Выбрать главу

»Und wie lauten diese Regeln, Kaiser?« fragte einer der Seeleute.

»Ihr dürft sie nicht töten. Sie sind meine Sklaven — sie gehören mir. Ich möchte, daß sie am Morgen in einem hinlänglich guten Zustand zurückgegeben werden, damit sie mir dienen können. Mit anderen Worten, keine Knochenbrüche und dergleichen mehr. Ihr werdet Lose ziehen, wer welche Frau bekommt. Ich weiß, was passiert, wenn ich euch erlaube, sie euch selbst auszusuchen. Ich will nicht, daß eine von ihnen vernachlässigt wird.«

Die Männer lachten still in sich hinein. Sie waren einverstanden und meinten, das sei mehr als gerecht. Sie schworen, sich an die Regeln zu halten.

Jagang richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die sechs Frauen. »Ich habe eine gewaltige Armee großer, kräftiger Soldaten und nicht annähernd genug Frauen für alle. Was bei meinen Männern für eine ziemlich miese Stimmung sorgt. Bis ich andere Aufgaben für euch habe, werdet ihr in dieser Eigenschaft den ganzen Tag bis auf vier Stunden dienen. Seid froh, daß ihr meinen Ring an eurer Lippe tragt. So werden sie euch nicht töten, während sie ihren Spaß haben.«

Schwester Cecilia breitete die Hände aus. Sie hatte ein gütiges, strahlend unschuldiges Lächeln aufgesetzt. »Kaiser Jagang, Eure Männer sind jung und kräftig. Ich fürchte, sie werden kein Vergnügen daran haben, mit einer alten Frau wie mir zusammenzusein. Es tut mir leid.«

»Ich bin sicher, sie werden vor Wonne strahlen, dich zu kriegen. Du wirst schon sehen.«

»Schwester Cecilia hat recht, Kaiser. Ich fürchte, ich bin auch zu alt und fett«, meinte Tovi mit ihrer besten Altfrauenstimme. »Wir würden euren Männern keine Befriedigung verschaffen.«

»Befriedigung?« Er biß ein Stück aus dem Braten auf der Spitze seines Messers. »Befriedigung? Bist du verrückt? Das hat nichts mit Befriedigung zu tun. Ich versichere dir, meine Männer werden an deiner warmen Herzlichkeit Gefallen finden — aber du verstehst hier etwas falsch.«

Er drohte ihnen mit dem Finger. Die fettverschmierten Ringe an seinen Fingern glänzten im Schein der Feuer. »Ihr sechs wart zuerst Schwestern des Lichts, dann Schwestern der Finsternis. Ihr seid vermutlich die mächtigsten Magierinnen auf der Welt. Das soll euch lehren, daß ihr wenig mehr seid als Kot unter meinen Stiefeln. Ich werde mit euch machen, was ich will. Die Menschen, die die Gabe besitzen, sind jetzt meine Waffen.

Das soll euch eine Lehre sein. Ihr habt in dieser Sache nichts zu sagen. Bis ich mich anders entscheide, überlasse ich euch meinen Männern. Wenn sie euch die Finger verdrehen und Wetten abschließen wollen, wer von ihnen euch am lautesten zum Schreien bringen kann, dann werden sie es tun. Wenn sie irgendein anderes Vergnügen von euch wollen, dann werden sie es bekommen. Ihre Geschmäcker sind recht vielfältig, und solange sie euch nicht töten, steht es ihnen frei, ihnen nach Belieben zu frönen.«

Er schob sich den Rest des Fleischbrockens in den Mund. »Jedenfalls, wenn diese Jungs hier mit euch fertig sind. Erfreut euch an meinem Geschenk, Jungs. Tut, was ich sage. Befolgt die Regeln, dann habe ich in Zukunft vielleicht noch Verwendung für euch. Kaiser Jagang behandelt seine Freunde gut.«

Die Seeleute brachen in Jubel für den Kaiser aus.

Ulicia wäre gestürzt, als die Beine unter ihr nachgaben, hätte sich nicht ein Arm um ihre Hüfte gelegt und sie nach hinten gezogen, an den Körper eines Seemannes, der es kaum noch erwarten konnte. Sie roch seinen fauligen Atem.

»Sieh an, sieh an, mein Schatz. Sieht ganz so aus, als würdet ihr schließlich doch noch zum Spielen rauskommen, nachdem ihr so ekelhaft zu uns wart.«

Ulicia hörte sich wimmern. Sie spürte einen dumpfen Schmerz in ihrer Lippe, trotzdem wußte sie, dies war erst der Anfang. Sie war so benommen von dem, was hier geschah, daß sie keinen klaren Gedanken fassen konnte.

»Oh«, meinte Jagang, und alles hielt inne. Er deutete mit dem Messer auf Merissa. »Bis auf diese dort. Die könnt ihr nicht bekommen«, sagte er zu den Seeleuten. Er winkte ihr mit zwei Fingern. »Komm näher, Liebes.«

Merissa ging zwei Schritte auf das Fell zu. Durch die Verbindung konnte Ulicia fühlen, wie ihre Beine zitterten.

»Christabel gehörte ganz allein mir. Sie war mir die Liebste. Aber jetzt ist sie tot, und das nur, weil sie als Lektion für euch dienen mußte.« Er blickte auf die Stelle, wo die Seeleute ihr Kleid bereits zerrissen hatten. »Du wirst ihren Platz einnehmen.«

Er richtete seine trüben Augen auf ihre. »Wenn ich mich recht erinnere, hast du doch gesagt, daß du mir die Füße lecken würdest, wenn du müßtest. Jetzt mußt du.« Auf Merissas überraschten Blick hin setzte Jagang sein tödliches, von den geflochtenen Schnäuzern eingerahmtes Lächeln auf. »Ich habe es dir bereits gesagt, mein Liebes. Du träumst die Dinge, die du im Wachzustand aussprichst.«

Merissa nickte schwach. »Ja, Exzellenz.«

»Zieh das Kleid aus. Du brauchst vielleicht etwas Hübsches für später, wenn ich dir gestatte, Richard Rahl für mich zu töten.« Er sah zu den anderen Frauen hinüber, während Merissa tat, was von ihr verlangt worden war. »Ich werde euch die Verbindung fürs erste lassen, damit ihr die Lektionen spüren könnt, die die anderen erteilt bekommen. Ich möchte wirklich nicht, daß ihr etwas verpaßt.«

Als Merissa ausgezogen war, drehte Jagang das Messer zwischen Daumen und Zeigefinger und zeigte damit nach unten. »Unter den Tisch, Liebes.«

Ulicia spürte den rauhen Fellvorleger an Merissas Knien, und dann den groben Steinfußboden unter dem Tisch. Der Anblick entlockte den Seeleuten ein anzügliches Grinsen.

Durch reine Willenskraft schöpfte Ulicia Kraft und gewann Entschlossenheit aus ihrem Reservoir an Haß für diesen Mann. Sie war die Anführerin der Schwestern der Finsternis. Durch die Verbindung sprach sie zu den anderen. »Wir haben alle das Ritual durchgestanden. Uns ist schon Schlimmeres widerfahren als das hier. Wir sind Schwestern der Finsternis. Denkt daran, wer unser wahrer Herr und Gebieter ist. Im Augenblick sind wir die Sklavinnen dieses Blutsaugers, aber er macht einen großen Fehler, wenn er glaubt, wir hätten keinen eigenen Verstand. Er besitzt keine eigene Macht, außer der, sich unserer zu bedienen. Wir werden uns etwas überlegen, und dann wird Jagang bezahlen. Oh, geliebter Herr und Meister, und wie er bezahlen wird

»Aber was sollen wir bis dahin tun?« schrie Armina.

»Ruhe!« herrschte Nicci sie an. Ulicia spürte die tastenden Finger auf Niccis Körper, sie spürte das weiße Glühen ihre Zorns, und sie spürte ihr schwarzes Herz aus Eis. »Merkt euch jedes einzelne Gesicht. Sie alle werden bezahlen. Hört auf Ulicia. Wir werden uns etwas überlegen, und dann werden wir ihnen eine Lektion erteilen, wie nur wir sie uns ausdenken können

»Und daß keine von euch wagt, hiervon zu träumen!« warnte Ulicia sie. »Das einzige, was wir uns nicht leisten können, ist zuzulassen, daß Jagang uns tötet. Denn dann ist alle Hoffnung verloren. Solange wir leben, haben wir die Chance, uns die Gunst unseres Herrn und Meisters von neuem zu verdienen. Man hat uns eine Belohnung für unsere Seelen versprochen, und ich habe die Absicht, sie mir zu holen. Seid stark, meine Schwestern

»Aber Richard Rahl gehört mir«, zischte Merissa. »Und wer ihn sich an meiner Stelle nimmt, wird sich vor mir verantworten müssen — und vor dem Hüter.« Selbst Jagang wäre angesichts der Gehässigkeit in ihrer Warnung blaß geworden, hätte er sie hören können. Durch die Verbindung spürte Ulicia, wie Merissa ihr dichtes Haar nach hinten aus dem Weg schob. Sie schmeckte dasselbe, was Merissa schmeckte.

»Mit dir bin ich fertig…« Jagang hielt einen Augenblick inne und atmete durch. Er schwenkte sein Messer. »Verschwindet.«

Captain Blake packte Ulicia an den Haaren. »Zeit, die Schulden zu begleichen, Schätzchen.«

28

Sie setzte eine verwunderte Miene auf und blickte an der Klinge des rostigen Schwertes entlang, das man ihr vors Gesicht hielt. Die Spitze war nicht mehr als Zentimeter entfernt.