Выбрать главу

»Es sind Brände ausgebrochen«, sagte Birgitte. Petra und seine Frau bemerkten ihren ausgestreckten Zeigefinger, standen auf und blickten besorgt hinüber. Zwei dunkle Rauchwolken waren in Richtung der Stadt über die Segeltucheinzäunung hinweg sichtbar geworden.

Juilin erhob sich und blickte Nynaeve hart und entschlossen in die Augen. »Es ist Zeit aufzubrechen.

Vielleicht werden wir dadurch zu sehr auffallen, so daß uns Moghedien entdeckt, doch ich bezweifle das. In alle überhaupt möglichen Richtungen fliehen Menschen. In zwei Stunden werden es nicht mehr zwei Brände sein, sondern fünfzig, und es wird uns nicht viel nützen, ihrer Aufmerksamkeit entgehen zu wollen, nur um vom Mob in Stücke gerissen zu werden. Sobald sie in der Stadt alles zerschlagen haben, was nur möglich ist, werden sie sich den Menagerien zuwenden.«

»Benützt diesen Namen nicht«, sagte Nynaeve in scharfem Ton, wobei sie Elayne einen bösen Blick zuwarf, den die Jüngere aber nicht bemerkte, Männer zuviel wissen zu lassen war immer ein Fehler. Das Problem war nur, daß er recht hatte, aber das durfte man einem Mann gegenüber erst recht nicht zugeben. »Ich werde mir Eure Anregung überlegen, Juilin. Ich würde äußerst ungern ohne jeden Grund davonlaufen und hinterher vielleicht erfahren, daß gleich nach unserer Flucht hier ein Schiff angelegt hat.« Er sah sie an, als sei sie übergeschnappt, und Thom schüttelte den Kopf, obwohl Elayne ihn noch immer festhielt und abtupfte. Doch dann hellte sich Nynaeves Miene auf, als sie eine Gestalt entdeckte, die zwischen den Wohnwagen auf sie zu schritt. »Vielleicht ist wirklich schon eines da!«

Unos bemalte Augenklappe und sein vernarbtes Gesicht, seine Skalplocke und das Schwert auf dem Rücken riefen ein Nicken von Seiten Petras und der verschiedenen Chavanas hervor, während Muelin offensichtlich schauderte. Er hatte sie jeden Abend persönlich aufgesucht aber nie etwas zu berichten gehabt. Seine Gegenwart zu dieser Tageszeit mußte bedeuten, daß etwas vorgefallen war.

Wie gewöhnlich grinste er Birgitte an, sobald er sie erblickte, und er rollte sein verbliebenes Auge in einem bedeutungsvollen Blick in Richtung ihres entblößten Busens. Wie gewöhnlich grinste sie zurück und musterte ihn gemächlich von Kopf bis Fuß. Ausnahmsweise jedoch war es Nynaeve gleich, wie anstößig sie sich benahmen. »Ist ein Schiff angekommen?«

Unos Grinsen verflog. »Es ist ein verd... ein Schiff da«, sagte er grimmig, »aber ich weiß nicht, ob ich Euch alle auf einmal hinbringen kann.«

»Wir wissen über die Ausschreitungen Bescheid. Sicher können uns doch fünfzehn Schienarer durchgeleiten.«

»Ihr wißt also über die Kämpfe Bescheid«, knurrte er und musterte Thom und Juilin. »Wißt Ihr verd... also, wißt Ihr auch, daß Masemas Leute sich Straßenkämpfe mit Weißmänteln liefern? Wißt Ihr, daß er verflucht noch mal seinen Leuten befohlen hat, Amadicia mit Feuer und Schwert zu erobern? Tausende haben bereits den verfl... den Fluß auf seinen Befehl überschritten.«

»Sei dem, wie es ist«, sagte Nynaeve energisch, »jedenfalls erwarte ich von Euch, daß Ihr euer Wort haltet. Ihr habt versprochen, mir zu gehorchen, falls Ihr euch noch daran erinnert.« Sie betonte das Wort nur ein wenig und warf dabei Elayne einen bedeutungsvollen Blick zu.

Die gab vor, ihn nicht zu bemerken, und stand auf, den blutverschmierten Lappen in der Hand. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf Uno. »Man hat mir immer gesagt die Schienarer gehörten zu den tapfersten Soldaten auf der Welt.« Die rasiermesserscharfe Stimme klang plötzlich nach Samt und Seide. »Ich habe als Kind viele Geschichten über die Tapferkeit und den Mut der Schienarer gehört.« Sie legte Thom eine Hand auf die Schulter, doch ihr Blick ruhte weiterhin auf Uno. »Ich erinnere mich immer noch gern daran. Ich hoffe, mich auch später noch mit ebensoviel Freude daran erinnern zu können.«

Birgitte trat näher und begann, Unos Nacken zu massieren, während sie ihm in das Auge sah. Dieses leuchtend rote aufgemalte Auge auf der Klappe schien ihr überhaupt nichts auszumachen. »Dreitausend Jahre die Grenze zur Fäule bewacht«, sagte sie sanft. Sanft! Es war zwei Tage her, daß sie in diesem Ton mit Nynaeve gesprochen hatte! »Dreitausend Jahre lang, und kein einziger Schritt zurück, der nicht mit zehnmal so vielen gefallenen Trollocs bezahlt worden wäre. Das hier ist vielleicht nicht Enkara oder die Soralle-Stufe, aber ich weiß, was Ihr ausrichten werdet.«

»Was habt Ihr denn gemacht?« grollte er. »Habt Ihr all die verdammten Geschichtsbücher der verdammten Grenzlande gelesen?« Dann zuckte er aber doch sofort zusammen und blickte zu Nynaeve hinüber. Es war notwendig gewesen, ihn darauf aufmerksam zu machen, daß er sich in ihrer Gegenwart einer ganz und gar sauberen Sprache bediente. Das paßte ihm zwar nicht, aber es gab keinen anderen Weg, ihn vor einem Rückschlag zu bewahren — und Birgitte sollte sie deshalb nicht so tadelnd ansehen. »Könnt Ihr sie nicht überzeugen?« sprach er Thom und Juilin an. »Es ist verd... es ist närrisch, so etwas versuchen zu wollen.«

Juilin warf die Hände hoch und Thom lachte schallend. »Habt Ihr je eine Frau kennengelernt, die auf Vernunftgründe hört, wenn sie nicht will?« erwiderte der Gaukler. Er stöhnte leicht, als Elayne seine Kompresse wegzog und damit begann, den Riß in seiner Kopfhaut etwas heftiger abzutupfen, als es eigentlich notwendig war.

Uno schüttelte den Kopf. »Also, wenn ich zu einer Dummheit verleitet werden soll, dann lasse ich mich eben überreden. Aber merkt Euch folgendes: Masemas Leute fanden das Schiff — Wasserschlange oder so ähnlich heißt es wohl — keine Stunde nach dem Anlegen, doch dann wurde es von Weißmänteln besetzt. Und das hat diese ganze kleine Auseinandersetzung in Gang gebracht. Und noch schlimmer — Masema mag ja das Schiff bereits vergessen haben, aber er hat es auch nicht für notwendig gehalten, seine Leute davon zu informieren. Ich bin bei ihm gewesen, und er wollte nichts von Schiffen hören. Alles, wovon er sprechen kann, ist, daß man die Weißmäntel hängen müsse und Amadicia müsse das Knie vor dem Lord Drache beugen, und wenn er das ganze Land anzünden müsse. In der Nähe des Flusses wurde gekämpft, und das könnte noch andauern. Euch durch diese Auseinandersetzungen hinzubringen wird schwierig genug, aber wenn am Hafen noch immer gekämpft wird, kann ich für nichts garantieren. Und wie ich Euch auf ein Schiff bringen soll, das sich in den Händen von Weißmänteln befindet — da habe ich nicht die geringste Ahnung...« Er atmete langgezogen aus und rieb sich mit dem Rücken einer vernarbten Hand den Schweiß von der Stirn. Seinem Gesicht war deutlich die Mühe anzusehen, die ihm eine so lange Rede ohne jedes Fluchen bereitet hatte.

Nynaeve hätte möglicherweise ihren Kommentar dazu auf der Zunge gehabt, wäre sie nicht zu verblüfft gewesen, um ein Wort herauszubringen. Das mußte ein Zufall sein! Licht, ich habe wohl gesagt, ich würde alles für ein Schiff tun, aber das habe ich nicht damit gemeint. Nicht das! Sie wußte nicht, warum Elayne und Birgitte sie so ausdruckslos, aber intensiv anblickten. Sie waren über alles informiert gewesen, und keine von beiden hatte diese Möglichkeit auch nur erwähnt. Die drei Männer tauschten besorgte Blicke. Offensichtlich war ihnen klar, daß etwas vorging, und doch hatten sie keine Ahnung, was wirklich los war — dem Licht sei Dank! Viel besser, wenn sie nicht alles wußten. Es konnte einfach nur ein Zufall sein.

Auf gewisse Weise war sie froh, ihre Aufmerksamkeit nun auf einen anderen Mann konzentrieren zu können, der zwischen den Wohnwagen hindurch auf sie zukam, denn das gab ihr eine Gelegenheit, den Blicken Elaynes und Birgittes auszuweichen. Andererseits ließ der Anblick Galads ihr Herz sinken und weckte Beklemmungen.

Er war in einfaches Braun gekleidet und trug eine Samtkappe statt des weißen Umhangs und des glänzenden Harnisches. Nur das Schwert hing nach wie vor an seiner Seite. Er hatte sie bisher noch nicht im Lager besucht, und sein Gesicht erregte auch hier Aufsehen. Muelin trat unbewußt einen Schritt auf ihn zu, und die beiden schlanken Akrobatinnen beugten sich mit offenen Mündern vor. Die Chavanas waren offensichtlich vergessen und machten dementsprechend saure Mienen. Sogar Clarine strich ihr Kleid glatt, während sie ihn beobachtete, bis Petra die Pfeife aus dem Mund nahm und irgend etwas sagte. Dann ging sie hinüber zu ihm. Er lachte und legte sein Gesicht an ihren voluminösen Busen. Doch ihr Blick folgte über den Kopf ihres Gatten hinweg immer noch Galad.