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Zedd konnte nicht länger schweigen. »Verdammt«, fluchte er bei sich und kam wieder auf die Beine. »Richard meint die Burg der Zauberer. Er wollte es nicht niederschreiben, aber das ist es, worauf er anspielt. Wie konnte ich nur so dumm sein? Der Junge hat recht. Wir dürfen ihnen die Burg nicht in die Hände fallen lassen. Dort gibt es Dinge von mächtiger Magie, für die die Imperiale Ordnung sehr viel geben würde, wenn sie sie in die Hände bekäme. Richard weiß nichts von der Magie dort, aber er ist klug genug, die Gefahr zu erkennen. Ich war ein blinder Narr.«

Kahlan überlief es eiskalt, als auch sie die Gefahr erkannte. Würde die Imperiale Ordnung die Burg einnehmen, hätte sie Zugang zu ungeheuer mächtiger Magie.

»Zedd, Richard ist dort ganz alleine. Er weiß fast nichts über Magie. Er weiß nichts über die Sorte Menschen in Aydindril, die Magie benutzen können. Er ist ein Rehkitz in der Höhle des Bären. Gütige Seelen, er hat keine Ahnung von der Gefahr, in der er sich befindet.«

Zedd nickte erbittert. »Der Junge steckt bis über beide Ohren drin.«

Adie entfuhr ein spöttisches Lachen. »Bis über beide Ohren? Er schnappt der Imperialen Ordnung Aydindril und den Zugang zu der Burg der Zauberer vor der Nase weg. Sie bieten Mriswiths gegen ihn auf, und er spießt sie vor dem Palast auf Lanzen. Wahrscheinlich hat er die Länder bereits an den Rand einer Kapitulation gedrängt und zu einem Zusammenschluß zu einem Bündnis, das in der Lage wäre, die Imperiale Ordnung zu bekämpfen — genau die Ziele, über deren Erreichen wir uns den Kopf zerbrochen haben. Er hat sich genau das zunutze gemacht, was unser Problem ist, den Handel. Und selbst den benutzt er wie eine Waffe, um sie unter Druck zu setzen. Er wartet nicht etwa ab und versucht, sie zu überzeugen. Er setzt ihnen einfach das Messer an die Kehle. Wenn sie ihm nach und nach zufallen, ist es sehr gut möglich, daß er bald die gesamten Midlands in der Hand hat. Die wichtigen Länder jedenfalls.«

»Und wenn sie sich erst alle D’Hara angeschlossen haben, als eine Streitmacht unter einem Kommando«, sagte Zedd, »dann könnte dies eine Streitmacht sein, die in der Lage wäre, der Imperialen Ordnung Paroli zu bieten.« Er drehte sich zu Kahlan um. »Steht dort noch etwas?«

Sie nickte. »Ein wenig. ›Auch wenn mir um mein Herz sehr bange ist, ich fürchte auch die Folgen, wenn ich nichts unternehme — so wie den Schatten der Tyrannei, der die Welt für alle Zeiten verdunkeln wird. Wenn wir dies nicht tun, dann wird das Schicksal von Ebinissia erst der Anfang gewesen sein.

Ich werde meinen Glauben in Eure Liebe setzen, auch wenn ich befürchten muß, sie dadurch auf die Probe zu stellen.

Zwar bin ich umgeben von Leibwächtern, und eine von ihnen hat bereits ihr Leben für mich geopfert, dennoch fühle ich mich trotz ihrer Anwesenheit nicht sicher. Ihr alle müßt augenblicklich nach Aydindril zurückkehren. Schiebt es nicht auf. Gratch wird Euch vor den Mriswiths schützen, bis Ihr bei mir seid. Unterzeichnet, ganz Euer in dieser Welt und in den jenseitigen, Richard Rahl, Herrscher D’Haras.‹«

Zedd pfiff erneut durch die Zähne. »Herrscher D’Haras. Was hat der Junge bloß angestellt?«

Kahlan ließ den Brief sinken, den sie in ihren zitternden Händen hielt. »Er hat mich zugrunde gerichtet, das hat er angestellt.«

Adie hob mahnend den dürren Zeigefinger in ihre Richtung. »Jetzt hör mir mal zu, Mutter Konfessor. Richard weiß sehr gut, was er dir antut, und er hat dir darüber sein Herz ausgeschüttet. Er hat dir gesagt, daß er diesen Brief unter dem Bild von Magda Searus schreibt, weil ihn das, was er tun muß, schmerzt und weil er weiß, war er dir damit antut. Lieber würde er deine Liebe verlieren, als dich töten zu lassen durch das, was geschehen wird, wenn er sich vor der Vergangenheit verbeugt, anstatt sich um die Zukunft zu kümmern. Er hat getan, was wir nicht tun konnten. Wir würden um Einigkeit bitten, er hat sie gefordert und der Forderung Nachdruck verliehen. Wenn du wirklich die Mutter Konfessor sein willst und dir die Sicherheit deines Volkes über alles geht, dann wirst du Richard helfen.«

Zedd zog eine Braue hoch, sagte aber nichts.

Als er den Namen hörte, meldete Gratch sich zu Wort. »Grrrrratch haaaag Raaaach arrg lieeeg.«

Kahlan wischte sich eine Träne von der Wange und schniefte. »Ich habe Richard auch lieb.«

»Kahlan«, meinte Zedd tröstend, »so sicher wie der Bann mit der Zeit von dir genommen wird, so sicher wirst du auch irgendwann wieder die Mutter Konfessor sein.«

»Du verstehst nicht«, sagte sie, ihre Tränen unterdrückend. »Seit Jahrtausenden hat stets eine Mutter Konfessor die Midlands mit Hilfe des Bündnisses bewahrt. Ich werde diejenige Mutter Konfessor sein, die die Midlands verraten hat.«

Zedd schüttelte den Kopf. »Nein. Du wirst die Mutter Konfessor sein, die die Kraft besaß, das Volk der Midlands zu retten.«

Sie legte die Hand aufs Herz. »Da bin ich nicht so sicher.«

Zedd kam näher. »Kahlan, Richard ist der Sucher der Wahrheit. Er trägt das Schwert der Wahrheit. Ich selbst habe ihn ernannt. Als Erster Zauberer habe ich in ihm denjenigen erkannt, der über die Instinkte des Suchers verfügt.

Er handelt aus diesen Instinkten heraus. Jemanden wie Richard findet man selten. Er handelt als Sucher und mit Hilfe seiner Gabe. Er handelt, wie er glaubt, handeln zu müssen. Wir müssen unseren Glauben in ihn setzen, selbst wenn wir nicht völlig begreifen, warum er so handelt. Verdammt, möglicherweise begreift er selbst nicht recht, warum er das tut, was er tut.«

»Lies den Brief selbst«, meinte Adie. »Lausche mit dem Herzen auf die Worte, und du wirst sein Herz in ihnen fühlen. Und vergiß auch nicht, daß es möglicherweise Dinge gab, die er nicht zu Papier zu bringen wagte, für den Fall, daß der Brief in falsche Hände gerät.«

Kahlan wischte sich mit dem Handrücken über die Nase. »Ich weiß, es klingt egoistisch, aber das ist es nicht. Ich bin die Mutter Konfessor. Von all den anderen, die vor mir dahingegangen sind, wurde eine Verpflichtung an mich weitergegeben. Mit meiner Wahl wurde mir diese Verpflichtung in die Hände gelegt. Sie wurde zu meiner Verantwortung. Bei meinem Aufstieg zur Mutter Konfessor habe ich einen Eid geleistet.«

Zedd legte ihr seinen knochigen Finger unter das Kinn. »Einen Eid, dein Volk zu schützen. Dafür ist kein Opfer zu groß.«

»Vielleicht. Ich werde darüber nachdenken.« Kahlan mußte nicht nur ihre Tränen zurückhalten, sie mußte sich auch zusammennehmen, damit sich ihr die Nackenhaare nicht vor Wut sträubten. »Ich liebe Richard, aber so etwas würde ich ihm niemals antun. Ich glaube, er weiß gar nicht, was er mir antut — und den Müttern Konfessor vor mir, die ihr Leben geopfert haben.«

»Ich glaube, doch«, erwiderte Adie mit leise schnarrender Stimme.

Plötzlich wurde Zedds Gesicht fast so weiß wie seine Haare. »Verdammt«, meinte er leise. »Du glaubst doch nicht, Richard wäre so töricht, die Burg der Zauberer zu betreten, oder?«

Kahlan hob den Kopf. »Die Burg ist durch Banne geschützt. Richard weiß nicht, wie er seine Magie benutzen muß. Er wird nicht wissen, wie er an ihnen vorbeigelangen kann.«

Zedd beugte sich näher zu ihr. »Du hast gesagt, er besitzt Subtraktive Magie, zusätzlich zu seiner Additiven. Die Banne sind additiv. Wenn Richard mit seiner Subtraktiven Magie etwas anfangen kann, wird er in der Lage sein, sogar durch die mächtigsten Banne, mit denen ich die Burg belegt habe, einfach hindurchzuspazieren.«

Kahlan stockte der Atem. »Mir hat er erzählt, daß er im Palast der Propheten einfach durch die Schilde hindurchgehen konnte, weil sie additiv waren. Nur der Grenzschild hat ihn aufhalten können, weil der auch Subtraktive Magie enthielt.«

»Wenn der Junge die Burg betritt, wird er dort drinnen Dingen begegnen, die ihn innerhalb eines Herzschlags töten können. Aus diesem Grund haben wir die Schilde dort angebracht — damit niemand hineingelangt. Verdammt, es gibt dort Schilde, die zu passieren nicht einmal ich bisher gewagt habe. Für jemanden, der nicht weiß, worauf er sich einläßt, ist das dort eine tödliche Falle.«