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«Ach?«Dir Onkel warf einen Blick dorthin zurück, wo Tyrion Lannister ihnen langsam folgte.»Ich sehe eine Axt an seinem Sattel, einen Dolch an seinem Gürtel und einen Söldner, der ihm wie ein hungriger Schatten folgt. Wo sind seine Ketten, süßes Kind?«

Unruhig rutschte Catelyn auf ihrem Sattel herum.»Der Zwerg ist hier, und nicht aus freien Stücken. Ketten oder nicht, er ist mein Gefangener. Lysa wird ihn für seine Verbrechen ebenso dringend verhören wollen wie ich. Es war ihr eigener Mann, den die Lannisters ermordet haben, und ihr eigener Brief, der uns vor ihnen gewarnt hat.«

Brynden Blackfish schenkte ihr ein müdes Lächeln.»Ich hoffe, du hast recht, Kind«, seufzte er mit einem Unterton, der sagte, daß sie unrecht hatte.

Die Sonne stand schon weit im Westen, als die Steigung unter den Hufen ihrer Pferde flacher wurde. Die Straße wurde breiter und gerade, und die ersten wilden Blumen und Gräser fielen Catelyn auf. Als sie die Talsohle erreichten, kamen sie schneller voran und machten Zeit gut, galoppierten durch grüne Wälder und verschlafene, kleine Weiler, an Obstgärten und goldenen Weizenfeldern vorüber, spritzten durch ein Dutzend sonnenbeschienener Bäche. Ihr Onkel schickte ihnen einen Standartenträger voraus, an dessen Stock ein Doppelbanner flatterte, oben Mond und Falke des Hauses Arryn, und darunter sein eigener schwarzer Fisch. Karren von Bauern und Händlern und Reiter von niederer Geburt machten Platz, um sie passieren zu lassen.

Dennoch war es dunkel, bis sie die stämmige Burg am Fuß des Giant's Lance erreichten. Fackeln flackerten auf ihren Zinnen, und der gehörnte Mond tanzte in den dunklen Fluten des Burggrabens. Die Zugbrücke war oben und die Fallgitter waren unten, doch Catelyn sah Licht im Wachhaus und in den Fenstern der eckigen Türme dahinter.

«Die Tore des Mondes«, sagte ihr Onkel, als die ganze Gesellschaft zum Halten kam. Sein Bannerträger ritt an den Burggraben heran, um die Männer im Wachhaus zu begrüßen.»Lord Nestors Sitz. Er dürfte uns erwarten. Sieh hinauf.«

Catelyn hob ihren Blick weiter und immer weiter. Anfangs sah sie nur Steine und Bäume, die drohende Masse großer Berge, von Nacht umhüllt, schwarz wie ein sternenloser Himmel. Dann bemerkte sie den Schimmer ferner Feuer weit über ihnen, einen Wehrturm, in die steile Seite des Berges gehauen, und die Lichter starrten wie orangefarbene Augen von oben herab. Darüber war noch ein anderer, höher und ferner, und ein dritter noch um so weiter oben, kaum mehr als ein glimmender Funke am Himmel. Und schließlich, dort oben, wo die Falken flogen, blitzte etwas Weißes im Mondlicht auf. Schwindel überkam sie, als sie zu den fahlen Türmen aufblickte, so weit in der Höhe.

«Die Eyrie«, hörte sie Marillion staunend murmeln. Die scharfe Stimme Tyrion Lannisters mischte sich ein.»Die Arryns dürften über Besuch nicht sonderlich erfreut sein. Falls Ihr vorhabt, uns in der Dunkelheit diesen Berg erklimmen zu lassen, wäre es mir lieber, wenn Ihr mich gleich hier unten töten würdet.«

«Wir bleiben über Nacht hier und beginnen den Aufstieg am Morgen«, erklärte ihm Brynden.

«Ich kann es kaum erwarten«, erwiderte der Zwerg.»Wie kommen wir dort hinauf? Ich habe keine Erfahrung im Ziegenreiten.«

«Maultiere«, sagte Brynden lächelnd.

«Es sind Stufen in den Berg gehauen«, sagte Catelyn. Ned hatte davon gesprochen, als er von seiner Jugendzeit erzählte, die er mit Robert Baratheon und Jon Arryn hier verbracht hatte. Ihr Onkel nickte.»Es ist zu dunkel, um sie zu sehen, aber es gibt Stufen. Zu steil und schmal für Pferde, aber Maulesel sind ihnen auf dem größten Teil des Weges gewachsen. Am Weg wachen drei kleine Burgen, Stone und Snow und Sky. Die Maultiere bringen uns bis zu Sky hinauf.«

Zweifelnd blickte Tyrion Lannister auf.»Und danach?«

Brynden lächelte.»Danach ist der Weg selbst für Maulesel zu steil. Wir klettern den Rest des Weges zu Fuß. Oder vielleicht wäre es Euch lieber, in einem Korb hinaufzufahren. Die Eyrie klammert sich über Sky an den Berg, und in ihren Kellern gibt es sechs große Winden mit langen Eisenketten, an denen man Vorräte von unten heraufzieht. Falls es Euch lieber wäre, Mylord von Lannister, könnte ich es für Euch einrichten, daß Ihr mit Brot und Bier und Äpfeln hinauffahrt.«

Der Zwerg stieß bellendes Gelächter aus.»Wenn ich ein

Kürbis wäre«, sagte er.»Nur wäre mein Vater zweifellos höchst ungehalten, wenn seinen Sohn, einen Lannister, das Schicksal einer Ladung Rüben ereilte. Wenn Ihr zu Fuß hinaufgeht, so fürchte ich, werde auch ich es tun müssen. Wir Lannisters haben einen gewissen Stolz.«

«Stolz?«fuhr Catelyn ihn an. Sein spöttischer Unterton und der lässige Gestus erbosten sie.»Mancher würde es Arroganz nennen. Arroganz und Habsucht und Machtgier.«

«Mein Bruder ist ohne Zweifel arrogant«, erwiderte Tyrion Lannister.»Mein Vater ist die Seele der Habsucht, und meine liebreizende Schwester giert mit jedem Atemzug nach Macht. Ich hingegen bin unschuldig wie ein kleines Lamm. Soll ich für Euch blöken?«Er grinste.

Knarrend kam die Zugbrücke herunter, bevor sie etwas erwidern konnte, und sie hörten das Klirren geölter Ketten, als das Fallgitter hochgezogen wurde. Soldaten trugen brennende Fackeln heraus, um ihnen zu leuchten, und ihr Onkel führte sie über den Burggraben. Lord Nestor Royce, Haushofmeister im Grünen Tale und Hüter der Tore des Mondes, wartete auf dem Hof, um sie zu begrüßen, inmitten seiner Ritter.»Lady Stark«, sagte er und verneigte sich. Er war ein massiger Mann mit faßförmigem Oberkörper, und seine Verbeugung wirkte unbeholfen.

Catelyn stieg ab und stellte sich vor ihn.»Lord Nestor«, grüßte sie zurück. Sie kannte den Mann nur seinem Ruf nach. Er war Bronze Johns Vetter, aus einem unbedeutenderen Zweig des Hauses Royce, doch dennoch ein ernstzunehmender, selbständiger Lord.»Wir hatten eine lange und ermüdende Reise. Ich würde Euch gern um Gastlichkeit unter Eurem Dach ersuchen, wenn ich darf.«

«Mein Dach ist Euer, Mylady«, antwortete Lord Nestor barsch,»nur hat Eure Schwester, die Lady Lysa, Nachricht von der Eyrie herabgesandt. Sie wünscht Euch umgehend zu sehen.

Eure Begleiter werden hier untergebracht und am frühen Morgen hinaufgeschickt.«

Ihr Onkel schwang sich von seinem Pferd.»Wozu der Irrsinn?«sagte er schroff. Brynden Tully war nie dafür bekannt gewesen, seine Zunge im Zaum zu halten.»Ein Nachtaufstieg, wobei der Mond nicht einmal voll am Himmel steht? Selbst Lysa sollte wissen, daß es eine Einladung zum Genickbruch ist.«

«Die Maultiere kennen den Weg, Ser Brynden. «Ein drahtiges Mädchen von siebzehn oder achtzehn Jahren trat neben Lord Nestor. Ihr dunkles Haar war kurz und gerade geschnitten, und sie trug lederne Reitkleider und ein leichtes Hemd aus versilberten Ketten. Sie verneigte sich vor Catelyn, anmutiger als ihr Lord.»Ich verspreche Euch, Mylady, es wird Euch nichts geschehen. Es wäre mir eine Ehre, Euch hinaufzugeleiten. Ich habe den dunklen Aufstieg schon oft hinter mich gebracht. Mychel sagt, mein Vater muß ein Ziegenbock gewesen sein.«

Sie klang so großspurig, daß Catelyn lächeln mußte.»Hast du einen Namen, Kind?«

«Mya Stone, wenn es Euch beliebt, Mylady«, sagte das Mädchen.

Es beliebte ihr nicht. Catelyn hatte alle Mühe, ihr Lächeln auf dem Gesicht zu halten. Stone war im Grünen Tal der Name für Bastarde, wie es Snow im Norden und Flowers in Highgarden war. Jedes der Sieben Königslande hatte der Sitte nach einen eigenen Nachnamen für Kinder, die ohne Namen geboren waren. Catelyn hatte nichts gegen dieses Mädchen, doch plötzlich mußte sie an Neds Bastard auf der Mauer denken, und dieser Gedanke stimmte sie gleichzeitig böse und schuldbewußt. Sie rang um Worte für eine Erwiderung.

Lord Nestor füllte die Stille.»Mya ist ein kluges Mädchen, und wenn sie verspricht, Euch sicher zur Lady Lysa zu bringen,

dann glaube ich ihr. Bisher hat sie mich noch nie enttäuscht.«

«Dann gebe ich mich in deine Hände, Mya Stone«, befand Catelyn.»Lord Nestor, ich übertrage Euch die Aufgabe, gut über meinen Gefangenen zu wachen.«