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Rands Nicken konnte durchaus Verständnis bedeuten. Möglicherweise. »Wenn ich du wäre, würde ich vergessen, Egwene auf Wiedersehen zu sagen. Ich bin mir nicht mehr sicher, wieviel von dem, was ich ihr sage, letztendlich bei Moiraine oder den Weisen Frauen oder bei beiden landet.«

»Zu diesem Schluß bin ich auch vor einiger Zeit gekommen. Sie hat sich weiter von Emondsfeld entfernt als jeder andere von uns. Und sie bereut es weniger als wir.«

»Vielleicht«, sagte Rand traurig. »Das Licht leuchte dir, Mat«, fügte er hinzu und streckte die Hand aus, »und gebe dir gerade Straßen, gutes Wetter und angenehme Gesellschaft, bis wir uns Wiedersehen.«

Falls es nach Mat ging, würde das eine Weile dauern. Das machte ihn selbst ein wenig traurig. Außerdem kam es ihm töricht vor, Trauer darüber zu empfinden. Ein Mann mußte schließlich selbst sehen, wo er blieb. Wenn nun alles besprochen und getan war, dann war's das wohl.

Rands Griff war so hart wie immer. All diese Schwertkämpferei und was sonst noch hatten den alten Schwielen des Bogenschützen neue hinzugefügt. Doch die harten Ränder des reiherförmigen Brandzeichens in seiner Handfläche konnte Mat trotzdem noch deutlich fühlen. Das sollte ihn nur daran erinnern, daß er die Male an den Unterarmen des Freundes und die noch eigenartigeren Dinge in seinem Kopf, die ihn die Macht lenken ließen, niemals vergaß. Wenn er schon vergaß, daß Rand die Macht benützen konnte, und daran hatte er nun tagelang nicht mehr gedacht — tagelang! —, dann war es mehr als nur höchste Zeit für ihn, zu gehen.

Sie wechselten noch ein paar verlegene Worte im Stehen. Lan schien sie zu ignorieren. Er hatte die Arme verschränkt und studierte schweigend die Landkarte, während Natael damit begonnen hatte, müßig an seiner Harfe herumzuzupfen. Mat hatte ein feines Gehör, und ihm kam die unbekannte Melodie ironisch vor. Er fragte sich, warum der Kerl ausgerechnet diese spielte. Noch ein paar Augenblicke; Rand tat einen zögernden Schritt und beendete damit das Gespräch, und dann war Mat draußen. Dort standen eine Menge Leute herum: gut hundert Töchter des Speers hatten die Hügelkuppe umstellt und gingen vor kampfbereiter Anspannung beinahe auf Zehenspitzen umher, alle sieben Clanhäuptlinge warteten geduldig und unbeweglich wie Felsblöcke, und drei tairenische Lords bemühten sich, so zu tun, als schwitzten sie nicht und als gäbe es keine Aiel.

Er hatte von der Ankunft der Lords gehört und war sogar hingegangen, um einen Blick auf ihr Lager —oder ihre Lager — zu werfen, doch es hatte sich niemand darunter befunden, den er kannte, und keiner hatte Lust auf die Würfel oder ein Kartenspielchen. Diese drei musterten ihn von oben bis unten, runzelten mißbilligend die Stirn und entschieden offensichtlich, er sei nicht besser als die Aiel, also in anderen Worten: nicht einmal wert, angeschaut zu werden.

Mat klatschte sich den Hut auf den Kopf, zog die Krempe tief über seine Augen herunter und musterte die Tairener seinerseits einen Augenblick lang kalt. Es machte ihm Spaß, zu bemerken, daß wenigstens die beiden jüngeren ihm noch einmal unangenehm berührt nachblickten, bevor er endgültig den Hügel hinabschritt.

Der Graubart wirkte immer noch so ungeduldig, als wolle er am liebsten in Rands Zelt stürmen, aber es spielte alles keine Rolle. Er würde keinen von ihnen jemals Wiedersehen.

Er hatte keine Ahnung, warum er sie nicht einfach ignoriert hatte. Nur war sein Schritt jetzt leichter und er fühlte sich beschwingt. Kein Wunder natürlich, da er morgen endlich gehen würde. Die Würfel schienen durch seinen Kopf zu wirbeln, und er konnte nicht voraussagen, wie viele Augen sie zeigen würden, wenn sie endlich still lägen. Seltsame Sache. Es mußte an Melindhra liegen, daß er sich Sorgen machte. Ja. Er würde auf jeden Fall früh aufbrechen, und zwar so leise und unauffällig wie eine Maus, die auf Zehenspitzen über Federn schleicht.

Pfeifend machte er sich zu seinem Zelt auf. Welche Melodie hatte er da eigentlich auf den Lippen? Ach, ja: ›Tanz mit dem Schwarzen Mann‹. Er hatte nicht die Absicht, mit dem Tod ein Tänzchen zu wagen, aber es klang so fröhlich, daß er trotzdem weiterpfiff, während er versuchte, den günstigsten Weg von Cairhien weg zu planen.

Rand stand noch da und blickte Mat nach, lange nachdem sich die Zeltklappe hinter ihm geschlossen hatte. »Ich habe nur den letzten Teil gehört«, sagte er schließlich. »War alles andere genauso?«

»Ja, beinahe«, antwortete Lan. »Er hatte nur ein paar Minuten Zeit, um die Karten zu betrachten, aber dann entwickelte er einen Schlachtplan ganz ähnlich dem Rhuarcs und der anderen. Er sah die Schwierigkeiten und Gefahren und fand heraus, wie man ihnen begegnen kann. Er weiß über Tunnelbauer und Belagerungsmaschinen Bescheid und wie man leichte Kavallerie benützt, um einen geschlagenen Gegner zu verjagen.«

Rand blickte ihn an. Der Behüter zeigte keine Überraschung und zuckte mit keiner Wimper. Natürlich war er derjenige gewesen, der behauptet hatte, Mat verstehe überraschend viel von militärischen Dingen. Und Lan würde keineswegs die Frage stellen, die so offensichtlich auf der Hand lag. Das war auch gut so. Rand hatte kein Recht dazu, ihm das wenige zu verraten, was er wußte.

Er hatte ja auch selbst ein paar Fragen auf der Zunge. Beispielsweise, was Tunnelbauer mit Schlachten zu tun haben sollten. Oder vielleicht betraf das auch nur Belagerungen. Wie auch die Antwort ausfallen mochte — es gab wohl kein Bergwerk, das näher als der Drachendolch gelegen hätte, und auch dort stand keineswegs fest, daß noch jemand nach Erz schürfte. Nun, diese Schlacht würde jedenfalls ohne sie stattfinden. Das wichtigste war, daß er nun wußte, daß Mat auf der anderen Seite dieses türförmigen Ter'Angreal mehr gewonnen hatte als nur die Angewohnheit, gelegentlich ohne nachzudenken in der Alten Sprache zu sprechen. Und da er das jetzt sicher wußte, würde sich Rand Mats Fähigkeiten zunutze machen.

Du mußt wirklich nicht noch härter werden, dachte er bitter. Er hatte gesehen, wie Mat zu seinem Zelt hinaufgegangen war, und hatte nicht gezögert, Lan hinunterzuschicken, um herauszufinden, was er mit ihm allein in einer ganz nebensächlichen Unterhaltung an die Oberfläche bringen könne. Es war in voller Absicht geschehen. Der Rest würde sich vielleicht bewahrheiten, vielleicht auch nicht, aber vieles würde unausweichlich geschehen. Er hoffte, Mat möge sich gut amüsieren, während er frei war. Er hoffte, auch Perrin möge seinen Aufenthalt an den Zwei Flüssen genießen, Faile seiner Mutter und den Schwestern vorstellen und sie vielleicht sogar heiraten. Er hoffte das, denn er wußte genau, daß er sie zurückholen und an sich binden würde, ein Ta'veren, der andere Ta'veren anlockte, und er war der stärkste von ihnen. Moiraine hatte es auch nicht eben als Zufall bezeichnet, daß gleich drei von ihnen im gleichen Dorf aufwuchsen, und alle darüber hinaus etwa im gleichen Alten Das Rad webte Zufälle ins Muster hinein, aber es verwob nicht gleich drei dieser Sorte grundlos miteinander. Auf lange Sicht würde er seine Freunde zu sich zurückholen, gleich, wie weit sie sich inzwischen entfernt hatten und wann sie kamen, und er würde sie benutzen, soweit er nur konnte. Soweit er mußte. Weil es nicht anders ging. Denn was die Prophezeiungen des Drachen auch aussagten: er war sicher, daß seine einzige Chance, Tarmon Gai'don zu gewinnen, darin lag, daß sie alle drei, drei Ta'veren, die seit ihrer frühesten Kindheit miteinander verknüpft waren, zur Letzten Schlacht noch einmal gemeinsam verwebt würden. Nein, er mußte wirklich nicht erst hart werden. Du bist schon so widerlich, daß selbst ein Seanchan sich übergeben würde!