müde aussah wie die anderen. Wahrscheinlich, dachte er, hatte sich sein Beitrag an der Durchsuchung des Schiffes darin erschöpft, im Salon auf die Rückkehr der anderen zu warten. Argos warf ihm einen raschen Blick zu und fuhr fort: »Ich denke, wir können spätestens morgen Abend in See stechen.« Selbst Serena, die normalerweiseniean seinen Worten zweifelte, sah ungläubig auf. Trautman blinzelte. »Wie? «, fragte er. »Das Schiff ist vollkommen intakt«, bestätigte Argos. »Es gibt keinen Grund, noch länger auf dieser Insel zu bleiben.« »Vollkommen intakt?«, keuchte Trautman. »Entschuldigen Sie, aber als ich es das letzte Mal gesehen habe, da hatte es ein Loch im Heck, durch das man bequem mit einem Lastwagen fahren kann.« Das war übertrieben, aber in der Sache hatte Trautman natürlich Recht. Die NAUTILUS war alles andere als intakt. Trotzdem beharrte Argos mit einem energischen Kopfschütteln auf seiner Meinung. »Das hat nichts zu sagen, glauben Sie mir. Ich kenne dieses Schiff schon ein wenig länger als Sie. Es würde selbst noch schwimmen, wenn es durchlöchert wie ein Schweizer Käse wäre. Wir können mit dieser Beschädigung vielleicht nicht besonders tief tauchen, aber über Wasser wird sie nicht einmal unsere Manövrierfähigkeit beeinträchtigen.« »Wer weiß«, spöttelte Juan. »Vielleicht können wir mit diesem Loch im Heck ja sogar ganz besonders tief tauchen.« »Allerdings nur einmal«, fügte Trautman grimmig hinzu. »Ich werde weder mein noch das Leben der anderen riskieren, nur um ein oder zwei Tage zu sparen. Vor allem, wo es nicht nötig ist. Singh und ich werden morgen mit der Reparatur beginnen. Wennalle-« Bei diesem Wort sah er vor allem Argos eindringlich an.
»- mithelfen, haben wir das Leck in spätestens zwei Tagen ausgebessert.« Argos wollte widersprechen, aber Trautman brachte ihn mit einer energischen Handbewegung zum Schweigen; eigentlich das erste Mal, seit er seine wahre Identität offenbart hatte. »Ich werde darüber nicht diskutieren«, sagte er, in einem Ton, der nicht besonders laut war, aber von einer Art, die selbst Argos zum Verstummen brachte. Auf dem Gesicht des Atlanters erschien ein Ausdruck, der Mike wahrscheinlich zum Lachen gebracht hatte, wäre die Situation auch nur etwas weniger ernst gewesen. »Vielleicht haben Sie sogar Recht«, sagte Argos schließlich. Er bemühte sich sogar, so etwas wie ein verzeihendes Lächeln auf sein Gesicht zu zwingen. Aber tief in sich drinnen brodelte er vor Wut, das sah Mike seinem Gesicht deutlich an. Trotzdem fuhr Argos fort: »Wir sollten jetzt keinen Fehler begehen. Ich schlage vor, dass wir alle versuchen, noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, und uns den Schaden an der NAUTILUS morgen bei Tageslicht noch einmal genauer ansehen.« »Das ist eine gute Idee«, sagte Trautman eisig. »Wir sind alle müde und entsprechend gereizt.« Argos starrte ihn noch einen Herzschlag lang aus Augen an, die vor Zorn brannten. Aber dann nickte er nur stumm, drehte sich auf dem Absatz herum und eilte aus der Hütte. Nur einen Augenblick später folgte ihm Serena und zu Mikes insgeheimer Enttäuschung aus Astaroth. »Das wurde ja auch langsam Zeit, dass ihm mal einer die Meinung -«, begann Ben, wurde aber sofort scharf von Trautmanunterbrochen: »Es wird jetzt langsam Zeit, dass wir alle schlafen gehen«, sagte er. »Wir werden morgen über alles reden. Gute Nacht.« Ben blinzelte verdutzt und auch Mike starrte Trautman
ziemlich fassungslos an. Und aus seiner Fassungslosigkeit wurde fast so etwas wie Misstrauen, als Trautman aufstand und sich - ganz gegen das, was er gerade selbst gesagt hatte -mit einer entsprechenden Bewegung an Singh wandte: »Singh. Bitte begleite mich. Wir haben etwas zu besprechen.«
Lärm weckte ihn. Mike hatte Schwierigkeiten, richtig wach zu werden. Er fühlte sich benommen und schläfrig und an seinen Gliedern (und vor allem an denAugenlidern)schienen unsichtbare Zentnerlasten zu hängen. In seiner unmittelbaren Nähe brummte und
schnurrte etwas wie ein kleiner schnell laufender Elektromotor. Von weither hörte er aufgeregte Stimmen und die Geräusche durcheinander rennender Menschen und unter normalen Umständen hätten allein diese Laute ausgereicht, ihn wie elektrisiert aufspringen und auf der Stelle wach werden zu lassen. Aber irgendwie waren die Umstände an diesem Morgen
nicht normal. Mike gähnte, versuchte den Kopf vom Kissen zu heben und stellte fest, dass schon diese einfache Bewegung fast all seine Kraft in Anspruch nahm. Außerdem schien
irgendetwas mit dem Gewicht eines Elefantenbabys auf
seiner Brust zu liegen, was ihm das Atmen schwer machte. Mit einer zweiten, noch größeren Anstrengung schaffte er es wenigstens, die Augen zu öffnen. Helles Sonnenlicht drang in die Hütte und er spürte ganz instinktiv, dass es sehr spät war. Das Brummen, das er gehört hatte,
stammte ebenso wie das vermeintliche Zentnergewicht von einem schwarzen, haarigen Ball, der sich auf seiner Brust zusammengerollt hatte und wohlig im Schlaf schnurrte, wobei er immer wieder rhythmisch die
Krallen ausstreckte und einzog.Astaroth?dachte Mike.
Normalerweise hätte ein einziger Gedanke ausgereicht, den Kater auf der Stelle zu wecken. Heute jedoch reagierte er nicht; nicht einmal, als Mike ein zweites und drittes Mal in Gedanken nach ihm rief. Erst als er sich mit einem Ruck ganz aufsetzte, wodurch Astaroth reichlich unsanft von seiner Brust h munterbefördert wurde, öffnete der Kater erschrocken sein einziges Auge und blinzelte ihn an.
Was ist los mit dir, Schlafmütze?dachte Mike.Sprichst du jetzt gar nicht mehr mit mir?
Astaroth reagierte auch jetzt nicht. Er schüttelte benommen den Kopf und gähnte dann noch einmal so herzhaft, dass Mike sein ganzes scharfes Gebiss sehen konnte. »Findest du das lustig?«, fragte er laut. Astaroth legte den Kopf auf die Seite, sah ihn fragend an und miaute. Die Antwort in seinem Kopf, auf die Mike wartete, kam nicht. Allmählich wurde Mike ärgerlich.Also gut,dachte er.Wenn du Spielchen spielen willst, dann aber ohne mich.
Astaroth starrte ihn noch immer scheinbar vollkommen verständnislos an, aber Mike hatte keine Lust auf diese Mätzchen. Außerdem hatte er wahrlich Wichtigeres zu tun. Er hatte verschlafen und war allein in der Hütte aufgewacht - wie er annahm, hatte ihn Trautman absichtlich nicht wecken lassen, vielleicht weil er glaubte, dass Mike nach seinem Abenteuer in der vergangenen Nacht ein Anrecht auf ein wenig Ruhe hatte. Auch das wäre Mike unter normalen Umständen höchst gelegen gekommen. Aber heute ärgerte es ihn. Die Auseinandersetzung zwischen Argos und Trautman war noch lange nicht vorbei. Und er wollte dabei sein, wenn sie sich entschied. Schon weil er das sichere Gefühl hatte, dass Trautman jede Hilfe brauchen konnte.Wo sind die anderen?fragte er.Unten am Strand?Astaroth miaute fast kläglich. Mike blickte ihn mit fins