goldkronen? Ich habe noch niemals tausend Goldkronen gesehen, geschweige denn zehntausend!«

Die Töchter tauschten Blicke, als hielten sie ihn für senil, und Rhuarc und Mangin schauten nicht anders drein. »Ein Fünftel der Schätze aus dem Stein von Tear gehören denjenigen, die den Stein einnahmen, und sie werden beansprucht, sobald man sie wegschaffen kann.« Sulin sprach mit ihm wie mit einem Kind, das man über die einfachsten Dinge des Lebens aufklärt. »Als Häuptling und Führer in der Schlacht dort steht Euch ein Zehntel dieses Fünftels zu. Tear hat sich Euch als dem Häuptling nach dem Fall des Steins ergeben, also gehört Euch auch ein Zehntel der Beute aus Tear. Und Ihr habt gesagt, wir könnten uns das Fünftel in diesen Ländern nehmen, als... Steuer, wie Ihr es nanntet.« Sie hatte Schwierigkeiten mit dem Ausdruck, denn die Aiel kannten keine Steuern.

»Auch davon gebührt Euch der zehnte Teil als Car'a'carn.«

Rand schüttelte den Kopf. Bei all seinen Gesprächen mit Aviendha war er nie auf den Gedanken gekommen, sie zu fragen, inwieweit das mit dem fünften Teil auf ihn zutreffe. Er war kein Aiel, ob Car'a'carn oder nicht, und es schien nichts mit ihm zu tun zu haben. Nun, es war vielleicht keine richtige Steuer, aber er konnte es genausogut verwenden wie ein König die Steuergelder. Unglücklicherweise hatte er nur wenig Ahnung davon, wie sie die Steuern verwendeten. Er würde Moiraine fragen müssen. Das war etwas, was er bisher von ihr nicht gelernt hatte. Vielleicht hielt sie das für so offensichtlich, daß es jeder wissen müsse.

Elayne wußte bestimmt, wozu man Steuern verwendete. Es hatte schon erheblich mehr Spaß gemacht, sich von ihr beraten zu lassen als von Moiraine. Er hätte so gern gewußt, wo sie sich aufhielt. Wahrscheinlich immer noch in Tanchico. Egwene hatte ihm wenig mehr ausgerichtet als immer wieder Grüße. Zu gern hätte er Elayne vor sich gehabt und von ihr eine Erklärung für diese beiden Briefe gehört. Ob Tochter des Speers oder Tochter-Erbin von Andor: Frauen waren schon eigenartig. Außer vielleicht Min. Sie hatte ihn ausgelacht, aber bei ihr hatte er nie das Gefühl sie spreche eine andere Sprache als er. Jetzt würde sie nicht mehr lachen. Falls er sie je wiedersah, würde sie wohl auf und davon laufen vor ihm, dem Wiedergeborenen Drachen.

Edorion ließ alle seine Männer absitzen, nahm eines der Pferde und ließ die anderen zusammen mit demjenigen Esteans an einer langen Leine festmachen. Zweifellos hielt er sein eigenes für das letzte Stück durch das Shaidoheer hindurch zurück. Meresin und Daricain machten es mit ihren Männern genauso. Obwohl das bedeutete, daß jedem der Cairhiener ganze zwei Ersatzpferde blieben, schien niemand auch nur daran zu denken, bei den Tairenern um Pferde zu bitten. Dann trabten sie, begleitet von einigen Jindo, in westlicher Richtung davon.

Estean gab sich Mühe, niemandem in die Augen zu sehen, und ging langsam zu den Soldaten hinüber, die nervös und von Aiel eingekreist am Fuß der Brücke zusammenstanden. Mangin packte ihn am rotgestreiften Ärmel. »Ihr könnt uns über die Lebensbedingungen in Cairhien berichten, Feuchtländer.« Der Mann mit dem plumpen Gesicht wirkte, als wollte er im nächsten Moment in Ohnmacht fallen.

»Ich bin sicher, er wird alle Fragen beantworten, die Ihr ihm stellt«, sagte Rand scharf, wobei er das Wort ›Fragen‹ betonte.

»Er wird lediglich gefragt werden«, sagte Rhuarc und packte den Tairener am anderen Arm. Er und Mangin schienen den viel kleineren Mann zwischen sich aufrecht zu halten. »Die Verteidiger der Stadt vorzuwarnen ist ja schön und gut, Rand al'Thor«, fuhr Rhuarc fort, »aber wir sollten Kundschafter aussenden. Wenn sie laufen, können sie genauso schnell dort sein wie die Reiter, und wenn sie zurückkommen, können sie uns berichten, wie Couladin die Shaido postiert hat.«

Rand fühlte die Blicke der Töchter auf sich ruhen, aber er blickte nur Rhuarc an. »Donnergänger?« schlug er vor.

»Sha'mad Conde«, stimmte Rhuarc zu. Er und Mangin drehten Estean einfach um — sie hielten ihn tatsächlich aufrecht! — und gingen zu den anderen Soldaten hinüber.

»Fragt ihn!« rief Rand ihnen nach. »Er ist Euer Verbündeter und mein Vasall.«

Er hatte keine Ahnung, ob man Estean als solchen bezeichnen konnte oder nicht — das war auch etwas, wonach er Moiraine fragen mußte; er wußte noch nicht einmal, inwieweit er tatsächlich ein Verbündeter war, denn sein Vater, Hochlord Torean, hatte genügend Intrigen gegen Rand geschmiedet, aber er würde nichts zulassen, das Couladins Methoden glich.

Rhuarc wandte den Kopf und nickte.

»Ihr behandelt Eure Untertanen gut, Rand al'Thor.« Sulins Stimme klang so ausdruckslos wie ein gehobeltes Brett.

»Ich bemühe mich«, antwortete er ihr. Er würde ihr nicht auf den Leim gehen. Wer auch als Kundschafter zu den Shaido gesandt würde — einige von ihnen würden nicht zurückkehren, das war alles. »Ich denke, ich werde jetzt etwas essen. Und dann schlafen.« Es waren bestimmt nicht viel mehr als zwei Stunden bis Mitternacht, und zu dieser Jahreszeit ging die Sonne noch recht früh auf. Die Töchter folgten ihm und beobachteten mißtrauisch jeden Schatten, als erwarteten sie einen Angriff. Dabei unterhielten sie sich allerdings lebhaft. Aber schließlich schienen die Aiel immer einen Angriff zu erwarten.

31

Der erste Schnee

Die Straßen Eianrods verliefen schnurgerade und trafen sich im rechten Winkel. Wo es notwendig war, durchschnitten sie als Hohlwege die ansonsten terrassenförmig angelegten Hügel. Die schiefergedeckten Häuser wirkten ausgesprochen kantig, als bestünden sie nur aus Senkrechten. Eianrod war nicht an Couladin gefallen. Als die Shaido hier durchkamen, hatte sich keine Menschenseele im Ort aufgehalten. Viele der Häuser bestanden jetzt allerdings nur noch aus verkohlten Balken, und nur die Grundmauern standen noch. Das traf besonders für die breiten, dreistöckigen Marmorgebäude mit ihren Balkonen zu, die nach Moiraines Aussage reichen Kaufleuten gehört hatten. Zerschlagene Möbel und zerfetzte Kleider lagen auf den Straßen herum, neben den Scherben von Geschirr und Glasscheiben, einzelnen Stiefeln und Werkzeugen und Spielsachen...

Die Brände waren zu verschiedenen Zeitpunkten ausgebrochen. Das war auch Rand klar, als er den unterschiedlichen Zustand der verkohlten Balken wahrnahm und den manchmal stärkeren, manchmal schwächeren Brandgeruch, der sich in den Ruinen gehalten hatte. Lan war sogar in der Lage, die Reihenfolge der Kämpfe festzustellen, in denen die Stadt mehrmals erobert und zurückerobert worden war. Wahrscheinlich hatten die Kämpfe zwischen verschiedenen Häusern stattgefunden, die sich um die Nachfolge auf dem Sonnenthron stritten. Nur beim letzten Mal — so, wie die Straßen nun aussahen — hatten wohl Räuberbanden Eianrod eingenommen. Viele dieser Banden, die Cairhien unsicher machten, gehörten zu keinem der Adelshäuser und hielten nur einem Herrn die Treue: dem Gold.