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«Offene Worte kränken mich nicht, Ser Donnel. «Catelyn wußte, was ihre Schwester fürchtete. Nicht Schatten, sondern Lannisters, dachte sie bei sich und blickte dorthin zurück, wo der Zwerg an Bronns Seite ritt. Die beiden waren dicke Freunde geworden, seit Chiggen tot war. Der kleine Mann war durchtriebener, als ihr recht sein konnte. Als sie in die Berge aufstiegen, war er ihr Gefangener gewesen, gefesselt und hilflos. Was war er jetzt? Noch immer ihr Gefangener, doch ritt er mit einem Dolch am Gürtel und einer Axt am Sattel, trug den Umhang aus Schattenfell, den er beim Würfeln vom Sänger gewonnen hatte, und die Halsberge aus Ketten, die er Chiggens Leiche abgenommen hatte. Jeweils zwanzig Männer flankierten den Zwerg und den Rest ihrer zerlumpten Bande, Ritter und Soldaten in Diensten ihrer Schwester Lysa und Jon Arryns kleinem Sohn, und bisher zeigte Tyrion nicht den Anflug von Furcht. Könnte ich mich täuschen? fragte sich Catelyn nicht zum ersten Mal. Sollte er am Ende unschuldig sein, was Bran anging, und Jon und alles andere? Und falls er es wäre, was dann? Sechs Männer waren gefallen, um ihn hierherzubringen.

Entschlossen schob sie ihre Zweifel beiseite.»Wenn wir Eure Burg erreichen, wäre ich Euch dankbar, wenn Ihr umgehend Maester Colemon rufen lassen würdet. Ser Rodrik fiebert von seinen Wunden. «Mehr als einmal hatte sie gefürchtet, daß der tapfere, alte Ritter die Reise nicht überleben würde. Zum Ende hin konnte er kaum noch auf seinem Pferd sitzen, und Bronn hatte sie gedrängt, ihn seinem Schicksal zu überlassen, doch davon wollte Catelyn nichts hören. Statt dessen hatte man ihn an seinem Sattel festgebunden, und sie hatte Marillion, dem Sänger, befohlen, auf ihn achtzugeben.

Ser Donnel zögerte, bevor er antwortete.»Lady Lysa hat dem Maester befohlen, allzeit auf der Eyrie zu bleiben, um für Lord Robert zu sorgen«, sagte er.»Wir haben einen Septon am Tor, der sich um unsere Verwundeten kümmert. Er kann sich mit den Nöten Eures Ritters beschäftigen.«

Catelyn hatte mehr Vertrauen in die Gelehrtheit eines Maesters als in die Gebete eines Septons. Das wollte sie eben sagen, als sie die Zinnen vor sich sah, lange Brüstungen, die direkt in den Stein des Berges gehauen waren, welcher zu beiden Seiten aufragte. Dort, wo der Paß zu einem engen Hohlweg wurde, der kaum breit genug war, daß vier Männer nebeneinander reiten konnten, klammerten sich zwei Wachtürme an den Felshang, dazu eine überdachte Brücke aus verwittertem, grauem Stein, die sich über der Straße wölbte. Stille Mienen beobachteten sie von Turm, Zinnen und Brücke aus. Als sie fast ganz hinaufgestiegen waren, ritt ihnen ein Ritter entgegen. Sein Pferd und seine Rüstung waren grau, doch sein Umhang trug das gewellte Blaurot von Riverrun, und ein schwarz schimmernder Fisch, umrahmt von Gold und Obsidian, war an seine Schulter geheftet.»Wer will das Bluttor passierten?«rief er.

«Ser Donnel Waynwood mit Lady Catelyn Stark und ihren Begleitern«, antwortete der junge Ritter.

Der Ritter der Pforte hob sein Visier.»Ich dachte schon, die Dame sähe vertraut aus. Du bist fern der Heimat, kleine Cat.«

«Ihr auch, Onkel«, antwortete sie und lächelte allem zum Trotz, was sie durchgemacht hatte. Diese heisere, rauchige Stimme zu hören, führte sie zwanzig Jahre zurück, in die Tage ihrer Kindheit.

«Meine Heimat siehst du in meinem Rücken«, sagte er barsch.

«Eure Heimat ist in meinem Herzen«, erklärte Catelyn ihm.»Nehmt Euren Helm ab, ich will in Euer Gesicht sehen.«

«Die Jahre haben es nicht verschönert, wie ich fürchte«, sagte Brynden Tully, doch als er seinen Helm abnahm, sah Catelyn, daß er gelogen hatte. Seine Züge waren faltig und wettergegerbt, und die Zeit hatte das Kastanienbraun aus seinem Haar gewaschen und nur Grau zurückgelassen, doch das Lächeln war dasselbe, und die buschigen Augenbrauen, fett wie Raupen, und das Lachen in seinen tiefblauen Augen.»Wußte Lysa, daß du kommen würdest?«

«Es blieb keine Zeit, die Nachricht vorauszuschicken«, erklärte Catelyn. Die anderen kamen hinter ihr heran.»Ich fürchte, wir reiten dem Sturm voraus, Onkel.«

«Dürfen wir das Grüne Tal betreten?«fragte Ser Donnel. Die Waynwoods waren von jeher Freunde der Zeremonie gewesen.

«Im Namen Robert Arryns, Lord über die Eyrie, Verteidiger des Grünen Tales und Wahrer Wächter des Ostens, heiße ich Euch einzutreten und fordere Euch auf, den Frieden zu achten«, erwiderte Ser Brynden.»Kommt.«

Und so ritt sie hinter ihm, unter dem Schatten des Bluttores hindurch, an dem sich ein Dutzend Armeen im Zeitalter der Helden aufgerieben hatten. Auf der anderen Seite der Steine öffneten sich die Berge plötzlich zu einer Aussicht auf grüne Felder, blauen Himmel und schneebedeckte Gipfel, die ihr den Atem nahm. Das Grüne Tal von Arryn nahm ein Bad im Morgenlicht.

Es breitete sich vor ihnen zum dunstigen Osten hin aus, einem friedlichen Land von reichem, schwarzem Boden, breiten, langsam fließenden Flüssen und Hunderten kleiner Seen, die wie Spiegel in der Sonne glitzerten, von allen Seiten durch Gipfel geschützt. Weizen und Mais und Gerste wuchsen hoch auf den Feldern, und selbst in Highgarden waren die Kürbisse nicht größer und die Früchte nicht süßer als hier. Sie standen am westlichen Ende des Tales, wo die Bergstraße über den letzten Paß führte und ihren kurvigen Abstieg in das

Tiefland zwei Meilen darunter nahm. Hier war das Tal schmal, nicht breiter als einen halben Tagesritt, und die Berge im Norden schienen so nah, daß Catelyn nach ihnen greifen zu können glaubte. Über allem ragte der zerklüftete Gipfel namens Giant's Lance auf, ein Berg, zu dem selbst Berge aufblickten, dessen Gipfel sich im eisigen Nebel dreieinhalb Meilen über dem Erdboden verloren. Über seine massive Westschulter floß der gespenstische Sturzbach von Alyssas Tränen. Selbst noch aus der Ferne konnte Catelyn den glitzernden Silberfaden vor dem dunklen Stein ausmachen. Als ihr Onkel sah, daß sie angehalten hatte, brachte er sein Pferd näher heran.»Dort ist es, neben Alyssas Tränen. Von hier aus sieht man nur hin und wieder etwas Weiß aufblitzen, wem man genau hinsieht und die Sonne die Mauer genau richtig trifft.«

Sieben Türme, hatte Ned ihr erklärt, wie weiße Dolche im Bauch des Himmels, so hoch, daß man auf den Zinnen stehen und auf die Wolken herabsehen kann.»Wie lang ist der Ritt?«fragte sie.

«Bei Einbruch der Dunkelheit können wir am Berg sein«, sagte Onkel Bryden,»nur der Aufstieg wird uns noch einen Tag kosten.«

Ser Rodrik Cassel meldete sich von weiter hinten.»Mylady«, sagte er,»ich fürchte, ich kann heute nicht mehr reiten. «Sein Gesicht hing herab, eingerahmt vom zottigen, nachgewachsenen Backenbart, und er sah so erschöpft aus, daß Catelyn schon fürchtete, er könne gleich vom Pferd fallen.

«Und das solltet Ihr auch nicht«, sagte sie.»Ihr habt alles getan, worum ich Euch hätte bitten können, und hundertmal noch mehr. Mein Onkel wird mich den Rest des Weges zur Eyrie geleiten. Lannister muß mit mir kommen, doch gibt es keinen Grund, daß Ihr und die anderen nicht hier ausruhen und zu neuen Kräften kommen solltet.«

«Wir würden uns geehrt fühlen, sie als Gäste aufzunehmen«, sagte Ser Donnel mit der feierlichen Höflichkeit der Jugend. Neben Ser Rodrik waren nur Bronn, Ser Willis Wode und Marillion, der Sänger, von der Gesellschaft geblieben, die mit ihr vom Wirtshaus am Kreuzweg ausgeritten waren.

«Mylady«, sagte Marillion und ritt vor.»Ich bitte Euch, erlaubt mir, Euch zur Eyrie begleiten zu dürfen, um das Ende der Geschichte zu erleben, nachdem ich den Beginn gesehen habe. «Der Junge klang verhärmt, und dennoch seltsam entschlossen. Fiebriger Glanz lag in seinen Augen.

Catelyn hatte den Sänger nicht gebeten, mit ihnen zu reiten.

Diese Wahl hatte er selbst getroffen, und wie es kam, daß er die Reise überlebte, während so viele tapfere Männer tot und unbestattet hinter ihnen lagen, das konnte sie nicht sagen. Doch war er da, mit struppigem Bart, der ihn fast wie einen Mann aussehen ließ. Vielleicht schuldete sie ihm etwas dafür, daß er so weit gekommen war.»Also gut«, erklärte sie.