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Richard erhob sich und wandte sich an Cara und Raina. »Verzeiht mir, daß ich Euch das angetan habe.« Er gab ihnen zu verstehen, daß sie sich bedecken sollten. Berdine zitterte vor Wut und rührte sich nicht, während die beiden anderen begannen, ihren Lederanzug an der Seite zuzuknöpfen.

»Was geht hier vor?« fragte Cara und ließ den gefährlichen Blick die ganze Zeit über, derweil sie sich an den engen Knöpfen zu schaffen machte, nicht von Berdine.

»Das erkläre ich Euch später. Ihr zwei könnt jetzt gehen.«

»Wir werden nirgendwohin gehen«, erwiderte Raina ernst, während auch sie die Augen nicht von Berdine nahm.

»Doch, Ihr werdet.« Richard zeigte auf die Tür. Er drohte Berdine mit dem Finger. »Ihr bleibt hier.«

Cara trat beschützend näher an ihn heran. »Wir werden nicht —«

»Keine Widerworte. Dazu bin ich nicht in Stimmung. Raus!«

Cara und Raina zuckten überrascht zurück. Mit einem letzten wütenden Seufzer gab Cara Raina ein Zeichen. Die beiden verließen das Zimmer und schlossen die Tür hinter sich.

Berdines Strafer wirbelte herum und landete in ihrer Faust. »Was habt Ihr mit ihr gemacht?«

»Wer hat Euch das angetan, Berdine?« fragte er sie freundlich.

Sie kam näher. »Was habt Ihr mit ihr gemacht?«

Richard, jetzt wieder bei klarem Verstand, spürte den Bann, der sie umgab, als sie sich ganz nah vor ihn stellte. Er spürte das deutliche Kribbeln von Magie, dieses unangenehme Kribbeln in seiner Magengegend. Wohlwollende Magie war das nicht.

In ihren Augen sah er mehr als Magie, er sah das wilde, entfesselte Temperament einer Mord-Sith.

»Sie starb beim Versuch, mich umzubringen.«

»Ich weiß, ich hätte es selbst machen sollen.« Sie schüttelte angewidert den Kopf. »Kniet nieder«, befahl sie zwischen zusammengepreßten Zähnen hindurch.

»Berdine, ich bin kein —«

Sie schlug mit ihrem Strafer zu, traf ihn an der Schulter und stieß ihn zurück. »Wagt es nicht, mich mit meinem Namen anzusprechen!«

Sie war schneller, als er erwartet hatte. Er stöhnte vor Schmerzen und faßte sich an die Schulter. Sämtliche Erinnerungen an den Strafer und das, was man ihm damit angetan hatte, schossen ihm erstaunlich frisch durch den Kopf.

Plötzlich quälten ihn Zweifel. Er wußte nicht, ob er es schaffen würde. Aber die einzige Alternative wäre, sie zu töten, und er hatte geschworen, das nicht zu tun. Der bis auf die Knochen brennende, quälende Schmerz in seiner Schulter brachte seine Entschlossenheit ins Wanken.

Berdine kam immer näher. »Hebt Euer Schwert auf.«

Er nahm seinen Willen zusammen und rappelte sich auf. Berdine legte ihm den Strafer auf die Schulter und zwang ihn auf die Knie.

Er hatte Mühe, sich zu konzentrieren. Denna hatte ihm beigebracht, wie man das aushielt. Er hob das Schwert auf und kam wackelig wieder auf die Beine.

»Versucht, es gegen mich zu erheben«, befahl sie.

Richard sah ihr in die kalten, blauen Augen, kämpfte gegen den panikartigen Sog in seiner Seele. »Nein.« Er warf das Schwert aufs Bett. »Ich bin Lord Rahl. Ihr seid mir über die Bande verpflichtet.«

Mit einem zornerfüllten Aufschrei rammte sie ihm den Strafer in den Unterleib. Das Zimmer drehte sich, während ihm dämmerte, daß er auf dem Rücken lag. Völlig außer Atem kämpfte er sich wieder auf die Beine, als sie ihm den Befehl dazu erteilte.

»Benutzt Euer Messer! Kämpft gegen mich!«

Mit zitternden Fingern zog Richard das Messer aus der Scheide an seinem Gürtel und hielt es ihr mit dem Griff nach vorne hin. »Nein. Tötet mich, wenn es das ist, was Ihr wirklich wollt!«

Sie riß ihm das Messer aus der Hand. »Ihr macht es mir leicht. Ich hatte eigentlich vor, Euch leiden zu lassen, aber Euer Tod genügt mir schon.«

Richard, dessen Eingeweide von einem quälenden, nicht endenwollenden, brennenden Schmerz erfüllt waren, nahm all seine Kraft zusammen und reckte seine Brust vor. Er zeigte auf sein Herz. »Hier sitzt mein Herz, Berdine. Das Herz des Lord Rahl. Jenes Lord Rahl, dem Ihr über die Bande verpflichtet seid.« Er tippte sich noch einmal auf die Brust. »Erdolcht mich hier, wenn Ihr mich töten wollt.«

Sie sah ihn schauerlich lächelnd an. »Schön. Ihr sollt Euren Wunsch bekommen.«

»Nein, nicht meinen Wunsch — Euren. Ich will nicht, daß Ihr mich tötet.«

Sie zögerte. Ihre Braue zuckte. »Schützt Euch.«

»Nein, Berdine. Wenn Ihr das wirklich wollt, dann liegt die Entscheidung ganz allein bei Euch.«

»Wehrt Euch!« Sie zog ihm den Strafer quer durchs Gesicht.

Es war, als würde sein Kiefer zertrümmert, als würden ihm sämtliche Zähne ausgeschlagen. Der stechende Schmerz zog bis ins Ohr und ließ ihn fast erblinden. Keuchend, in kalten Schweiß gebadet, richtete er sich wieder auf.

»Berdine, Ihr habt zwei Arten von Magie in Eurem Körper. Die eine ist jene, die Euch an mich bindet, die andere hat man Euch eingegeben, als man Euch Eure Brustwarze stahl. Ihr könnt nicht länger beide in Euch tragen. Eine muß gebrochen werden. Ich bin Euer Lord Rahl. Ihr seid mir verpflichtet. Der einzige Weg, mich zu töten, besteht darin, diese Bande zu zerstören. Mein Leben liegt in Eurer Hand.«

Sie schlug nach ihm. Er spürte, wie sein Hinterkopf auf den Boden knallte. Berdine war über ihm und kreischte vor Wut.

»Wehrt Euch gegen mich, Bastard!« Sie schlug mit der Faust auf seine Brust ein, während sie mit der anderen Hand das Messer in die Höhe hielt. Tränen strömten aus ihren Augen. »Wehrt Euch! Wehrt Euch! Wehrt Euch!«

»Nein. Wenn Ihr mich töten wollt, müßt Ihr das alleine tun.«

Richard schlang die Arme um sie und zog sie an seine Brust. Er stemmte seine Fersen in den Teppich, drückte sich nach hinten und nahm sie mit, als er sich rückwärts am Bett hochschob.

»Berdine, so wie Ihr mir verpflichtet seid, beschütze ich Euch auch. Ich werde nicht zulassen, daß Ihr auf diese Weise sterbt. Ich will, daß Ihr lebt. Ich will Euch als meine Beschützerin.«

»Nein!« kreischte sie. »Ich muß Euch töten! Ihr müßt Euch gegen mich zur Wehr setzen, damit ich es tun kann! Ich kann es nicht, wenn Ihr nicht versucht, mich umzubringen! Ihr müßt es tun!«

Heulend vor Wut und Verzweiflung drückte sie ihm das Messer an die Kehle. Richard hinderte sie nicht daran.

Er strich ihr mit der Hand über das wellige, braune Haar. »Berdine, ich habe geschworen, für den Schutz all derer zu kämpfen, die in Freiheit leben wollen. Das ist meine Verpflichtung Euch gegenüber. Ich werde nichts tun, was Euch schadet. Ich weiß, daß Ihr mich nicht töten wollt. Ihr habt bei Eurem Leben geschworen, mich zu beschützen.«

»Ich bringe Euch um! Ich werde es tun! Ich bringe Euch um!«

»Ich glaube an Euch, Berdine, an den Eid, den Ihr auf mich geschworen habt. Ich vertraue mein Leben Eurem Wort und den Banden an.«

Sie rang gequält schluchzend nach Atem und sah ihm in die Augen. Sie schüttelte sich und weinte hemmungslos. Richard unternahm nichts gegen die scharfe Klinge an seiner Kehle.

»Dann müßt Ihr mich töten«, weinte sie. »Bitte … ich kann es nicht länger ertragen. Bitte … tötet mich.«

»Ich werde niemals etwas tun, was Euch ein Leid zufügt, Berdine. Ich habe Euch die Freiheit geschenkt. Ihr seid Euch nur selbst gegenüber verantwortlich.«

Berdine stieß einen langen, elendigen Klagelaut aus, dann schleuderte sie das Messer zu Boden. Sie brach zusammen und schlang ihm die Arme um den Hals.

»Oh, Lord Rahl«, schluchzte sie, »vergebt mir. Vergebt mir. Oh, geliebte Seelen, was habe ich getan.«

»Ihr habt die Bande unter Beweis gestellt«, erwiderte er leise und hielt sie fest.

»Sie haben mir weh getan«, schluchzte sie. »Sie haben mir so sehr weh getan. Niemals zuvor hat etwas so weh getan. Es tut jetzt noch weh, dagegen anzugehen.«

Er drückte sie fest an sich. »Ich weiß, aber Ihr müßt dagegen ankämpfen.«