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»Wie hat sie das all die Jahre ausgehalten?«

Zedd seufzte. »Nun, nachdem Darken Rahl sie vergewaltigt hatte, wußte ich, er würde ihr nachstellen, wenn er erfährt, daß sie noch lebt. Ich hatte keine Wahl. Sie zu schützen war mir wichtiger, als ihn zu jagen. Ich brachte sie in die Midlands, wo Richard geboren wurde. Und dann hatte sie noch einen weiteren Grund, sich zu verstecken. Wenn Darken Rahl jemals dahintergekommen wäre, hätte er auch Richard gejagt. Deshalb blieb ihr gar nichts anderes übrig, als durchzuhalten.«

Kahlan erschauderte. »All die Jahre. Ich hätte nicht die Kraft dazu gehabt. Wie hat sie das nur ausgehalten?«

»Nun, zum einen hatte sie gar keine andere Wahl. Zum anderen hat sie sich nach einer Weile ein wenig daran gewöhnt. Es ist nicht mehr so schlimm gewesen wie zu Beginn. Das Gefühl läßt mit der Zeit ein bißchen nach. Du wirst dich daran gewöhnen und hoffentlich nicht mehr lange so weitermachen müssen.«

»Hoffentlich«, sagte Kahlan.

Der flackernde Schein des Feuers fiel auf Zedds Gesicht. »Außerdem meinte sie, es sei ihr ein wenig leichter gefallen, weil sie Richard hatte.«

Kahlans Herz tat einen Sprung, als sie seinen Namen hörte. Sie mußte lächeln. »Davon bin ich überzeugt.« Sie ergriff Zedds Arm. »Er wird bald hier sein. Er wird sich durch nichts aufhalten lassen. Spätestens in ein, zwei Wochen ist er hier. Gütige Seelen, wie soll ich es nur so lange aushalten!«

Zedd lachte stillvergnügt in sich hinein. »Du hast ebensowenig Geduld wie dieser Junge. Ihr zwei seid füreinander wie geschaffen.« Er strich ihr das Haar zurück. »Deine Augen sehen schon besser aus, Liebes.«

»Wenn Richard erst bei uns ist und wir damit beginnen, die Midlands wieder zusammenzufügen, kannst du diesen Todesbann von mir nehmen. Dann werden die Midlands wieder eine Mutter Konfessor haben.«

»Mir geht es auch nicht schnell genug.«

Kahlan wurde nachdenklich. »Zedd, angenommen, du suchst Königin Cathryn auf, und ich muß diesen Bann loswerden, wie kann ich das machen?«

Zedd sah wieder in die Flammen. »Gar nicht. Angenommen, du gibst bekannt, daß du die Mutter Konfessor bist — dann würden dir die Menschen ebensowenig glauben, als wenn Jebra verkünden würde, sie sei die Mutter Konfessor. Der Bann wird dadurch nicht einfach aufgehoben.«

»Wie werde ich ihn dann los?«

Zedd seufzte. »Nur durch mich.«

»Aber es muß doch noch eine andere Möglichkeit geben, den Bann aufzuheben. Richard vielleicht?«

Zedd schüttelte den Kopf. »Selbst wenn Richard wüßte, was es heißt, ein Zauberer zu sein, könnte er das Netz nicht entfernen. Das kann nur ich.«

»Und das ist der einzige Weg.«

»Ja.« Er sah ihr wieder in die Augen. »Es sei denn natürlich, ein anderer mit der Gabe käme hinter deine wahre Identität. Wenn ein solcher Mann dich sähe und begriffe, wer du bist, und deinen Namen laut ausspräche, dann bräche das ebenfalls den Bann, und alle wüßten, wer du bist.«

Darauf bestand keine Hoffnung. Sie spürte, wie sie der Mut verließ. Kahlan ging in die Hocke und schob einen weiteren Ast ins Feuer. Ihre einzige Möglichkeit, den Todesbann loszuwerden, war Zedd, und der würde es erst tun, wenn er bereit dazu wäre.

Als Mutter Konfessor würde sie keinem Zauberer einen Befehl erteilen, der, wie sie beide wußten, falsch wäre.

Kahlan sah zu, wie die Funken stoben. Ihre Miene hellte sich auf. Bald würde Richard bei ihr sein, und dann wäre alles nur noch halb so schlimm. Wenn Richard bei ihr wäre, würde sie nicht an den Bann denken. Sie wäre viel zu sehr damit beschäftigt, ihn zu küssen.

»Was ist so komisch?« erkundigte sich Zedd.

»Was? Ach nichts.« Sie stand auf und wischte sich die Hände an den Hosen ab. »Ich denke, ich werde hinausgehen und mich um die Soldaten kümmern. Vielleicht vertreibt ein wenig kalte Luft den Bann aus meinen Gedanken.«

Die kalte Luft tat ihr tatsächlich gut. Kahlan stand auf der Lichtung vor dem kleinen Farmhaus und atmete tief durch. Der Rauch des Holzfeuers roch angenehm. Sie rief sich die vergangenen Tage ins Gedächtnis zurück, als sie marschiert waren und ihre Finger sich angefühlt hatten, als wären sie erfroren, sie dachte daran, wie ihr die Ohren von der beißenden Kälte gebrannt hatten, an ihre laufende Nase, und wie sie sich den Rauch eines Holzfeuers vorgestellt hatte, denn der bedeutete ein warmes Feuer.

Kahlan schlenderte über das Feld vor dem Haus. Sie blickte hinauf zu den Sternen. Ihr Atem wehte langsam in der stillen Luft davon. Sie konnte kleine Feuer erkennen, die das Tal weiter hinten übersäten, und sie konnte die gemurmelten Gespräche der Soldaten hören, die um die Feuer saßen. Glücklicherweise konnten auch sie in dieser Nacht Feuer machen. Bald wären sie in Ebinissia, wo sie es wieder warm hätten.

Kahlan sog die kalte Luft tief in sich hinein und versuchte, den Bann zu vergessen. Der gesamte Himmel glitzerte von Sternen, wie Funken eines riesigen Feuers. Sie fragte sich, was Richard wohl gerade tat, ob er eilig ritt oder sich ein wenig schlafen gelegt hatte. Sie sehnte sich danach, ihn wiederzusehen, er sollte sich aber auch ausruhen. Wenn er endlich bei ihr war, konnte sie in seinen Armen schlafen. Sie mußte schmunzeln, als sie daran dachte.

Kahlan runzelte die Stirn, als sich ein Teil des Sternenhimmels verdunkelte. Einen winzigen Augenblick später war er wieder voller blinkender Lichtpunkte. Hatte sie tatsächlich gesehen, daß er sich für einen winzigen Augenblick verdunkelte? Es muß wohl Einbildung gewesen sein, dachte sie.

Sie hörte, wie etwas mit dumpfem Schlag auf dem Boden landete. Niemand schlug Alarm. Es gab nur ein Wesen, das ihre Verteidigungslinie durchbrechen konnte, ohne Alarm auszulösen. Plötzlich bekam sie am ganzen Körper eine Gänsehaut, und diesmal war es nicht der Bann.

Kahlan riß ihr Messer heraus.

34

Sie sah leuchtend grüne Augen. Im schwachen Schein des kleinen Wintermondes und der Sterne kam eine mächtige Gestalt auf sie zu. Sie wollte aufschreien, aber ihr versagte die Stimme.

Als die riesige Bestie die Lippen zurückzog, wurde das gesamte Ausmaß ihrer gewaltigen Zähne sichtbar. Kahlan taumelte einen Schritt nach hinten. Sie hielt den Griff ihres Messers so fest in der Hand, daß ihr die Finger schmerzten. Wenn sie schnell war und nicht in Panik geriet, hatte sie vielleicht eine Chance. Wenn sie schrie, würde Zedd sie dann hören? Würde überhaupt jemand sie hören? Selbst wenn, waren die anderen zu weit weg. Sie würden es nicht rechtzeitig bis zu ihr schaffen.

An seiner Größe erkannte sie im schwachen Licht, daß es sich um einen kurzschwänzigen Gar handelte. Ausgerechnet ein kurzschwänziger Gar. Das waren die größten, die tödlichsten. Gütige Seelen, warum konnte es kein langschwänziger Gar sein?

Starren Blicks verfolgte Kahlan, wie er etwas von seiner Brust nahm. Wieso stand er einfach bloß da? Wo waren seine Blutmücken? Er senkte den Kopf, sah zu ihr hoch, senkte erneut den Kopf. Die Augen leuchteten bedrohlich grün. Er zog die Lippen noch weiter zurück. Sein Atem bildete Wolken in der Luft, als er einen gurgelnden Laut ausstieß.

Kahlans Augen weiteten sich. War es möglich? »Gratch?«

Plötzlich begann der Gar, aufgeregt zu heulen, auf und ab zu hüpfen und mit den Flügeln zu schlagen.

Kahlan sackte erleichtert seufzend in sich zusammen. Sie steckte ihr Messer zurück und trat näher an das hoch aufragende Tier heran, war aber immer noch auf der Hut.

»Gratch? Bist du das, Gratch?«

Der Gar nickte heftig mit dem riesigen, ungestalten Kopf. »Grrrratch!« Er stieß ein tiefes Grollen aus, das ihr Brustbein erzittern ließ. Mit beiden Klauen trommelte er sich auf die Brust. »Grrratch!«

»Gratch, hat Richard dich geschickt?«

Als er Richards Namen hörte, schlug der Gar noch nachdrücklicher mit den Flügeln.

Sie kam näher. »Hat Richard dich geschickt?«

»Grrratch haaach Raaaach arrrg lieeeeg.«

Kahlan war fassungslos. Richard hatte ihr erzählt, daß der Gar zu sprechen versuchte. Plötzlich mußte sie lachen. »Kahlan hat Richard auch lieb.« Sie tippte sich auf die Brust. »Ich bin Kahlan, Gratch. Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen.«