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Hier sah ich durch die geöffneten Fenster, daß sich die grünen Menschen auf ihren Seidentüchern und Fellen ausgestreckt hatten, gelegentlich einen einsilbigen Grunzer ausstoßend, der in Verbindung mit ihren erstaunlichen telepathischen Fähigkeiten ihren kommunikativen Bedürfnissen vollkommen Genüge tut. Als ich ein Stück nähertrat, um ihren Worten zu lauschen, kam ein Krieger aus dem dahinterliegenden Saal in den Raum.

»Komm, Tan Gama«, rief er. »Wir sollen den Thark zu Kab Kadja führen. Bring noch jemanden mit.«

Der Angesprochene erhob sich, nickte einem Mann zu, der in seiner Nähe hockte, und zu dritt wandten sie sich um und verließen den Raum.

Wenn ich ihnen nun folgte, dann mußte sich doch eine Gelegenheit finden, Tars Tarkas sofort zu befreien. Zumindest aber würde ich wissen, wo sich sein Gefängnis befand.

Zu meiner Rechten erblickte ich eine Tür. Dahinter lag ein unbeleuchteter Saal, und einer augenblicklichen Regung folgend trat ich ein. Der Saal war breit und führte direkt zur Vorderseite des Gebäudes. Zu beiden Seiten der Halle befanden sich die Eingänge in die verschiedenen Räume.

Ich hatte meinen Fuß kaum hineingesetzt, als ich am anderen Ende die Krieger erblickte –jene, die ich soeben den Nebenraum hatte verlassen sehen. Sie verschwanden rechts hinter einer Wegbiegung. Schnell eilte ich ihnen durch den Saal hinterher. Ich bemühte mich nicht, meine Schritte zu dämpfen, da ich spürte, daß das Schicksal mir hold gewesen war, mir eine solche Gelegenheit zu bieten, und diese konnte ich mir jetzt nicht entgehen lassen.

Am anderen Saalende angekommen, stieß ich auf eine Wendeltreppe, die die Stockwerke miteinander verband. Offenbar hatten die drei die Halle über diese Treppe verlassen. Ich war mir aufgrund meiner Kenntnisse von diesen uralten Bauwerken sowie meiner Vertrautheit mit den Methoden der Warhoon sicher, daß sie sich nach unten und nicht nach oben begeben hatten.

Einst war ich selbst ein Gefangener der grausamen nördlichen Horden der Warhoon gewesen, und noch immer sind die Erinnerungen an den unterirdischen Kerker, in dem man mich gefangen hielt, in mir lebendig. Meiner Überzeugung nach befand sich Tars Tarkas in den dunklen Kellergewölben eines Gebäudes in unserer Nähe, und in dieser Richtung würde ich eine Spur der drei Krieger wiederfinden, die mich zu seiner Zelle führte.

Ich irrte mich nicht. Am Treppenabsatz, oder besser gesagt, ein Stockwerk weiter unten, sah ich, daß der Treppenschacht in die Kellergewölbe führte. Als ich hinabblickte, zeigte mir ein flackernder Fackelschein, wo sich die drei befanden, denen ich auf den Fersen war.

Sie begaben sich direkt in die Kellergewölbe unter dem Gebäude. In sicherer Entfernung folgte ich dem flackernden Lichtschein. Es ging durch ein Labyrinth von sich windenden, unbeleuchten Gängen, so daß nur der unsichere Lichtschein der Fackel blieb, die sie bei sich trugen. Wir hatten vielleicht einhundert Yards hinter uns gebracht, als die Gruppe mit einemmal in einen Eingang zu ihrer Rechten trat. Ich stürmte hinterher, so schnell es in der Dunkelheit ging, bis ich dort angelangt war, wo sie abgebogen waren. Durch eine geöffnete Tür beobachtete ich, wie sie die Ketten lösten, die den großen Thark, Tars Tarkas, an der Wand festhielten.

Unsanft stießen sie ihn zwischen sich und verließen die Zelle sofort wieder, eigentlich so schnell, daß ich beinahe entdeckt worden wäre.

Doch gelang es mir, den Gang einfach weiter hinunterzulaufen, so daß ich mich außerhalb des trüben Lichtkegels der Fackel befand, als sie aus der Zelle traten.

Ich hatte logischerweise angenommen, daß sie mit Tars Tarkas auf demselben Weg zurückkehren würden, den sie gekommen waren. Zu meinem Verdruß jedoch bogen sie in meine Richtung, und mir blieb nichts anderes übrig, ihnen weit genug vorauszueilen, um nicht vom Schein ihrer Fackel eingeholt zu werden. Auch wagte ich nicht, mich in einem der zahlreichen abgehenden, dunklen Gänge zu verbergen, da ich nicht wußte, wo sie hinwollten. Ich fürchtete, mich dabei just in jenen Gang zu begeben, in den sie im nächsten Augenblick einbogen.

Beim Durchqueren dieser dunklen Gänge konnte man sich keineswegs sicher fühlen. Ich wußte nicht, ob ich in meiner Hast nicht im nächsten Augenblick kopfüber in irgendeine schreckliche Grube stürzte oder gar einer der gespenstischen Kreaturen in die Arme lief, die in der Unterwelt der verlassenen Städte des sterbenden Mars zu Hause waren. Nur der schwache Lichtschein von der Fackel der Männer hinter mir drang zu mir – gerade genug, um zu sehen, wohin der Weg führte, und zu verhindern, daß ich gegen eine Wand lief, sobald er abknickte.

Bald kam ich zu einer Kreuzung, von der fünf Wege ausgingen. Ich hatte in einem von ihnen schon ein Stück hinter mich gebracht, als plötzlich der Lichtschein der Fackel verschwand. Ich blieb stehen und horchte in Richtung der kleinen Gruppe hinter mir, doch es herrschte Totenstille.

Schnell wurde mir klar, daß die Krieger mit dem Gefangenen einen der anderen Wege eingeschlagen hatten, und mit beträchtlicher Erleichterung eilte ich zurück, um die viel sichere und wünschenswertere Stellung hinter ihnen einzunehmen. Die Rückweg verlief dennoch viel langsamer, denn es war so finster, daß man die Hand vor den Augen nicht mehr sehen konnte.

Es erwies sich als notwendig, mit der Hand die Wand und mit dem Fuß den Boden vor sich abzutasten, um nicht die Stelle zu verpassen, von der fünf Wege abgegangen waren. Nach einer anscheinenden Ewigkeit langte ich endlich an meinem Ziel an. Ich erkannte es, als ich mich an den einzelnen Zugängen entlangtastete und fünf davon zählte. Dennoch war in keinem von ihnen auch nur der geringste Lichtschimmer auszumachen.

Ich lauschte aufmerksam, doch die grünen Menschen gingen barfuß, und ihre lautlosen Schritte erzeugten in den Gewölben keinen Widerhall, an dem man sich orientieren hätte können. Doch bald glaubte ich, weit vor mir im mittleren Gang das Klirren der Waffen zu vernehmen. Ich stürzte auf der Suche nach dem Lichtschein hinterher und blieb gelegentlich stehen, um festzustellen, ob sich das Geräusch wiederholte. Aber schnell mußte ich mir eingestehen, daß ich einem Irrtum erlegen war, da meine Bemühungen nur durch Dunkelheit und Stille belohnt wurden.

Erneut ging ich zur der Wegkreuzung zurück, als ich mich zu meiner Überraschung an einem Platz wiederfand, von dem drei Wege abgingen. Durch einen jeden von diesen mochte ich in meiner durch den falschen Hinweis verarschten Hast gekommen sein. Das war eine schöne Bescherung! Wieder an der Stelle mit den fünf Abzweigungen angelangt, hätte ich begründet darauf hoffen können, daß die Krieger mit Tars Tarkas zurückkehrten.

Meine Kenntnisse ihrer Bräuchen sagten mir, daß man ihn wahrscheinlich nur zum Audienzzimmer geleitete, um dort das Urteil über ihn zu fällen. Ich zweifelte nicht im geringsten daran, daß sie sich einen solch tapferen Krieger, wie es der große Thark war, aufheben würden, da er eine seltene Attraktion bei den Großen Spielen darstellte.

Doch solange ich mich nicht dorthin zurückfand, bestanden ausgezeichnete Chancen, daß ich tagelang durch die fürchterliche Finsternis irrte, bis mich schließlich Hunger und Durst besiegten, und ich zum Sterben darniedersank, oder – was war das?

Ein leises Schlurfen war hinter mir zu hören, und als ich einen kurzen Blick hinter mich warf, gefror mir das Blut in den Adern. Nicht aus Angst vor einer gegenwärtigen Gefahr, sondern mehr wegen der furchteinflößenden Erinnerungen an damals, als ich neben dem Leichnam des Mannes, den ich in den Kerkern der Warhoon getötet hatte, fast den Verstand verlor. Funkelnde Augen hatten mich aus der Dunkelheit angestarrt und das Ding, das einst ein Mann gewesen war, von mir fortgeschleppt. Ich hatte gehört, wie sie ihn über den Gefängnisboden zu ihrem schrecklichen Festmahl schleiften.