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Die Eifersucht versetzte ihm einen kleinen Stich, als er die silberne Halskette entdeckte, die sie heute trug; kunstvoll aneinandergereihte gehämmerte Scheiben, von denen jede anders verziert war. Wer hat ihr das gegeben?

Sie hatte es bestimmt nicht selbst ausgewählt, denn sie schien Schmuck nicht zu mögen. Das einzige andere Schmuckstück, das sie trug, war ein breiter ElfenbeinArmreif, der mit kunstvoll geschnitzten Rosen verziert war. Den hatte er ihr geschenkt, und er war sich nicht sicher, ob sie ihm das bereits verziehen habe. Außerdem war es sowieso dumm von ihm, eifersüchtig zu sein.

»Ich habe Euch schon zehn Tage lang nicht mehr gesehen«, sagte er. »Ich hatte damit gerechnet, daß Euch die Weisen Frauen an meinem Arm festbinden, sobald ihnen klar wurde, daß ich meine Träume gegen sie abgeschirmt hatte.« Asmodean hatte sich über diese erste Sache amüsiert, nach der er ihn gefragt hatte, und dann war er enttäuscht gewesen, weil Rand so lange gebraucht hatte, um das Abschirmen zu erlernen.

»Ich muß in meiner Ausbildung vorankommen, Rand al'Thor.« Sie würde eine jener wenigen Weisen Frauen werden, die mit der Macht arbeiten konnten. Das war ein Teil der Gründe, weshalb sie ausgebildet wurde. »Ich bin keine von Euren Feuchtländerfrauen, die nur herumstehen, daß Ihr sie ansehen könnt, wann immer Ihr wünscht.« Obwohl sie ja Egwene und letzten Endes auch Elayne kannte, hatte sie eine eigenartig falsche Vorstellung von dem, was sie ›Feuchtländerfrauen‹ nannte, und außerdem von den Feuchtländern im allgemeinen. »Es hat ihnen nicht gefallen, was Ihr getan habt.« Sie sprach von Amys, Bair und Melaine, den drei Weisen Frauen und Traumgängerinnen, die sie ausbildeten und versuchten, ihn zu überwachen. Aviendha schüttelte bedauernd den Kopf. »Vor allem waren sie nicht erfreut darüber, daß ich Euch davon erzählte, wie sie in Euren Träumen wandelten.«

Er starrte sie an. »Habt Ihr ihnen das erzählt? Aber Ihr habt eigentlich gar nichts gesagt. Ich habe mir das selbst überlegt, und auch wenn Euch keine Andeutung entschlüpft wäre, wäre ich von allein draufgekommen. Aviendha, sie haben mir ja selbst gesagt, daß sie im Traum mit Menschen sprechen könnten. Von da aus war es doch nur einen Schritt weiter.«

»Wollt Ihr, daß ich mich selbst noch weiter entehre?« Ihre Stimme klang wohl beherrscht, aber ihr Blick hätte beinahe das Brennmaterial im Kamin entzündet. »Ich werde mich nicht entehren, weder für Euch, noch für einen anderen Mann! Ich zeigte Euch den Weg, dem Ihr folgen mußtet, und ich werde meine Schande nicht ableugnen. Ich hätte Euch erfrieren lassen sollen.« Und damit warf sie ihm die Decken an den Kopf.

Er befreite sich von ihnen und legte sie neben die Steppdecke, während er überlegte, was er ihr sagen konnte. Das war wieder einmal Ji'e'toh. Die Frau hatte ein Gemüt wie ein Dornbusch. Angeblich hatte man ihr die Aufgabe anvertraut, ihn über die Sitten und Bräuche der Aiel aufzuklären, aber er kannte ihre wahre Aufgabe, nämlich für die Weisen Frauen zu spionieren. Welche Schande das Spionieren auch für die Aiel darstellen mochte, für die Weisen Frauen galt das offensichtlich nicht. Sie wußten, daß er Bescheid wußte, aber aus irgendeinem Grund kümmerte sie das nicht, und solange sie die Dinge so beließen, wie sie lagen, war es ihm auch recht. Zum einen war Aviendha keine gute Spionin. Sie versuchte fast nie ernsthaft, etwas herauszufinden, und ihr eigenes Temperament verhinderte immer wieder, daß sie ihn zu Wutausbrüchen provozierte, wie Moiraine das tat. Zum anderen war sie manchmal wirklich eine angenehme Gesellschafterin, wenn sie vergaß, die Krallen auszufahren. Wenigstens wußte er, wen Amys und die anderen zu seiner Überwachung abgestellt hatten. Wenn nicht sie, wäre es eine andere, und er müßte sich ständig fragen, wer. Außerdem wurde sie bei ihm niemals mißtrauisch.

Mat, Egwene und sogar Moiraine warfen ihm manchmal Blicke zu, als sähen sie nur den Wiedergeborenen Drachen in ihm oder zumindest die Gefahr, die von einem Mann ausging, der die Macht gebrauchen konnte. Die Clanhäuptlinge und die Weisen Frauen sahen in ihm Ihn, Der Mit Der Morgendämmerung Kommt, den Mann, von dem geweissagt worden war, er werde die Aiel zerbrechen wie trockenes Reisig. Wenn sie ihn auch vielleicht nicht fürchteten, behandelten sie ihn trotzdem manchmal wie eine giftige Wüstenschlange, mit der sie notgedrungen leben mußten. Was auch Aviendha in ihm sehen mochte, es hinderte sie nicht daran, ihn anzugreifen, wann immer ihr danach zumute war, und das war meistens der Fall.

Das war schon ein eigenartiger Rückhalt für ihn, doch verglichen mit dem Rest, war es tatsächlich eine Art von Rückhalt. Sie hatte ihm gefehlt. Er hatte sogar Blumen für sie gepflückt — die Blüten, die in der Umgebung Rhuideans auf Dornbüschen wuchsen — und sich dabei blutige Finger geholt, bis er begriff, daß er es mit Hilfe der Macht einfacher tun konnte. Er hatte sie ihr bringen lassen; ein halbes Dutzend Mal. Töchter des Speers hatten sie überbracht, weil er sie nicht den Gai'schain anvertrauen wollte. Natürlich hatte sie niemals irgendein Anzeichen von Dankbarkeit geäußert.

»Danke schön«, sagte er schließlich, wobei er auf die Decken deutete. Das schien ihm wenigstens ein neutrales Gesprächsthema. »Ich schätze, bei den Nächten hier kann man gar nicht genug davon haben.«

»Enaila hat mich gebeten, sie Euch zu bringen, als sie herausfand, daß ich Euch besuchen wollte.« Ihre Lippen zuckten und sie begann, amüsiert zu lächeln. »Einige der Speerschwestern waren besorgt darüber, daß es Euch nicht warm genug sein könne. Ich soll dafür sorgen, daß Ihr heute Feuer macht; letzte Nacht habt Ihr das nicht getan.«

Rand spürte, wie er rot anlief. Sie wußte Bescheid. Na ja, ist ja eigentlich klar. Die verdammten Töchter erzählen ihr heutzutage vielleicht nicht mehr alles, aber sie bemühen sich auch nicht, irgend etwas vor ihr zu verbergen. »Warum wolltet Ihr mich sehen?«

Zu seiner Überraschung verschränkte sie die Arme unter der Brust und ging zweimal nachdenklich durch den Raum, bevor sie stehenblieb und ihn anfunkelte. »Das hier war nicht als Geschenk gedacht, um Aufmerksamkeit zu erregen«, sagte sie anschuldigend, wobei sie ihr Armband in seine Richtung schüttelte. »Das habt Ihr praktisch zugegeben.« Das entsprach der Wahrheit, doch hatte er gefürchtet, sie werde ihm ein Messer in die Rippen rennen, wenn er keinen Rückzieher machte. »Es war einfach ein närrisches Geschenk von einem unwissenden Mann, dem völlig egal war, was meine... was die Speerschwestern davon halten würden. Also, dann hat dies auch keine Bedeutung.« Sie zog etwas aus ihrer Gürteltasche und warf es auf die Steppdecke neben ihn. »Jetzt hebt eben das eine das andere auf.«

Rand hob auf, was sie ihm hingeworfen hatte, und drehte es in seinen Händen hin und her. Es war eine Gürtelschnalle in Gestalt eines Drachen, kunstvoll aus gutem Stahl getrieben und mit Gold eingelegt. »Danke schön. Es ist schön. Aviendha, es gibt nichts, was Ihr damit aufheben oder wiedergutmachen müßtet.«

»Wenn Ihr es nicht gegen meine Schuld aufwiegen wollt«, sagte sie mit fester Stimme, »dann werft es weg. Ich werde auch etwas anderes finden, um meine Schulden zu begleichen. Es ist nur eine Nichtigkeit.«

»Wohl kaum eine Nichtigkeit. Das habt Ihr extra anfertigen lassen.«

»Glaubt ja nicht, daß es irgendeine Bedeutung hat, Rand al'Thor. Als ich... den Speer aufgab, meine Speere, meine Messer« — unbewußt berührte sie mit der Hand ihren Gürtel, wo gewöhnlich ein Messer mit langer Klinge gehangen hatte —, »nahm man mir sogar die Pfeilspitzen ab und gab sie einem Schmied, um daraus einfache Dinge zum Verschenken zu machen. Das meiste habe ich Freundinnen gegeben, aber die Weisen Frauen zwangen mich, ihnen die drei Männer und die drei Frauen zu nennen, die ich am meisten hasse, und sie sagten mir, ich solle jedem davon persönlich ein aus meinen Waffen angefertigtes Geschenk geben. Bair sagt, daraus lerne man Demut.« Hochaufgerichtet und mit funkelnden Augen und so, wie sie die Worte förmlich ausspuckte, war sie keineswegs ein Abbild von Demut. »Damit Ihr nicht glaubt, es bedeute etwas.«