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Dannyl nickte, dann entkleidete er sich. Öffentliche Bäder waren in Imardin vor ungefähr hundert Jahren aus der Mode gekommen. Es war allenthalben bekannt, dass Bäder (und einige Dokumente behaupteten ziemlich herablassend, das Baden ebenfalls) von Sachakanern eingeführt worden waren, als sie Kyralia erobert hatten. Das Baden erfreute sich weiterhin einiger Beliebtheit, aber nicht der öffentliche Aspekt. Die Bäder der Gilde waren in private Räume unterteilt, ebenso wie die Einrichtungen in der Stadt – obwohl er gehört hatte, dass einige Badehäuser, die mit Bordellen verbunden waren, größere Becken für gemischte Gruppen besaßen.

In Elyne gab es noch immer einige öffentliche Bäder, aber Männer und Frauen benutzten sie getrennt und trugen ein züchtiges Hemd aus schwerem Tuch. Dannyl hatte sie einige Male mit Tayend besucht, als er Gildebotschafter in Elyne gewesen war. Es war gängig gewesen zu beklagen, dass die guten alten Tage des Nacktbadens vorbei waren, aber das schwere Tuch abzulegen kam dennoch niemandem in den Sinn …

Von all den anstößigeren sachakanischen Gewohnheiten – Sklaverei, schwarze Magie – sollte diese diejenige sein, an die man sich am leichtesten gewöhnen kann. Obwohl ich in Arvice nichts von öffentlichen Bädern gehört habe. Vielleicht sind sie auch in Sachaka aus der Mode geraten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie ihren Frauen erlauben, öffentlich zu baden.

Achati hatte jetzt all seine Kleider abgelegt und trat in das erste Becken. Seine dunklere Haut war plötzlich offensichtlicher, und obwohl Achati verglichen mit dem durchschnittlichen Sachakaner eher klein war, hatte er die gleichen breiten Schultern und den kräftigen Körperbau. Mit einem tiefen Atemzug streifte Dannyl die Magierrobe ab und entledigte sich seiner Hose. Er zwang sich, sich umzudrehen, zu dem Becken zu gehen und ins Wasser zu treten.

Er hatte Hitze erwartet, aber das Wasser war lauwarm. Achatis Gesichtsausdruck war neutral, als er auf eine Schale am Rand des Beckens deutete, in der sich Seifenstücke befanden. Er war umgeben von glitschigem Seifenschaum, der seinen Körper unter dem Wasser verbarg. Das Becken war groß. Reichlich Platz für sie beide – wahrscheinlich genug für vier Personen. Dannyl konzentrierte sich auf die Einzelheiten, weil er nicht allzu viel über die Tatsache nachdenken wollte, dass er sich nackt in der Gesellschaft eines Mannes befand, der angedeutet hatte, dass er sich mehr als bloße Freundschaft zwischen ihnen wünsche.

Die Seife war seltsam. Sie enthielt Sand, der Dannyl die Haut zerkratzte und rote Linien hinterließ. Als Achati aus dem Becken trat, bemerkte Dannyl, dass auf der Haut des Sachakaners keine solchen Male zu sehen waren.

Er schrubbte sich ab, dann stand er auf und folgte Achati zum nächsten Becken.

Dieses war heiß, und in die Seiten waren Sitze eingebaut. Dannyls Haut brannte aufgrund der hohen Temperatur. Achati blieb nicht lange dort, sondern ging von Becken zu Becken, bis er eines fand, von dem er erklärte, es sei das behaglichste.

»Heiß genug?«, fragte er Dannyl.

Dannyl nickte. »Sehr heiß.«

»Geht weiter ins nächste Becken. Ich werde hierbleiben. Wir können jeder eins mit Beschlag belegen und trotzdem weiterplaudern.«

Also stieg Dannyl in das nächste Becken hinunter, das angenehm warm war. »Ah, ja. Das ist das Richtige.« Er ließ sich in einer Sitznische nieder, in der er sich mühelos umdrehen konnte, um mit Achati zu reden. Obwohl er sich langsam daran gewöhnte, unbekleidet zu sein, musste er sich eine gewisse Erleichterung darüber eingestehen, dass sie jetzt durch die niedrige Wand des oberen Beckens voneinander getrennt waren.

Achati lachte leise.

»Was ist los?«, fragte Dannyl, als sein Gefährte ihm die Quelle seiner Erheiterung nicht erklärte.

Der Sachakaner lächelte schief. »Ihr. Ich dachte, Ihr würdet kehrtmachen und weglaufen.«

»Davor?« Dannyl zuckte die Achseln. »Ich gebe zu, es ist eine neue Erfahrung und keine ganz und gar behagliche.«

»Und doch habt Ihr es geschafft. Noch dazu in meiner Anwesenheit.«

Dannyl versuchte, darüber nachzudenken, wie er am besten darauf antworten sollte, aber bevor es ihm gelang, sprach Achati weiter.

»Ihr habt Euch sehr geschickt darin erwiesen, mich auf Armeslänge von Euch fernzuhalten.«

Auch darauf fiel Dannyl keine kluge Erwiderung ein. »Ach ja?«, brachte er heraus.

»Ja. Es war ein gerissener Schritt, Tayend zu bitten, uns zu begleiten.«

Dannyl richtete sich überrascht und entrüstet auf. »Ich habe Tayend nicht gebeten mitzukommen.« Er runzelte die Stirn. »Auf diese Idee ist er ganz allein gekommen.«

Achati zog die Augenbrauen hoch. Dann sah er Dannyl nachdenklich an. »Ich denke, ich glaube Euch.«

»Es ist wahr«, sagte Dannyl und versuchte, mit mäßigem Erfolg, nicht gekränkt zu klingen. »Obwohl es auch wahr ist, dass ich Euch auf Armeslänge von mir ferngehalten habe.«

»Warum?«

Dannyl wandte den Blick ab und seufzte. »Konsequenzen. Sich widersprechende Loyalitäten. Dergleichen Dinge.«

»Ich verstehe«, sagte Achati leise. Er schwieg eine Weile, dann stand er plötzlich auf und stieg in Dannyls Becken. Nachdem er sich gesetzt hatte, stieß er einen tiefen Seufzer aus. »So ist es besser.« Dann sah er Dannyl an. »Ihr macht Euch wegen der falschen Dinge Sorgen, Botschafter Dannyl.«

Dannyl blickte Achati in die Augen. »Tue ich das?«

»Ja. Meine Loyalität gilt zuerst Sachaka und meinem König.« Achatis Augen blitzten. »Eure gilt Kyralia, Eurem König, der Gilde und den Verbündeten Ländern – wenn auch nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge. Nichts wird jemals etwas daran ändern, und nichts sollte etwas daran ändern.« Er lächelte dünn. »Betrachtet es einmal so: Falls mein König mir befehlen sollte, Euch zu töten, würde ich gehorchen. Ohne zu zögern.«

Dannyl starrte den Mann an. Achatis Augen waren hart und seine Miene herausfordernd. Er meint ernst, was er sagt, aber andererseits – würde ich nicht das Gleiche tun, sollten wir zu Feinden werden? Vermutlich. Ich hätte ein schlechtes Gefühl deswegen, aber … wie wahrscheinlich ist das? Er schob diesen Gedanken beiseite. Eines stimmt allerdings: Ich hätte ein schlechtes Gefühl deswegen, ganz gleich wie nah wir uns stünden, und es ist nicht so, als könnten wir jemals etwas tun, das andere an unserer Loyalität zweifeln ließe – wir können zum Beispiel keine Kinder bekommen oder heiraten …

Es war nicht so, als wollte Achati überhaupt irgendeine Bindung. Ausnahmsweise einmal gefiel ihm das. Obwohl Dannyl eigentlich entsetzt über das Eingeständnis des Mannes sein sollte, dass er ihn töten würde, falls er den Befehl dazu bekäme … war es auch seltsam erregend.

»Also … Ihr würdet nicht zögern? Nicht einmal ein klein wenig?«, fragte er.

Achati lächelte, stieß sich von der Wand ab und bewegte sich in die Mitte des Beckens.

»Nun, vielleicht ein klein wenig. Ihr könntet hierherkommen und mich davon überzeugen, wie lange ich zögern sollte.«

Mit einem leisen Lachen angesichts der Einladung seines Freundes rutschte Dannyl ebenfalls in die Mitte des Beckens. Für einige Herzschläge sahen sie einander an. Die Zeit schien stehen zu bleiben.

Dann erstarrten beide, als vom Eingang des Badehauses gedämpfte Stimmen erklangen. Sie rückten hastig auseinander und standen auf, damit sie sehen konnten, wer sich dort näherte. Dannyl war erleichtert festzustellen, dass die Tür noch immer geschlossen war.

Die Stimmen verstummten, dann erklang ein Klopfen an der Tür. Achati sah Dannyl an, und sein Ärger war befriedigend offenkundig. »Ich habe den Sklaven den Befehl gegeben, uns auf keinen Fall zu stören, es sei denn, es wäre dringend.«

»Dann solltet Ihr besser herausfinden, was los ist«, erwiderte Dannyl.