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»So«, sagte der Arzt. Er sah Phil scharf in die Augen. »Ich glaube nicht, daß ich Ihnen trauen soll. Ich werde Sie auf die Probe stellen.« Er nahm den Klingelknopf aus Phils Hand und drückte. Nach kurzer Zeit trat Schwester Berthe ein.

»Helfen Sie mir!« sagte er. »Wir drehen das Bett!«

Als ihn Schwester Berthe erstaunt ansah, sagte er unfreundlich:

»Gaffen Sie nicht! Packen Sie zu!«

Grob schob er das Gestell herum, bis es an jener Wand lag, in der die Mattscheibe des Videofons saß. Phils Kopf war etwa einen Meter davon entfernt und genau darauf gerichtet.

Dr. Myer drehte die Wählscheibe. Das regelmäßige Tuten erscholl.

»Beobachten Sie den Videoschirm gut«, sagte er. »Ich denke, es wird Ihnen helfen, die Tatsachen im rechten Licht zu sehen.«

Er winkte der Schwester, mit ihm zu kommen, als er zur Tür trat. Gleich darauf war Phil wieder allein.

13

Abel hätte Austin fast übersehen. Er hockte mit angezogenen Beinen, das Kinn auf die Knie gestützt, an der Seitenwand des Vorratsmagazins.

»Was ist los mit dir?« fragte Abel.

Austin wandte ihm das Gesicht zu – ein bleicher Fleck in der Schattenzone; er sagte nichts.

»Ich habe dich gesucht«, sagte Abel. »Wo hast du deinen Sprengstoff?«

Austin zuckte die Schultern.

»Es gibt keinen Sprengstoff. Du hast recht gehabt.«

»Und was hast du jetzt vor?«

»Nichts. Ist der Major tot?«

»Nein«, sagte Abel. »Es hat keinen Sinn mehr.«

»Es hatte nie Sinn.«

»Vielleicht hatte es auch früher keinen Sinn. Aber ich hatte fest daran geglaubt. Und jetzt ... wenn ich es mir überlege: Wie sollen wir überhaupt wissen, was Sinn hat und was nicht.«

Sie schwiegen einige Sekunden. Drüben erschien ein Wachtposten, ging die Straße entlang und bog dann hinter die Ecke einer der gegenüberliegenden Baracken.

»Wir können nicht mehr zurück«, sagte Abel. »Sie haben eine Stubeninspektion gemacht.«

»Wieso weißt du das?«

»Ich weiß es eben.«

»Und was willst du nun tun?«

»Nichts. Wie du.«

Austin stand auf.

»Abel«, bat er, »versuchen wir es noch einmal. Zusammen.«

»Was?« fragte Abel, obwohl er die Antwort schon wußte.

»Ausbrechen. Durch das Loch im Gang. Vielleicht geht es doch, ohne zu sprengen. Es gibt da einen Block ... eine Engstelle. Wenn wir gemeinsam...«

»Schon gut«, unterbrach ihn Abel. »Mir soll’s recht sein. Ich komme mit.«

»Moment«, flüsterte Austin. »Warte!«

Er tauchte in der Dunkelheit unter. Nach einer Weile kam er wieder. Er trug eine schwere Stange. »Es ist der Mittelpfeiler eines Zehnmannzeltes«, erklärte er. »Wir können ihn als Brechstange benutzen. Und zwei Taschenlampen habe ich auch eingesteckt. Wir werden sie brauchen. Komm!«

Sie liefen zum Maschinenhaus, durch das Tor in den Korridor, die Lichterreihe entlang und dann in den dunklen Gang, die Stiegen hinauf, ohne daß sie jemand hinderte.

Austin schlüpfte in das Loch zwischen den Felsen.

»Reich mir die Stange«, rief er.

Abel schob sie nach, und Austin dirigierte sie von innen an die richtige Stelle, dann kam er wieder heraus. Sie legten die Lampen so auf einige Steinbrocken, daß ihre Lichtkegel die Szenerie einigermaßen gut beleuchteten, und stemmten sich dann gegen die Stange. Sie ragte in Kniehöhe, leicht nach oben gerichtet wie eine Wagendeichsel zwischen den Felsen hervor.

»So geht das nicht«, sagte Abel. Er sah sich abwägend um, dann setzte er sich auf die Erde, die Füße gegen die Mauer und gegen die Stange gestemmt. Austin setzte sich in gleicher Haltung daneben.

»Los!«

Das Material der Zeltstange war elastisch und äußerst bruchfest. Sie bog sich, wippte zurück, bog sich wieder ... Knirschen, Gepolter, Staub quoll aus den Felsritzen wie Dampf.

Austin wollte sofort in den Hohlraum tauchen, aber er kam unverzüglich hustend und spuckend wieder zurück.

Sie mußten warten.

Abel hob die Taschenlampe auf und schaute sich ein wenig um.

»Sieht aus wie ein natürliches Gestein«, sagte er und folgte mit dem Lichtschein den braunroten Adern. Vom Boden hob er einen Felssplitter und kratzte damit an der Wand. »Eruptivgestein, kein Sediment«, fügte er hinzu.

»Dieser Gang wurde in die Erde gesprengt«, meinte Austin. »Hier ist die Spur eines Sprengloches.« Mit dem Finger folgte er der glatten, konkaven Rinne.

Abel hatte sich auf einen Felsvorsprung gestellt, um die Wand weiter oben zu betrachten.

»Ich habe den Eindruck, daß es hier wärmer ist«, sagte er. »Spürst du es auch?«

Austin streckte sich und legte die Handflächen auf die rauhe, schwarze, fein kristalline Fläche.

»Du kannst recht haben. Und was ist das?« Aus einer Nische zog er ein Kästchen von der Größe und Form eines Mauerziegels. Die Kanten waren mit schwarzem Metall verkleidet, die Seitenflächen mit Kunststoff belegt. Aus einem Ansatzstück lief ein von einer Metallspirale umschlossenes Kabel, das zu einem Tubus führte. Sonst war nichts Auffälliges daran, auch kein Schalter und kein Knopf, nur zwei Vertiefungen, in denen eingesenkte Schrauben steckten.

»Was kann das zu bedeuten haben?« fragte Abel.

»Keine Ahnung«, sagte Austin. »Der Staub hat sich verzogen. Machen wir weiter!«

Wieder versuchte er, in das Schlupfloch einzudringen, doch es war durch Felstrümmer beengt, die er erst entfernen mußte. Er kniete nieder und rollte zuerst die größeren Steine heraus, dann scharrte er den Schutt mit den Händen beiseite. Sobald die Öffnung so weit geworden war, daß sein Körper Platz hatte, drang er ein und schob größere Stücke von vorn seitwärts am Körper vorbei gegen seine Beine, wo sie Abel in Empfang nahm und aus dem Weg räumte. So arbeiteten sie eine halbe Stunde, dann kam Austin ächzend heraus.

»Lös mich ab – ich muß mich etwas erholen.«

Abel nahm seine Taschenlampe und zwängte sich in das Loch. Es war ein enger schmaler Schlauch, in dem er gerade noch Platz hatte. Als er den Kopf heben wollte, um nach vorn zu sehen, schlug er heftig an einen Felsblock der Decke an. Er mußte den Kopf gesenkt halten und konnte nur mühsam dorthin sehen, wo er arbeiten sollte. Es gab noch eine Menge Material wegzuräumen, und er angelte mühsam nach den Steinen, die nur wenige Zentimeter vor seiner Nase lagen.

Er spürte, wie sich am Hinterkopf eine Beule bildete. Zuerst schmerzte sie, es schmerzten die verkrampften Muskeln, es schmerzten die Ellbogen und Knie, in die sich spitze Steine bohrten. Dann ließen die Schmerzen allmählich nach, er kam in Hitze, er wurde zu einer Maschine, die nichts mehr spürte und nichts mehr dachte, die nur scharrte und grub wie ein Bagger oder ein Pflug.

Zentimeter um Zentimeter mußte er sich erkämpfen, aber er kam vorwärts. Als er den Strahl der Taschenlampe, die er, um die Hände frei zu haben, mit dem Mund hielt, nach vorn richtete, befand sich der Deckel schon nahe vor ihm. Er streckte den Arm aus – und seine Finger lagen auf Metall. Dann versagten seine Kräfte, und er blieb einige Sekunden regungslos liegen.

»Was ist mit dir?« fragte Austin.

»Zieh an meinen Beinen«, stöhnte Abel. »Meine Lampe lasse ich für dich hier.«

Austin tat es, und Abel half mit den Händen, so gut es ging. Er mußte erst seinen fliegenden Atem beruhigen, ehe er zu reden vermochte.

»Es fehlt nicht mehr viel. Ich konnte den Verschluß schon berühren ... vielleicht noch zehn Minuten Arbeit.«

Austin war nicht zu halten. Er schob sich in die Öffnung, und Abel hörte ihn rumoren.

Allmählich gewann Abel seine Kräfte wieder. Er kniete an der Pforte nieder und versuchte, innen etwas zu erkennen. Austin steckte schon weit vorn.

»Unmittelbar vor dem Deckel ist eine Erweiterung«, rief er. »Man kann sich aufsetzen. Ich schiebe noch ein paar Brocken hinaus, dann habe ich hier mehr Platz.«