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Und dann sah er sie.

Das Verlangen schnürte ihm die Brust zusammen. Da sie keine Kleider zum Wechseln bei sich hatte, trug sie das gleiche rosafarbene Seidenkleid wie am Abend zuvor. Richard wurde lebhaft daran erinnert, wie sie ihm erzählt hatte, sie schlafe nackt. Er spürte, wie sein Herz pochte.

Unter Anstrengung versuchte er, seine Gedanken auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Mit großen Augen betrachtete sie die ihr bekannten Soldaten. Es war die keltonische Palastwache. Jetzt trugen sie d’Haranische Uniformen.

Richard war früh aufgestanden und hatte alles vorbereitet. Er hatte ohnehin nicht viel schlafen können, und das bißchen Schlaf, das er gefunden hatte, war durchsetzt gewesen von sehnsuchtsvollen, quälenden Träumen.

Kahlan, meine Liebste, wirst du mir diese Träume je verzeihen können?

Bei so vielen d’Haranischen Soldaten in Aydindril war ihm klar gewesen, daß Nachschub jeder Art zur Verfügung stand, daher hatte er befohlen, Reserveuniformen herbeizuschaffen. Die Keltonier waren, da man sie entwaffnet hatte, nicht in der Position, zu widersprechen. Als sie jedoch das dunkle Leder und die Kettenhemden angelegt und Gelegenheit gehabt hatten, zu sehen, wie wild sie in ihrer neuen Rüstung aussahen, hatten sie anerkennend gegrinst. Man hatte ihnen erklärt, Kelton sei nur ein Teil D’Haras, und ihnen ihre Waffen zurückgegeben. Jetzt waren sie in Reih und Glied angetreten, stolz und aufrecht, und hielten ein Auge auf die Vertreter der anderen Länder, die sich noch nicht ergeben hatten.

Wie sich herausstellte, hatte das Unwetter, das Brogan die Flucht ermöglicht hatte, als Ausgleich auch etwas Gutes mitgebracht: Die Würdenträger hatten vor ihrem Aufbruch abwarten wollen, bis das schlechte Wetter vorüber war, also hatte Richard die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sie vor ihrer Abreise am späteren Vormittag noch einmal in den Palast beordert. Nur die höchsten, wichtigsten Amtsinhaber waren anwesend. Er wollte, daß sie Zeugen der Kapitulation Keltons wurden: eines der mächtigsten Länder der Midlands. Er wollte, daß sie eine letzte Lektion erteilt bekamen.

Richard erhob sich, als Cathryn die Stufen seitlich neben dem Podium hinaufzusteigen begann, während ihr Blick über die ihr zugewandten Gesichter hinwegglitt. Berdine trat zurück, um ihr Platz zu machen. Richard hatte die drei Mord-Siths am äußersten Ende des Podiums plaziert, wo sie ihm nicht zu nahe waren. Er war nicht daran interessiert, was sie zu sagen hatten.

Schließlich fiel Cathryns Blick auf ihn, und er mußte die Knie zusammendrücken, um nicht einzuknicken. Seine Linke, mit der er den Griff des Schwertes fest umklammert hielt, begann zu zittern. Er ermahnte sich, daß er das Schwert nicht in der Hand zu halten brauchte, um seine Magie zu beherrschen, und riskierte es, die Hand zu lösen und wieder ein wenig Gefühl in seine Hand zu schütteln, während er über die vor ihm liegende Aufgabe nachdachte.

Als die Schwestern des Lichts ihm die Beherrschung seines Han hatten beibringen wollen, hatten sie ihn angehalten, ein geistiges Bild zu benutzen, um seinen Willen zu konzentrieren. Richard hatte sich ein Bild des Schwertes der Wahrheit als Bündelpunkt seiner Gedanken ausgesucht, und dieses hatte er in seinen Gedanken jetzt fest fixiert.

Doch im Kampf mit den Menschen, die sich heute vor ihm versammelt hatten, würde ihm das Schwert nichts nützen. Heute würde er auf die geschickten Manöver zurückgreifen müssen, die mit der Hilfe von General Reibisch, seinen Offizieren und kenntnisreichen Mitgliedern des Palaststabes ersonnen worden waren. Hoffentlich hatte er alles richtig behalten.

»Richard, was —«

»Willkommen, Herzogin. Es ist alles vorbereitet.« Richard ergriff ihre Hand und küßte sie auf eine Weise, die seinem Dafürhalten nach einer Königin vor Publikum angemessen war, trotzdem entflammte die Berührung nur seine Leidenschaft. »Ich wußte, Ihr würdet wollen, daß diese Repräsentanten Zeugen Eures Mutes werden, die erste zu sein, die sich mit uns gegen die Imperiale Ordnung verbündet, die erste, die den Midlands den Weg bereitet.«

»Aber ich … nun, ja … gewiß.«

Er drehte sich zu den Zuschauern um. Die Menge war beträchtlich ruhiger und willfähriger als beim letzten Mal, als sie in gespannter Erwartung vor ihm gestanden hatten.

»Herzogin Lumholtz — die, wie Ihr alle wißt, bald zur Königin von Kelton ernannt werden wird — hat Ihr Volk der Freiheit überantwortet und sich gewünscht, daß Ihr alle dabeisein sollt, wenn sie die Dokumente der Kapitulation unterzeichnet.«

»Richard«, flüsterte sie leise und beugte sich ein wenig vor, »ich muß … sie erst von unseren Rechtskundigen prüfen lassen … nur um ganz sicher zu gehen, daß sie eindeutig sind und es keine Mißverständnisse gibt.«

Richard lächelte beruhigend. »Ich bin zwar überzeugt, Ihr werdet feststellen, daß sie recht eindeutig sind, dennoch habe ich Eure Besorgnis vorausgeahnt und mir die Freiheit herausgenommen, die Rechtskundigen zur Unterzeichnung einzuladen.« Richard streckte die Hand zum anderen Ende des Podiums aus. Raina packte einen Mann am Arm und drängte ihn, die Stufen hochzusteigen. »Meister Sifold, würdet Ihr Eurer zukünftigen Königin Eure geschätzte Meinung mitteilen?«

Er verneigte sich. »Die Dokumente sind, wie Lord Rahl sagt, recht eindeutig, Herzogin. Sie lassen keinen Raum für Mißverständnisse.«

Richard nahm das reichverschnörkelte Dokument vom Tisch. »Mit Eurer Erlaubnis, Herzogin, möchte ich es den versammelten Repräsentanten vorlesen, damit sie sehen, daß Keltons Wunsch nach der Vereinigung unserer Kräfte unmißverständlich ist. Damit sie sehen, wie tapfer Ihr seid.«

Sie hob unter den Blicken der Repräsentanten der anderen Länder stolz den Kopf. »Ja, bitte. Nur zu, Lord Rahl.«

Richard sah kurz in die wartenden Gesichter. »Ich bitte um Geduld, es ist nicht lang.« Er hielt das Blatt vor sich und las laut vor. »An alle Völker, hiermit unterwirft sich Kelton bedingungslos D’Hara. Unterzeichnet, höchstselbst, als rechtmäßig erkannte Führerin des Keltonischen Volkes, Herzogin Lumholtz.«

Richard legte das Dokument zurück auf den Tisch und tauchte den Federkiel in ein Tintenfaß, bevor er ihn Cathryn reichte. Sie nahm ihn steif und ohne Regung entgegen. Ihr Gesicht war leichenblaß geworden.

Er mußte befürchten, daß sie einen Rückzieher machen würde und hatte keine andere Wahl. Er nahm all seine Kraft zusammen, die, das wußte er, ihm später fehlen würde, brachte seine Lippen ganz nah an ihr Ohr und ertrug dabei stillschweigend die Wogen qualvollen Verlangens, die der warme Duft ihrer Haut in ihm erzeugte.

»Cathryn, wenn wir hier fertig sind, würdet Ihr mit mir Spazierengehen? Nur wir beide, alleine? Ich habe von nichts anderem geträumt als von Euch.«

Ihre Wangen erblühten in leuchtenden Farben. Er glaubte, sie würde ihm den Arm um den Hals legen, und dankte den Seelen, als sie es unterließ.

»Natürlich, Richard«, antwortete sie flüsternd. »Ich habe auch von nichts anderem geträumt als von Euch. Bringen wir diese Formalitäten hinter uns.«

»Macht mich stolz auf Euch und Eure Stärke.«

Richard war überzeugt, die anderen im Saal müßten erröten, wenn sie ihr Lächeln sahen. Er spürte, wie ihm die Ohren glühten, als er daran dachte, was ihr Lächeln verhieß.

Sie ergriff den Federkiel, streifte dabei seine Hand und hielt ihn in die Höhe. »Ich unterzeichne diese Kapitulationserklärung mit der Feder einer Taube, als Zeichen dafür, daß ich dies freiwillig tue, in Frieden und nicht als Besiegte. Ich tue es aus Liebe zu meinem Volk und in der Hoffnung auf die Zukunft. Diese Hoffnung verkörpert dieser Mann hier — Lord Rahl. Ich schwöre jedem die unsterbliche Rache meines Volkes, der es wagt, ihm Schaden zuzufügen.«

Sie beugte sich vor und kritzelte ihre ausladende Unterschrift quer unter die Erklärung.

Bevor sie sich aufrichten konnte, zog Richard weitere Papiere hervor und schob sie ihr unter.

»Was…«

»Die Briefe, von denen Ihr gesprochen habt, Herzogin. Ich wollte Euch nicht mit der langweiligen Aufgabe belasten, diese Arbeit selbst zu übernehmen, wo wir die Zeit doch besser nutzen können. Eure Berater haben mir dabei geholfen, sie aufzusetzen. Seht sie bitte durch, nur um sicherzugehen, daß alles so ist, wie es in Eurer Absicht lag, als Ihr mir gestern abend das Angebot gemacht habt.