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Asmodean schluckte und rutschte nervös hin und her, als sei ihm nicht ganz klar, ob Rand seine Drohung ernst gemeint habe. Rand war sich da selbst nicht sicher. »Mein Lord Drache, Ihr habt nie danach gefragt. Man muß nur das Licht biegen. Ihr stellt mir immer so viele Fragen, da ist es schwer, einen Augenblick zu finden, in dem ich von mir aus noch andere Dinge erwähnen kann. Ihr müßt doch mittlerweile erkannt haben, daß ich mich Euch ganz und gar angeschlossen habe.« Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und stand auf. Nein, er blieb auf den Knien liegen. Und begann hervorzusprudeln: »Ich habe Euer Gewebe gespürt — jeder innerhalb einer Meile hätte das —und ich habe so etwas noch nie gesehen — ich wußte nicht, daß außer Demandred es noch jemand fertigbringt, ein Tor zu blockieren, das sich schließt — vielleicht schafft Semirhage das auch — und Lews Therin konnte es — ich habe es gespürt und kam her und hatte es schwer, an den Töchtern dort unten vorbeizukommen — ich habe den gleichen Kniff benützt — Ihr müßt doch einfach mittlerweile wissen, daß ich jetzt Euer Mann bin. Mein Lord Drache, ich bin wirklich Euer Gefolgsmann!«

Nichts anderes hatte der Mann aus Cairhien gesagt der bis hierher durchgekommen war. Rand gestikulierte mit dem Halbspeer und sagte grob: »Steht auf! Ihr seid doch kein Hund.« Doch als sich Asmodean nun endgültig langsam erhob, drückte er dem Mann die Speerspitze an die Kehle. Er mußte hart sein. »Von nun an werdet Ihr mir jedesmal, wenn wir zusammen sind, über zwei Dinge berichten, nach denen ich Euch nicht gefragt habe. Jedesmal, hört Ihr? Falls ich glaube, Ihr versucht, etwas vor mir zu verbergen, werdet Ihr froh sein, wenn ich Euch Semirhage überlasse.«

»Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache«, stammelte Asmodean. Er wirkte so demütig, als wolle er sich gleich vorbeugen und Rand die Hand küssen.

Um das zu vermeiden, ging Rand hinüber zu dem Bett, das nun ohne Decken im Zimmer stand. Er setzte sich auf das leinene Bettuch und sank ein wenig in die Federmatratzen ein, während er den Speer betrachtete. Eine gute Idee, den zu behalten, um ihn an die Seanchan zu erinnern. Vielleicht war das wirklich gar kein übles Szepter? Trotz aller anderen Probleme durfte er die Seanchan nicht außer acht lassen. Diese Damane. Wenn Aviendha nicht gewesen wäre und sie von der Wahren Quelle abgeschirmt hätte...

»Ihr habt versucht, mir zu zeigen, wie man eine Frau abschirmt, aber das hat nicht geklappt. Nun zeigt mir wenigstens, wie ich Stränge meiden kann, die ich nicht sehe, und wie ich am besten dagegen angehe.« Lanfear hatte einmal sein Gewebe so glatt durchtrennt, als habe sie ein Messer benützt.

»Das ist nicht leicht, mein Lord Drache, wenn man keine Frau da hat, an der man es ausprobieren kann.«

»Wir haben zwei Stunden Zeit«, sagte Rand kalt und fädelte die Abschirmung des Mannes auf. »Gebt Euch Mühe. Gebt Euch sehr viel Mühe.«

33

Eine Frage des Rots

Das Messer streifte Nynaeves Haar, als es in die Holzfläche eindrang, an die sie sich gelehnt hatte. Sie zuckte trotz ihrer verbundenen Augen zusammen. Sie hätte viel lieber einen anständigen Zopf getragen als diese Locken, die ihr lose auf die Schultern hingen. Wenn diese Klinge auch nur eine Strähne abgetrennt hatte... Törichtes Weib, dachte sie bitter. Närrisches, törichtes Weib. Der zusammengefaltete Schal, der über ihre Augen gebunden war, ließ gerade den Blick auf einen dünnen Lichtstreifen am unteren Rand zu. In der Dunkelheit unter den dicken Wollschichten des Schals erschien ihr dieser Streifen sehr hell. Es mußte noch recht hell sein, obwohl doch schon Spätnachmittag war. Sicher würde der Mann nicht mit seinen Messern werfen, wenn er nicht mehr richtig sehen könnte. Die nächste Klinge schlug auf der anderen Seite ihres Kopfes ein. Sie konnte deutlich spüren, wie sie knapp neben ihrem Ohr vibrierte. Sie würde Thom Merrilin und Valan Luca umbringen. Und vielleicht auch jeden anderen Mann, den sie in die Finger bekam, einfach nur aus Prinzip.

»Die Birnen«, rief Luca, als befinde er sich viel weiter als lumpige dreißig Schritt von ihr entfernt. Er mußte wohl glauben, die Augenbinde mache sie nicht nur blind, sondern auch taub.

Sie tastete nach ihrer Gürteltasche und kramte eine Birne hervor, die sie vorsichtig auf ihren Kopf stellte, damit sie nicht herunterfiel. Sie war tatsächlich blind. Eine vollkommen blinde Närrin! Zwei weitere Birnen, und sie streckte ganz langsam die Arme zwischen den Messern aus, die ihren Umriß auf die Holzfläche zeichneten, und hielt mit jeder Hand eine am Stiel fest. Dann folgte eine Pause. Sie öffnete bereits den Mund, um Thom Merrilin mitzuteilen, wenn er sie auch nur ein klein wenig ritzte, werde sie ihn...

Tschunk-tschunk-tschunk! Die Klingen schlugen so schnell hintereinander ein, daß sie am liebsten gequiekt hätte, nur zog sich ihre Kehle so zusammen, daß sie keinen Laut herausbrachte. In ihrer linken Hand hielt sie nur noch den Stiel, die Rechte zitterte leicht unter dem Gewicht des Messers in der Birne und von der auf ihrem Kopf rann Saft in ihr Haar. Sie riß sich die Augenbinde ab und marschierte auf Thom und Luca zu, die beide wie blöde grinsten. Bevor sie auch nur eines der Worte herausbrachte, die in ihr hochkochten, sagte Luca bewundernd: »Ihr seid großartig, Nana. Euer Mut ist aller Bewunderung wert, und Ihr seid es noch mehr.« Er verbeugte sich tief und spreizte diesen lächerlichen roten Seidenumhang. Eine Hand legte er auf sein Herz. »Ich werde diesen Akt ›Rose zwischen Dornen‹ nennen. Obwohl Ihr in Wirklichkeit schöner als jede Rose seid.«

»Man muß nicht sehr mutig sein, um wie ein Baumstumpf dazustehen.« Eine Rose sollte sie sein? Sie würde ihm ihre Dornen schon zeigen. Beiden würde sie es zeigen. »Jetzt hört Ihr mir mal zu, Valan Luca...«

»Welcher Mut! Ihr seid noch nicht einmal zusammengezuckt. Ich sage Euch, ich hätte nicht den Mumm, zu tun, was Ihr tut!«

Das war nun wirklich die Wahrheit, sagte sie sich. »Ich bin nicht mutiger, als es sein muß«, sagte sie bereits milder gestimmt. Es fiel schwer, einen Mann anzubrüllen, der darauf bestand, einem zu sagen, wie mutig man sei. Und es war besser, so etwas zu hören als diesen Schmus über Rosen. Thom strich sich über den langen weißen Schnurrbart, als amüsiere er sich über irgend etwas.

»Das Kleid«, sagte Luca und zeigte seine Zähne in einem breiten Lächeln. »Ihr werdet darin wunderbar aussehen und... «

»Nein!« fauchte sie. Was er bei ihr auch gewonnen hatte, soeben hatte er es durch diese Erwähnung wieder verloren. Clarine hatte das Kleid genäht, in dem Luca sie sehen wollte, aus einer Seide, die noch roter leuchtete als sein Umhang. Ihrer Meinung nach sollte die Farbe dazu dienen, daß man ihr Blut nicht bemerkte, wenn Thom mit seinen Messern etwas ausrutschte.

»Aber Nana, Schönheit in Gefahr zieht ganz gewaltig!« Lucas Stimme klang, als flüstere er ihr zärtliche Dinge ins Ohr. »Ihr werdet alle Blicke auf Euch ziehen, jedes Herz wird Eurer Schönheit und Eures Mutes wegen klopfen.«

»Wenn es Euch so gut gefällt«, sagte sie energisch, »dann tragt Ihr es doch.« Von der Farbe abgesehen, würde sie auch niemals soviel Busen in der Öffentlichkeit zur Schau stellen, ob Clarine das für angebracht hielt oder nicht. Sie hatte Latelles Bühnenkleid gesehen, ganz mit schwarzen Pailetten besetzt und hochgeschlossen bis zum Kinn. So etwas könnte sie tragen... Was dachte sie denn da? Sie hatte nicht die Absicht, tatsächlich aufzutreten. Sie hatte sich nur mit dieser Probe einverstanden erklärt, um Luca davon abzuhalten, daß er jeden Abend an der Wagentür kratzte, sie herausholte und versuchte, sie zum Auftreten zu überreden.

Der Mann wußte zumindest genau, wann es gesünder für ihn war, das Thema zu wechseln. »Was ist denn damit geschehen?« fragte er und war plötzlich ganz besorgt und fürsorglich.