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Er rollte frustriert mit dem Augapfel und schmunzelte sarkastisch. »Oh, ich erinnere mich an Euch. Die mit dem verd..., mit dem großen Mundwerk. Ragan glaubte, Ihr könntet mit Eurer Zunge einen B..., einen Stier auf zehn Schritt Entfernung schlachten und abhäuten. Chaena und Nangu glaubten sogar, auf fünfzig Schritt.« Wenigstens wurden seine Schritte kürzer.

Nynaeve blieb auf dem Fuß stehen. »Wohin und warum?«

»In die Stadt.« Er blieb keineswegs stehen. Er schritt weiter und winkte ihr kurz, mitzukommen. »Ich weiß nicht, was Ihr verfl..., was Ihr hier sucht, aber ich erinnere mich daran, daß Ihr mit dieser blauen Frau zu tun hattet.«

Sie knurrte wütend in sich hinein, raffte ihre Röcke und eilte ihm wieder hinterher. Eine andere Möglichkeit gab es nicht, von ihm Dinge in Erfahrung zu bringen. Er fuhr fort, als sei sie die ganze Zeit über an seiner Seite geblieben: »Das hier ist kein verd..., kein Ort für Euch. Ich kann genug Geld zusammenkratzen, um Euch verda..., um Euch nach Tear zu schicken, glaube ich. Den Gerüchten nach hält sich der Lord Drache dort auf.« Wieder blickte er sich mißtrauisch um. »Außer Ihr wollt statt dessen zur Insel gehen.« Damit mußte er Tar Valon gemeint haben. »Es gibt blut..., es gibt auch da einiges an verd... Gerüchten. Friede noch mal, aber es muß was dran sein!« Er kam aus einem Land, das dreitausend Jahre lang keinen Frieden erlebt hatte. Die Schienarer gebrauchten dieses Wort sowohl als Talisman wie auch als Fluch. »Es heißt, die alte Amyrlin sei abgesetzt. Vielleicht sogar hingerichtet. Ein paar behaupten, sie hätten gekämpft und die ganze... « Er unterbrach sich, atmete tief durch und schnitt eine furchtbare Grimasse. »... die ganze Stadt niedergebrannt.«

Im Weitergehen musterte sie ihn erstaunt. Sie hatte ihn beinahe ein Jahr nicht mehr gesehen und eigentlich auch nie mehr als zwei Worte mit ihm gewechselt, und doch... Warum glaubten die Männer immer, eine Frau benötige einen Mann, der auf sie aufpaßt? Dabei konnten sie selber nicht einmal ihr eigenes Hemd zubinden, ohne die Hilfe einer Frau! »Danke schön, aber wir haben es auch so gut getroffen. Interessant wäre Eure Fürsorge höchstens, wenn Ihr wüßtet, wann irgendein Flußhändler auf seinem Weg flußabwärts hier anlegen wird.«

»Wir? Ist die blaue Frau etwa bei Euch, oder die braune?« Das mußte Moiraine und Verin betreffen. Er war ja wirklich übervorsichtig.

»Nein. Erinnert Ihr euch an Elayne?« Er nickte lediglich, und sie empfand auf einmal den dringenden Wunsch, diesen Mann, der offensichtlich durch nichts zu überraschen war, endlich einmal aus der Fassung zu bringen. Außerdem paßte es ihr nicht, daß er anscheinend erwartete, sie werde sich seiner Fürsorge unterordnen. »Ihr habt sie vorhin wiedergesehen. Ihr sagtet, sie habe ein« — sie sprach mit rauher Stimme, in dem Versuch, ihn zu imitieren —»Gesicht wie eine verdammte Königin.«

Sie war sehr zufrieden, als er prompt ins Stolpern kam, und dann blickte er sich mit solch wildem Gesichtsausdruck um, daß sogar zwei Weißmäntel, die gerade vorbeiritten, einen großen Bogen um ihn machten, obwohl sie natürlich so taten, als habe das nichts mit ihm zu tun. »Sie?« grollte er ungläubig. »Aber ihr verdammtes Haar war rabenschwarz, und...« Er warf einen Blick auf ihr Haar, und im nächsten Moment ging er schon weiter die Straße entlang und murmelte in sich hinein: »Die verdammte Frau ist die Tochter einer Königin. Eine verfluchte Königin! Und zeigt ihre verdammten Beine auf die Art!« Nynaeve nickte zustimmend. Bis er hinzufügte: »Ihr verfluchten Südländer seid so verdammt eigenartig! Kein bißchen verdammter Anstand!« Ausgerechnet er mußte das sagen. Die Schienarer zogen sich vielleicht an, wie es sich gehörte, aber sie errötete immer noch bei dem Gedanken daran, daß in Schienar Männer und Frauen in der Hälfte aller Fälle gemeinsam badeten und dabei so taten, als säßen sie nur eben gemeinsam beim Essen.

»Hat Eure Mutter Euch eigentlich nicht beigebracht, Euch anständig auszudrücken, Mann?« Sein Auge blickte sie beinahe genauso finster an wie das aufgemalte, und er zuckte die Achseln. In Fal Dara hatten er und alle anderen sie wie eine Adlige behandelt, oder jedenfalls wie etwas Besseres. Natürlich war es schwierig, sich in diesem Kleid als Lady auszugeben, noch dazu bei einer Haarfarbe, die in der Natur nicht vorkam. Sie zog sich den Schal noch ein wenig enger um und verschränkte die Arme, um ihn besser festhalten zu können. Bei dieser trockenen Hitze war die graue Wolle unangenehm kratzig, und außerdem schwitzte sie. Sie hatte noch nie davon gehört, daß man vom Schwitzen sterben könne, aber möglicherweise würde sie der erste Fall sein. »Was macht Ihr hier, Uno?«

Er sah sich um, bevor er antwortete. Es war allerdings nicht notwendig, denn auf dieser Straße herrschte nur geringer Verkehr. Gelegentlich kam ein von Ochsen gezogener Leiterwagen vorbei, dazu ein paar Leute in Bauernkleidung oder noch gröberem Zeug und von Zeit zu Zeit einmal ein Reiter. Keiner schien sich ihnen mehr als gebührend nähern zu wollen. Er wirkte ja auch wie ein Mann, der einem aus Lust und Tollerei durchaus die Kehle durchschneiden könnte. »Die blaue Frau gab uns einen Namen in Jehannah an und sagte, wir sollten dort warten, bis sie uns weitere Anweisungen sandte, aber die Frau in Jehannah war tot und begraben, als wir ankamen. Eine alte Frau. Starb im Schlaf, und niemand von ihrer Verwandtschaft hatte je den Namen der blauen Frau vernommen. Dann begann Masema, mit den Leuten auf der Straße zu reden, und... Na ja, es gab keinen Grund, dort auf Befehle zu warten, die wir gar nicht mehr bekommen konnten. Wir bleiben in Masemas Nähe, und er steckt uns genug zu, daß wir davon leben können, aber außer Bartu und Nengar hört keiner von uns auf den Unsinn, den er verzapft.« Die ergraute Skalplocke wackelte, als er irritiert den Kopf schüttelte.

Mit einemmal fiel Nynaeve auf, daß er überhaupt keinen obszönen Ausdruck verwandt hatte. Er fühlte sich aber offensichtlich alles andere als wohl dabei. »Vielleicht gebraucht Ihr eben nur gelegentlich einmal einen Fluch?« Sie seufzte. »In jedem zweiten Satz?« Der Mann lächelte sie so dankbar an, daß sie am liebsten verzweifelt die Arme zum Himmel gereckt hätte. »Wieso hat Masema Geld und Ihr anderen nicht?« Sie erinnerte sich an Masema: ein düsterer, mürrischer Mann, der niemanden und nichts leiden konnte.

»Na ja, weil er der verdammte Prophet ist, den zu hören sie alle herkommen! Würdet Ihr ihn gern treffen?« Sie hatte den Eindruck, er zähle jetzt die Sätze ab. Sie atmete tief durch. Der Mann wollte sie tatsächlich wörtlich nehmen. »Er kann Euch vielleicht ein verdammtes Schiff besorgen, wenn Ihr eines wollt. In Ghealdan bekommt der Prophet gewöhnlich alles, was der Prophet wünscht. Nein, er bekommt es verdammt noch mal immer auf die eine oder andere Weise. Der Mann war ein guter Soldat, aber wer hätte gedacht, daß er sich mal so entwickeln würde?« Seine finstere Miene umfaßte alles, von den primitiven Siedlungen und Menschen bis hinüber zu den Menagerien und der Stadt vor ihnen.

Nynaeve zögerte. Der gefürchtete Prophet, der die Mengen aufstachelte und gewaltsame Ausbrüche hervorrief, war Masema? Aber er predigte wirklich von der Ankunft des Wiedergeborenen Drachen. Sie befanden sich schon fast am Stadttor, und sie hatte noch Zeit, bevor sie in die Vorführung mußte und Birgitte ihre Pfeile auf sie abschoß. Luca war mehr als enttäuscht gewesen, daß sie darauf bestand, Maerion genannt zu werden. Falls Masema ihnen wirklich eine Schiffspassage flußabwärts besorgen konnte... Vielleicht sogar noch heute. Andererseits durfte man die gewaltsamen Ausschreitungen nicht außer acht lassen. Selbst wenn die Gerüchte auch alles um das Zehnfache aufgeblasen hatten, bedeutete das doch, daß Hunderte in den Dörfern und Städten weiter im Norden umgekommen waren. ›Nur‹ Hunderte.

»Erinnert ihn bloß nicht daran, daß Ihr etwas mit dieser verdammten Insel zu tun habt«, mahnte Uno, wobei er sie nachdenklich betrachtete. Als sie genauer darüber nachdachte, wurde ihr klar, daß er höchstwahrscheinlich gar nicht wußte, wie ihre Verbindung zu Tar Valon tatsächlich aussah. Und schließlich gingen Frauen dorthin, ohne deshalb gleich Aes Sedai werden zu wollen, sondern um Hilfe oder zumindest Antworten zu bekommen. Ihm war bekannt, daß sie in irgendeiner Weise darin verwickelt sei, aber eben nicht mehr als das. »Er ist auch nicht viel freundlicher zu Frauen, die von dort kommen, als es die Weißmäntel sind. Wenn Ihr nur verdammt noch mal darüber schweigt, wird er es vermutlich ganz übergehen. Für jemanden, die aus dem gleichen Dorf kommt wie der Lord Drache, wird Masema vielleicht auch noch ein Schiff bauen lassen.«