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»Den ganzen Weg über von der Stadt zurück hierher habe ich daran denken müssen«, sagte er bedächtig, als er ihr folgte, »daß Ihr nun wohl endgültig gehen werdet.« Es gelang ihr, nicht noch einen Schritt zurückzutreten, obwohl er nun dicht vor ihr stand und ihr eindringlich in die Augen sah. Wenigstens galt sein Blick immer noch ihren Augen und nicht... »Ich weiß nicht, wovor Ihr weglauft, Nana. Manchmal möchte ich beinahe Eure Geschichte glauben. Morelin wenigstens hat die Manieren einer Adligen. Aber Ihr wart niemals die Zofe einer Lady. Während der letzten paar Tage habe ich ständig darauf gewartet, daß Ihr beiden Euch auf dem Boden herumwälzt und versucht, Euch gegenseitig die Haare auszureißen. Und Maerion vielleicht auch noch obenauf.« Er mußte etwas in ihrem Gesichtsausdruck entdeckt haben, denn er räusperte sich und fuhr schnell fort: »Der springende Punkt ist doch, daß ich jederzeit jemand anderen finden kann, der sich als Zielscheibe für Maerion zur Verfügung stellt. Ihr schreit wohl so herrlich, daß jeder glauben könnte, Ihr hättet wirklich Angst, aber...« Wieder räusperte er sich, diesmal noch etwas hastiger, und zog sich ein wenig zurück. »Was ich versuche, Euch zu sagen, ist: Ich möchte gern, daß Ihr bleibt. Es liegt eine weite Welt vor uns, tausend Städte warten auf eine Truppe wie die meine, und was auch hinter Euch her ist, findet Euch bei mir nie. Ein paar der Leute Akimas und diejenigen aus Sillias Truppe, die nicht über den Fluß verschleppt wurden, schließen sich mir an. Valan Lucas Truppe wird die größte und beste, die die Welt jemals gesehen hat.«

»Bleiben? Warum sollte ich wohl bleiben? Ich habe Euch von Anfang an gesagt, wir wollten lediglich nach Ghealdan kommen, und daran hat sich nichts geändert.«

»Warum? Natürlich, um meine Kinder zu tragen.« Er nahm eine ihrer Hände in seine beiden. »Nana, Eure Augen verschlingen meine Seele, Eure Lippen setzen mein Herz in Flammen, Eure Schultern lassen meinen Pulsschlag rasen, Euer...«

Schnell unterbrach sie ihn: »Ihr wollt mich heiraten?« fragte sie ungläubig.

»Heiraten?« Er riß die Augen auf. »Also ... äh ... ja. Selbstverständlich.« Seine Stimme wurde wieder kräftiger und er drückte ihre Finger auf seine Lippen. »Wir werden in der ersten Stadt heiraten, wo ich das arrangieren kann. Ich habe noch nie einer anderen Frau einen Heiratsantrag gemacht.«

»Das glaube ich gern«, sagte sie mit schwacher Stimme. Es kostete sie einige Mühe, ihre Hand aus seinem Griff zu befreien. »Es ist mir natürlich eine Ehre, Meister Luca, aber...«

»Valan, Nana. Nur Valan.«

»Aber ich muß Eure Bitte ablehnen. Ich bin mit einem anderen verlobt.« Auf gewisse Weise stimmte das sogar. Lan Mandragoran mochte seinen Siegelring vielleicht nur als Geschenk gemeint haben, aber sie sah das anders. »Und ich verlasse Euch.«

»Ich sollte Euch einfach zusammenschnüren und mit forttragen.« Der Schmutz und die Risse störten den Gesamteindruck ein wenig, als er beim Aufrichten sein Cape mit großer Geste spreizte. »Mit der Zeit würdet Ihr diesen Burschen vergessen.«

»Versucht es, und ich werde Uno dazu veranlassen, daß Ihr euch wünscht, lieber wie eine Wurst aufgeschnitten zu werden.« Das nahm dem Kerl jedoch kaum den Wind aus den Segeln. Sie stieß ihm einen Finger hart zwischen die Rippen. »Ihr kennt mich nicht, Valan Luca. Ihr wißt überhaupt nichts von mir. Meine Feinde, die Ihr so ganz nebenbei abtut, würden Euch dazu bringen, selbst Eure Haut abzuziehen und in bloßen Knochen zu tanzen, und Ihr wärt noch dankbar, wenn sie Euch nicht mehr antäten. Also, ich gehe jetzt, und ich habe keine Zeit, mir Euer Geschwätz noch länger anzuhören. Nein, sagt jetzt nichts mehr! Mein Entschluß steht fest und Ihr ändert nichts daran. Also könnt Ihr genausogut mit dem Gejammere aufhören.«

Luca seufzte jämmerlich. »Ihr seid die einzige Frau für mich, Nana. Laßt andere Männer auf langweilige Schwätzerinnen mit ihren scheuen Seufzern fliegen. Bei Euch weiß ein Mann, daß er durchs Feuer schreiten und mit bloßen Händen eine Löwin zähmen muß, sobald er sich Euch nähert. Jeder Tag ein Abenteuer, und jede Nacht...« Sein Lächeln brachte ihm beinahe einen Nasenstüber ein. »Ich werde Euch wiederfinden, Nana. Und dann erwählt Ihr mich. Das weiß ich tief in meinem Innersten.« Er schlug sich mit dramatischer Geste auf die Brust und ließ sein Cape erneut noch etwas auffälliger wirbeln. »Und auch Ihr wißt das, meine liebste Nana. In Eurem tiefsten Herzen wißt Ihr es.«

Nynaeve wußte nicht, ob sie den Kopf schütteln oder mit offenem Mund gaffen solle. Die Männer waren wirklich verrückt. Alle Männer.

Er bestand darauf, sie zum Wagen zurückzubegleiten, wobei er ihren Arm nahm, als befänden sie sich auf einem Ball.

Elayne ertappte sich dabei, daß sie in sich hineinfluchte, passend zu dem Durcheinander der Pferdeknechte, die zu ihren Gespannen eilten, und dem Geschrei der Menschen, dem Wiehern der Pferde, dem Brummen der Bären und dem Fauchen der Leoparden. Nynaeve sollte nur noch einmal eine Bemerkung fallen lassen, daß sie schamlos ihre Beine herzeige! Sie hatte gesehen, wie sich dieses Weib spreizte, als Valan Luca auftauchte. Und schwer geatmet hatte sie auch. Genauso übrigens auch bei Galad. Es war ja nicht so, daß sie besonders gern Hosen trug. Sicher, sie waren bequem und kühler als Röcke. Ihr war sehr wohl klar, wieso Min am liebsten Männerkleidung trug. Beinahe jedenfalls. Natürlich mußte sie das dumme Gefühl erst einmal überwinden, ihre Jacke sei in Wirklichkeit ein Kleid, das kaum ihre Hüften bedeckte. Soweit war sie immerhin schon gekommen. Nicht, daß sie das Nynaeve wissen lassen wollte. Nicht bei deren spitzer Zunge. Ihr hätte doch klar sein müssen, daß Galad der Preis vollkommen gleichgültig war, wenn er nur sein Versprechen hielt. Sie hatte ihr doch oft genug gesagt, wie Galad sich verhielt. Und dann auch noch den Propheten einzuspannen! Nynaeve handelte, ohne darüber nachzudenken, was sie anrichten konnte.

»Hast du etwas gesagt?« fragte Birgitte. Sie hatte ihren Rock gerafft und über ihren Arm gelegt, um mithalten zu können, und entblößte so völlig schamlos ihre Beine — von den blauen Brokatpantoffeln bis ein gutes Stück über die Knie. Diese durchsichtigen Seidenstrümpfe verbargen lange nicht soviel wie die Hose.

Elayne blieb auf der Stelle stehen. »Was hältst du von meiner Bekleidung?«

»Man kann sich darin gut bewegen«, sagte die andere Frau unverbindlich. Elayne nickte. »Natürlich ist es gut, daß dein Hintern nicht so fett ist, so eng, wie diese... «

Elayne schritt wild aus und zupfte an ihrer Jacke herum. Sie wurde aber nicht länger davon.

Nynaeves spitze Zunge war auch nicht schlimmer als die Birgittes. Sie hätte von ihr eigentlich einen Gehorsamseid verlangen sollen, oder wenigstens, daß sie immer den nötigen Respekt zeige. Daran würde sie denken müssen, sobald es an der Zeit war, sich Rand zuschwören zu lassen. Als Birgitte sie mit saurer Miene einholte, als sei sie es, deren Geduld bis zum Zerreißen strapaziert wurde, sprach keine von beiden ein weiteres Wort.

In ihr grünes, mit aufgenähten Münzen geschmücktes Kleid gehüllt, benützte die hellblonde Seanchanfrau den Stachelstock, um den riesigen S'redit-Bullen zu lenken, der den schweren Wagen mit dem Löwenkäfig vor sich herschob. Ein Pferdeknecht mit schäbiger Lederweste hielt die Deichsel des Wagens und steuerte ihn hinüber zu einem Fleck, an dem die Pferde bequem angespannt werden konnten. Der Löwe schlich in seinem Käfig auf und ab, schlug gelegentlich mit seinem Schweif und fauchte einige Male heiser.