Выбрать главу

»Ich würde deine Hand halten, wenn du Schmerzen hast, Robin.«

»Natürlich würdest du das. Aber würdest du das nonverbale Zeug verstehen? Das innere, schweigende ›Ich‹ spricht in Symbolen. Träume. Freudsche Versprecher. Unerklärliche Abneigungen. Ängste. Bedürfnisse. Zucken und Zwinkern. Allergien – alle diese Dinge, Essie, und noch tausend andere, wie Impotenz, Kurzatmigkeit, Juckreiz, Schlaflosigkeit. Ich will damit nicht sagen, dass ich an all diesen Dingen leide …«

»Sicher nicht an allen!«

»… aber sie gehören zu dem Wortschatz, den Sigfrid lesen konnte. Ich kann es nicht und du auch nicht.«

Essie seufzte und nahm die Niederlage hin. »Dann bleibt nur noch Plan B«, schlug sie vor. »Albert! Mach das Licht an! Komm herein!«

Langsam gingen die Lichter an, und Albert Einstein trat durch die Tür. Er reckte und streckte sich nicht wirklich, erweckte aber trotzdem den Eindruck eines ältlichen Genies, das eben aus den Federn gekrochen war und nun für alles bereit war; aber noch nicht ganz wach. »Hast du den Fotoaufklärer gechartert?«, fragte Essie.

»Er ist schon unterwegs, Mrs. Broadhead«, gab er Bescheid.

Mir kam es so vor, als hätte ich dem Unternehmen eigentlich noch nicht zugestimmt, aber vielleicht doch. »Und«, fuhr sie fort, »sind alle Meldungen abgeschickt, wie vereinbart?«

»Alle, Mrs. Broadhead.« Er nickte. »Wie Sie es angeordnet hatten. An alle hochstehenden Persönlichkeiten im militärischen Bereich oder in der Regierung der Vereinigten Staaten, die Robin einen Gefallen schuldig sind, mit der Bitte, sie möchten ihre Beziehungen darauf verwenden, dass die Leute im Pentagon uns mit Dolly Walthers sprechen lassen.«

»Ja. Das ist, was ich angeordnet habe«, stimmte ihm Essie zu. Dann wandte sie sich mir zu. »Du siehst, jetzt gibt es nur noch diesen Weg. Geh und finde Dolly! Geh und finde Wan! Geh und finde Klara!« Ihre Stimme klang fest, aber ihr Ausdruck war plötzlich nicht mehr so zuversichtlich und sehr verwundbar. »Dann werden wir sehen, Robin. Alles Glück für uns alle.«

Sie war so schnell, dass ich ihr nicht folgen konnte. Meine Augen fielen mir vor Überraschung fast heraus. »Essie! Was geht hier vor? Wer hat gesagt …«

»Das war ich, liebster Robin! Ich kann nicht fertig werden mit Klara als Geist im Unterbewusstsein. Vielleicht, wenn die echte, lebende Klara dir gegenübersteht. Das ist der einzige Weg, korrekt?«

»Essie!« Ich war tief erschüttert. »Du hast diese Meldungen geschickt? Du hast meine Unterschrift gefälscht?«

»Moment mal. Robin! Warte!«, erwiderte sie, nun ihrerseits erschüttert. »Was heißt gefälscht? Ich habe die Meldungen mit ›Broadhead‹ unterschrieben. Das ist doch mein Name, oder nicht? Habe ich das Recht, meinen Namen unter etwas zu setzen, ja oder nein?«

Ich sah sie nur frustriert an. Völlig frustriert. »Weib«, sagte ich, »du bist zu gerissen für mich, weißt du das? Woher hab’ ich nur die Ahnung, dass du jedes Wort unserer Unterhaltung schon kanntest, ehe sie stattfand?«

Selbstzufrieden zuckte sie mit den Schultern. »Schließlich bin ich Informationsspezialistin, liebster Robin, und kann mit Informationen umgehen, besonders nach fünfundzwanzig Jahren an dem Objekt, das ich sehr liebe und glücklich sehen will. Ich habe angestrengt nachgedacht, was zu tun ist und was du erlauben wirst, dann habe ich die logischen Schlussfolgerungen gezogen. Ich würde noch viel mehr tun. Wenn nötig, Robin«, schloss sie. Dann stand sie auf und reckte sich. »Ich würde tun, was am besten für dich ist, sogar für sechs Monate weggehen oder so, damit du und Klara eure Probleme lösen könnt.«

Nach zehn Minuten hatte Albert die Erlaubnis zum Abflug erhalten, während Essie und ich uns wuschen und anzogen. Die Wahre Liebe flitzte aus ihrer Andockgrube, und wir waren auf dem Weg zum Hohen Pentagon.

Meine liebe Frau, Essie, hatte viele Tugenden. Eine davon war eine Uneigennützigkeit, dass mir die Luft wegblieb. Eine andere war ihr Sinn für Humor, den sie manchmal in ihre Programme einbaute. Albert war wie ein forscher Pilot gekleidet: Lederkappe mit flatternden Ohrenklappen, weißer Richthofenschal, den er wie der Rote Baron um den Hals geschlungen trug. So saß er auf dem Pilotensitz und beobachtete wild entschlossen die Armaturen. »Du kannst dir das sparen, Albert«, bemängelte ich.

Er drehte den Kopf und lächelte dümmlich. »Ich wollte dich nur unterhalten«, gab er vor und nahm die Lederkappe ab.

»Ist dir auch voll gelungen.« Ich hatte mich wirklich amüsiert. Alles in allem fühlte ich mich gut. Man konnte eine durch ungelöste Probleme entstandene niederschmetternde Depression nur so bekämpfen, dass man sich den Problemen stellte – auf die eine oder andere Weise –, und das jetzt war eine Weise. Ich wusste die liebevolle Fürsorge meiner Frau zu schätzen. Ich schätzte auch die Art, wie mein neues Schiff dahinglitt. Ich schätzte sogar die geschickte Art und Weise, mit welcher der holographische Albert sich seiner Kappe und seines Schals entledigte. Sie verschwanden nicht einfach. Er rollte sie zusammen und verstaute sie zwischen den Beinen. Ich nehme an, er wartete mit dem Verschwindenlassen, bis niemand hinschaute. »Ist deine ganze Konzentration nötig, um das Schiff zu fliegen, Albert?«, fragte ich.

»Nein, eigentlich nicht«, antwortete er. »Es hat ein automatisches Navigationsprogramm.«

»Dann ist also deine Anwesenheit lediglich ein weiterer Versuch, mich bei guter Laune zu halten? Warum versuchst du nicht etwas anderes? Plaudere mit mir! Erzähl mir etwas von den Dingen, mit denen du so gerne angibst. Du weißt schon! Kosmologie, die Hitschi, der Sinn des Ganzen und Gott.«

»Wenn du meinst«, sagte er ergeben. »Aber vielleicht möchtest du vorher noch diese Nachricht sehen, die gerade hereingekommen ist.«

Essie sah aus der Ecke zu mir herüber. Sie ging gerade die gesammelten Kundenkommentare durch, als Alberts Starfoto vom großen Schirm verschwand. Jetzt stand dort:

Robinette, mein Junge, für einen Kerl, der die Brasilianer dazu gebracht hat, sich auf den Rücken zu legen und totzustellen, ist nichts unmöglich. Das Hohe Pentagon ist über deinen Besuch informiert und angewiesen, dir jeden Gefallen zu tun. Die Bude gehört dir.

Manzbergen.

»Bei Gott!«, rief ich überrascht und erfreut zugleich. »Sie haben es getan! Sie haben ihre Unterlagen zur Verfügung gestellt!«

Albert nickte. »Sieht so aus, Robin. Du kannst mit Recht auf deine Bemühungen stolz sein.«

Essie kam herüber und küsste mich in den Nacken. »Diese Bemerkung unterschreibe ich«, schnurrte sie. »Ausgezeichnet, Robin! Du bist ein Mann mit großem Einfluss!«

»Ach was«, wiegelte ich ab und grinste. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. Wenn die Brasilianer ihre Unterlagen über die Suche und Lokalisierung den Amerikanern überlassen hatten, konnten die Amerikaner diese mit ihren eigenen Angaben kombinieren und einen Weg finden, um mit den verdammten Terroristen und ihrem Wahnsinn verbreitenden TPSE da draußen im All fertig zu werden. Kein Wunder, dass General Manzbergen mit mir so zufrieden war! Ich war selbst mit mir zufrieden. Hier konnte man wieder mal sehen, dass man bei unüberwindlich erscheinenden Problemen nur eines entschieden anpacken muss, dann verschwinden auch alle anderen ganz von selbst … »Was?«

»Ich habe gefragt, ob du immer noch an einer Unterhaltung interessiert bist«, fragte Albert sehnsüchtig.

»Aber sicher. Warum nicht?« Essie saß wieder in ihrer Ecke, sah aber mehr zu Albert als auf ihre Berichte.