Выбрать главу

„Wenn ihr es so gut habt, daß eure Eltern einverstanden sind. Ich darf bestimmt nicht." „Wir dürfen auch nicht. Aber von uns aus kann kommen, was will. Wir fahren eben. Damit basta. Diesmal geht es nicht auf die Insel, sondern in die Taiga. Dort finden wir eher was." „Bestimmt", sagte Dimka gedehnt. „Fragt sich bloß, was. Ich dachte, wir hatten beschlossen, auf der Insel zu bleiben. Schön, fahren wir für zwei Tage, dann setzt es wenigstens was, und dann war alles umsonst."

„Wie meinst du das?" 

„Nur so."

„Nein, sag, wieso war dann alles umsonst?" beharrte Petka.

„Wieso, wieso." Dimka zog behutsam einen Dreirubelschein heraus und legte ihn neben sich ins Gras. „Weil ihr nur hinter diesem Mädchen her seid. Da habt ihr ja das richtige Dornröschen gefunden."

„Sag das noch einmal." 

„Denkst du, ich traue mich nicht?"

„Na los!"

„Dornröschen."

„Los, noch mal!"

„Dorn..."

Batz! Dimkas Sparbüchse flog ins Gras. Er sprang zur Seite. Dann überkam ihn die Scham, weil er ausgewichen war, und er stürzte sich auf Petka. Ihre Fäuste prallten aufeinander, in den Fingern knackten die Knöchel. Vor Schmerz verdoppelten beide ihre Kräfte. Wie irrsinnig hämmerten sie aufeinander los und fuchtelten blindlings mit den Armen, als wäre es ein Gefecht auf Leben und Tod. Alle Regeln eines ehrlichen Kampfes waren vergessen. Dimka versetzte Petka einen Tritt. Petka packte seinen Gegner am Hals. Als staubbedecktes Knäuel wälzten sich die ehemaligen Freunde auf der Erde. Jurka fühlte sich verpflichtet, einzugreifen. Er bekam einen von Dimkas Füßen zwischen die Finger und zog aus Leibeskräften daran. Zur Strafe erhielt er einen Tritt gegen das Schienbein. Hierauf versuchte er, die beiden Raufbolde an den Schultern auseinanderzuzerren, aber auch dies ohne Erfolg. Er steckte nur einen Nasenstüber ein. Nun verlor er die Geduld. Er wollte Dimka einen Tritt versetzen, traf aber Petka. Das brachte ihn zur Weißglut. Er wandte sich ab und trat beiseite.

Den beiden Kämpen ging die Puste aus. Sie mußten die Balgerei unterbrechen und hielten sich nur gegenseitig an den Händen. So lagen sie mitten auf dem Weg.

„Willst du das noch einmal sagen?" keuchte Petka heiser.

„Dorn...", röchelte Dimka.

Schon wälzten sich Beine und Köpfe wieder im Staub.

Es war alles sehr schnell gegangen.

Auf einmal spürte Petka, daß ihn jemand hochzog.

Ohne Überlegung stieß er zu und traf in etwas Weiches.

„Womit habe ich das verdient?" hörte er eine vertraute Stimme fragen. Viktor Nikolajewitsch, der Lehrer! „Issajew?"

Natürlich Issajew. Eine winzige Kleinigkeit nur brauchte dieser Issajew auszufressen, schon stand garantiert Viktor Nikolajewitsch vor ihm. War es da ein Wunder, wenn Petka auf den Gedanken kam, daß der Lehrer ihn heimlich verfolgte?

„Ich komme nicht wieder in die Schule", schrie er zornig. „Ich gehe ab. Warum spionieren Sie hinter mir her? Jetzt sind Ferien."

Viktor Nikolajewitsch nahm sich zusammen und entgegnete sanft: „Ich spioniere dir nicht nach. Ich kam zufällig vorbei. Da sah ich, wie ihr euch prügeltet."

Abermals fühlte sich Jurka veranlaßt, einzuschreiten. „Das war keine Prügelei, Viktor Nikolajewitsch. Sie hatten einen Streit, wer der Stärkere ist. Dann haben sie es ausprobiert."

Viktor Nikolajewitsch blickte von einem zum andern. Er dachte: Laufen mir Schüler über den Weg, ist todsicher dieser Issajew dabei. Was kann ich ihm sagen? Daß man sich nicht rauft? Als ob er das nicht selber wüßte. Soll ich ihm drohen? Aber womit, wenn er schon von sich aus bereit ist, die Schule zu verlassen?

Nie zuvor hatte Viktor Nikolajewitsch so brennend wie jetzt gewünscht, dem sonderbaren Burschen ein paar passende Worte zu sagen, damit er ihn verstand und nicht immer nur böse anstarrte. Er dachte: Issajew weiß sehr gut, was recht ist und was nicht, aber er ist noch ein Junge; jeder Junge tut gelegentlich, was er nicht tun dürfte.

Der Lehrer Rjabzew suchte nach den passenden Worten und fand sie nicht. Da eilte ihm der ehemalige Schüler Rjabzew zu Hilfe.

Der sprach aus ihm, als er sagte: „Soll das ein Ringkampf sein? Ihr müßt euch an die Regeln halten. Sobald einer auf den Schulterblättern liegt, ist der Kampf entschieden. Ihr habt beide schon mehrmals verloren. Meint ihr, ich hätte nicht gesehen, wie ihr euch auf der Straße wälztet?"

Die drei Jungen blickten erstaunt ihren Lehrer an. Begriff er wirklich nicht, daß es eine Rauferei gewesen war?

„Wir müssen also herausbekommen, wer von euch als erster unten lag", fuhr Viktor Nikolajewitsch beflissen fort. „Ich war noch etwas weit weg, daher konnte ich es nicht recht erkennen. Vielleicht hat Alenow besser gesehen?"

„Ich glaube, Dimka", meinte Jurka.

Petka, der unter keinen Umständen der Unterlegene sein wollte, knurrte bissig: „Ja, er." 

„Nein, du", brauste Dimka auf, „du bist zuerst auf den Rücken gefallen." 

„Versucht es noch einmal, ich bin der Schiedsrichter", schlug der Lehrer vor. 

Petka und Dimka hatten ihr Mütchen gekühlt und auch genügend blaue Flecke, aber Viktor Nikolajewitsch tat, als wüßte er das nicht. Die beiden nahmen Aufstellung. Jeder legte dem andern die Hände auf die Schultern und schielte ihn von unten her an. Keiner wollte zu Boden gehen, doch die Griffe waren jetzt sanft, sie sollten nicht verletzen. Der Friede schien nicht mehr fern.

Eine Zeitlang stampften die Ringer auf der Stelle. Als Dimka stürzte, nahm er Petka mit. Wieder wälzten sie sich im Staub. Petka versuchte, sich über Dimka zu schieben. Ein Schulterblatt berührte schon die Erde, da riß sich Dimka los. Petka gab die letzten Kräfte her, kam auf den Gegner zu liegen und drückte ihn zu Boden.

,,Es war nicht richtig", rief Dimka, indem er sich schüttelte. „Man konnte noch eine Hand unter die Schulterblätter schieben. Ich habe eine Brücke gemacht."

„Dimka, das stimmt nicht", entschied Viktor Nikolajewitsch. „Es hat alles seine Richtigkeit. Nach den Regeln bleibt es aber nicht bei einer Partie. Ehe man weiß, wer wirklich der Stärkere ist, müssen etwa fünf Kämpfe ausgetragen werden. Nun, für den Rest braucht ihr mich nicht mehr."

„Es sollte doch gar kein Ringkampf sein", murmelte Petka.

Der Lehrer lächelte. „Auf Wiedersehen, Champion." Er ging mit großen Schritten weiter. Die Jungen blickten ihm schweigend nach.

„Na, Dimka, was ist, bleibst du auch für zwei Tage?" fragte Jurka. 

„Was denn sonst? Wenn wir Pech haben, dann alle zusammen." 

Petka scharrte mit dem Absatz auf der Erde. „Beruhige dich, wir werden kein Pech haben."

„Wie du ihn immer ansiehst", sagte der friedfertige Dimka zu Petka. „Richtig giftig. Dabei ist er gar nicht so. Nur noch sehr jung und unerfahren. Wenn er Erfahrung hätte, würden wir uns bei ihm nicht zu mucksen wagen."

„Also, worauf warten wir? Dort liegt deine Sparbüchse. Ist sie kaputt?" „Wennschon", sagte Dimka. 

XI Die Expedition bricht auf

Als die drei das Lager erreichten, sahen sie, daß der Traktor das Bretterhäuschen bereits fortgezogen hatte. Arbeiter waren damit beschäftigt, die Habseligkeiten der Expedition in Kisten und Säcken zu verstauen. Was sie fertig verpackt und verschnürt hatten, wurde auf die Pferde geladen. Dann ging es zu zweit oder dritt ein Stück in die Taiga. Auf der Lichtung erblickten die Jungen mehrere Akkumulatoren, die mit Schutzhüllen versehenen Geräte, einen verrußten Ofen. Die Zelte waren bereits abgebrochen. Lediglich die rechtwinkligen Flecke des gelben, niedergedrückten Grases erinnerten daran, wo sie gestanden hatten.