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Jetzt stieß auch Richard einen mächtigen Seufzer aus. »Ich danke Euch, Herzogin … oder sollte ich Euch Königin Lumholtz nennen?«

Sie lehnte sich zurück, die Arme ruhten auf der Lehne ihres Sessels, die Hände hingen herab. »Weder noch.« Ihr Bein glitt nach oben, als sie es über das andere schlug. »Ihr solltet mich Cathryn nennen, Lord Rahl.«

»Gut, also Cathryn — und bitte nennt mich Richard. Ganz ehrlich, ich bin es allmählich leid, daß jeder mich…« Als er in ihre Augen blickte, entfiel ihm, was er sagen wollte.

Geziert lächelnd beugte sie sich vor, wobei eine Brust über den Rand des Tisches glitt. Richard wurde sich bewußt, daß er auf der Sesselkante saß, während er beobachtete, wie sie eine Locke ihres schwarzen Haars um ihren Finger wickelte. Er versuchte, seinen umherschweifenden Blick in den Griff zu bekommen und konzentrierte sich auf das Tablett mit den Speisen vor ihm.

»Gut, also Richard.« Sie kicherte, ein Laut, der nicht im geringsten mädchenhaft klang, sondern gleichzeitig derb und fraulich und überhaupt nicht damenhaft. Er hielt den Atem an, um nicht laut aufzustöhnen. »Ich weiß nicht, ob ich mich daran gewöhnen kann, einen so großen Mann wie den Herrscher ganz D’Haras auf so vertrauliche Weise anzusprechen.«

Richard lächelte. »Vielleicht braucht es einfach nur ein wenig Übung, Cathryn.«

»Ja, Übung«, erwiderte sie mit rauchiger Stimme. Plötzlich wurde sie rot. »Seht Ihr, ich tue es schon wieder. Bei Euren schmerzhaft schönen grauen Augen kann sich eine Frau nur selbst vergessen. Ich sollte Euch jetzt besser Eurem Abendessen überlassen, bevor es kalt wird.« Ihr Blick verweilte auf dem Tablett, das zwischen ihnen stand. »Es sieht köstlich aus.«

Richard sprang auf. »Erlaubt, daß ich Euch etwas bringen lasse.«

Sie zog sich vom Tischrand zurück, lehnte sich wieder nach hinten in den Sessel. »Nein, das könnte ich nicht. Ihr seid ein vielbeschäftigter Mann und habt bereits mehr als Freundlichkeit bewiesen.«

»Ich bin nicht vielbeschäftigt. Ich wollte nur vor dem Schlafengehen noch einen Bissen zu mir nehmen. Wenigstens könnt Ihr mir beim Essen Gesellschaft leisten und vielleicht ein wenig davon mit mir teilen. Es ist mehr, als ich bewältigen kann — man würde es nur wegwerfen.«

Sie rückte näher an ihn heran, drückte ihren Körper gegen den Tisch. »Nun, es sieht wirklich köstlich aus … und wenn Ihr nicht alles eßt … also gut, vielleicht einen kleinen Bissen.«

Richard strahlte. »Was möchtet Ihr? Eintopf, eingelegte Eier, Reis, Lamm?«

Bei der Erwähnung von Lammfleisch entfuhr ihr ein kehliger Laut des Wohlbehagens. Richard schob den goldgeränderten Teller über das Tablett. Er hatte nicht die Absicht gehabt, das Lammfleisch selbst zu essen. Seit die Gabe in ihm zum Leben erwacht war, konnte er kein Fleisch mehr herunterbringen. Das hatte mit der Magie zu tun, die gleichzeitig mit der Gabe in Erscheinung getreten war: Vielleicht war es aber auch so, wie es die Schwestern ihm erklärt hatten: Magie verlangte stets nach einem Ausgleich. Er war ein Kriegszauberer, vielleicht konnte er kein Fleisch essen, weil er das Töten ausgleichen mußte, zu dem er manchmal gezwungen war.

Richard reichte ihr Messer und Gabel. Lächelnd schüttelte sie den Kopf und ergriff das Lammkotelett mit den Fingern. »Bei den Keltoniern gibt es ein Sprichwort, das besagt, wenn etwas gut ist, sollte man sich diese Erfahrung um nichts entgehen lassen.«

»Dann will ich hoffen, daß es gut ist«, hörte Richard sich sagen. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte er sich nicht einsam.

Die braunen Augen auf seine geheftet, beugte sie sich auf ihre Ellenbogen gestützt nach vorn und biß ein winziges Stückchen ab. Richard wartete wie gebannt.

»Und … ist es gut?«

Als Antwort rollte sie die Augen nach oben und schloß langsam die Lider, während sie die Schultern hochzog und in völliger Verzückung aufstöhnte. Ihr Blick senkte sich, stellte die glühende Verbindung wieder her. Ihr Mund schloß sich um das Fleisch, und ihre makellos weißen Zähne rissen ein saftiges Stück heraus. Ihre Lippen glänzten. Er glaubte nicht, daß er jemals jemanden so langsam hatte kauen sehen.

Richard brach das weiche Brot in zwei Stücke und reichte ihr das, auf dem die meiste Butter war. Mit der Kruste löffelte er Reis aus der braunen Rahmsoße. Seine Hand zögerte vor seinem Mund, als sie die Butter mit einer einzigen, langsamen Bewegung vom Brot leckte.

Sie schnurrte kehlig, anerkennend. »Ich mag das weiche, glitschige Gefühl auf meiner Zunge«, hauchte sie, kaum lauter als ein Flüstern. Sie ließ das Brot aus ihren glänzenden Fingern aufs Tablett fallen.

Während sie den Knochen durch die Zähne zog und den Rand abknabberte, sah sie ihm tief in die Augen. Mit kleinen, saugenden Bissen nagte sie den Knochen ab. Das Stück Brot wartete noch immer vor Richards Mund.

Sie strich mit der Zunge über ihre Lippen. »Das beste Lamm, das ich je gegessen habe.«

Richard merkte, daß seine Finger leer waren. Er nahm an, daß er den Reis mit dem Brot gegessen hatte, bis er den weißen Klecks auf dem Tablett unter sich entdeckte.

Sie nahm ein Ei aus der Schale, schloß ihre roten Lippen darum und biß es entzwei. »Hm, köstlich.« Sie legte ihm das andere Stück mit dem runden Ende an die Lippen. »Hier, versucht es selbst.«

Die seidige Oberfläche hinterließ einen mild würzigen, scharfen Geschmack auf seiner Zunge und fühlte sich zugleich fest und nachgiebig an. Sie schob es mit einem Finger ganz hinein. Jetzt hieß es kauen oder ersticken. Er kaute.

Ihr Blick löste sich von seinen Augen und wanderte über das Tablett. »Was haben wir hier? Oh, Richard, sagt nur nicht, daß es…« Sie rührte mit zwei Fingern in der Schale mit den Birnen. Dann lutschte sie die weiße Soße von ihrem Zeigefinger ab. Ein Teil der Soße auf den anderen Finger rann herunter bis zum Handgelenk. »Hmmm, ja, Richard, das ist fabelhaft. Hier.«

Sie legte ihm den Mittelfinger an die Lippen. Bevor er merkte, was geschah, hatte sie ihn der Länge nach in seinen Mund geschoben. »Lutscht ihn ab«, beharrte sie. »Ist das nicht das Beste, was Ihr je gekostet habt?« Richard nickte und versuchte, wieder Luft zu holen, nachdem sie den Finger zurückgezogen hatte. Sie hielt ihm ihr Handgelenk hin. »Oh, bitte, leckt es ab, bevor es auf mein Kleid tropft.« Er nahm ihre Hand und führte sie an seinen Mund. Ihr Geschmack elektrisierte ihn. Als seine Lippen ihre Haut berührten, fing sein Herz schmerzhaft an zu klopfen.

Sie stieß ein kehliges Lachen aus. »Das kitzelt. Ihr habt eine rauhe Zunge.«

Er ließ ihre Hand los, erschrocken über die intime Berührung. »Verzeiht«, sagte er leise.

»Redet keinen Unsinn. Ich habe nicht gesagt, daß es mir nicht gefällt.« Ihre Augen fanden die seinen. Das Licht der Lampe glühte sanft auf der einen Seite ihres Gesichts, das des Feuers auf der anderen. Er stellte sich vor, wie er mit den Fingern durch ihr Haar fuhr. Ihre Atemzüge paarten sich. »Das hat mir sehr gefallen, Richard.«

Ihm auch. Der Raum schien sich zu drehen. Der Klang seines Namens von ihren Lippen schickte Wellen von Hochgefühl durch seinen Körper. Mit allergrößter Mühe zwang er sich aufzustehen.

»Cathryn, es ist spät, und ich bin wirklich müde.«

Sie stand bereitwillig auf, in einer eleganten Bewegung, die den Körper unter dem seidenen Kleid erahnen ließ. Seine Selbstbeherrschung schien sich völlig aufzulösen, als sie ihren Arm in seinen gleiten ließ und sich eng an ihn schmiegte. »Zeigt Ihr mir, welches Euer Zimmer ist?«

Als er sie nach draußen auf den Korridor führte, spürte er, wie sich ihre feste Brust an seinem Arm drückte. Nicht weit entfernt standen Ulic und Egan, die Arme verschränkt. Ein Stück weiter, an den Enden des Ganges, erhoben sich Cara und Raina. Keiner der vier zeigte irgendeine Reaktion, als sie sahen, daß er Cathryn am Arm genommen hatte. Richard sagte nichts zu ihnen, während sie auf die Gästezimmer zusteuerten.