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Galtero schüttelte den Kopf. »Die Menschen standen ganz dicht beieinander, und ich wollte mir nicht gewaltsam einen Weg näher heran bahnen, aus Angst, sie könnten über mich herfallen, weil ich die Zeremonie störe.«

Brogan rieb mit dem Daumen über sein Kästchen, während er gedankenversunken ins Leere starrte. »Natürlich. Ich hatte nicht erwartet, daß Ihr Euer Leben aufs Spiel setzt, um zu erfahren, wie jemand aussieht.«

Galtero zögerte einen Augenblick. »Ihr werdet ihn bald selbst kennenlernen, Lord General. Man hat Euch in den Palast geladen.«

Brogan hob den Kopf. »Für Vergnügungen habe ich keine Zeit. Wir müssen aufbrechen, der Mutter Konfessor hinterher.«

Galtero zog ein Stück Papier aus der Tasche und überreichte es ihm. »Ich war gerade zurückgekehrt, als ein großer Trupp d’Haranischer Soldaten sich anschickte, unseren Palast zu betreten. Ich hielt sie an und fragte, was sie wollten, da gaben sie mir dies.«

Brogan faltete den Zettel auseinander und las das hastige Gekritzel. Lord Rahl bittet die Würdenträger, Diplomaten und Amtsinhaber aller Länder umgehend in den Palast der Konfessoren. Er zerknüllte das Papier in seiner Faust. »Ich gehe nicht zu Audienzen, ich gewähre sie. Und wie gesagt, für Vergnügungen habe ich keine Zeit.«

Galtero zeigte mit dem Daumen auf die Straße. »Das dachte ich mir schon, deshalb habe ich dem Soldaten, der sie mir gab, gesagt, ich würde den Brief weiterreichen, wir seien jedoch mit anderen Dingen beschäftigt und ich wüßte nicht, ob jemand aus dem Palast von Nicobarese Zeit hätte, zu erscheinen. Er meinte, Lord Rahl wolle jedermann dort sehen, und es wäre besser, wir nähmen uns die Zeit.«

Brogan tat die Drohung mit einer Handbewegung ab. »Niemand wird hier in Aydindril Ärger machen, bloß weil wir nicht an einer Gesellschaft teilnehmen, um einen neuen Stammesfürsten kennenzulernen.«

»Lord General, in der Königsstraße stehen d’Haranische Soldaten Schulter an Schulter. Die Paläste dort sind alle umzingelt, die Verwaltungsgebäude der Stadt ebenso. Der Mann, der mir die Nachricht gab, meinte, er sei hier, um uns zum Palast der Konfessoren zu ›begleiten‹. Er meinte, wenn wir nicht bald kämen, würden sie uns holen. Er hatte zehntausend Soldaten hinter sich, die mich beobachteten, während er mir das mitteilte.

Diese Männer sind keine Ladenbesitzer oder Bauern, die für ein paar Monate Soldaten spielen, das sind berufsmäßige Krieger, und sie sehen sehr entschlossen aus.

Ich vertraue darauf, daß sich der Lebensborn gegen diese Männer stellen wird, vorausgesetzt, wir kommen bis zu unserer Hauptstreitmacht durch, aber wir haben nur einen Verband des Lebensborns mit in die Stadt gebracht. Fünfhundert Mann sind nicht annähernd genug, um uns den Weg hinaus freizukämpfen. Wir würden es keine zwanzig Meter weit schaffen, bevor wir alle niedergestreckt würden.«

Brogan sah zu Lunetta hinüber, die an der Wand lehnte. Sie strich über ihre bunten Flicken und glättete sie, ohne auf die Diskussion zu achten. Sie hatten vielleicht nur fünfhundert Mann in der Stadt, aber sie hatten auch Lunetta.

Er wußte nicht, welches Spiel dieser Lord Rahl spielte, aber das war eigentlich gleichgültig. D’Hara war mit der Imperialen Ordnung verbündet und nahm von ihr Befehle entgegen. Wahrscheinlich war dies nur ein Versuch, innerhalb der Imperialen Ordnung mehr Macht zu gewinnen. Es gab immer Menschen, die Macht wollten, aber nicht bereit waren, sich mit den dazugehörigen moralischen Notwendigkeiten auseinanderzusetzen.

»Also gut. Es wird ohnehin bald dunkel sein. Wir werden zu dieser Feier gehen, dem neuen Herrscher Rahl zulächeln, seinen Wein trinken, seine Speisen essen und ihn willkommen heißen. Bei Anbruch der Dämmerung brechen wir zur Imperialen Ordnung auf und beginnen mit der Verfolgung der Mutter Konfessor.« Er gab seiner Schwester ein Zeichen. »Lunetta, begleite uns.«

»Und wie wollt Ihr sie finden?« Lunetta kratzte sich am Arm. »Die Mutter Konfessor, Lord General. Wie wollt ihr sie finden?«

Tobias schob seinen Sessel zurück und stand auf. »Sie ist nach Südwesten. Wir haben mehr als genug Männer, sie zu suchen. Wir werden sie finden.«

»Wirklich?« Noch immer legte Lunetta, nachdem sie von ihrer Kraft Gebrauch gemacht hatte, einen Anflug von Unverschämtheit an den Tag. »Erzählt mir, wie Ihr sie erkennen wollt.«

»Sie ist die Mutter Konfessor! Wie können wir sie da nicht erkennen, du dämliche streganicha

Sie runzelte die Stirn, als ihr wilder Blick seine Augen traf. »Die Mutter Konfessor ist tot. Wie wollt ihr eine wandelnde Tote erkennen?«

»Sie ist nicht tot. Die Köchin weiß, daß das die Wahrheit ist, das hast du selbst gesagt. Die Mutter Konfessor lebt, und wir werden sie gefangennehmen.«

»Wenn die alte Frau die Wahrheit gesagt hat und ein Todesnetz ausgeworfen wurde, was wäre dann wohl sein Zweck? Erklärt Lunetta das.«

Tobias runzelte die Stirn. »Die Menschen sollten glauben, daß sie getötet wurde, um ihr die Flucht zu ermöglichen.«

Lunetta lächelte verschlagen. »Und wie kommt es dann, daß man sie nicht hat fliehen sehen? Aus demselben Grund werdet Ihr sie nicht finden.«

»Hör auf mit deinem magischen Geschwätz und erkläre mir, was du meinst.«

»Lord General, wenn es so etwas wie einen Todeszauber gibt, und er auf die Mutter Konfessor angewendet wurde, dann wäre es nur sinnvoll, wenn die Magie ihre Identität verbirgt. Das würde erklären, wieso sie fliehen konnte. Wegen der Magie, die sie umgab, hat niemand sie erkannt. Aus demselben Grund werdet Ihr sie ebenfalls nicht erkennen.«

»Kannst du diesen Bann brechen, diesen Zauber?« stammelte Tobias.

Lunetta lachte stillvergnügt in sich hinein. »Von solcher Magie habe ich nie zuvor gehört, Lord General. Darüber weiß ich nichts.«

Seine Schwester hatte recht, dämmerte Tobias. »Du kennst dich mit Magie aus. Erkläre mir, wie wir sie finden können.«

Lunetta schüttelte den Kopf. »Lord General, ich weiß nicht, wie man die Fäden einen Zauberernetzes erkennt, das ausdrücklich zum Zwecke des Versteckens ausgeworfen wurde. Ich erkläre Euch bloß, was einen Sinn ergäbe: daß wir sie nämlich ebenfalls nicht erkennen würden, wenn man einen solchen Zauber dazu benutzt hätte, um sie zu verstecken.«

Er drohte ihr mit erhobenem Finger. »Du besitzt Magie. Du weißt, wie du uns die Wahrheit zeigen kannst.«

»Lord General, die alte Frau meinte, nur ein Zauberer könne einen Todesbann aussprechen. Wenn ein Zauberer ein solches Netz auswirft, dann müssen wir erst mal imstande sein, die Fäden dieses Netzes auszumachen. Ich weiß nicht, wie man die Täuschung der Magie durchschaut, um die Wahrheit zu erkennen.«

Tobias rieb sich das Kinn und dachte darüber nach. »Die Täuschung durchschauen. Aber wie?«

»Eine Motte verfängt sich im Spinnennetz, weil sie die Fäden nicht sehen kann. Wir verfangen uns in diesem Netz, genau wie die, die bei ihrer Enthauptung anwesend waren, weil wir die Fäden nicht bemerken. Ich wüßte nicht, wie wir das anstellen sollen.«

»Zauberer«, murmelte er bei sich. Er zeigte auf die Silbermünze auf dem Tisch. »Als ich sie fragte, ob es hier in Aydindril Zauberer gibt, zeigte sie mir diese Münze mit einem Gebäude darauf.«

»Dem Palast der Propheten.«

Bei der Erwähnung des Namens hob er den Kopf. »Ja, so hat sie ihn genannt. Sie sagte, ich soll dich fragen, was das ist. Wie kommt es, daß du davon weißt? Wo hast du von diesem Palast der Propheten gehört?«

Lunetta zog sich in sich selbst zurück und sah fort. »Kurz nach Eurer Geburt hat Mama mir davon erzählt. Es ist ein Ort, an dem Magierinnen —«

»Streganicha«, verbesserte er.

Sie hielt einen Augenblick inne. »Es ist ein Ort, wo streganicha Männer zu Zauberern ausbilden.«

»Dann ist es ein Ort des Bösen.« Gebeugt und steif stand sie da, während er die Münze betrachtete. »Was weiß Mama über einen solchen Ort des Bösen?«

»Mama ist tot, Tobias. Laßt sie in Frieden«, sagte sie leise.