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Frauen kosteten einen Mann nur Geld, sie kratzten und bissen wie Katzen und machten ständig Schwierigkeiten. Jedes einzelne Problem, mit dem ein Mann zu tun bekam, fiel letzten Endes doch auf eine Frau zurück, so oder so. Neres erwartete offensichtlich, daß die Hälfte von ihnen vor dem ersten Sonnenaufgang noch an Deck herumraufen und sich gegenseitig die Augen auskratzen würden. Sie würden bestimmt alle mit seinen Matrosen flirten und Unfrieden stiften, sofern sie nicht gleich Schlägereien provozierten. Vielleicht wäre er glücklich gewesen, hätte er sämtliche Frauen für alle Zeiten von seinem Schiff verbannen können. Sein Glück hätte sich wohl ins Unendliche gesteigert, wenn er sie sogar aus seinem Leben hätte verbannen können.

Auf einen solchen Menschenschlag war Nynaeve noch nie gestoßen. Oh, sie hatte gehört, wie Männer sich über Frauen und Geld beklagten, als ob Männer nicht mit Geld nur so um sich würfen, weil sie genau wie Elayne einfach kein Verhältnis dazu hatten, und sie hatte sogar gehört, wie sie die verschiedensten Probleme auf Frauen zurückführten, obwohl sie selbst das Ganze verursacht hatten. Aber sie konnte sich nicht erinnern, jemals einen Mann kennengelernt zu haben, der Frauen tatsächlich nicht leiden konnte! Sie war überrascht, zu erfahren, daß Neres in Ebou Dar eine Frau und eine ganze Kinderschar hatte, aber keineswegs überraschte es sie, daß er sich immer nur lange genug zu Hause aufhielt, um neue Ladung zu nehmen. Er wollte noch nicht einmal mit einer Frau sprechen! Es war wirklich verblüffend. Manchmal ertappte sich Nynaeve dabei, wie sie ihn heimlich von der Seite her anblickte, so, wie sie es bei irgendeinem unglaublichen und fremdartigen Tier getan hätte. Er war viel eigenartiger als selbst die S'redit oder jedes andere Tier aus Lucas Menagerie.

Natürlich war nicht daran zu denken, daß Elayne oder Birgitte wieder einmal ihr Gift verspritzten, wenn er hätte zuhören können. Wenn Thom und die anderen die Augen rollten oder bedeutungsvolle Blicke tauschten, war das schon schlimm genug, aber sie gaben sich wenigstens Mühe, das heimlich zu tun. Eine offene Befriedigung auf Neres' Zügen zu sehen, wenn er seine lächerlichen Erwartungen tatsächlich erfüllt sah — und so hätte er das gewiß aufgefaßt —, wäre unerträglich gewesen. Das ließ ihnen keine andere Wahl, als zu schlucken und den Mund zu halten.

Nynaeve ihrerseits hätte sich gern einmal näher mit Thom, Uno und Juilin unterhalten, aber natürlich nicht unter Neres' Augen. Sie vergaßen sich allmählich wieder und dachten nicht mehr daran, daß sie zu tun hatten, was ihnen aufgetragen wurde. Es spielte keine Rolle, ob sie damit das Richtige taten — sie hatten einfach zu dienen! Und aus irgendeinem Grund hatten sie angefangen, Neres ständig mit düsterem Lächeln Geschichten über eingeschlagene Schädel und aufgeschlitzte Kehlen aufzutischen. Doch der einzige Ort, an dem sie vor Neres sicher sein konnte, war die Kajüte. Sie waren zwar nicht besonders groß, obwohl natürlich Thom ziemlich hochgewachsen und Uno relativ stämmig war, aber mit allen zugleich dort drinnen wäre es in der winzigen Kajüte reichlich eng geworden. Und das hätte ihrer Schimpfkanonade, wie sie sie im Sinn hatte, einiges von ihrer Wirkung genommen. Gib einem Mann die Gelegenheit, sich so richtig drohend über einer Frau aufzubauen, dann hat er schon die halbe Schlacht gewonnen. Also verzog sie ihr Gesicht zu einem freundlichen Lächeln, ignorierte Thoms und Juilins verblüffte Mienen und die ungläubigen Blicke Unos und Ragans und genoß die äußerlich blendende Laune, die die beiden anderen Frauen nun notgedrungen zeigen mußten.

Sie brachte sogar fertig, weiterzulächeln, als ihr klar wurde, warum die Segel so prall gefüllt waren, warum die Ufer mit ihren vielen Biegungen so schnell unter der Nachmittagssonne vorbeiglitten. Neres hatte die Ruder einziehen und an der Reling verstauen lassen. Er wirkte fast schon glücklich. Fast jedenfalls. Am Ufer Amadicias zog sich ein niedriger Steilhang aus Lehm entlang, während auf der Seite Ghealdans ein breiter Schilfstreifen den Fluß vom Wald trennte. Allerdings war auch viel brauner, trockener Schlamm zu sehen, der sonst von Wasser bedeckt war. Samara lag erst ein paar Stunden flußaufwärts entfernt.

»Du hast die Macht benützt«, beschuldigte sie Elayne durch zusammengebissene Zähne. Sie wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und widerstand dem Drang, die Tropfen mit einer Handbewegung auf das sich langsam unter ihr hebende und senkende Deck zu schleudern. Die anderen Passagiere hatten ihr, Elayne und Birgitte, die ihnen gegenüber stand, ein wenig Platz gelassen, doch trotzdem sprach sie ganz leise und in so freundlichem Tonfall, wie sie es nur fertigbrachte. Ihr Magen schien sich gerade mit einem Herzschlag Verzögerung dem Auf und Ab des Schiffes anzupassen, was sich auf ihre Laune nicht unbedingt erhebend auswirkte. »Dieser Wind ist dein Werk.« Sie hoffte, in ihrer Tasche noch genug roten Fenchel vorrätig zu haben.

Wenn man nach Elaynes schweißfeucht strahlendem Ausdruck und dem freundlichen Blick ging, hätten aus ihrem Mund Milch und Honig strömen müssen. »Du benimmst dich wie ein verängstigtes Kaninchen. Reiß dich gefälligst zusammen. Samara liegt meilenweit hinter uns. Niemand kann aus dieser Entfernung noch etwas spüren, was uns verraten würde. Sie müßte sich schon bei uns auf dem Schiff befinden, um Bescheid zu wissen. Und ich habe mich beeilt.«

Nynaeve fürchtete schon, ihr Gesicht würde wie eine Gipsmaske zerspringen, wenn sie noch länger lächelte, doch aus dem Augenwinkel konnte sie Neres beobachten, der seine Passagiere musterte und den Kopf dabei schüttelte. Sie war so verärgert, daß sie beinahe den fast verblichenen Rest des Glühens der Macht um die andere erkennen konnte. Wenn man das Wetter beeinflußte, war das fast so, als ließe man einen Stein den Abhang hinabrollen. Er rollte von allein in die eingeschlagene Richtung weiter. Und wenn er den vorgesehenen Weg verließ, was früher oder später kommen mußte, konnte man ihn einfach zurücklenken. Moghedien könnte vielleicht von Samara aus ein Gewebe dieser Art gespürt haben, aber bestimmt nicht klar genug, um zu wissen, wo das geschehen war. Sie selbst konnte es mit Moghedien aufnehmen, was die rohe Kraft betraf, und wenn ihre Kraft für etwas Bestimmtes nicht ausreichte, dann konnte sie durchaus annehmen, daß auch die Verlorene dies nicht vollbringen würde. Und sie wollte ja auch so schnell wie möglich vorwärtskommen. Jeder Tag mehr als notwendig, den sie eingesperrt mit den beiden anderen Frauen verbringen mußte, erschien ihr genauso reizvoll, als teile sie die Kabine mit Neres. Also freute sie sich keineswegs auf jeden neuen Tag, den sie auf dem Wasser zubrachte. Wie konnte ein Schiff überhaupt vorwärtskommen, wo doch der Fluß so träge schien?

Das Lächeln ließ langsam ihre Lippen schmerzen.

»Du hättest mich fragen sollen, Elayne. Du gehst immer irgendwohin und stellst Dinge an, ohne mich zu fragen und ohne nachzudenken. Es wird Zeit für dich, dir selbst klarzumachen, daß deine alte Kinderschwester nicht mehr gelaufen kommt, wenn du blindlings in ein Loch fällst und dir die Tränen abtrocknet.« Bei den letzten Worten wurden Elaynes Augen so groß wie Teetassen und ihre im Lächeln gefletschten Zähne schienen, als wollten sie jeden Augenblick nach ihr schnappen.