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»Wir hatten schon einmal annähernd so viele Soldaten hier«, erinnerte sie Hauptmann Ryan, ohne von seiner Schale aufzusehen, »und es hat nicht gereicht.«

»Stimmt«, meinte Harold und schwenkte sein Brot. »Aber das ist nur der Anfang.« Er sah Kahlan an. »Du kannst noch mehr Länder zusammenführen, nicht wahr?«

»Das hoffen wir«, sagte sie. »Wir müssen die Midlands um uns vereinen, wenn wir eine Chance haben wollen.«

»Was ist mit Sanderia?« wollte Hauptmann Ryan wissen. »Ihre Lanzen sind die besten in den Midlands.«

»Und Lifany«, meinte Harold. »Dort stellt man ebenfalls eine Menge guter Waffen her und weiß sie zu gebrauchen.«

Kahlan zupfte das Weiche aus ihrem Brot. »Sanderia ist darauf angewiesen, das es seine Schafherden im Sommer in Kelton grasen lassen kann. Lifany bezieht Eisen aus Kelton und verkauft ihnen Getreide. Herjborgue ist von der Wolle aus Sanderia abhängig. Ich könnte mir vorstellen, daß sie alle Kelton folgen.«

Harold stach seinen Löffel in die Bohnen. »Unter den Soldaten, die Ebinissia angegriffen haben, waren auch Tote aus Kelton.«

»Und Galeaner.« Kahlan steckte das Brot in den Mund und kaute einen Augenblick, während sie beobachtete, wie Harold den Löffel wie ein Messer packte. Er starrte wütend in seine Schale.

»Rebellen und Mörder aus vielen Ländern haben sich ihnen angeschlossen«, sagte sie, nachdem sie es hinuntergeschluckt hatte. »Das heißt aber nicht, daß ihre Heimatländer das ebenfalls tun werden. Prinz Fyren aus Kelton hat sein Land der Imperialen Ordnung übergeben, aber der ist mittlerweile tot. Wir befinden uns nicht im Krieg mit Kelton. Kelton ist ein Teil der Midlands. Wir befinden uns im Krieg mit der Imperialen Ordnung. Wir müssen zusammenhalten. Wenn Kelton sich uns anschließt, werden die anderen fast gezwungen sein, dies ebenfalls zu tun. Wenn sie sich aber an die Imperiale Ordnung halten, wird es uns schwerfallen, die anderen davon zu überzeugen, daß sie sich uns anschließen sollen. Wir müssen Kelton auf unsere Seite bringen und sie an uns binden.«

»Ich wette, Kelton schließt sich der Imperialen Ordnung an«, meinte Ahern. Alles drehte sich zu ihm um. Er zuckte die Achseln. »Ich bin Keltonier. Eins verrate ich Euch, sie werden tun, was die Krone tut. So ist unser Volk nun mal. Mit Fyrens Tod wäre dann Herzogin Lumholtz die nächste in der Erbfolge. Sie und ihr Gatte, der Herzog, werden sich auf die Seite schlagen, die ihrer Ansicht nach siegen wird, ganz gleich, wer das ist. Wenigstens ist das, nach allem, was ich über sie gehört habe, meine Meinung.«

»Das ist Unsinn!« Harold warf seinen Löffel hin. »Sosehr ich den Keltoniern mißtraue — das soll keine Beleidigung sein, Ahern — und ihre intrigante Art kenne, im Grunde sind sie Bürger der Midlands. Mag sein, daß sie sich jedes Fleckchen Acker unter den Nagel reißen, das in umstrittenem Grenzland liegt, und es für keltonisch erklären, aber die Menschen sind immer noch Bürger der Midlands.

Die Seelen wissen, daß Cyrilla und ich oft gestritten haben. Aber wenn es um ernste Schwierigkeiten ging, haben wir immer zusammengehalten. Das gleiche gilt für unsere Länder. Als D’Hara letzten Sommer angriff, haben wir gekämpft, um Kelton zu beschützen — trotz einiger Unstimmigkeiten. Wenn es um die Zukunft der Midlands geht, werden sich die Keltonier uns anschließen. Die Midlands bedeuten mehr als das, was jemand, der eben erst den Thron bestiegen hat, darüber sagen kann.« Harold schnappte sich seinen Löffel und schwenkte ihn in Aherns Richtung. »Was meinst du dazu?«

Ahern zuckte mit den Achseln. »Nichts, denke ich.«

Zedds Augen wanderten zwischen den beiden hin und her. »Wir sind nicht hier, um zu streiten. Wir sind hier, um einen Krieg zu führen. Sag, was immer deine Überzeugung ist, Ahern. Du bist Keltonier und weißt wahrscheinlich mehr darüber als wir.«

Ahern kratzte sich das wettergegerbte Gesicht und ließ sich Zedds Worte durch den Kopf gehen. »General Baldwin, der Befehlshaber aller Keltonischen Streitkräfte, und seine Generäle Bradford, Cutter und Emerson werden sich auf dieselbe Seite schlagen wie die Krone. Ich kenne diese Männer nicht, ich bin nur ein Kutscher, aber ich komme eine Menge rum und höre viel, und das ist es, was man sich von ihnen erzählt. Unter den Leuten macht ein Spruch die Runde: Wenn die Königin ihre Krone aus dem Fenster wirft und sie sich auf dem Geweih eines Hirsches verfängt, ernährt sich die gesamte Armee innerhalb eines Monats von Gras.«

»Und nach allem, was du gehört hast, bist du tatsächlich überzeugt, daß diese zur Königin gewordene Herzogin sich der Imperialen Ordnung anschließt, nur weil sie dadurch eine Chance auf die Macht bekommt — selbst wenn das den Bruch mit den Midlands bedeutet?« fragte Zedd.

Ahern zuckte mit den Achseln. »Das ist nur meine Meinung, versteht mich nicht falsch. Aber ich denke, so wird es sein.«

Kahlan fischte ohne aufzusehen ein Stück Süßwurzel heraus und meinte: »Ahern hat recht. Ich kenne Cathryn Lumholtz und ihren Mann, den Herzog. Sie wird Königin werden. Sie läßt sich zwar von ihrem Mann beraten, ist aber ohnehin derselben Meinung wie er. Prinz Fyren wäre König geworden, und ich denke, er hätte zu uns gehalten, egal, was geschieht. Aber irgend jemand aus der Imperialen Ordnung hat ihn für ihre Seite gewonnen, und er hat uns verraten. Ich bin sicher, Cathryn Lumholtz wird ein ähnliches Angebot von der Imperialen Ordnung bekommen. In diesem Angebot wird sie die Chance zur Macht sehen.«

Harold langte über den Tisch und nahm sich noch etwas Brot. »Wenn sie das tut und Ahern recht hat, dann haben wir Kelton verloren. Und das mindert unsere Aussicht auf Erfolg.«

»Das wäre nicht gut«, bemerkte Adie. »Nicobarese steckt in Schwierigkeiten, Galea ist geschwächt, weil so viele aus seiner Armee in Ebinissia getötet wurden, und Kelton tendiert zur Imperialen Ordnung — und mit ihm eine ganze Reihe von Ländern, die seine Handelspartner sind.«

»Und dann sind da noch andere, die im Falle eines —«

»Genug.« Der autoritäre Ton in Kahlans Stimme ließ alle rings um den Tisch verstummen. Ihr war eingefallen, was Richard stets sagte, wenn ihre Schwierigkeiten größer waren als die Chancen, sich aus ihnen herauszuwinden: Denk an die Lösung, nicht an das Problem. Wenn man den Kopf voller Gedanken hatte, woran man scheitern mußte, konnte man nicht mehr überlegen, wie man siegte.

»Hört auf, mir zu erzählen, daß wir die Midlands nicht wieder zusammenbringen und warum wir nicht gewinnen können. Wir müssen über die Lösung diskutieren.«

Zedd lächelte über seinen Löffel hinweg. »Wohl gesprochen, Mutter Konfessor. Ich denke, wir müssen uns etwas einfallen lassen. Zum einen gibt es eine Reihe kleinerer Länder, die den Midlands, was auch geschieht, treu ergeben bleiben werden. Deren Vertreter müssen wir in Ebinissia versammeln und dann mit dem Wiederaufbau des Rates beginnen.«

»Stimmt«, meinte Kahlan. »Sie sind vielleicht nicht so mächtig wie Kelton, aber eine große Zahl kann durchaus auch eine Wirkung haben.«

Kahlan schlug ihren Fellmantel auf. Das knisternde Feuer hatte den Raum erwärmt und das warme Essen ein wenig ihren Bauch, trotzdem war es die Sorge, die sie schwitzen ließ. Sie konnte es kaum noch abwarten, daß Richard zu ihnen stieß. Er hatte bestimmt eine Idee. Richard saß niemals herum und ließ sich von den Geschehnissen beherrschen wie sie. Sie beobachtete die anderen, die mit düsterer Miene über ihre Schalen gebeugt dasaßen und über ihre Möglichkeiten grübelten.

»Nun«, sagte Adie und legte ihren Löffel aus der Hand, »ich bin sicher, wir können ein paar Magierinnen aus Nicobarese überreden, sich uns anzuschließen. Das wäre eine mächtige Hilfe. Einige von ihnen werden sich zwar weigern, aber sie wären bestimmt nicht abgeneigt, uns auf andere Weise zu helfen. Keine von ihnen möchte den Lebensborn oder seine Verbündeten, die Imperiale Ordnung, in den Midlands an der Macht sehen. Die meisten kennen die Schrecken aus der Vergangenheit und wollen nicht, daß diese Zeiten wiederkommen.«

»Gut«, meinte Kahlan. »Das ist gut. Meinst du, du könntest dorthin gehen und sie überzeugen, sich uns anzuschließen? Und vielleicht auch Teile der regulären Armee überreden, uns zu helfen? Schließlich würde es den Bürgerkrieg ja gar nicht geben, wenn nicht wenigstens einige bereit wären, die Midlands zu unterstützen.«