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»Bleibt dicht bei mir«, meinte er zu ihr. »Wir müssen uns von der Wand fernhalten.« Mit dem Kinn deutete er auf die gegenüberliegende Seite des riesigen Raumes. »Dort drüben. Das ist der Durchgang, zu dem wir müssen.«

»Woher wißt Ihr das?«

»Seht Euch den Boden an.« Auf dem rauhen Naturstein war ein Pfad ausgetreten, der mitten durch den Raum führte. »Am besten halten wir uns an diesen Pfad.«

Sie sah ihn ängstlich aus ihren blauen Augen an. »Seid vorsichtig. Wenn Euch etwas zustößt, werde ich nicht aus diesem Palast herauskommen und von den anderen Hilfe holen können. Ich säße hier unten in der Falle.«

Richard lächelte und machte sich auf den Weg mitten durch die totenstille Höhle. »Tja, das ist das Risiko, das Ihr als mein Liebling eingeht.«

Ihre Beklommenheit wurde durch seinen Versuch, die Stimmung aufzuheitern, nicht geringer. »Denkt Ihr wirklich, ich glaube, daß ich Euer Liebling bin, Lord Rahl?«

Richard prüfte, ob sie sich noch auf dem richtigen Pfad befanden. »Das habe ich nur gesagt, weil Ihr das immer behauptet, Berdine.«

Sie dachte schweigend darüber nach, während sie vorsichtig weiter durch den Raum gingen. »Darf ich Euch eine Frage stellen, Lord Rahl? Eine ernstgemeinte Frage? Etwas Persönliches?«

»Sicher.«

Sie zog ihren welligen, braunen Zopf über die Schulter und hielt sich daran fest. »Wenn Ihr Eure Königin heiratet, dann werdet Ihr doch auch noch andere Frauen haben, nicht wahr?«

Richard blickte mißbilligend auf sie herab. »Ich habe auch jetzt keine anderen Frauen. Ich liebe Kahlan. Ich bin ihr in meiner Liebe treu ergeben.«

»Aber Ihr seid Lord Rahl. Ihr könnt haben, wen immer Ihr begehrt. Sogar mich. Genau das tut ein Lord Rahclass="underline" Er nimmt sich viele Frauen. Ihr braucht nur mit den Fingern zu schnippen.«

Richard gewann den entschiedenen Eindruck, daß sie ihm ganz gewiß kein Angebot machen wollte. »Hat es etwas damit zu tun, als ich meine Hand auf Euch, auf Eure Brust gelegt habe?« Sie wandte rasch den Blick ab und nickte. »Ich habe das getan, weil ich Euch helfen wollte, Berdine, nicht weil ich … also, jedenfalls nicht aus irgendeinem anderen Grund. Ich hatte gehofft, das wüßtet Ihr.«

Sie legte ihm besorgt die Hand auf den Arm. »Das weiß ich doch. Das habe ich nicht gemeint. Ihr habt mich nie in irgendeiner anderen Weise berührt. Was ich meinte war, Ihr habt es nie von mir verlangt.« Sie biß sich auf die Unterlippe. »Die Art, wie Ihr mich mit Eurer Hand berührt, erfüllt mich mit Scham.«

»Warum?«

»Weil Ihr Euer Leben riskiert habt, um mir zu helfen. Ihr seid mein Lord Rahl, und ich war nicht ehrlich zu Euch.«

Mit einer Handbewegung lenkte Richard sie auf dem Pfad um eine Säule, die zwanzig Männer nicht hätten umfassen können. »Allmählich verwirrt Ihr mich, Berdine.«

»Nun, ich behaupte, Euer Liebling zu sein, damit Ihr nicht denkt, ich mag Euch nicht.«

»Wollt Ihr damit sagen, daß Ihr mich nicht mögt?«

Sie griff erneut nach seinem Arm. »Aber nein. Ich liebe Euch.«

»Berdine, ich habe es Euch schon erklärt, ich habe —«

»Nein, nicht so. Ich meinte, ich liebe Euch als meinen Lord Rahl. Ihr habt mir die Freiheit geschenkt. Ihr habt erkannt, daß ich mehr bin als eine einfache Mord-Sith, und Ihr habt mir vertraut. Ihr habt mir das Leben gerettet und mir meine Unversehrtheit zurückgegeben. Ich liebe Euch dafür, daß Ihr der Lord Rahl seid, der Ihr seid.«

Richard schüttelte den Kopf, als wollte er ihn klarbekommen. »Was Ihr da sagt, ergibt keinen Sinn. Was hat das damit zu tun, daß Ihr ständig behauptet, mein Liebling zu sein?«

»Das sage ich nur, damit Ihr nicht denkt, ich würde nicht freiwillig in Euer Bett kommen, wenn Ihr mich darum bittet. Ich hatte Angst, wenn Ihr wüßtet, daß ich das nicht möchte, würdet Ihr mich zwingen, etwas Perverses zu tun.«

Als sie den Durchgang erreicht hatten, der aus dem Raum hinausführte, hielt Richard das Licht nach vorne. Es schien sich um einen einfachen Verbindungsgang zu handeln. »Hört auf, Euch deswegen den Kopf zu zerbrechen.« Er winkte sie weiter. »Ich sagte doch, das werde ich nicht tun.«

»Ich weiß. Nach dem, was Ihr getan habt« — sie berührte ihre linke Brust —, »glaube ich Euch. Vorher war das anders. Allmählich begreife ich, daß Ihr in mehr als einer Hinsicht anders seid.«

»Anders als wer?«

»Darken Rahl.«

»Also, da habt Ihr ausnahmsweise recht.« Sie folgten weiter dem langen Gang. Plötzlich sah er sie erneut an. »Wollt Ihr mir etwa zu verstehen geben, daß Ihr jemanden liebt und daß Ihr mir das alles nur deshalb gesagt habt, damit ich nicht denke, Ihr würdet meine Gefühle mißachten und mich dadurch provozieren, Gewalt anzuwenden?«

Sie schloß kurz die blauen Augen, und ihre Faust krallte sich um ihren Zopf. »Ja.«

»Wirklich? Das finde ich wunderbar, Berdine.« Am Ende des Ganges stießen sie auf einen weitläufigen Saal, dessen Wände mit zusammengebundenen Fell- und Haarbüscheln gesäumt waren, die von gerahmten Wandfächern herabhingen. Richard betrachtete die Schaukästen aus der Entfernung. Er sah, daß eines der Büschel aus dem Fell eines Gars gemacht war.

Richard warf ihr einen Blick zu, als er sich erneut auf den Weg machte, und mußte schmunzeln. »Und, wer ist es?« Er winkte ab, als ihn plötzlich Verlegenheit überkam, er könne, in Anbetracht ihrer augenblicklich etwas seltsamen Verfassung, seine Grenzen überschreiten. »Es sei denn, Ihr wollt ihn mir nicht verraten. Ihr müßt es mir nicht sagen. Ich will nicht, daß Ihr das Gefühl habt, Ihr seid dazu gezwungen. Wenn Ihr es so wollt, ist das allein Eure Sache.«

Berdine schluckte. »Ich möchte beichten — wegen der Dinge, die Ihr für uns, für mich, getan habt.«

Richard verzog das Gesicht. »Beichten? Wenn Ihr mir verratet, wen Ihr liebt, dann ist das keine Beichte, sondern —«

»Raina.«

Richard klappte der Mund zu. Er betrachtete genauestens den Boden. »Grüne Fliesen nur mit dem linken Fuß. Mit dem rechten nur auf die weißen. Laßt keine grüne oder weiße aus. Berührt das Postament, bevor Ihr mit dem Fuß die letzte Fliese verlaßt.«

Sie folgte ihm, während er vorsichtig von den grünen auf die weißen Fliesen trat und den Steinboden auf der gegenüberliegenden Seite erreichte, das Postament berührte und weiterging, hinein in einen hohen, schmalen Korridor, der einer Spalte in einem riesigen Edelstein gleich.

»Woher wißt Ihr das — die Sache mit den grünen und weißen Fliesen?«

»Was?« Er sah sich kurz stirnrunzelnd um. »Keine Ahnung. Muß ein Schild oder so etwas gewesen sein.« Er drehte sich zu ihr um, während sie, die Augen auf den Boden gerichtet, daherlief. »Ich liebe Raina auch, Berdine. Und Cara, dich, und auch Ulic und Egan. So wie eine Familie. Meint Ihr das?« Sie schüttelte den Kopf, ohne aufzusehen. »Aber … Raina ist eine Frau.«

Berdine warf ihm einen kühlen, drohenden Blick zu.

»Berdine«, begann er nach langem Schweigen, »am besten erzählt Ihr Raina nichts davon, sonst könnte —«

»Raina liebt mich ebenfalls.«

Richard richtete sich auf. Er wußte nicht recht, was er antworten sollte. »Aber wie kann … Ihr könnt doch nicht … ich verstehe nicht, wieso — Berdine, wieso erzählt Ihr mir das?«

»Weil Ihr immer aufrichtig zu uns wart. Als Ihr uns anfangs Versprechungen machtet, dachten wir, Ihr würdet sie nicht erfüllen. Nun, jedenfalls nicht alle von uns dachten das. Cara hat Euch immer geglaubt, ich dagegen nicht.«

Ihr Gesicht nahm wieder den entrückten Ausdruck einer Mord-Sith an. »Als Darken Rahl unser Lord Rahl war, kam er dahinter und befahl mir, zu ihm ins Bett zu kommen. Er lachte mich aus. Er mochte es … mich in sein Bett zu nehmen, weil er Bescheid wußte. Das war seine Art, mich zu demütigen. Ich dachte, wenn Ihr es wißt, würdet Ihr das gleiche tun, also versuchte ich, es vor Euch zu verheimlichen, indem ich Euch vortäuschte, ich begehre Euch.«

Richard schüttelte den Kopf. »So etwas würde ich Euch niemals antun, Berdine.«

»Das weiß ich — jetzt. Deswegen mußte ich es Euch auch beichten — weil Ihr immer aufrichtig zu mir wart, aber ich nicht zu Euch.«