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Wenn ich das nur bei einem bestimmten Mann fertigbringen würde, dann wäre ich hochzufrieden. Vielleicht bringt sie es mir bei — Licht, was denke ich da? Sie war sich immer selbst treu geblieben, und jeder andere konnte sie entweder so akzeptieren, oder eben nicht. Nun dachte sie daran, sich zu ändern, und das eines Mannes wegen. Es war schon schlimm genug, daß sie sich hinter einem Rock verstecken mußte, statt Mantel und Hose zu tragen, wie sie es früher immer gehalten hatte. In einem Kleid mit tiefem Ausschnitt würde er dich bestimmt bemerken. Du hast doch mehr vorzuzeigen als Leane, und sie... Hör auf damit!

»Wir müssen nach Süden«, sagte plötzlich Siuan an ihrer Seite, und Min fuhr gehörig zusammen. Sie hatte die andere nicht hereinkommen sehen. »Und zwar sofort.« Siuans blaue Augen glänzten. Offensichtlich hatte sie etwas in Erfahrung gebracht. Ob sie es ihr anvertrauen würde, stand auf einem anderen Blatt. Die Frau schien sich die meiste Zeit über immer noch für die Amyrlin zu halten.

»Wir können aber vor Sonnenuntergang keinen anderen Ort mit einer Schenke erreichen«, sagte Min. »Genausogut können wir uns hier für heute Zimmer suchen.« Es war so angenehm, wieder in einem Bett zu schlafen, statt unter Hecken und in Heustadeln, auch wenn sie ein Bett zwischendurch meist mit Siuan und Leane teilen mußte. Logain war ja gewillt, ihnen Einzelzimmer zu beschaffen, aber Siuan war selbst dann noch geizig, wenn Logain das Geld verwaltete.

Siuan sah sich um, aber jeder im Raum, der nicht gerade Leane anstarrte, lauschte der Sängerin. »Das ist nicht möglich. Ich... ich glaube, daß vielleicht ein paar Weißmäntel nach mir fragen könnten.«

Min pfiff leise durch die Zähne. »Das wird Dalyn nicht gerade gefallen.«

»Dann erzählt es ihm nicht.« Siuan schüttelte den Kopf, als sie die Versammlung um Leane bemerkte. »Sagt lediglich Amaena, daß wir gehen müssen. Er kommt schon nach. Hoffentlich kommen aber nicht all die anderen auch mit.«

Min grinste. Siuan behauptete zwar, es sei ihr gleich, daß Logain — Dalyn — die Führung übernommen hatte, und tat, als ob nichts sei, wenn sie wieder einmal vergeblich versuchte, ihn dazu zu bringen, ihr zu folgen; doch sie war immer noch entschlossen, ihn wieder unter Kontrolle zu bringen.

»Was ist eigentlich ein Neunergespann?« fragte Min im Aufstehen. Sie war zuvor kurz hinausgegangen, um vielleicht irgendwo eine Andeutung zu entdecken, aber das Schild über der Tür trug lediglich diesen Namen. »Ich habe Achtergespanne gesehen und Zehner, aber niemals eines mit neun Pferden.«

»In dieser Stadt«, sagte Siuan knapp, »ist es besser, keine Fragen zu stellen.« Jedoch begannen dabei ihre Wangen zu glühen, so daß Min glaubte, sie wisse durchaus Bescheid. »Geht und holt sie herbei. Wir haben einen langen Weg vor uns und dürfen keine Zeit verlieren. Und laßt die anderen nicht hören, was Ihr ihnen mitteilt.«

Min schnaubte leise. Solange Leane derart lächelte, würde keiner der Männer sie überhaupt bemerken. Sie hätte zu gern gewußt, wie Siuan die Aufmerksamkeit der Weißmäntel erregt hatte. Das war nun wirklich das Letzte, was sie brauchen konnten, und es sah Siuan überhaupt nicht ähnlich, Fehler zu begehen. Sie hätte auch zu gern gewußt, wie sie Rand dazu bringen könnte, sie so anzusehen, wie diese Männer Leane anstarren. Wenn sie schon die ganze Nacht durch reiten mußten, und sie fürchtete, es werde darauf hinauslaufen, dann würde ihr Leane vielleicht doch ein paar Tips geben.

12

Eine alte Pfeife

Ein Windstoß wirbelte Staub über die schmutzige Straße in Lugard und erfaßte auch Gareth Brynes Samthut. Er wurde ihm vom Kopf gefegt und rollte direkt unter einen der schwerfällig heranrumpelnden Planwagen. Ein eisenbereiftes Rad zermalmte den Hut und walzte ihn in den harten Lehmbelag der Straße. Zurück blieb nur ein platter, schmutziger, zerfetzter Rest. Einen Augenblick lang stand er da und betrachtete die Überbleibsel, und dann ging er weiter. Er war ja nicht mehr der neueste, sagte er sich. Auch sein seidener Kurzmantel war schon ganz verstaubt gewesen, bevor sie Murandy erreichten. Bürsten half da nicht mehr, falls er sich überhaupt die Mühe machte. Er wirkte jetzt eher braun als grau. Vielleicht sollte er ohnehin etwas Einfacheres kaufen, denn schließlich war er ja nicht auf dem Weg zu einem Ball. Er schlüpfte zwischen den Wagen hindurch, die die ausgefahrene Straße entlangrollten, überhörte die Flüche der Fahrer, die ihm folgten — jeder anständige Soldat konnte noch im Schlaf besser fluchen —, und flüchtete schließlich in eine Schenke mit rotem Dach, die sich ›Zum Kutschbock‹ nannte. Das Bild auf dem Schild interpretierte den Namen allerdings auf ganz eigene und äußerst zweideutige Art und Weise.

Der Schankraum glich jedem anderen, den er in Lugard gesehen hatte. Wagenlenker und Leibwächter oder Begleitsoldaten saßen dichtgedrängt neben Stallburschen, Schmieden, Tagelöhnern, eben Männern jeder Art, und alle unterhielten sich oder lachten, so laut sie konnten, während eine Hand nach dem Becher griff und die andere nach den Mädchen grabschte, die sie bedienten. Damit unterschied er sich kaum von allen Schankräumen und Tavernen in vielen anderen Städten, auch wenn es in den meisten etwas weniger wild zuging. Eine junge Frau mit großem Busen, der beinahe ihre Bluse sprengte, tanzte und sang auf einem Tisch an einem Ende des Raums, im Lärm fast unhörbar begleitet von zwei Flöten und einer zwölfseitigen Zither.

Er war nicht sehr musikalisch, doch blieb er einen Augenblick stehen, um ihrem Lied zu lauschen. Sie hätte noch in jedem Soldatenlager für Aufsehen gesorgt. Andererseits wäre sie nicht weniger bewundert worden, wenn sie kein bißchen hätte singen können. Mit dieser Bluse am Leib hätte sie innerhalb kürzester Zeit einen Ehemann gefunden.

Joni und Barim befanden sich bereits hier. Jonis mächtige Gestalt hatte ihnen trotz seines dünnen Haars und der Bandage um die Schläfen einen Tisch für sie allein verschafft. Sie lauschten ebenfalls dem Lied des Mädchens. Oder starrten sie einfach an — schwer zu sagen. Er berührte jeden der beiden an der Schulter und nickte in Richtung einer Seitentür, die zum Stallhof führte, wo ihnen ein mürrischer, schielender Stallbursche gegen drei Silberpfennige ihre Pferde übergab. Vor etwa einem Jahr noch hätte Bryne für ein ordentliches Pferd nicht mehr zahlen müssen. Die Auseinandersetzungen im Westen und in Cairhien hatten den Handel gründlich durcheinandergebracht und die Preise ins Uferlose steigen lassen.

Niemand sprach, bis sie das Stadttor passiert hatten und sich auf einer wenig benutzten Straße befanden, die sich nach Norden zum Stornfluß hin schlängelte. Es war kaum mehr als ein Feldweg. Dann sagte Barim: »Sie waren gestern noch hier, Lord Gareth.«

Das hatte Bryne selbst auch in Erfahrung gebracht. Drei hübsche junge Frauen zusammen, offensichtlich Ausländerinnen, kamen nicht durch eine Stadt wie Lugard, ohne aufzufallen. Jedenfalls den Männern.

»Sie und ein breitschultriger Bursche«, fuhr Barim fort. »Klingt, als sei vielleicht dieser Dalyn bei ihnen, derselbe wie bei dem Brand von Nems Scheune. Ist egal, wer er auch sein mag, aber sie waren eine Weile im ›Neunergespann‹. Sie tranken was und gingen dann wieder. Dieses Domani-Mädchen, haben mir die Kerle erzählt, die hätte beinahe einen Aufstand hervorgerufen mit ihrem Lächeln und diesem aufreizenden Gang. Wie die ihren Arsch schwenken kann, o Mann! Dann hat sie aber alle wieder auf die gleiche Weise beruhigt. Verdammich, ich hätte auch gern so ein Domani-Mädchen.«

»Hast du gehört, in welcher Richtung sie weiterzogen, Barim?« fragte Bryne geduldig. Das hatte er nicht in Erfahrung bringen können.

»Ach, leider nicht, mein Lord. Aber ich hörte, daß eine Menge Weißmäntel hier durchziehen, alle nach Westen zu. Glaubt Ihr, daß der alte Pedron Niall irgend etwas im Schilde führt? Vielleicht in Altara?«

»Das geht uns nichts mehr an, Barim.« Bryne war sich bewußt, daß seine Ungeduld diesmal nicht zu überhören war, aber Barim war ein so alter Hase, daß er wußte, er habe sich an seine Aufgabe zu halten und sonst nichts. »Ich weiß, wohin sie zogen, mein Lord«, sagte Joni. »Nach Westen auf der Straße nach Jehannah, und meinen Informationen nach hatten sie es sehr eilig.« Es klang besorgt. »Mein Lord, ich habe zwei von den Wagenbegleitern getroffen, die früher Mitglieder unserer Garde waren, und wir haben zusammen was getrunken. Zufällig waren die beiden in einer Spelunke namens ›Zum guten Nachtritt‹, als dieses Mädchen Mara hereinkam und eine Stellung als Sängerin haben wollte. Sie hat sie nicht bekommen, weil sie ihre Beine nicht so zeigen wollte, wie die Sängerinnen in den meisten Kneipen hier, und wer könnte ihr daraus einen Vorwurf machen, und dann ist sie wieder gegangen. Wenn das stimmt, was Barim berichtet, sind sie kurz danach nach Westen aufgebrochen. Das gefällt mir nicht, mein Lord. Sie ist nicht die Art von Mädchen, die in einer solchen Spelunke arbeiten will. Ich glaube eher, sie versucht, von diesem Kerl Dalyn wegzulaufen.«