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Richard zuckte mit den Achseln. »Nun, hoffentlich fühlt Ihr Euch jetzt besser.« Nachdenklich führte er sie in einen verschlungenen Gang mit verputzten Wänden entlang. »Hat Darken Rahl Euch dazu gemacht, indem er Euch als Mord-Sith ausgewählt hat? Ist das der Grund, weshalb Ihr die Männer haßt?«

Sie blickte mißbilligend zu ihm hoch. »Ich hasse die Männer nicht. Ich, nun, ich weiß nicht recht. Seit ich klein war, habe ich immer den Mädchen hinterhergeguckt. Jungs haben mich in dieser Hinsicht nie interessiert.« Sie fuhr mit der Hand an ihrem Zopf entlang. »Haßt Ihr mich jetzt?«

»Nein. Nein, ich hasse Euch nicht, Berdine. Ihr seid meine Beschützerin, genau wie vorher. Aber könnt Ihr nicht vielleicht versuchen, nicht an sie zu denken? Das ist einfach nicht richtig.«

Sie lächelte entrückt. »Wenn Raina mich anlächelt und der Tag plötzlich wundervoll wird, kommt es mir sehr wohl richtig vor. Ich weiß, daß mein Herz bei ihr gut aufgehoben ist.« Ihr Lächeln erlosch. »Jetzt haltet Ihr mich für verabscheuungswürdig.«

Richard wandte den Blick ab, ihn überkam eine kalte Welle der Scham. »Bei Kahlan empfinde ich genauso. Mein Großvater meinte einmal, ich solle sie vergessen, aber ich konnte einfach nicht.«

»Warum sollte er so etwas sagen?«

Richard konnte ihr schlecht erzählen, daß es daran lag, daß Kahlan ein Konfessor war und Zedd nur in Richards bestem Interesse gehandelt hatte. Angeblich war es unmöglich, einen Konfessor zu lieben. Ihm war überhaupt nicht wohl dabei, daß er Berdine gegenüber im Augenblick nicht aufrichtig sein konnte. Er zuckte mit den Achseln. »Er fand, sie sei nicht die Richtige für mich.«

Als sie das Ende des Ganges erreichten, zog Richard sie durch einen weiteren kribbelnden Schild. In dem dreieckigen Raum stand eine Bank. Er setzte sie neben sich und legte die leuchtende Kugel zwischen ihnen ab.

»Ich glaube, ich weiß, was Ihr empfindet, Berdine. Ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als mein Großvater meinte, ich sollte mir Kahlan aus dem Kopf schlagen. Niemand kann einem anderen seine Gefühle vorschreiben. Entweder man empfindet so oder eben nicht. Ich verstehe es zwar nicht, und mir ist auch nicht ganz wohl dabei, trotzdem seid Ihr alle auf dem besten Wege, meine Freunde zu werden. Nur deshalb müßt Ihr nicht genauso sein wie ich. Ihr seid trotzdem meine Freunde.«

»Lord Rahl, ich weiß, Ihr werdet mich niemals akzeptieren können. Ich mußte es Euch trotzdem sagen. Morgen werde ich nach D’Hara zurückkehren. Ihr sollt keine Beschützerin haben, die Ihr nicht akzeptiert.«

Richard überlegte kurz. »Mögt Ihr gedünstete Erbsen?«

Berdine sah ihn verwundert an. »Ja.«

»Also, ich kann gedünstete Erbsen nicht ausstehen. Mögt Ihr mich deswegen weniger, nur weil ich etwas nicht ausstehen kann, was Ihr mögt? Oder erweckt dies in Euch den Wunsch, nicht mehr meine Beschützerin sein zu wollen?«

Sie verzog das Gesicht. »Lord Rahl, das ist doch wohl etwas anderes als gedünstete Erbsen. Wie kann man jemandem vertrauen, den man nicht akzeptiert?«

»Wieso sollte ich Euch nicht akzeptieren, Berdine? Es ist einfach so, daß es mir nicht richtig vorkommt. Aber das muß es auch nicht. Seht Ihr, als ich jünger war, hatte ich einen Freund, der ebenfalls Waldführer war. Giles und ich waren viel zusammen, weil wir eine Menge gemeinsam hatten.

Dann verliebte er sich in Lucy Flecker. Ich konnte Lucy Flecker nicht ausstehen. Sie war gemein zu Giles. Ich begriff nicht, wie jemand sie lieben konnte. Ich mochte sie nicht und glaubte, er müsse ebenso empfinden. Ich verlor meinen Freund, weil er nicht so sein konnte, wie ich dachte, daß er sein müsse. Ich verlor ihn nicht wegen Lucy. Ich verlor ihn wegen mir selbst. Ich verlor unsere Freundschaft, nur weil ich ihn nicht den sein lassen wollte, der er war. Ich habe den Verlust stets bereut.

Wahrscheinlich verhält es sich hier ähnlich. Sobald Ihr lernt, etwas anderes zu sein als eine Mord-Sith — so wie ich beim Heranwachsen Dinge dazugelernt habe —, werdet Ihr feststellen, daß mit jemandem befreundet zu sein heißt, ihn so zu mögen, wie er ist, auch das, was man an ihm nicht versteht. Die Tatsache, daß man jemanden mag, macht das, was man nicht versteht, unwichtig. Weder muß man alles an ihm verstehen noch dieselben Dinge tun oder sein Leben leben. Wenn man jemanden wirklich mag, dann will man, daß er der ist, der er ist. Denn das war schließlich der Grund, warum man überhaupt erst angefangen hat, ihn zu mögen.

Und Euch mag ich, Berdine, und das allein zählt.«

»Ist das wahr?«

»Das ist wahr.«

Sie schlang ihm die Arme um den Hals und drückte ihn. »Ich danke Euch, Lord Rahl. Nachdem Ihr mich gerettet hattet, fürchtete ich, Ihr würdet es bereuen. Jetzt bin ich froh, daß ich Euch alles gesagt habe. Raina wird erleichtert sein, wenn sie erfährt, daß Ihr uns nicht dasselbe antun werdet wie Darken Rahl.«

Während sie dort standen, glitt ein Teil der steinernen Wand zur Seite. Richard nahm sie bei der Hand und führte sie die Treppe dahinter hinunter in einem muffigen, feuchten Raum mit einem Steinboden, der in der Mitte zu einer gewaltigen Erhebung anstieg.

»Wenn wir jetzt Freunde werden, kann ich Euch dann sagen, was mir an Eurem Tun nicht gefallen hat, was ich nicht billige und bei welcher Gelegenheit Ihr Euch falsch verhalten habt?« Richard nickte. »Mir gefällt nicht, was Ihr Cara angetan habt. Sie ist wütend gewesen.«

Richard sah sich in dem seltsamen Raum um, der alles Licht zu schlucken schien. »Cara? Wütend auf mich? Was habe ich ihr denn getan?«

»Ihr habt sie schlecht behandelt — wegen mir.« Als Richard verwirrt das Gesicht in Falten legte, fuhr sie fort. »Als ich unter dem Bann stand und ich Euch nach Eurer Rückkehr von der Suche nach Brogan mit dem Strafer bearbeitet hatte, da wart Ihr auf uns alle wütend. Ihr habt die anderen behandelt, als hätten sie Euch das gleiche angetan, dabei war ich das allein.«

»Ich wußte nicht, was vor sich ging. Durch Euer Vorgehen fühlte ich mich von den Mord-Sith bedroht. Das sollte sie eigentlich wissen.«

»Das tut sie auch. Aber als Ihr schließlich dahintergekommen wart und mir meine Unversehrtheit zurückgegeben hattet, da habt Ihr Euch bei Cara und Raina für diese ungerechte Behandlung nicht entschuldigt — ganz so, als hätten sie Euch ebenso bedroht wie ich. Aber das war nicht der Fall.«

Richard spürte, wie sein Gesicht im Dunkeln rot wurde. »Ihr habt recht. Warum hat sie nichts gesagt?«

Berdine zog die Augenbrauen hoch. »Ihr seid Lord Rahl. Sie würde selbst dann nichts sagen, wenn Ihr beschließt, sie zu schlagen, nur weil Euch die Art, wie sie ›Guten Morgen‹ gesagt hat, nicht gefällt.«

»Und warum sagt Ihr etwas?«

Berdine folgte ihm in einen seltsamen Korridor, mit einem Boden aus Pflastersteinen, der gerade mal zwei Fuß breit war, und glatten, runden, röhrenähnlichen Seitenwänden, die vollständig mit Gold bedeckt waren. »Weil Ihr ein Freund seid.«

Als er über seine Schulter sah und sich mit einem Lächeln bei ihr bedankte, streckte sie die Hand aus, um das Gold zu berühren. Richard packte sie am Handgelenk, bevor sie dazu kam. »Wenn Ihr das tut, seid Ihr tot.«

Sie sah ihn verwundert an. »Wieso erzählt Ihr uns, Ihr wüßtet nichts über diesen Ort, und dann spaziert Ihr einfach hier durch, als hättet Ihr Euer ganzes Leben hier verbracht?«

Richard wunderte sich maßlos über die Frage. Doch dann bekam er plötzlich große Augen, als es ihm dämmerte. »Wegen Euch.«

»Wegen mir!«

»Ja«, meinte Richard erstaunt. »Durch unser Gespräch wurde mein bewußter Verstand abgelenkt. Ich habe Euch aufmerksam zugehört und über Eure Worte nachgedacht, so daß meine Gabe mich leiten konnte. Ich habe überhaupt nichts davon gemerkt. Jetzt, wo wir diesen Weg einmal gegangen sind, kenne ich die Gefahren und auch den Rückweg. Jetzt finde ich hier wieder heraus.« Er drückte ihre Schulter. »Danke, Berdine.«

Sie schmunzelte. »Wozu sind Freunde denn da?«