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Ein anderer meldete sich zu Wort. »Dann könnten sie mit uns keinen Handel treiben, und wir hätten keine Möglichkeit mehr, Getreide einzukaufen, das bei uns nicht gedeiht.«

Richard beugte sich vor. »Dann schlage ich vor, Ihr berichtet Euren Führern diese Argumente und tut Euer Bestes, sie davon zu überzeugen, daß eine Kapitulation ihre einzige Möglichkeit ist. Je eher desto besser.« Er sah hinüber zu den anderen Würdenträgern. »Angesichts so großer gegenseitiger Abhängigkeit werdet ihr sicher bald den Wert der Einheit erkennen. Kelton ist jetzt ein Teil D’Haras. Die Handelswege werden für alle geschlossen werden, die sich nicht auf unsere Seite schlagen. Ich habe es Euch bereits erklärt, Neutrale wird es nicht geben.«

Proteste, Appelle und flehentliche Bitten erfüllten den Ratssaal. Richard stand auf, und die Proteste verstummten.

Der sanderianische Botschafter hob vorwurfsvoll den knochigen Zeigefinger. »Ihr seid ein unbarmherziger Mann.«

Richard nickte, die Magie brachte seinen wütend funkelnden Blick zum Glühen. »Und vergeßt nicht, dies der Imperialen Ordnung mitzuteilen, falls Ihr Euch dafür entscheidet, Euch ihnen anzuschließen.« Er blickte in die Gesichter hinab. »Ihr alle hattet Frieden und Einheit, garantiert durch den Rat und die Mutter Konfessor. Während sie fort war und für Euch und Euer Volk kämpfte, habt Ihr diese Einheit mit Füßen getreten, aus nackter Gier. Ihr benehmt Euch wie kleine Kinder, die sich um einen Kuchen zanken. Jeder hätte sein Stück bekommen können, statt dessen beschloßt Ihr, ihn Euren kleineren Geschwistern wegzunehmen. Wenn Ihr an meinen Tisch kommt, werdet Ihr auf Eure Manieren achten müssen, aber Ihr werdet alle Brot bekommen.«

Diesmal widersprach ihm niemand. Richard zog das Mriswithcape zurecht, als er merkte, daß Cathryn mit Unterschreiben fertig war und ihn aus diesen großen, braunen Augen ansah. Angesichts ihres süßen Blickes konnte er die Kontrolle über den Zorn des Schwertes nicht länger aufrechterhalten.

Er drehte sich wieder zu den Repräsentanten um, der Zorn war aus seinem Ton gewichen. »Das Wetter ist gut. Ihr solltet jetzt besser aufbrechen. Je eher Ihr Eure Führer überzeugt, meinen Bedingungen zuzustimmen, desto weniger Unannehmlichkeiten werden Eure Völker zu erleiden haben. Ich möchte nicht, daß jemand leidet…« Seine Stimme brach ab. Cathryn stand neben ihm und blickte hinunter zu den Leuten, die sie so gut kannte. »Tut, was Lord Rahl von Euch verlangt. Er hat Euch genug von seiner Zeit geschenkt.« Sie drehte sich um und wandte sich an einen ihrer Berater. »Laßt augenblicklich meine Kleider herbeischaffen. Ich werde hier bleiben, im Palast der Konfessoren.«

»Wieso bleibt sie hier?« wollte einer der Botschafter wissen, die Stirn argwöhnisch in Falten gelegt.

»Ihr Gatte wurde, wie Ihr wißt, von einem Mriswith getötet«, sagte Richard. »Sie bleibt hier, zu ihrem Schutz.«

»Soll das heißen, für uns besteht Gefahr?«

»Aber durchaus«, sagte Richard. »Ihr Gatte war ein erfahrener Fechter, dennoch wurde er … nun, hoffentlich seid Ihr vorsichtig. Wenn Ihr Euch uns anschließt, seid Ihr berechtigt, Gäste des Palastes zu sein und den Schutz meiner Magie zu genießen. Es gibt ausreichend leerstehende Gästezimmer, aber bis zu Eurer Kapitulation wird niemand darin wohnen.«

Aufgeregt und voller Sorge in Gespräche vertieft, drängten sich die Anwesenden zum Ausgang.

»Gehen wir endlich?« hauchte Cathryn.

Jetzt, nach getaner Arbeit, spürte Richard, wie die plötzliche Leere sich mit ihrer Gegenwart füllte. Als sie sich bei ihm einhakte und sie beide sich zum Gehen wandten, bot er seine letzte Willenskraft auf und trat zu Ulic und Cara am Rand des Podiums.

»Behaltet uns jederzeit im Auge, verstanden?«

»Ja, Lord Rahl«, sagten Ulic und Cara wie aus einem Mund.

Cathryn zerrte an seinem Arm, drängte ihn, ihr sein Ohr hinzuhalten. »Richard.« Sein Name, getragen von ihrem warmen Atem, jagte ihm ein sehnsüchtiges Schaudern durch den Körper. »Ihr sagtet, wir würden alleine sein. Ich will mit Euch alleine sein. Ganz alleine. Bitte.«

Dies war der Augenblick, für den sich Richard seine Kraft hätte aufsparen sollen. Er konnte das Bild des Schwertes nicht länger mit seinen Gedanken festhalten. Verzweifelt ersetzte er es durch Kahlans Gesicht.

»Gefahr ist im Verzug, Cathryn. Ich spüre es. Ich werde Euer Leben nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Wir können allein sein, sobald ich die Bedrohung nicht mehr spüre. Bitte, versucht, das zu begreifen. Fürs erste.«

Sie schien beunruhigt, nickte aber. »Fürs erste.«

Als sie vom Podium hinunterstiegen, wandte sich Richard noch einmal Cara zu. »Laßt uns nicht aus den Augen — aus welchem Grund auch immer.«

24

Phoebe ließ die Berichte auf ein schmales freies Plätzchen auf dem polierten Walnußholztisch fallen. »Verna, dürfte ich Euch eine persönliche Frage stellen?«

Verna kritzelte ihre Initialen unter einen Bericht aus der Küche, in dem Ersatz für die großen Kessel gefordert wurde. »Wir sind doch gute, alte Freundinnen, Phoebe. Du kannst mich alles fragen, was du willst.« Sie prüfte die Anforderung ein weiteres Mal, dann fügte sie über ihren Initialen eine Notiz hinzu, mit der sie die Erlaubnis verweigerte und statt dessen darauf bestand, daß die Kessel ausgebessert wurden. Verna ermahnte sich, zu lächeln. »Bitte.«

Phoebes rundliche Wangen wurden rot, während sie die Finger ineinander verschlang. »Nun, ich will Euch nicht kränken, wo Ihr jetzt in einer so hohen Stellung seid, aber ich könnte niemals jemand anderes fragen als eine Freundin wie Euch.« Sie räusperte sich. »Wie ist es, wenn man alt wird?«

Verna schnaubte verächtlich. »Wir sind im gleichen Alter, Phoebe.«

Sie wischte mit den Handflächen an ihren Hüften herum, während Verna wartete. »Nun ja … aber Ihr wart mehr als zwanzig Jahre fort. Um so viel seid Ihr gealtert, genau wie die Menschen außerhalb des Palastes. Ich werde annähernd dreihundert Jahre brauchen, um Euer jetziges Alter zu erreichen. Ihr seht aus wie eine Frau von fast … vierzig Jahren.«

Verna seufzte. »Ja, nun, das sind die Folgen einer Reise. Meiner Reise jedenfalls.«

»Ich will niemals auf eine Reise gehen und alt werden. Tut es am Ende weh, plötzlich so alt zu sein? Habt Ihr das Gefühl … ich weiß nicht, als wärt Ihr nicht mehr attraktiv, und das Leben nicht mehr süß? Ich mag es, wenn Männer mich begehrenswert finden. Ich will nicht alt werden … Das macht mir angst.«

Verna stieß sich vom Tisch ab und lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Am allerliebsten hätte sie die Frau erwürgt, statt dessen atmete sie tief durch und rief sich ins Gedächtnis, daß es sich um die ernstgemeinte Frage einer Freundin handelte, die diese aus Unwissenheit gestellt hatte.

»Nun, das betrachtet wohl jeder auf seine ganz eigene Weise, aber ich kann dir verraten, was es für mich bedeutet. Ja, es schmerzt ein wenig, Phoebe, wenn man weiß, daß etwas dahin ist und niemals mehr zurückgewonnen werden kann — ganz so, als hätte ich nicht aufgepaßt und mir wäre meine Jugend gestohlen worden, während ich noch darauf warte, daß mein Leben beginnt. Aber der Schöpfer wiegt es auch mit etwas Gutem auf.«

»Mit etwas Gutem? Was kann schon Gutes daran sein?«

»Nun, im Innern bin ich immer noch ich selbst, nur weiser. Ich sehe mich und meine Ziele klarer. Ich weiß Dinge zu schätzen, die ich zuvor nie zu schätzen gewußt habe. Ich weiß genauer, was wichtig ist, wenn man das Werk des Schöpfers tut. Vermutlich könnte man sagen, ich bin zufriedener und mache mir weniger Gedanken, was andere über mich denken.

Zwar bin ich gealtert, doch das mindert mein Verlangen nach anderen keineswegs. Ich finde Trost bei Freunden, und, ja, um deine unausgesprochene Frage zu beantworten, ich sehne mich noch immer nach Männern, fast genau wie früher, nur bin ich jetzt viel aufgeschlossener für sie. Die Unerfahrenheit der Jugend interessiert mich weniger. Es reicht nicht, daß Männer jung sind, um meine Gefühle zu entfachen, und Naivität wirkt weniger anziehend.«