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»Gemacht, Broadhead«, sagte er schließlich, »aber wir haben keine drei Stunden Zeit. Dieser Witzbold Herter fängt in ungefähr neunzig Minuten wieder an. Wir müssen vorher fertig sein.«

»Um so besser«, meinte ich. »Also, wo finde ich das Büro der Gateway-Gesellschaft?«

»Nordseite der Spindel«, sagte er. »In einer halben Stunde machen die zu.«

Um so besser, dachte ich noch einmal, sprach es aber nicht aus. Ich zerrte Bover hinter mir her und tänzelte durch den Tunnel zu der großen spindelförmigen Höhle, die als Zentrale diente, und wir kämpften uns durch ins Zimmer der Startleiterin.

»Sie werden eine offene Leitung zur Erde brauchen, damit ich mich ausweisen kann«, sagte ich zu ihr. »Ich bin Robin Broadhead, und hier ist mein Daumenabdruck. Das ist Hanson Bover – wenn Sie so gut sein wollen, Bover …« Er presste seinen Daumen neben mir auf die Tafel. »Jetzt sind Sie dran«, sagte ich dann.

»Ich, Allen Bover«, leierte er herunter, »ziehe hiermit meinen Einspruch gegen Robin Broadhead, die Gateway-Gesellschaft und andere zurück.«

»Danke«, sagte ich. »Also, Chefin, während Sie sich das bestätigen lassen, lege ich hier für Ihre Unterlagen eine schriftliche Fassung dessen vor, was Bover eben gesagt hat, und einen Flugplan dazu. Nach meinem Vertrag mit der Gateway-Gesellschaft, der in Ihrem Computer gespeichert ist, habe ich das Recht, in Verbindung mit der Herter-Hall-Expedition die Gateway-Anlagen zu benutzen. Das werde ich tun, und zu diesem Zweck brauche ich das Schiff der Klasse Fünf, das derzeit bei Ihnen steht. Sie werden aus dem Flugplan ersehen, dass ich vorhabe, zum Hitschi-Himmel zu fliegen und von dort aus zur Nahrungsfabrik, wo ich Peter Herter daran hindern werde, der Erde weiteren Schaden zuzufügen. Außerdem rette ich die Herter-Hall-Gruppe und bringe wertvolle Gateway-Informationen für Verarbeitung und Gebrauch mit. Und ich möchte im Lauf der nächsten Stunde starten«, schloss ich mit Nachdruck.

Nun, eine Minute lang sah es ganz so aus, als sollte es klappen. Die Startleiterin betrachtete die Daumenabdrücke auf der Registriertafel, griff nach der Spule mit dem Flugplan und wog ihn in der Hand, dann starrte sie mich einen Augenblick lang mit offenem Mund an. Ich konnte das Pfeifen des flüchtigen Gases hören, das sie in den Heizmotoren benutzten; der Carnot-Kreislauf leitete es unter den Fresnel-Linsen hindurch zu den abgedeckten artischockenförmigen Reflektoren direkt über uns. Ich hörte sonst gar nichts. Dann seufzte sie und sagte: »Senator Praggler, haben Sie das alles mitbekommen?«

Und hinter ihrem Schreibtisch ertönte plötzlich Pragglers Bass.

»Darauf können Sie sich verlassen, Milly. Sagen Sie Broadhead, daraus wird nichts. Er bekommt das Schiff nicht.«

Es waren die drei Tage Transitflug, die mich geschafft hatten. Automatisch wurde die Identität aller Passagiere über Funk im Voraus gemeldet, und die Offiziellen hatten gewusst, dass ich kam, bevor die Fährrakete Französisch-Guayana überhaupt verlassen hatte. Es war nur dem Zufall zu verdanken, dass es Praggler war, der mich in Empfang nahm; selbst wenn er nicht zur Stelle gewesen wäre, hätten sie Zeit genug gehabt, sich von der Zentrale in Brasilia Anweisungen geben zu lassen. Ich glaubte eine Weile, Praggler überreden zu können. Das ging nicht. Ich brüllte ihn dreißig Minuten an und flehte die nächste halbe Stunde. Nutzlos.

»An Ihrem Flugplan ist nichts auszusetzen«, gab er zu. »Was nicht in Ordnung ist, sind Sie. Sie haben kein Recht, Gateway-Anlagen zu benützen, weil die Gateway-Gesellschaft Sie gestern, während Sie in einer Umlaufbahn waren, enteignet hat. Selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, würde ich Sie nicht fliegen lassen, Robin. Sie sind persönlich zu stark beteiligt. Ganz zu schweigen davon, dass Sie für solche Dinge zu alt sind.«

»Ich bin ein erfahrener Gateway-Pilot!«

»Sie sind ein erfahrenes Brechmittel, Robin. Und vielleicht auch ein bisschen verrückt. Was, glauben Sie, könnte ein Einzelner im Hitschi-Himmel ausrichten? Nein. Wir benutzen Ihren Plan. Wir bezahlen Ihnen sogar Tantiemen dafür  – wenn er erfolgreich ist. Aber wir machen es richtig, von Gateway aus, mit mindestens drei Schiffen, zwei voll junger, gesunder, bis an die Zähne bewaffneter Draufgänger.«

»Senator«, flehte ich, »lassen Sie mich fliegen! Wenn Sie den Computer nach Gateway bringen, dauert es Monate … Jahre!«

»Nicht, wenn wir ihn mit dem Fünfer-Schiff hinaufschicken«, sagte er. »Sechs Tage. Dann kann es sofort wieder starten, im Konvoi. Aber nicht mit Ihnen. Allerdings«, fügte er vernünftig hinzu, »bezahlen wir Sie auf jeden Fall für den Computer und das Programm. Geben Sie sich damit zufrieden, Robin. Lassen Sie andere die Risiken übernehmen. Ich sage das als Ihr Freund.«

Nun, er war mein Freund, und wir wussten es beide, aber vielleicht doch kein solcher Freund mehr wie vorher, nachdem ich ihm erklärt hatte, was er mit seiner Freundschaft tun könne. Schließlich zog Bover mich weg. Ich sah den Senator zuletzt an der Schreibtischkante sitzen und mir nachstarren, das Gesicht immer noch puterrot vor Zorn, ein Ausdruck in den Augen, als wollte er weinen.

»Das ist Pech, Mr. Broadhead«, sagte Bover mitfühlend.

Ich holte tief Luft, um auch ihm Bescheid zu sagen, dann beherrschte ich mich gerade noch. Es war sinnlos.

»Ich besorge Ihnen einen Flugschein zurück nach Kourou«, sagte ich.

Er lächelte und zeigte vollkommen geformte Zähne – er hatte von dem Geld etwas für sich ausgegeben.

»Sie haben mich reich gemacht, Mr. Broadhead. Ich kann meinen Flug selbst bezahlen. Außerdem bin ich noch nie hier gewesen und werde kaum noch einmal herkommen, deshalb möchte ich noch bleiben.«

»Wie Sie wollen.«

»Und Sie, Mr. Broadhead? Was haben Sie für Pläne?«

»Gar keine.« Mir fielen auch keine ein. Meine Programmierung war abgelaufen. Ich kann keinem Menschen erklären, wie leer man sich da fühlt. Ich hatte mich aufgerafft zu einem weiteren Flug mit einem Hitschi-Rätselschiff – nun, es war wohl kein solches Rätsel mehr wie damals, als ich von Gateway aus auf Erkundungsfahrt gegangen war. Aber trotzdem eine recht erschreckende Aussicht. Ich hatte bei Essie einen Schritt getan, vor dem ich mich lange gefürchtet hatte. Und alles für nichts.

Ich starrte reumütig durch den langen, leeren Tunnel, der zu den Docks führte.

»Vielleicht schieße ich mir den Weg frei«, sagte ich.

»Mr. Broadhead! Das ist … das ist …«

»Ach, keine Sorge. Das mache ich nicht, vor allem deshalb nicht, weil alle Waffen, von denen ich weiß, schon im Fünfer-Schiff verladen sind. Und ich bezweifle, dass man mich hineinlässt, damit ich mir eine hole.«

Er starrte mir ins Gesicht.

»Hm«, meinte er zweifelnd, »vielleicht möchten Sie auch ein paar Tage hier …«

Dann veränderte sich seine Miene.

Ich sah es kaum; ich fühlte, was er fühlte, und das genügte, um meine ganze Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Der alte Peter lag wieder im Kokon. Schlimmer als je zuvor. Es waren nicht nur seine Träume und Hirngespinste, die ich erlebte – die jeder spürte, der lebendig war. Es war Qual. Verzweiflung. Wahnsinn. Ein grauenhaftes Druckgefühl an den Schläfen, ein flammender Schmerz, der von Armen und Brust hochloderte. Meine Kehle war trocken, dann wund von säuerlichen Klumpen, als ich mich erbrach.

Noch nie war etwas in dieser Art von der Nahrungsfabrik gekommen.

Aber im Kokon war vorher auch noch niemand gestorben. Es hörte nicht nach einer Minute auf, auch nach zehn nicht. Ich saugte verzweifelt und gierig Luft in die Lungen. Wie Bover auch. Wie alle anderen. Die Qual hielt an, und jedes Mal, wenn sie eine bestimmte Stärke erreicht zu haben schien, gab es eine neue Explosion von Schmerzen, und die ganze Zeit über das Entsetzen, die Wut, das furchtbare Elend eines Mannes, der wusste, dass er starb, und es hasste.