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In diesem Dilemma von Meinungen und Gegenmeinungen haben wenige klaren Kopf behalten. Der gesunde Menschenverstand verrät die Lösung selbst: Die alte Methode ist das beste. Warum künstlich verändern, was von Natur aus geregelt, und zwar gut geregelt ist? Der Kampf ist der Vater aller Dinge. Wir brauchen keine Geburtenbeschränkung und keine Eugenik. Wir überlassen die Kontrolle dem Kampf, der immer war und immer sein wird.

Es ist selbstverständlich, daß wir heute nicht mehr mit Knüppeln bewaffnet unter Bäumen aufeinander lauern. Wenn wir uns zum Natürlichen bekennen, und das heißt, wenn wir uns zum Kampf bekennen, dann haben wir dieses Natürliche nur richtig verstanden, wenn wir den Kampf auch mit den wirksamsten Mitteln führen, die uns jeweils zur Verfügung stehen. Wir haben aber längst erkannt, daß es dabei gar nicht so sehr auf die Mittel ankommt, sondern auf Waffen, Transportmittel und so weiter. Es kommt auf den Soldaten an, auf die Eigenschaften des Soldaten.

Die klassischen soldatischen Eigenschaften sind daher die beste Gewähr zum Überleben. Sie sind die günstigsten Merkmale im Sinn des Darwinschen Ausleseprinzips. Jeder verantwortungsbewußte Mensch, dem das Schicksal von anderen Menschen anvertraut ist, wird es sich daher zur höchsten Pflicht machen, Männer zu Soldaten zu erziehen, ihnen Disziplin, Ordnung, Gehorsam, Pflichtbewußtsein einzuimpfen, Ausdauer und Härte gegen sich selbst.

Einer der wichtigsten Grundsätze für die Erziehung des Soldaten beruht auf dem Pawlowschen Reflexverhalten. Pawlow stützte sich darauf, daß die Speicheldrüsen seiner Versuchshunde, wie die anderer Säugetiere, ihre Tätigkeit bei der Nahrungsaufnahme verstärkt aufnehmen; es rann ihnen sozusagen das Wasser im Munde zusammen. Nun ließ er einige Zeit hindurch stets gemeinsam mit dem Angebot der Nahrung ein Klingelsignal ertönen und stellte später fest, daß die Klingel allein, auch ohne daß er den Hunden zu fressen geben mußte, schon genügte, um die Speicheldrüsen anzuregen.

Dieses reflektorische Verhalten nützte Friedrich der Große schon lange vor Pawlow aus – durch den militärischen Drill. Wissenschaftlich gesehen, ist er das Hervorrufen eines reflektorischen Verhaltens auf ein Kommandowort hin. Nur dann, wenn dem Soldaten diese Verhaltensweise, die ohne Mitwirkung der Denkzentren des Gehirns vor sich geht, anerzogen ist, folgt er ohne Überlegen wie der Pawlowsche Hund dem Befehl. Wenn es sein muß, rennt er auf das auslösende Kommando hinein in die Maschinengewehrgarben und den Feuervorhang der Flammenwerfer. Erst wenn er soweit ist, hat er die höchste Stufe der soldatischen Einsatzfähigkeit erstiegen.

Selbstverständlich kann es Situationen geben, die denkbar ungünstig dafür sind, Systeme militärischer Ordnung zu errichten. Es wird aber nirgends völlig unmöglich sein. Die Mittel der modernen Chemie, Physik, Biophysik, Medizin und Technik werden immer und überall einen Ausweg aufzeigen.

Sie werden jetzt verstehen, warum ich sage: Der Kampf ist der Vater aller Dinge. Warum ich die Vorbereitung auf den Kampf als die größte Pflicht bezeichne und warum es das höchste Glück für einen Menschen bedeutet, Soldat sein zu dürfen. Soldat sein bedeutet, Träger der Verantwortung zu sein für eine unübersehbare menschliche Entwicklung in die Zukunft. Soldat sein bedeutet, das Höchste zu sein, dessen ein Mensch fähig ist!

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Bemerkungen des Herausgebers

›Unsere Heimat ist eine radioaktive Wildnis. Eine trübe Sonne erhebt sich alle zehn Tage über die Schroffenlinie des schwarzen Ringgebirges und streut ihr schwaches rotes Licht in den großen Krater, in dem wir unsere Siedlungen angelegt haben. Ohne Wärme zu hinterlassen, senkt sie sich nach drei Tagen unter den Horizont, und wir bleiben in der Finsternis zurück.

Es war nicht leicht, den Boden von den radioaktiven Glaskrusten zu befreien, deren Ursprung wir nicht kennen. Die Wissenschaftler halten es für möglich, daß hier einst eine Katastrophe stattgefunden hat, ähnlich jener auf unserem Stammplaneten, den man Erde nannte. Zwar hat man hier bislang keine Lebensspuren gefunden, aber das ist wohl auch nicht zu erwarten. Die physikalischen Vorgänge atomarer Kettenreaktionen sind in den hinterlassenen Schriften beschrieben und geben uns keine prinzipiellen Rätsel mehr auf. Viel weniger verständlich sind dagegen für uns die Beweggründe jener Menschen, die sie ausgelöst haben. Es ist möglich, daß das Dokument 7/12. (siehe Kap. 18), eine auf Magnetband aufgenommene Rede, der Schlüssel dazu ist, aber es ist bis heute noch nicht endgültig gedeutet worden.

Bis jetzt haben wir fünf annähernd kreisförmige Flächen freigelegt und dadurch Platz für unsere Häuser gewonnen. Seit neuestem sind alle fünf durch Seilbahnen verbunden, die sich weit genug über das ungesäuberte Gebiet erheben, um Sicherheit vor der Strahlung zu bieten. Das bedeutet einen gewaltigen Fortschritt gegenüber früher, als wir uns nur mit Schutzanzügen und Geigerzählern durch das Strahlungsfeld tasten konnten – auf engen, gewundenen, schlecht markierten Pfaden, die die Zonen der geringsten Radioaktivität miteinander verbanden. Wehe dem, der sich in der Dunkelheit verirrte! An einzelnen Stellen ist die Strahlung so stark, daß sie in Sekundenschnelle die Haut verbrennt. Jetzt dürfen sogar unsere Frauen die Nachbarsiedlungen besuchen – man braucht nur noch die Sauerstoffmaske aufzusetzen.

Diese Fortschritte dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, wie schwer wir noch daran zu arbeiten haben, um auf jene Zeit vorbereitet zu sein, zu der unsere Vorräte aufgebraucht sein werden. Das gilt weniger für die Energie: Spaltbares Material für den Reaktor bietet unsere Umgebung in genügendem Maß. Es gilt auch nicht für die Nahrungsmittel, denn die Kapazität unserer Synthetisiereinrichtung würde auch für 50000 Menschen, also das Zehnfache unserer Bevölkerung, Konzentrate in genügender Menge schaffen. Dagegen haben wir nur noch zehn Tonnen Kombiplast, und nach Ansichten unserer Chemotechniker besteht keine Aussicht, daß wir die Ausgangsstoffe dafür in absehbarer Zeit herstellen können. Gewisse Hoffnung verspricht dagegen die kühne Idee eines Baumeisters, mit der er vor kurzem hervorgetreten ist: Er schlägt vor, inaktives Gestein, wie wir es am Boden unserer Siedlungsflächen freigelegt haben, zerstückelt und zusammengekittet, als Baumaterial zu verwenden. Hoffen wir, daß sich diese Idee verwirklichen läßt! Noch schwieriger ist die Situation unserer Wasservorräte. Trotz der Regeneration, mit der wir auch die geringste verlorene Menge zu erfassen suchen, nehmen sie ständig ab – vor allem liegt es an der Verdunstung an der Oberfläche des menschlichen Körpers. Wir werden versuchen, Wasser aus Mineralien zu erzeugen, aber auch das ist bisher bloß im Labor möglich. Schlimm steht es schließlich mit der Luft; die Atmosphäre enthält nur wenig Sauerstoff. Wir besitzen zwar noch große Vorräte, aber trotzdem müssen wir auch hier danach streben, eine Synthesemethode zu entwickeln, denn unsere Bevölkerung steigt ständig, wir kommen schon jetzt mit der Säuberung und dem Bunkerbau kaum nach; jeder Bunker hat aber ein Fassungsvermögen von 300 Kubikmeter Luft, und trotz der laufenden Verbesserung der Schleusen geht immer wieder ein gewisser Prozentsatz davon verloren.

In Anbetracht dieser unserer Lage habe ich es für notwendig gehalten, eine Begründung für diese Veröffentlichung zu geben, die nicht nur Zeit, sondern auch Magnetband gekostet hat.

Neben meiner Arbeit als Traktorführer habe ich es übernommen, die Geschichte unserer Gemeinschaft aufzuzeichnen, eine Aufgabe, die, seit sie Gilbert gestellt hat, von meinen fünf Vorgängern und mir stets gewissenhaft erfüllt wurde. So besitzen wir heute einen Überblick von unserer Entwicklung seit der Befreiung. Ganz von selbst hat es sich dabei ergeben, daß wir uns gelegentlich auch der Vorzeit zuwandten – immer wieder traten Beziehungen zu jenen seltsamen Ereignissen auf, von denen wir wenig wissen und deren Sinn uns verschlossen blieb.