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»Hier drinnen gibt es keinen Topf. Könntest du uns einen besorgen, damit wir etwas zum Abendessen zubereiten können?«

Seine Uniform aus dunklem Leder knarzte, als er sich verbeugte, kehrtmachte und aus dem Zimmer eilte. Früher war Orsk ein d’Haranischer Soldat aus dem Lager der Imperialen Ordnung gewesen. Er hatte versucht, sie umzubringen, und in diesem Kampf hatte sie ihn mit ihrer Kraft berührt. Daraufhin hatte die Magie des Konfessors für immer den Menschen zerstört, der er einst gewesen war, und ihn mit blinder Ergebenheit ihr gegenüber erfüllt. Diese blinde Ergebenheit und Hingabe war Kahlan auf zermürbende Weise bewußt. Es war eine stete Erinnerung daran, was und wer sie war.

Sie versuchte, nicht den Mann zu sehen, der er einst war: ein d’Haranischer Soldat, der sich der Imperialen Ordnung angeschlossen hatte, einer jener Totschläger, die an dem Gemetzel an hilflosen Frauen und Kindern in Ebinissia teilgenommen hatten. Als Mutter Konfessor hatte sie geschworen, keinem der Soldaten der Imperialen Ordnung gegenüber Gnade walten zu lassen, und bislang hatte sie sich an diesen Schwur gehalten. Nur Orsk lebte noch. Er lebte zwar noch, aber der Mann, der für die Imperiale Ordnung gekämpft hatte, war tot.

Wegen des Todesbanns, den Zedd über sie gelegt hatte, um ihr bei der Flucht aus Aydindril zu helfen, wußten nur wenige, daß Kahlan die Mutter Konfessor war. Orsk kannte sie lediglich als seine Herrin. Zedd wußte natürlich Bescheid. Adie, Jebra, Ahern und Chandalen, ihr Halbbruder Prinz Harold und Hauptmann Ryan kannten ihre wahre Identität, alle anderen dagegen waren überzeugt, die Mutter Konfessor sei tot. Die Männer, die an ihrer Seite gekämpft hatten, kannten sie nur als ihre Königin. Man hatte ihre Erinnerung daran, daß sie die Mutter Konfessor war, verwirrt und vernebelt, und jetzt hielten sie Kahlan für die Königin, die zwar nicht weniger ihre Führerin, aber eben nicht die Mutter Konfessor war.

Nachdem man Schnee geschmolzen hatte, gaben Jebra und Kahlan Bohnen und Speck hinein, schnitten Süßwurzeln auf, die sie in den Topf warfen, und gaben ein paar Löffel Sirup hinzu. Zedd stand händereibend daneben und beobachtete, wie die Zutaten in den Topf wanderten. Kahlan mußte über diesen kindlichen Eifer schmunzeln und zog ein wenig hartes Brot für ihn aus einem Bündel. Er freute sich und verspeiste das Brot, während die Bohnen garten.

Während das Abendessen vor sich hin köchelte, taute Kahlan ein wenig übriggebliebene Suppe auf und brachte sie Cyrilla. Sie stellte eine Kerze auf einen Stock, den sie in einen Mauerriß steckte, und setzte sich in dem stillen Zimmer auf die Bettkante. Eine Weile wischte sie ihrer Halbschwester mit einem warmen Lappen die Stirn ab und freute sich, als Cyrilla die Augen öffnete. Ein von Panik erfüllter, starrer Blick zuckte durch das schlecht beleuchtete Zimmer hin und her. Kahlan packte Cyrillas Unterkiefer und zwang sie, ihr in die Augen zu sehen.

»Ich bin’s, Schwester, Kahlan. Du bist in Sicherheit. Wir sind allein. Du bist in Sicherheit. Mach es dir bequem. Es ist alles in Ordnung.«

»Kahlan?« Cyrilla klammerte sich an Kahlans weißen Fellmantel. »Du hast es mir versprochen. Du darfst dein Wort nicht brechen. Auf keinen Fall.«

Kahlan lächelte. »Ich habe es versprochen, und ich werde mein Wort halten. Ich bin Königin von Galea und werde es bis zu dem Tag bleiben, an dem du die Krone zurückforderst.«

Sich immer noch an dem Fellmantel festhaltend, sank Cyrilla erleichtert zurück. »Danke, meine Königin.«

Kahlan drängte sie, sich aufzusetzen. »Jetzt komm. Ich habe dir ein wenig warme Suppe mitgebracht.«

Cyrilla drehte ihr Gesicht vom Löffel fort. »Ich bin nicht hungrig.«

»Wenn du willst, daß ich Königin bin, dann mußt du mich auch wie eine Königin behandeln.« Ein fragender Blick erschien auf Cyrillas Gesicht. Kahlan lächelte. »Dies ist ein Befehl deiner Königin. Du wirst die Suppe essen.«

Erst jetzt war Cyrilla gewillt zu essen. Nachdem sie alles aufgegessen hatte, fing wie wieder an zu zittern und zu weinen, und Kahlan nahm sie ganz fest in den Arm, bis sie in einen tranceähnlichen Zustand hinüberglitt und blind nach oben ins Leere starrte. Kahlan steckte die schweren Decken um sie herum fest und gab ihr einen Kuß auf die Stirn.

Zedd hatte ein paar Fässer, eine Bank und einen Schemel aus der Scheune organisiert und irgendwo einen weiteren Stuhl aufgetrieben. Er hatte Prinz Harold und Hauptmann Ryan gebeten, sich zum Abendessen Adie, Jebra, Ahern, Orsk, Kahlan und ihm selbst anzuschließen. Sie lagen kurz vor Ebinissia und mußten ihre Pläne besprechen. Alles drängte sich um den kleinen Tisch, als Kahlan das harte Brot brach und Jebra aus einem auf dem Feuer stehenden Kessel dampfende Schalen mit Bohnen verteilte. Als die Seherin damit fertig war, setzte sie sich neben Kahlan auf die kurze Bank. Die ganze Zeit über warf sie Zedd verwunderte Blicke zu.

Prinz Harold, ein Mann mit mächtiger Brust und einem Schopf langen, dichten, dunklen Haars, erinnerte Kahlan an ihren Vater. Harold war erst an diesem Tag mit seinen Spähern aus Ebinissia zurückgekehrt.

»Welche Neuigkeiten hast du aus der Heimat?« fragte sie ihn.

Er brach das Brot mit seinen dicken Fingern. »Nun«, seufzte er, »es war genau, wie du es beschrieben hast. Sieht nicht so aus, als sei inzwischen jemand dort gewesen. Ich denke, wir sind dort sicher. Jetzt, wo die Armee der Imperialen Ordnung vernichtet ist —«

»Die Truppe in dieser Region«, verbesserte ihn Kahlan.

Er gab ihr mit einem Schwenken seines Brotes recht. »Ich denke, wir werden erst einmal keine Schwierigkeiten bekommen. Wir haben noch nicht viele Leute, aber es sind gute Soldaten, und wir sind zahlreich genug, um die Stadt oben von den Pässen aus zu beschützen, solange sie nicht in solchen Massen angreifen wie zuvor. Solange die Imperiale Ordnung keine weiteren Soldaten heranschafft, können wir die Stadt halten, denke ich.« Er deutete mit einer Handbewegung auf Zedd. »Außerdem haben wir einen Zauberer bei uns.«

Zedd, der damit beschäftigt war, Bohnen in seinen Mund zu schaufeln, zögerte gerade lange genug, um ihm mit einem Brummen beizupflichten.

Hauptmann Ryan schluckte eine große Portion Bohnen hinunter. »Prinz Harold hat recht. Wir kennen die Berge. Wir können die Stadt verteidigen, bis sie eine größere Streitmacht herführen. Bis dahin haben sich uns vielleicht schon weitere Soldaten angeschlossen, und wir können mit dem Vormarsch beginnen.«

Harold tauchte sein Brot in die Schale und fischte ein Stück Speck heraus. »Adie, wie stehen deiner Ansicht nach die Chancen, daß wir Hilfe aus Nicobarese bekommen?«

»Meine Heimat ist in Aufruhr. Als Zedd und ich dort waren, haben wir erfahren, daß der König tot ist. Der Lebensborn ist eingerückt, um die Macht an sich zu reißen, aber nicht alle Menschen sind glücklich darüber. Am wenigsten die Magierinnen. Wenn der Lebensborn die Macht übernimmt, wird man diese Frauen verfolgen und töten. Ich erwarte, daß die Magierinnen jede Armee unterstützen werden, die sich dem Lebensborn widersetzt.«

»In einem Bürgerkrieg«, meinte Zedd und unterbrach seine zügige Löffelei, »läßt es nichts Gutes ahnen, wenn man Truppen entsendet, um den Midlands zu helfen.«

Adie seufzte. »Zedd hat recht.«

»Vielleicht könnten einige der Magierinnen helfen?« schlug Kahlan vor.

Adie rührte mit dem Löffel in den Bohnen. »Vielleicht.«

Kahlan sah hinüber zu ihrem Halbbruder. »Aber ihr habt Truppen in anderen Gebieten, die ihr hinzuziehen könnt.«

Harold nickte. »Sicher. Wenigstens sechzig- oder siebzigtausend, vielleicht sogar bis zu einhunderttausend Mann können bereitgestellt werden, wenn auch nicht alle gut ausgebildet und gut bewaffnet sind. Es wird eine Zeit dauern, sie zu organisieren, aber wenn es soweit ist, wird Ebinissia eine Macht sein, mit der man rechnen muß.«