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«Auch ich begleite Euch«, verkündete Bronn. Das gefiel ihr weit weniger. Ohne Bronn hätte sie das Tal nie erreichen können, das wußte sie. Der Söldner war der wildeste Streiter, den sie je gesehen hatte, und sein Schwert hatte ihr gute Dienste geleistet. Aber trotz alledem mißfiel Catelyn dieser Mann. Mut hatte er, und Kraft, doch war keine Güte in ihm, und nur wenig Treue. Und allzuoft hatte sie ihn an Lannisters Seite reiten sehen, flüsternd und lachend über irgendeinen vertraulichen Scherz. Es wäre ihr lieber gewesen, ihn hier und jetzt vom Zwerg zu trennen, aber nun, da sie eingewilligt hatte, daß Marillion mit zur Eyrie kommen durfte, sah sie keine kultivierte Möglichkeit, dasselbe Recht Bronn zu verwehren.»Wie Ihr wollt«, sagte sie, wobei ihr auffiel, daß er sie nicht eigentlich um Erlaubnis gebeten hatte.

Ser Willis blieb bei Ser Rodrik und einem Septon mit sanfter Stimme, der sich ihrer Wunden annahm. Auch ihre Pferde blieben zurück, arme, zerzauste Viecher. Ser Donnel versprach,

Vögel zur Eyrie und den Toren des Mondes mit der Ankündigung ihres Besuches vorauszuschicken. Frische Tiere wurden aus den Ställen geholt, eine standfeste Bergrasse mit struppigem Fell, und nach einer Stunde schon machten sie sich wieder auf den Weg. Catelyn ritt neben ihrem Onkel, als sie den Abstieg ins Tal begannen. Dahinter kamen Bronn, Tyrion Lannister, Marillion und sechs von Bryndens Männern.

Erst als sie ein Drittel des Bergpfades hinabgestiegen waren, weit außer Hörweite der anderen, wandte sich Brynden Tully ihr zu und sagte:»Nun, Kind. Erzähl mir von deinem Sturm.«

«Ich bin schon viele Jahre kein Kind mehr, Onkel«, sagte Catelyn, doch erzählte sie es ihm nichtsdestotrotz. Es dauerte länger, als sie geglaubt hätte, das alles zu berichten, von Lysas Brief und Brans Sturz, dem Dolch des Attentäters und Littlefinger und ihrem zufälligen Zusammentreffen mit Tyrion Lannister im Wirtshaus am Kreuzweg.

Ihr Onkel lauschte schweigend, und schwere Brauen warfen ihre Schatten, während seine Miene immer düsterer wurde. Schon immer hatte Brynden Tully zuhören können… jedem, nur nicht ihrem Vater. Er war Lord Hosters Bruder, fünf Jahre jünger, doch die beiden bekriegten einander schon, solange sich Catelyn erinnern konnte. Während eines lauten Streites, als Catelyn acht Jahre war, hatte Lord Hoster Brynden» das schwarze Schaf der Tully-Herde «genannt. Lachend hatte Brynden darauf hingewiesen, daß das Familiensiegel eine springende Forelle zeige, so daß er eher ein schwarzer Fisch als ein schwarzes Schaf sein sollte, und von jenem Tag an hatte er das als sein persönliches Wappen angenommen.

Der Streit endete erst an dem Tag, als sie und Lysa heirateten. Während der Hochzeitsfeier hatte Brynden seinem Bruder erklärt, er ginge nach Riverrun, um Lysa und ihrem neuen Ehemann, dem Lord über die Eyrie, zu dienen. Seither hatte Lord Hoster den Namen seines Bruders nie mehr ausgesprochen, nach allem, was Edmure ihr in seinen

unregelmäßigen Briefen berichtete.

Dennoch war es während Catelyns Kindheit stets Brynden Blackfish gewesen, zu dem Lord Hosters Kinder mit ihren Tränen und Geschichten liefen, wenn Vater zu beschäftigt und Mutter zu krank war. Catelyn, Lysa, Edmure… und, ja, sogar Petyr Baelish, das Mündel ihres Vaters.. ihnen allen hatte er geduldig zugehört, wie er auch jetzt zuhörte, hatte über ihre Triumphe gelacht und bei ihren kindlichen Mißgeschicken mitgelitten.

Als sie fertig war, blieb ihr Onkel lange Zeit still, während sein Pferd den steilen, steinigen Pfad hinabstieg.»Dein Vater muß Nachricht erhalten«, sagte er schließlich.»Falls die Lannisters marschieren sollten, ist Winterfell fern und das Grüne Tal hinter seinen Bergen abgeschottet, doch Riverrun liegt auf ihrem Weg.«

«Ich hatte dieselbe Sorge«, räumte Catelyn ein.»Ich werde Maester Colemon bitten, einen Vogel zu schicken, sobald wir auf der Eyrie sind. «Sie hatte noch andere Nachrichten zu senden. Die Befehle, die Ned ihr für seine Vasallen gegeben hatte, um die Befestigungen des Nordens bereitzumachen.»Wie ist die Stimmung im Tal?«

«Verbittert«, gab Brynden Tully zu.»Lord Jon war sehr beliebt, und man empfand es als tiefe Kränkung, daß der König Jaime Lannister ein Amt übertrug, das die Arryns fast dreihundert Jahre ausgeübt haben. Lysa hat uns befohlen, ihren Sohn den Wahren Wächter des Ostens zu nennen, doch davon läßt sich niemand täuschen. Ebenso fragt sich deine Schwester nicht allein, wie die Hand zu Tode gekommen ist. Niemand wagt zu behaupten, daß Jon ermordet wurde, nicht offen, doch der Verdacht wirft einen langen Schatten. «Er sah Catelyn an, mit schmalem Mund.»Und dann ist da der Junge.«

«Der Junge? Was ist mit ihm?«Sie zog den Kopf ein, als sie unter einem niedrigen Felsüberhang hindurch und um eine

scharfe Biegung ritt.

Die Stimme ihres Onkels klang sorgenvoll.»Lord Robert«, seufzte er.»Sechs Jahre alt, kränklich, und er neigt zum Weinen, wenn man ihm seine Puppen nimmt. Jon Arryns rechtmäßiger Erbe, bei allen Göttern, doch gibt es manchen, der sagt, er wäre zu schwach, um den Platz seines Vaters einzunehmen. Nestor Royce war in den vergangenen vierzehn Jahren Haushofmeister, während Lord Jon in King's Landing diente, und viele flüstern, er solle weiter regieren, bis der Junge volljährig wird. Andere meinen, Lysa solle wieder heiraten, und zwar bald. Schon jetzt sammeln sich die Freier wie Krähen auf einem Schlachtfeld. Die Eyrie ist voll von ihnen.«

«Das hätte ich mir denken können«, sagte Catelyn. Es konnte nicht verwundern. Lysa war noch jung, und das Königreich von Berg und Grünem Tal war eine hübsche Mitgift.»Will Lysa sich neu vermählen?«

«Sie ist nicht abgeneigt, vorausgesetzt, sie fände einen Mann, der ihr gefällt«, sagte Brynden Tully,»nur hat sie Lord Nestor und ein Dutzend geeigneter Männer bereits abgewiesen. Sie schwört, daß diesmal sie selbst ihren Hohen Gatten wählt.«»Das kann man ihr kaum zum Vorwurf machen. «Ser Brynden schnaubte.»Und das will ich auch nicht, aber… mir scheint, Lysa spielt die Brautwerbung nur. Ihr gefällt es, aber ich glaube, deine Schwester beabsichtigt, selbst zu herrschen, bis der Junge alt genug ist, um nicht nur dem Namen nach Lord über die Eyrie zu sein.«

«Eine Frau kann ebenso weise regieren wie ein Mann«, sagte Catelyn.

«Die richtige Frau kann es«, erwiderte ihr Onkel mit einem Seitenblick.»Täusche dich nicht, Cat. Lysa ist nicht wie du. «Er zögerte einen Augenblick.»Wenn ich die Wahrheit sagen soll, so fürchte ich, wirst du deine Schwester nicht als so… hilfreich erleben, wie du es gern hättest.«

Sie war verblüfft.»Was meint Ihr damit?«»Die Lysa, die aus King's Landing heimkehrte, ist nicht dieselbe Lysa, die in den Süden zog, als ihr Mann die Rechte Hand des Königs wurde. Jene Jahre waren hart für sie. Das mußt du wissen. Jon Arryn war ein pflichtbewußter Ehemann, doch fußte ihre Ehe auf Politik, nicht auf Leidenschaft.«

«Ganz wie die meine.«

«Sie begannen gleich, doch deine Ehe endete glücklicher als die deiner Schwester. Zwei Kinder totgeboren, doppelt so viele Fehlgeburten, Lord Arryns Tod… Catelyn, die Götter haben Lysa nur dieses eine Kind geschenkt, und der Junge ist alles, wofür deine Schwester nun lebt, der Ärmste. Kein Wunder, daß sie lieber geflohen ist, als zuzusehen, wie er den Lannisters übergeben wird. Deine Schwester fürchtet sich, Kind, und am meisten fürchtet sie die Lannisters. Sie floh ins Grüne Tal, stahl sich wie ein Dieb in der Nacht aus dem Red Keep fort, und alles nur, um ihren Sohn dem Maul des Löwen zu entreißen… und nun bringst du den Löwen direkt vor ihre Tür.«

«In Ketten«, wandte Catelyn ein. Ein tiefer Bergspalt gähnte zu ihrer Rechten, stürzte in die Finsternis hinab. Sie hielt ihr Pferd und suchte sich vorsichtig Schritt für Schritt den Weg.