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M. Gloyner, 88-331

»Ich weiß nicht, wie man sie spült«, entschuldigte ich mich.

Sie sah mich von oben bis unten an.

»Sie sind Broadhead«, sagte sie. »Warum gehen Sie nicht nach Aphrodite?«

»Was ist Aphrodite – nein, warten Sie! Wie spült man das Ding da? Dann …«

Sie deutete auf einen Knopf an der Türkante, den ich für einen Lichtschalter gehalten hatte. Als ich ihn berührte, leuchtete der Boden der Schüssel auf, und nach zehn Sekunden war da nur Asche, dann gar nichts mehr.

»Warten Sie auf mich!«, befahl sie und verschwand in der Zelle. Als sie herauskam, sagte sie: »Aphrodite ist da, wo das Geld ist, Broadhead. Sie werden es brauchen.«

Sie zerrte mich mit. Aphrodite war ein Planet, wie ich zu begreifen begann. Ein neuer, den ein Schiff von Gateway II erst vor vierzig Tagen gefunden hatte, und ein großer dazu.

»Sie müssten natürlich Tantiemen abführen«, sagte sie. »Und bis jetzt hat man nichts Großes gefunden, nur das übliche Hitschi-Gerümpel. Aber es gibt tausende von Quadratmeilen zu erforschen, und es wird Monate dauern, bis die ersten Prospektoren von Gateway kommen. Wir haben erst vor vierzig Tagen Bescheid gegeben. Haben Sie Erfahrung mit heißen Planeten?«

»Heißen Planeten?«

»Ich meine, ob Sie je einen Planeten erforscht haben, der heiß ist?«

»Nein. Ich habe überhaupt keine Erfahrung. Ein Flug. Leer. Bin nicht einmal gelandet.«

»Schade. Aber viel zu lernen gibt es nicht. Kennen Sie die Venus? Aphrodite ist nur ein bisschen schlimmer. Der Primärkörper ist ein Fackelstern, und im Freien dürfen Sie sich nicht erwischen lassen. Aber die Hitschi-Anlagen sind alle unter dem Boden. Wenn Sie eine finden, haben Sie’s geschafft.«

Wir schnuppern nach euch im Gras von Orion,

wir graben nach euch mit den Hunden von Procyon,

aus Baltimore, Buffalo, Bonn und Benares

suchen wir euch bei Algol, Arcturus, Antares.

Wir finden euch mit der Zeit.

Kleine, verlor’ne Hitschi, seid bereit!

»Wie groß sind die Aussichten?«, fragte ich.

»Tja, vielleicht nicht so besonders. Bei der Suche nach Schätzen ist man ja im Freien. Auf der Venus benutzt man gepanzerte Luftkörper und kann sich ohne Probleme bewegen. Na, vielleicht nicht ganz ohne Probleme. Aber man verliert nur noch wenig Prospektoren. Vielleicht ein Prozent.«

»Und wie viel Prozent auf Aphrodite?«

»Mehr, ja, gewiss mehr. Sie müssen das Landefahrzeug verwenden, und das ist auf der Oberfläche eines Planeten nicht sehr beweglich. Vor allem auf einem Planeten mit einer Oberfläche wie geschmolzener Schwefel und mit Orkanwinden … wenn sie mild sind.«

»Klingt charmant. Warum fliegen Sie nicht?«

»Ich bin Beipilotin. In zehn Tagen fliege ich nach Gateway zurück, sobald Fracht da ist oder jemand zurückwill.«

»Ich will zurück.«

»Ach, Broadhead! Wissen Sie nicht, in welcher Patsche Sie stecken? Sie haben gegen die Vorschriften verstoßen, als Sie an der Hitschi-Konsole herumgepfuscht haben. Da gibt es keinen Pardon.«

Ich dachte gründlich nach, dann sagte ich: »Danke, aber ich glaube, das Risiko nehme ich auf mich.«

»Begreifen Sie denn nicht? Auf Aphrodite gibt es garantiert Hitschi-Objekte. Sie könnten hundert andere Flüge machen, ohne so etwas zu finden.«

»Schätzchen«, sagte ich, »ich könnte keine hundert Flüge machen, nicht jetzt und nicht später. Ich weiß nicht, ob ich auch nur einen machen kann. Ich glaube, ich habe den Mumm, nach Gateway zurückzufliegen. Mehr weiß ich nicht.«

Ich war insgesamt dreizehn Tage auf Gateway II. Am zwölften Tag kamen zwei Fünfer von Gateway, voll glücklicher, eifriger Prospektoren, alle mit der falschen Ausrüstung, weil die Nachrichten über Aphrodite Gateway noch nicht erreicht hatten. Es gab eine hübsche Abschiedsparty, und ich ging beinahe ungern weg. Ituno bot mir Reiswhisky an und empfahl mir noch einmal, mit gepanzerten Schiffen einen Flug nach Aphrodite zu versuchen.

»Nein«, antwortete ich.

»Banzai«, sagte er und trank. »Hören Sie, kennen Sie den alten Bakin?«

»Shicky? Klar. Mein Nachbar.«

»Grüßen Sie ihn von mir. Er ist ein feiner Kerl, aber Sie erinnern mich an ihn. Ich war dabei, als er seine Beine verlor; er wurde im Landefahrzeug eingeklemmt, als wir es absprengen mussten. Bis wir ihn nach Gateway brachten, war er ganz aufgedunsen und stank grässlich; wir hatten die Beine nach zwei Tagen amputieren müssen. Meine Arbeit.«

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»Er ist wirklich prima«, sagte ich nachdenklich und hielt ihm mein Glas hin. »He, was heißt, ich erinnere Sie an ihn?«

»Kann sich nicht entschließen, Broadhead. Er hat so viel Geld, dass er medizinischen Vollschutz erwerben könnte, und er kann sich nicht entschließen, es auszugeben. Wenn er es ausgibt, kann er seine Beine wieder haben und noch einmal hinausfliegen. Aber wenn er nichts findet, ist er bankrott. Dann bleibt er ein Krüppel.«

Ich stellte das Glas weg. Ich wollte nichts mehr trinken.

»Bis dann, Ituno«, sagte ich. »Ich gehe ins Bett.«

Auf dem Heimflug schrieb ich Briefe an Klara, von denen ich nicht wusste, ob ich sie je abschicken würde. Sonst gab es nicht viel zu tun. Hester Bergowiz, die Beipilotin, erwies sich als erstaunlich sexhungrig, aber das unterhält auch nur für eine gewisse Zeit, und da so viel Fracht ins Schiff gestopft worden war, blieb kaum Platz für etwas anderes. Die Tage waren alle gleich: Sex, Briefe schreiben, schlafen … und sich Gedanken machen.

Gedanken darüber, warum Shicky Bakin ein Krüppel bleiben wollte, was so viel hieß, wie sich Gedanken darüber machen, warum ich etwas Ähnliches wollte.

»Du siehst müde aus, Bob«, sagt Sigfrid.

Nun, das war verständlich genug. Ich war übers Wochenende auf Hawaii gewesen. Von meinem Geld steckte dort etwas im Tourismus, also konnte ich alles von der Steuer absetzen. Aber wenn man zurückkommt, gerät die innere Uhr durcheinander, und ich war erschöpft.

»Ich bin wirklich müde, Sigfrid«, sage ich, »aber wozu das Geplänkel? Komm lieber gleich auf meinen Ödipuskomplex.«

»Hast du einen gehabt, Bobby?«

»Hat den nicht jeder?«

»Willst du darüber sprechen, Bobby?«

»Nicht unbedingt.«

Wir warten. Sigfrid hat wieder einmal die Einrichtung verändert. Der Raum sieht jetzt aus wie das Zimmer eines Jungen vor vierzig Jahren. Ping-Pong-Schläger, gekreuzt, als Hologramm an der Wand. Ein imitiertes Fenster mit imitierter Aussicht auf die Rocky-Mountains von Montana im Schneesturm. Alles sehr gemütlich, aber keine Ähnlichkeit mit meinem Zimmer damals.

»Weißt du, worüber du sprechen willst, Rob?«, fragt Sigfrid.

»Gewiss.« Dann überlege ich. »Das heißt, nein. Ich bin mir nicht sicher.« Dabei weiß ich es doch. Auf dem Rückflug habe ich fast ununterbrochen geweint, außer, wenn mich die hübsche Stewardess ansah.

»Möchtest du einfach sagen, was du in diesem Augenblick empfindest, Bob?«

»Das würde ich sofort tun, wenn ich wüsste, was ich empfinde, Sigfrid.«