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Und doch ärgerte ihn der Gedanke an die Abreise auch. So vieles war noch ungetan. Wenn niemand sie in die Schranken wies, würden Robert und sein Rat von Memmen und Schmeichlern das Reich an den Bettelstab bringen… oder schlimmer noch, das Reich als Zahlung für ihre Kredite an die Lannisters verkaufen. Und die Wahrheit über Jon Arryns Tod blieb ihm nach wie vor verschlossen. Oh, er hatte ein paar Hinweise gefunden, die reichten, um ihn davon zu überzeugen, daß Jon tatsächlich ermordet worden war, doch war das nicht mehr als eine Spur von Tieren auf dem Waldboden. Das Tier selbst hatte er noch nicht gesehen, auch wenn er ahnte, daß es da war und lauerte, verborgen, hinterhältig.

Plötzlich fiel ihm ein, daß er per Schiff nach Winterfell heimkehren konnte. Ned war kein Seemann, und normalerweise hätte er die Kingsroad vorgezogen, doch wenn er ein Schiff nahm, konnte er in Dragonstone haltmachen und mit Stannis Baratheon sprechen. Pycelle hatte einen Raben übers Meer geschickt, mit einem freundlichen Brief von Ned, in dem Lord Stannis gebeten wurde, seinen Sitz im Kleinen Rat wieder einzunehmen. Bisher war keine Antwort gekommen, doch schürte das Schweigen nur seinen Argwohn. Lord Stannis kannte das Geheimnis, weshalb Jon Arryn hatte sterben müssen, dessen war er sicher. Die Wahrheit, die er suchte, mochte sehr wohl in der alten Inselfestung des Hauses Targaryen auf ihn warten.

Und wenn du es weißt, was dann? Manche Geheimnisse sollten lieber im verborgenen bleiben. Manche Geheimnisse sind zu gefährlich, um sie jemandem anzuvertrauen, selbst jenen, die man liebt und denen man vertraut. Ned zog den Dolch, den Catelyn ihm gebracht hatte, aus seiner Scheide am Gürtel. Das Messer des Gnoms. Warum sollte der Zwerg Brans Tod wollen? Sicher, um ihn zum Schweigen zu bringen. Ein weiteres Geheimnis oder nur ein anderer Faden derselben Spinnweben?

Konnte Robert daran beteiligt sein? Das wollte er nicht glauben, doch früher hätte er auch nicht gedacht, daß Robert den Mord an Frauen und Kindern befehlen würde. Catelyn hatte ihn gewarnt. Ihr kanntet den Mann, hatte sie gesagt. Der König ist Euch ein fremder. Je eher er King's Landing hinter sich ließ, desto besser. Falls am Morgen ein Schiff gen Norden fuhr, wäre es gut, an Bord zu sein.

Noch einmal rief er Vayon Poole zu sich und schickte ihn zum Hafen, um Erkundigungen einzuholen, still, aber eilig.»Sucht mir ein Schiff mit einem erfahrenen Kapitän«, erklärte er dem Haushofmeister.»Die Größe der Kabinen oder die Güte seiner Ausstattung interessiert mich nicht, sofern es schnell und sicher ist. Ich möchte umgehend reisen.«

Kaum war Poole gegangen, als Tomard einen Besucher ankündigte.»Lord Baelish möchte Euch sprechen, M'lord.«

Ned fühlte sich versucht, ihn abzuweisen, doch überlegte er es sich noch einmal. Er war noch nicht frei. Bis er es wäre, mußte er ihre Spielchen spielen.»Er mag eintreten, Tom.«

Lord Petyr schlenderte in das Solar, als sei an jenem Morgen nichts vorgefallen. Er trug ein samtenes Schlitzwams, silberund cremefarben, einen grauen Seidenumhang, mit schwarzem Fuchs besetzt, und sein übliches Hohngrinsen.

Ned begrüßte ihn kalt.»Darf ich nach dem Grund Eures Besuches fragen, Lord Baelish?«

«Ich will Euch nicht lange aufhalten, ich bin auf dem Weg zum Essen bei Lady Tanda. Neunaugenpastete und geröstetes Ferkel. Sie würde mich gern mit ihrer jüngeren Tochter verheiraten, daher ist ihr Tisch stets auf erstaunliche Weise gedeckt. Wenn ich die Wahrheit sagen sollte, würde ich lieber das Ferkel heiraten, aber sagt es ihr nicht. Ich liebe Neunaugenpastete.«

«Ich will Euch nicht von Euren Aalen abhalten, Mylord«, erwiderte Ned mit eisiger Verachtung.»Im Moment würde mir niemand einfallen, dessen Gesellschaft ich weniger suche als Eure.«

«Oh, ich bin mir sicher, wenn Ihr diesem Gedanken etwas Raum ließet, würden Euch so einige Namen einfallen. Varys zum Beispiel. Cersei. Oder Robert. Seine Majestät ist sehr erzürnt. Er hat noch einige Zeit von Euch gesprochen, nachdem Ihr heute morgen gegangen wart. Die Worte Dreistigkeit und Undankbarkeit scheinen mir in Erinnerung geblieben zu sein.«

Ned machte sich nicht die Mühe, darauf etwas zu antworten. Ebensowenig bot er seinem Gast einen Stuhl an, doch nahm Littlefinger dennoch Platz.»Nachdem Ihr hinausgestürmt wart, war es an mir, ihn davon zu überzeugen, daß er nicht die Männer ohne Gesicht engagiert«, fuhr er munter fort.»Statt dessen will er denjenigen, der die Targaryen erwischt, zum Lord ernennt.«

Ned war angewidert.»Also verleihen wir die Titel schon an Meuchelmörder.«

Littlefinger zuckte mit den Achseln.»Titel sind billig. Die Männer ohne Gesicht sind teuer. Wenn ich die Wahrheit sagen soll, habe ich dieser Targaryen mehr Gutes getan als Ihr mit Eurem Gerede von Ehre. Laßt doch irgendeinen Söldner, benommen vom Traum, ein Lord zu werden, den Versuch wagen, sie zu töten. Wahrscheinlich wird er es verderben, und danach werden die Dothraki auf der Hut sein. Wenn wir ihr die Männer ohne Gesicht schicken, ist sie so gut wie begraben.«

Ned legte seine Stirn in Falten.»Ihr sitzt im Rat und redet von häßlichen Frauen und stählernen Küssen, und jetzt erwartet Ihr von mir, daß ich Euch glaube, Ihr hättet versucht, das Mädchen zu schützen? Für wie dumm haltet Ihr mich eigentlich?«

«Nun, für ziemlich dumm, ehrlich gesagt«, antwortete Littlefinger lachend darauf.

«Findet Ihr Mord immer so amüsant, Lord Baelish?«

«Nicht den Mord finde ich amüsant, Lord Stark, sondern Euch. Dir herrscht wie ein Mann, der auf brüchigem Eis tanzt. Ihr gebt sicher ein edles Klatschen ab. Ich meine, heute morgen das erste Knacken gehört zu haben.«

«Das erste und letzte«, sagte Ned.»Ich habe genug.«»Wann gedenkt Ihr, nach Winterfell zurückzukehren, Mylord?«

«Sobald ich kann. Was geht es Euch an?«

«Nichts… doch falls Ihr zufällig bei Einbruch der Dunkelheit noch hier sein solltet, würde ich Euch gern zu diesem Bordell führen, das Euer Jory so erfolglos besucht hat. «Littlefinger lächelte.»Und ich würde auch Lady Catelyn nichts davon erzählen.«

Catelyn

«Mylady, Ihr hättet uns Nachricht über Euer Kommen senden sollen«, erklärte Ser Donnel Waynwood, als ihre Pferde den Paß erklommen.»Wir hätten Euch eine Eskorte gesandt. Die Bergstraße ist nicht mehr so sicher, wie sie einmal war, für eine kleine Gesellschaft wie die Eure.«

«Das mußten wir zu unserem Bedauern feststellen, Ser Donnel«, sagte Catelyn. Manchmal fühlte sie sich, als sei ihr Herz zu Stein geworden. Sechs tapfere Männer waren gefallen, um sie so weit zubringen, und sie fand in sich nicht einmal Tränen. Selbst ihre Namen verblaßten.»Dieser Stamm hat uns bei Tag und Nacht zugesetzt. Drei Mann haben wir beim ersten Angriff verloren, zwei weitere beim zweiten, und Lannisters Diener starb am Fieber, als seine Wunden eiterten. Als wir Eure Männer hörten, dachte ich, unser Schicksal sei endgültig besiegelt. «Sie hatten sich auf eine letzte Schlacht vorbereitet, mit den Klingen in Händen und den Rücken am Fels. Der Zwerg hatte die Schneide seiner Axt gewetzt und einen bösen Scherz gemacht, als Bronn das Banner entdeckte, das die Reiter trugen, Mond und Falke des Hauses Arryn, himmelblau und weiß. Nie war Catelyn dieser Anblick willkommener gewesen.

«Die Stämme sind dreister geworden, seit Ser Jon tot ist«, sagte Ser Donnel. Er war ein stämmiger Mann von zwanzig Jahren, ernst und unscheinbar, mit breiter Nase und einem dicken Schöpf von braunem Haar.»Wenn es nach mir ginge, würde ich hundert Mann in die Berge führen, sie aus ihren Befestigungen holen und ihnen ein paar scharfe Lektionen erteilen, aber Eure Schwester hat es verboten. Sie wollte ihren Rittern nicht einmal erlauben, im Turnier der Hand zu kämpfen. Sie will alle Schwerter nah ans Haus binden, um das Tal zu verteidigen… wogegen, dessen ist sich niemand sicher.

Schatten, sagen manche. «Unsicher sah er sie an, als erinnerte er sich plötzlich daran, wer ihm gegenüberstand.»Ich hoffe, es stand mir zu, so zu sprechen, Mylady, ich wollte Euch nicht kränken.«