Leutnant Harrington von Eurer Palastwache half mir mit den Namen von General Baldwin, dem Oberkommandeur aller keltonischen Streitkräfte, den Divisionsgenerälen Cutter, Leiden, Nesbit, Bradford und Emerson sowie einigen der Kommandanten der Palastwache. Hier ist ein Brief an jeden von ihnen für Euch zur Unterschrift, in dem Ihr ihnen befehlt, alle Befehlsgewalt an meine d’Haranischen Offiziere abzutreten. Einige der Offiziere Eurer Palastwache werden eine Abteilung meiner Männer zusammen mit den neuen Offizieren begleiten.
Euer Berater, Meister Montleon, war mir von unschätzbarer Hilfe bei den Anweisungen an Finanzminister Pelletier, an Meister Carlisle, den stellvertretenden Verwalter des Amtes für strategische Planungen, die geschäftsführenden Gouverneure des Handelsrates, Cameron, Tuck, Spooner und Ashmore sowie Levardson, Doudiet und Faulkingham vom Handelsministerium.
Adjutant Schaffer war es, der die Liste Eurer Bürgermeister zusammengestellt hat. Wir wollten selbstverständlich niemanden beleidigen, indem wir ihn vergessen, daher hat er sich bei der Zusammenstellung der vollständigen Liste von einer Reihe von Beratern helfen lassen. Hier sind Briefe an sie alle. Aber natürlich lauten die Schreiben mit den Anordnungen an alle gleich, bis auf die jeweiligen Namen. Ihr braucht also nur eins durchzusehen und könnt dann die übrigen so unterschreiben. Von da an übernehmen wir.
Meine Kuriere warten, um mit den offiziellen Dokumententaschen loszureiten. Ein Soldat aus Eurer Palastwache wird jeden von ihnen begleiten, nur um sicherzustellen, daß es keine Mißverständnisse gibt. Wir haben alle Soldaten Eurer Palastwache hier versammelt, damit sie Eure Unterschrift bezeugen können.«
Richard holte Luft und richtete sich auf, als Cathryn, die Feder immer noch erhoben, fassungslos auf all die Papiere starrte, die Richard ihr hingeschoben hatte. Ihre Berater waren sämtlich aufs Podium gekommen und hatten sich um sie herum aufgestellt, stolz auf die Arbeit, die sie in so kurzer Zeit geleistet hatten.
Richard beugte sich erneut zu ihr hinunter. »Ich hoffe, ich habe alles Euren Wünschen gemäß erledigt, Cathryn. Ihr sagtet zwar, Ihr wolltet Euch darum kümmern, aber ich mochte nicht von Euch getrennt sein, während Ihr Euch mit dem Schreiben abmüht, also bin ich zeitig aufgestanden und habe Euch die Arbeit abgenommen. Ich hoffe doch, ich habe Euch damit eine Freude gemacht?«
Sie überflog die Briefe, schob einen nach dem anderen zur Seite, um den darunterliegenden zu betrachten. »Ja … natürlich.«
Richard schob einen Sessel näher heran. »Warum setzt Ihr Euch nicht?«
Als sie Platz genommen und mit der Unterzeichnung begonnen hatte, schob Richard sein Schwert aus dem Weg und setzte sich neben sie, in den Sessel der Mutter Konfessor. Er ließ seinen Blick auf den Zuschauern ruhen und beließ ihn dort, während er auf das Kratzen der Feder lauschte. Um sich konzentrieren zu können, hielt er den Zorn auf kleiner Flamme.
Richard drehte sich zu den lächelnden keltonischen Beamten hinter ihrem Sessel um. »Ihr alle habt heute morgen sehr wertvolle Arbeit geleistet, und ich würde mich geehrt fühlen, wenn Ihr bereit wärt, auch weiterhin in meinen Diensten zu stehen. Ich bin sicher, daß ich für Eure Fähigkeiten bei der Verwaltung des größer werdenden D’Haras Verwendung habe.«
Nachdem sich alle verneigt und ihm für seine Großherzigkeit gedankt hatten, richtete er erneut sein Augenmerk auf die schweigende Gruppe von Leuten, die das Geschehen verfolgte. Die d’Haranischen Soldaten, vor allem ihre Offiziere, hatten, da sie monatelang in Aydindril stationiert waren, eine Menge über den Handel in den Midlands gelernt. In den vier Tagen, die er auf der Suche nach Brogan unter ihnen verbracht hatte, hatte Richard sich soviel Wissen als möglich angeeignet. Zudem hatte er seine Kenntnisse heute morgen noch bereichert. Denn es hatte sich herausgestellt, daß Fräulein Sanderholt eine Quelle großen, über viele Jahre beim Zubereiten von Gerichten aus vielen Ländern zusammengetragenen Wissens war. Speisen waren, wie sich herausstellte, eine Quelle von Informationen über ein Volk. Ihr scharfes Ohr war ebenfalls nützlich gewesen.
»Einige der Papiere, die die Herzogin soeben unterzeichnet, sind Handelsanweisungen«, erklärte Richard den Beamten, während Cathryn sich ihrer Arbeit widmete. Sein Blick verweilte auf ihren Schultern. Er zwang sich, ihn abzuwenden. »Da Kelton jetzt ein Teil D’Haras ist, gibt es keinen Handel mehr zwischen Kelton und jenen Ländern, die sich uns nicht angeschlossen haben.«
Er sah einen kleinen, rundlichen Mann mit lockigem, schwarzgrauem Bart an. »Mir ist bewußt, Repräsentant Garthram, daß dies Lifany in eine unangenehme Lage bringt. Nach der Anordnung zur Schließung der Grenzen von Galea und Kelton für alle, die nicht Teil D’Haras sind, stehen Euch harte Zeiten bevor, was den Handel anbetrifft.
Mit Galea und Kelton im Norden, D’Hara im Osten und dem Rang’Shada-Gebirge im Westen wird es Euch äußerst schwerfallen, Euren Bedarf an Eisen zu decken. Der größte Teil Eurer Einkäufe stammte aus Kelton, und dort wiederum hat man Euch Getreide abgekauft. Jetzt wird Kelton sein Getreide aus den galeanischen Lagerhäusern beziehen müssen. Da sie jetzt beide zu D’Hara gehören, gibt es keinen Grund mehr, den Handel wegen Feindseligkeiten wie früher einzuschränken. Außerdem stehen ihre beiden Armeen jetzt unter meinem Kommando, so daß sie keine Mühe darauf verschwenden werden, wegen des jeweils anderen beunruhigt zu sein, sondern statt dessen ihre Aufmerksamkeit auf die Schließung der Grenzen richten können.
Natürlich hat D’Hara Verwendung für Eisen und Stahl aus Kelton. Ich schlage vor, Ihr sucht Euch eine andere Quelle, und das schnell, denn die Imperiale Ordnung wird wahrscheinlich von Süden her angreifen. Möglicherweise geradewegs durch Lifany hindurch, wie ich mir vorstellen könnte. Ich werde weder zulassen, daß auch nur das Blut eines einzigen Soldaten für den Schutz von Ländern vergossen wird, die sich noch nicht mit uns verbündet haben, noch werde ich ein Zögern in diesem Punkt mit Handelsprivilegien belohnen.«
Richard richtete den Blick auf einen großen, hageren Mann mit einem strähnigen, weißen Haarkranz um den knorrigen Schädel. »Botschafter Bezancort, es tut mir leid, Euch mitteilen zu müssen, daß dieser Brief hier den Kommissar Cameron aus Kelton davon in Kenntnis setzt, daß sämtliche Übereinkünfte mit Ihrem Heimatland Sanderia hiermit aufgekündigt werden, bis auch Ihr ein Teil D’Haras seid. Nach diesem Winter wird es Sanderia nicht mehr gestattet sein, seine Herden im kommenden Frühjahr in das Hochland von Kelton zu treiben.«
Der Mann verlor das bißchen Farbe, das er ohnehin nur hatte. »Aber Lord Rahl, es gibt keinen Ort, wo wir die Tiere im Frühjahr und Sommer unterbringen können. Die Ebenen sind im Winter zwar üppiges Weideland, im Sommer jedoch sind sie eine braune und verdorrte Ödnis. Was sollen wir Eurer Ansicht nach denn tun?«
Richard zuckte die Achseln. »Ich schlage vor, Ihr laßt Eure Herden schlachten, um zu retten, was zu retten ist, bevor die Tiere Hungers sterben.«
Dem Botschafter stockte der Atem. »Lord Rahl, diese Abmachungen haben seit Jahrhunderten Gültigkeit. Unsere gesamte Wirtschaft gründet sich auf den Schafen!«
Richard zog eine Augenbraue hoch. »Das ist nicht meine Sorge. Meine Sorge gilt denen, die uns beistehen.«
Botschafter Bezancort hob flehend die Hände. »Lord Rahl, das wäre eine Katastrophe für mein Volk. Unser ganzes Land wäre ruiniert, wären wir gezwungen, unsere Herden zu schlachten.«
Repräsentant Theriault trat hastig einen Schritt nach vorn. »Ihr dürft auf keinen Fall zulassen, daß diese Herden geschlachtet werden. Herjborgue ist auf diese Wolle angewiesen. Das, das … würde unsere Industrie zugrunde richten.«